Die größten Volkswirtschaften der Welt befanden sich seit Ende der 60er Jahre bis etwa Ende der 80er Jahre in einem Umfeld mit unerwünscht hohen Inflationsraten. Die Ursachen dieser hohen Preissteigerungsraten waren – unter anderem – externe Schocks wie der Ölpreisschock von 1973. Die Folge waren nicht nur direkte Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau, sondern auch eine expansivere Geldpolitik um durch kurzfristige Phillips-Kurven Effekte die Wirkung der Schocks auf die Wirtschaft abzufangen. Dies führte zu steigenden Inflationsraten, welche durch eine lange undurchbrochenen Preis-Lohnspirale eine starke Persistenz besaßen.
Die Erfahrungen dieser Hochinflations-Periode haben die Zielsetzungen der heutigen Geldpolitik stark geprägt und dazu geführt, dass Preisniveaustabi-lität heute das primäre Ziel der Zentralbanken der führenden Industrienationen ist. Dieses Ziel wurde in den letzten Jahren sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone erreicht. Dass geringe Inflationsraten jedoch auch Gefahren bürgen, hat das Beispiel Japans Anfang der 90er Jahre gezeigt. Nachdem die Grund-stückspreis-Blase der späten 80er Jahre geplatzt war, geriet Japan in eine Rezession mit gleichzeitiger Deflation. Die Geldpolitik war nicht im Stande dieser Situation angemessen zu begegnen und die Wirtschaft zu beleben. Die Folge war eine lang anhaltende, sich verschlimmernde Rezession und weiter fallende Preise. Die 90er Jahre werden heute als das verloren Jahrzehnt Japans bezeichnet. Angesichts niedriger Inflationsraten in den USA und der Euro-Zone und der zunehmenden Globalisierung stellt sich die Frage, wie hoch die Gefahr ist, dass auch diese Wirtschaftsräume in eine Deflation geraten. Wei-terhin ist es keineswegs unumstritten, wie stark die realen Kosten einer Deflation tatsächlich sind. Die Konsequenzen in Japan waren sicherlich schwerwiegend, man muss jedoch beachten, dass die schwierige Lage, in der sich das Land noch immer befindet, durch eine ganze Reihe verschiedener Faktoren, wie z.B. einem maroden Finanzsektor, verursacht wurde.
Ziel dieser Arbeit ist es, Kosten und Ursachen einer Deflation zu beschrieben, sowie einige Vorschläge aus der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion zur Deflations-Bekämpfung vorzustellen.
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung
3 Kosten der Deflation
3.1 Kosten der Inflation
3.1.1 Verzerrung von Relativpreisen
3.1.2 Nominale Rigiditäten
3.1.3 Störungen in einem progressiven Steuersystem
3.1.4 Direkte Transaktionskosten
3.1.5 Einkommensumverteilung
3.2 Kosten unerwarteter Disinflation
3.3 Kosten der Deflation
3.3.1 Kosten durch Lohnstarrheiten
3.3.2 Ursachen von Lohnstarrheiten
3.3.3 Das Modell von Akerlof, Dickens und Perry
3.3.4 Die Untersuchung von Coenen
4 Ursachen der Deflation
5 Geldpolitische Konsequenzen
5.1 Maßnahmen zur Bekämpfung von Deflation
5.1.1 Das Modell von Buiter
5.2 Die Wirkung der Geldpolitik auf die aggregierte Nachfrage
5.2.1 Die Effekte einer Zinssenkung auf die aggregierte Nachfrage
5.2.2 Effekte einer angekündigten zukünftigen Zinssenkung
5.2.3 Abwertung der Währung
5.2.4 Offenmarkt Geschäfte
5.2.5 Beurteilung der Vorschläge von OW, MC, SV
5.2.6 Fiskalpolitische Ansätze
5.3 Maßnahmen zur Vermeidung von Deflation
6 Zusammenfassung
7 Nebenrechnungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Kosten und Ursachen von Deflation und analysiert geldpolitische Strategien zu deren Bekämpfung sowie Vermeidung, wobei insbesondere die Problematik der Null-Untergrenze des Nominalzinses und Lohnstarrheiten im Fokus stehen.
- Kostenanalyse von Inflation und Deflation sowie unerwarteter Disinflation.
- Untersuchung der Ursachen von Lohnstarrheiten und deren Auswirkungen.
- Modellierung geldpolitischer Optionen zur Belebung der aggregierten Nachfrage.
- Analyse fiskalpolitischer Lösungsansätze in einer Deflationsphase.
- Evaluation von Strategien zur Deflationsvermeidung durch Zentralbanken.
