Design zum kleinen Preis. Können Budget-Designhotels hochpreisige Luxus-Designhotels in Zukunft ersetzen?

Entstehung und Entwicklung touristischen Reiseverhaltens


Hausarbeit, 2017
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Luxus-Designhotels
2.1. Das Konzept von Luxus-Designhotels
2.2. Anfänge und Entwicklung von Luxus-Designhotels

3. Budget-Designhotels
3.1. Das Konzept von Budget-Designhotels
3.2. Der Erfolg von Budget-Designhotels
3.3. Die Hotelkette 'Motel One' als Beispiel

4. Gegenüberstellung von Luxus- und Budget-Designhotels

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die Reiseintensität der Deutschen hat in den vergangenen 60 Jahren erheblich zugenommen. Während im Jahr 1954 gerade mal ein Viertel der Deutschen eine Urlaubsreise unternommen hat, die mindestens fünf Tage dauerte, waren es 1978 schon über die Hälfte aller Deutschen und 2013 unternahmen bereits fast 80 Prozent eine mehrtägige Reise (siehe Abbildung 1).1 Zudem ist es üblich geworden, dass die Deutschen nicht mehr nur eine Haupturlaubsreise pro Jahr unternehmen, sondern gleich mehrere Reisen zusätzlich antreten (siehe Abbildung 2).2 Je häufiger gereist wird, desto öfter wird auch in Hotels eingecheckt. Im Jahr 1995 wurde in Deutschland rund 94.000 mal in Hotels übernachtet, zehn Jahre später waren es schon über 120.000

Übernachtungen und zwanzig Jahre später fast 167.000 (siehe Abbildung 3).3

Hotelübernachtungen sind für die meisten Touristen also schon lange keine Besonderheit mehr. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Trend in der Hotellerie zu immer individuelleren und gestalterisch ausgefalleneren Hotels geht, nämlich den sogenannten Designhotels. Die Tatsache, dass die meisten Hotelgäste heute wesentlich mehr Reiseerfahrungen gesammelt haben als noch vor einigen Jahrzehnten, lässt auch ihre Ansprüche an Hotels steigen. Sie erwarten nicht nur mehr gute Serviceleistungen, sondern auch ein stilvolles Ambiente und sehnen sich vor allem nach einem einzigartigen Erlebnis, wenn sie ein Hotel besuchen.4

„Consequently, there is an active movement to avoid the mainstream in favour of personalisation and unique experiences.“.5

Luxuriöse Designhotels versuchen die Erwartungen dieser Hotelgäste zu erfüllen, indem sie sich durch ansprechende Designkonzepte von standardisierten Hotels abgrenzen. Entsprechend hoch sind auch die Preise für Zimmer in Designhotels. Die Durchschnittspreise können bis zu 80 Prozent höher sein als die Preise konventioneller Hotels.6 Seit ihrer Anfänge in den neunziger Jahren erfreuen sich Luxus-Designhotels dennoch an wachsender Beliebtheit, da viele Touristen bereit sind höhere Preise zu zahlen, solange sie ein besonderes Designerlebnis dafür geboten bekommen. Nichtsdestotrotz scheint die Zielgruppe für hochpreisige Hotels sehr gering zu sein, denn eine Befragung des Hotelbuchungsportals HRS aus dem Jahr 2011 ergab, dass gerade einmal 2,7 Prozent der Befragten bereit wären bis zu 200 Euro für eine Hotelübernachtung auszugeben. Knapp 40 Prozent wünschen sich dagegen Hotelzimmerpreise, die die 50-Euro-Marke nicht übersteigen (siehe Abbildung 4).7

Es lässt sich also festhalten, dass es einerseits einen Trend zu designorientierten Hotels gibt, andererseits auch einen Trend zu günstigen Hotelzimmerpreisen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich daraus ein neues Hotelkonzept, das diese beiden beschriebenen Trends miteinander vereint und Übernachtungen in Designhotelzimmern zu sehr niedrigen Preisen ermöglicht. Sogenannte Budget-Designhotels setzen ebenfalls auf optisch ansprechende Designs, sind dabei aber auch noch günstig. Wie genau es ihnen gelingt, die Preise so viel niedriger zu halten als die zuvor beschriebenen Luxus- Designhotels und welche Parallelen und Unterschiede beide Konzepte aufweisen, soll im Verlauf dieser Hausarbeit geklärt werden.

Da Budget-Designhotels zu wesentlich bezahlbareren Preisen augenscheinlich fast alles bieten, was auch luxuriöse Designhotels bieten, kann die Hypothese aufgestellt werden, dass sie die teuren Designhotels nach und nach vom Markt verdrängen werden. Daher widmet sich die vorliegende Arbeit der Forschungsfrage „Design zum kleinen Preis – Können Budget-Designhotels hochpreisige Luxus-Designhotels in Zukunft ersetzen?“.

