Die Schule war sicher zu keiner Zeit ein Ort des reinen Vergnügens, wie E. Müller (1990) treffend feststellt. Doch in den letzten Jahrzehnten haben sich auch die Erwartungen der Eltern und Lehrer an die Kinder verändert. Die Sorgen der Eltern um den Arbeitsplatz und das zukünftige Wohlergehen machen auch vor den Kindern nicht halt. Um ihnen später gute berufliche Perspektiven zu ermöglichen, verlangen viele Eltern hohe Leistungen in Form von „guten“ oder „sehr guten“ Noten von ihren Kindern. Gleichzeitig wird kindgemäßes Verhalten wie Bewegungsdrang oder Ablenkbarkeit immer weniger toleriert und im Vergleich zu früheren Jahrzehnten schneller pathologisiert. Doch diese hohen Leistungsanforderungen, bei gleichzeitig zunehmend schlechteren Lernbedingungen, aufgrund von immer größeren Klassen, weniger Lehrern, etc., gehen tatsächlich an vielen Schülern nicht spurlos vorüber. Dies zeigt sich zunächst vielleicht offen in Angst vor Klassenarbeiten oder allgemeiner Schulangst. Doch bestehen solche durch Überforderung verursachten Ängste längerfristig, führt das zu einer seelischen Dauerspannung, die bald weitreichende und schwerwiegende Auswirkungen hat.
Auf der Verhaltensebene zeigen sich offene oder versteckte Aggressionen, Depressionen, Hyperaktivität, Konzentrationsschwäche oder andere problematische Verhaltens weisen wie übermäßiger Konsum von Süßigkeiten oder gar Alkohol oder Drogen. Ein anderer Weg über den sich die Daueranspannung nach außen hin zeigt, sind psychosomatische Beschwerden oder Erkrankungen, als Zeichen der Überforderung. So haben bereits viele Schüler Kopfschmerzen, Migräne, Magen- Darmbeschwerden oder Schlafstörungen.
llein die Tatsache, dass viele Schüler psychosomatische Beschwerden haben, sollte zu denken geben. Doch verschärft wird die Problematik noch dadurch, dass diese Symptome häufig - unterstützt durch Eltern, Lehrer und Ärzte – mit verschiedenen Medikamenten „behandelt“ werden. Diese Tendenz zum „ lockeren Griff zur Tablette“ ist in mehrfacher Hinsicht bedenklich. Zum einen können die Medikamente z.T. noch ungeklärte Auswirkungen auf die weitere körperliche oder psychische Entwicklung des Kindes haben, insbesondere deshalb, da Kinder aufgrund ihres im Vergleich zu Erwachsenen geringeren Körpergewichts leicht Überdosierungen erhalten. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Autogenes Training bei Schulschwierigkeiten: Möglichkeiten und Grenzen
3 Indikationen
3.1 Allgemeine Indikationen
3.2 Spezifische Indikationen
3.2.1 Schlafstörungen
3.2.2 Bettnässen
3.2.3 Allergien
4 Kontraindikationen
5 Das Gruppentraining
5.1 Die Zusammensetzung der Gruppe
5.2 Das Gruppenklima
6 Das Üben zuhause
6.1 Die Übungsmodalitäten
6.2 Die einzelnen Übungseinheiten
7 Die Rolle der Eltern
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz des Autogenen Trainings (AT) bei Kindern und Jugendlichen zur Bewältigung von schulbedingtem Stress, psychosomatischen Beschwerden und Verhaltensauffälligkeiten, wobei der Fokus auf der kindgerechten Vermittlung und den notwendigen Rahmenbedingungen liegt.
- Anwendung von Entspannungsverfahren im Kindesalter
- Indikationen und Kontraindikationen des Autogenen Trainings
- Didaktik und methodische Gestaltung von Gruppentrainings für Kinder
- Integration des häuslichen Übens in den Familienalltag
- Elternarbeit und die Förderung der kindlichen Eigenverantwortung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Schlafstörungen
Schlafstörungen nehmen auch unter Kindern immer stärker zu. Bevor jedoch das AT zur Behandlung eingesetzt wird, sollten die Schlafgewohnheiten des Kindes überprüft werden. Manchmal kann bereits durch deren Veränderung Abhilfe geschaffen werden (z.B. regelmäßige Zubettgehzeiten, im Bett nicht mehr fernsehen). Falls dies jedoch nicht zum Erfolg führt, wird mit dem Kind zunächst der Normalablauf des AT trainiert.