Auszug aus dem Buch
3.3 Kosten der Deflation
Bei Deflation kommt es zu einem Phänomen, welches Irving Fisher als „debt deflation“. Dabei steigt die reale Schuldenlast durch das Absinken des Preisniveaus an und es entstehen die gleichen Probleme, wie bei nicht antizipierter Disinflation. Es wurde bereits erwähnt, dass es bei nicht vollständig antizipierter Deflation außerdem zu einer Umverteilung von Vermögen von Schuldnern zu Gläubigern kommt. Die Gewinne letzterer werden jedoch die Verluste der Schuldner nicht komplett aufwiegen, da die den Krediten zugrunde liegenden Sicherheiten an Wert verlieren. Dieser Effekt ist dann besonders ausgeprägt, wenn eine Deflation mit einem Absinken von Assetpreisen einhergeht (ITO[2004]). Besonders gefährlich ist dies für Volkswirtschaften, mit instabilen Finanzsystemen. In einem Umfeld mit überschuldeten Haushalten und unterkapitalisierten Banken, welche sich starken Belastungen durch Kreditausfälle ausgesetzt sehen, kann eine einsetzende Deflation eine weitere Verschlechterung der Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte verursachen (BERNANKE[2003]). Allerdings ist Bernanke der Ansicht, dass sowohl der Zustand der Haushalte, als auch der Unternehmen in den USA alles andere als instabil sei und eine kurzfristige, geringe Deflation kaum negative Effekte für das US-amerikanische Finanzsystem hätte.
Zusammenfassung der Kapitel
2 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Übergang von Hochinflationsperioden zu Preisniveaustabilität und identifiziert Deflation als neue potenzielle Gefahr für Industrienationen.
3 Kosten der Deflation: Dieses Kapitel analysiert theoretische Kosten der Deflation, insbesondere unter dem Aspekt der Lohnstarrheit und ökonomischer Modelle wie dem von Akerlof, Dickens und Perry.
4 Ursachen der Deflation: Das Kapitel erläutert, wie Angebots- und Nachfrageschocks zu Deflationserscheinungen führen können und welche Rolle das Vertrauen der Konsumenten dabei spielt.
5 Geldpolitische Konsequenzen: Hier werden verschiedene Instrumente der Geld- und Fiskalpolitik zur Bekämpfung einer Liquiditätsfalle und Deflation detailliert evaluiert.
6 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Deflation ein vermeidbares makroökonomisches Missmanagement darstellt und das Preisniveaustabilität spezifische Risiken birgt.
Schlüsselwörter
Deflation, Inflation, Geldpolitik, Fiskalpolitik, Lohnstarrheit, Null-Untergrenze, Liquiditätsfalle, Preisniveaustabilität, Zentralbank, Rezession, aggregierte Nachfrage, Modell von Buiter, Fisher-Gleichung, Taylor-Regel, Konjunkturzyklus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen, volkswirtschaftlichen Kosten und geldpolitischen Handlungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit Deflationserscheinungen in modernen Industrienationen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themenfelder sind die Auswirkungen nominaler Rigiditäten, die Bedeutung der Lohnstarrheit, die Funktionsweise der Geldpolitik an der Null-Untergrenze des Zinses und der Vergleich verschiedener fiskalpolitischer Strategien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, wie eine Volkswirtschaft Deflation vermeiden oder bekämpfen kann, wenn traditionelle Instrumente der Geldpolitik aufgrund der Null-Untergrenze des Nominalzinses ihre Wirkung verlieren.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zur Anwendung?
Es werden verschiedene ökonomische Modelle (z.B. nach Buiter oder Akerlof, Dickens und Perry) analysiert, formal hergeleitet und anhand von Simulationen sowie empirischen historischen Daten evaluiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der Kosten von Inflation und Deflation, gefolgt von einer Untersuchung der Ursachen und einer Evaluierung geldpolitischer und fiskalischer Gegenmaßnahmen, inklusive der Rolle von Wechselkursinterventionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Deflationsspirale, Liquiditätsfalle, Lohnstarrheit, geldpolitisches Missmanagement und Preisniveaustabilität maßgeblich geprägt.
Wie bewertet der Autor den Einfluss von Lohnstarrheiten in einer Deflation?
Der Autor argumentiert, dass Lohnstarrheiten in einer Deflation zu ineffizienter, permanenter Arbeitslosigkeit führen, da Reallohnanpassungen durch Nominallohnsenkungen oft institutionell oder sozial verhindert werden.
Welche fiskalpolitischen Ansätze werden zur Bekämpfung der Deflation diskutiert?
Diskutiert werden klassische Ansätze wie die Erhöhung der Staatsausgaben sowie modernere Vorschläge, etwa eine stetige Erhöhung der Mehrwertsteuer, um intertemporale Konsumanreize zu schaffen.
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- Falk Scherzer (Author), 2005, Deflation; Kosten, Ursachen und geldpolitische Konsequenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45839