Zunächst soll der Fokus auf Luxus-Designhotels gelegt werden, um dann im Anschluss das Konzept der Budget-Designhotels näher zu betrachten. Dieses wird anhand des Beispiels der Budget-Hotelkette „Motel One“ verdeutlicht. Die Ergebnisse zu Luxus- Designhotels und Budget-Designhotels sollen im Fazit einander gegenüber gestellt werden, um zu guter Letzt eine Antwort auf die Forschungsfrage zu finden.

2. Luxus-Designhotels

Als Pionier der Designhotellerie kann der Amerikaner Ian Schrager gesehen werden, der in den achtziger Jahren das allererste Designhotel in New York eröffnete. Das ‚Morgans Hotel’ in New York legte erstmals den Fokus auf Design und sollte mit seiner stilvollen Einrichtung eine Wohlfühlatmosphäre erzeugen. 8 Schnell erkannten auch andere Hoteliers das Potenzial von Designhotels, sodass aus einem anfänglichen Nischenprodukt schon bald ein globales und vor allem profitables Phänomen wurde.9

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Designhotels nicht nur als Designhotels, sondern auch als Boutique- oder Lifestyle-Hotels bezeichnet. Unter Boutiquehotels fallen in der Regel kleinere Hotels, die keiner großen Hotelkette angehören und sich auf hochklassiges Interieur und Design spezialisieren. Lifestyle-Hotels wiederum richten sich mit ihren Designs an eine bestimmte Zielgruppe, die eine ähnliche Lebenseinstellung teilen. Allgemein lässt sich also feststellen, dass es zwar feine Unterschiede zwischen Design-, Boutique- und Lifestyle-Hotels gibt, sie aber aufgrund ihrer Designorientierung generell alle zum gleichen Hoteltypus gezählt werden können.10

2.1. Das Konzept von Luxus-Designhotels

Das Ziel von Luxus-Designhotels ist die Betonung ihrer jeweiligen Einzigartigkeit. Durch eine harmonisch aufeinander abgestimmte Einrichtung mit extravaganten Details soll eine klare Abgrenzung zu standardisierten Hotels kreiert werden. Das Design ist daher das Herzstück eines jeden Luxus-Designhotels und schlägt sich in seinen physischen Gegebenheiten nieder, also in seinen Farbkombinationen, Einrichtungsgegenständen und Technologien. Aber auch der Servicegedanke spielt in das Designkonzept mit hinein. Die Kombination aus dem stilvollen Ambiente und ausgezeichnetem Service soll sich nach Möglichkeit positiv auf die Emotionen der Hotelgäste auswirken und eine neuartige und erlebniszentrierte Hotelerfahrung schaffen.11

Das Designkonzept eines Luxus-Designhotels kann zum Beispiel an ein bestimmtes Thema, an einen berühmten Künstler oder Architekten oder die Stadt, in der sich das Hotel befindet, angelehnt sein. Immer wechselnde Inspirationsquellen tragen zu einem erhöhten Individualitätsfaktor bei. 12 Sogar die einzelnen Hotelzimmer eines Luxus- Designhotels können unterschiedlich gestaltet worden sein, sodass ein Hotelgast auch noch nach mehreren Besuchen von ein und demselben Hotel nach wie vor überrascht wird.13

Gerade für Luxus-Designhoteliers ist es wichtig, ihre Zielgruppe bestens zu verstehen und deren Wünsche nachzuvollziehen, um Designkonzepte genau auf sie abstimmen zu können. Denn nur auf diese Weise können sie ihre Hotelgäste emotional an sich binden und höhere Preise aufrufen.14 Da es gerade für Luxus-Designhotels wichtig ist, immer modern zu bleiben und mit dem Trend zu gehen, müssen sie wesentlich öfter renoviert werden als konventionelle Hotels.15 Die dabei auftretenden Kosten können nur gedeckt werden, wenn die Hotelgäste von Designhotels auch zur Zahlung höherer Hotelzimmerpreise bereit sind.