Die abendliche Übung wird dann ohne Zurücknahme und Stirnübung, durchgeführt. Stattdessen lässt das Kind die Übung mit folgender Vorsatzformel ausklingen: Ich schlafe die ganze Nacht ruhig durch
Kinder, die bei Schafstörungen nachts das Bett der Mutter aufsuchen, können auch die Formel Ich schlafe allein in meinem Bett verwenden.
Für Kinder, die unter nächtlichen Alpträumen leiden, kann die Vorsatzformel Ich schlafe ruhig und ohne Angst hilfreich sein. Bei allen diesen Formeln wird eine negative Formulierung (Ich liege nachts nicht mehr wach) bewusst vermieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Überforderung und den Leistungsdruck bei Kindern in der modernen Schule und stellt das Autogene Training als Methode zur Stressbewältigung vor.
2 Autogenes Training bei Schulschwierigkeiten: Möglichkeiten und Grenzen: Dieses Kapitel erläutert, wie durch die Kombination aus einer Minderung externaler Stressfaktoren und der Förderung internaler Selbstregulation durch AT ein gesünderer Umgang mit Schulstress erreicht werden kann.
3 Indikationen: Das Kapitel beschreibt das breite Wirkungsspektrum des AT und differenziert zwischen allgemeinen Anwendungsbereichen bei Unruhe oder Ängsten und spezifischen Formeln für körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Bettnässen oder Allergien.
4 Kontraindikationen: Hier werden die wenigen absoluten sowie die häufigeren relativen Ausschlusskriterien für die Teilnahme an einem AT-Kurs, wie etwa das Alter oder mangelnde Motivation, erörtert.
5 Das Gruppentraining: Der Fokus liegt hier auf den sozialen Vorteilen des Gruppentrainings, der Auswahl der Teilnehmer sowie der Gestaltung eines entspannten, leistungsdruckfreien Gruppenklimas.
6 Das Üben zuhause: Das Kapitel betont die Notwendigkeit des regelmäßigen häuslichen Übens und gibt praktische Tipps für die Gestaltung von Übungsorten und -zeiten.
7 Die Rolle der Eltern: Hier wird die Gratwanderung zwischen notwendiger Unterstützung und der Förderung von Selbstständigkeit durch die Eltern sowie der Umgang mit überprotektivem Verhalten thematisiert.
Schlüsselwörter
Autogenes Training, Kinder, Stressbewältigung, Entspannungsverfahren, Schulschwierigkeiten, Psychosomatik, Gruppenarbeit, Elternarbeit, Selbstregulation, Schlafstörungen, Bettnässen, Leistungsdruck, Eigenverantwortung, Kursleitung, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Autogenen Trainings als Methode zur Stressprävention und -bewältigung bei Kindern im schulischen und familiären Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Vermittlung von Entspannungstechniken an Kinder, die Gruppendynamik, die Bedeutung des häuslichen Übens und die Einbindung der Eltern in den Prozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder durch Autogenes Training lernen können, ihre eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen und mit Belastungssituationen wie Leistungsdruck gelassener umzugehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung psychologischer Interventionsmethoden unter Bezugnahme auf etablierte Fachliteratur zur Anwendung des Autogenen Trainings bei Kindern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Indikationen, methodische Überlegungen zum Gruppentraining, die Bedeutung der häuslichen Praxis sowie die notwendige Kooperation mit den Eltern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Autogenes Training, Kindheit, Schulstress, psychosomatische Gesundheit, Gruppenpädagogik und elterliche Unterstützung charakterisiert.
Ab welchem Alter ist Autogenes Training für Kinder sinnvoll?
Biermann gibt als Erfahrungswert ein Mindestalter von etwa 10 Jahren an, da in diesem Alter wichtige Voraussetzungen wie das Körperschema und die Konzentrationsfähigkeit ausreichend entwickelt sind.
Warum ist die Einbindung der Eltern bei Bettnässen problematisch?
Hier besteht die Gefahr der Beschämung des Kindes; daher sollte das Thema im Gruppengespräch ausgeklammert und stattdessen in einem vertraulichen Einzelgespräch mit dem Kind besprochen werden.
Wie sollten Störungen durch einzelne Kinder im Kurs behandelt werden?
Störungen sollten zunächst durch strategische Platzwahl im Stuhlkreis (z.B. Blickkontakt mit dem Kursleiter) oder durch klärende Gespräche gelöst werden, bevor ein Ausschluss als letzte Konsequenz in Betracht gezogen wird.
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- Anja Riese (Author), 2003, Autogenes Training mit Kindern - Möglichkeiten und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45831