2.2. Anfänge und Entwicklung von Luxus-Designhotels

Als Ian Schrager im Jahr 1984 das luxuriöse Designhotel ‚Morgans’ in New York eröffnete, läutete er eine neue Ära der Hotellerie ein. Zuvor hatte er bereits den New Yorker Nachtclub ‚Studio 54’ eröffnet und brachte seine dabei gesammelten Erfahrungen in sein neues, unkonventionelles Hotelkonzept ein. Dadurch erhielt das ‚Morgans’-Hotel einen gewissen Entertainment-Charakter wie er sonst nur in Nachtclubs vorzufinden war.16 Sein unverwechselbares Design hat das Hotel der Französin Andrée Putman zu verdanken, die zwar bis dato kaum Erfahrungen als Innendesignerin gesammelt hatte, aber vermutlich gerade deswegen frischen Wind in das Designkonzept des ‚Morgans’ Hotel brachte. Aus diesem Grund engagierte Ian Schrager bewusst sie als Innendesignerin seines Hotels, wie er in einem Interview erklärt:

„(...) I thought that working with Andrée would give me the competitive advantage by definition, because she never did anything here before. So I would come up with a new look, a new way, new approach. And that's always been something that interested me, it was always my approach.“17

Als weitere Pioniere der Designhotellerie können Anouska Hempel und Bill Kimpton gesehen werden, die ebenfalls in den Siebzigern und Achtzigern eindrucksvolle Designhotels entwarfen.18 Anouska Hempel zum Beispiel eröffnete im Jahr 1978 das ‚Blakes’ Hotel in London, welches zu den ersten Luxus-Boutiquehotels der Welt zählt und als Vorbild für viele weitere diente.19 Genauso auch das Hotel ‚Bedford’ in San Francisco, das vom Investmentbanker Bill Kimpton im Jahr 1981 eröffnet wurde. Er legte Wert darauf, dass jedes Hotelzimmer individuell gestaltet wurde und schuf eine gesellige Atmosphäre in der Hotellobby, indem er dort eine kostenlose Weinverkostung am Abend einführte.20

Luxus-Designhotels wie die von Ian Schrager, Anouska Hempel oder Bill Kimpton stellten sich schnell als sehr erfolgreich heraus und immer mehr Hoteliers entschlossen sich dazu den Trend mitzugehen, da ihnen klar wurde, dass man mit Designhotels wesentlich höhere Zimmerpreise aufrufen konnte.21 Eine qualitative Studie aus dem Jahr 2011, bei der Luxushotelgäste befragt wurden, hat ergeben, dass eine gestalterisch ansprechende Aufmachung eines Hotels am ehesten zu einer erhöhten Ausgabebereitschaft beiträgt.22 Daher liegen auch die meisten Designhotels im höheren Preissegment.

[...]


1 Vgl. Wiegand, Guido; Schrader, Rolf; Lohmann, Martin (2014): RA 2014. ERSTE ERGEBNISSE. Auszug aus der Präsentation zur PK am 05.03.2014. ITB Berlin. Unter: http://www.fur.de/fileadmin/user_upload/RA_2014/ITB_2014/RA2014_Praesentationscharts-Auswahl.pdf (Stand: 24.11.2016) S. 2

2 Vgl. ITB Academy (2015): Urlaubsreisetrends in der FUR Reiseanalyse 2015. FUR Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Unter: http://www.itb- berlin.de/media/itb/itb_dl_de/itb_itb_berlin/itb_itb_academy/RA2015_ITB_webinar_GE_1130am.pdf (Stand: 24.11.2016) S. 10

3 Vgl. Statistisches Bundesamt (2016): Ankünfte und Übernachtungen von Gästen in Beherbergungsbetrieben. Unter: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/BinnenhandelGastgewerbeTourismus/Touri smus/Tabellen/AnkuenfteUebernachtungenBeherbergung.html (Stand: 24.11.2016)

4 Vgl. McKenney, Sue (2014): The boutique and lifestyle hotel report 2014. Hotel Analyst. In association

with Boutique Hotel news. Unter: http://hotelanalyst.co.uk/wp- content/uploads/sites/2/BHR%202014%20sample.pdf (Stand: 16.11.2016) S. 14

5 Ebd. S. 14

6 Vgl. Muecke, Harald (08.02.2010): Lifestylehotels. Hotel Asset Management. Unter:http://hotelassetmanagement.de/blog/?p=678 (Stand: 16.11.2016)

7 Vgl. HRS (2011): Maximale geplante Ausgaben für Hotelzimmer pro Nacht im Jahr 2012. Statista. Unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/214614/umfrage/maximale-geplante-ausgaben-fuer- hotelzimmer/ (Stand: 17.11.2016)

8 Vgl. Funke, Caroline; Gerhard, Stephan (2008): Design- und Boutiquhehotels. In: Romeiss-Stracke, Felizitas: TourismusArchitektur. Baukultur als Erfolgsfaktor. Erich Schmidt Verlag. Berlin. S. 82

9 Vgl. Wirtnik, Günther Christian (2006): Corporate Identity als ein Instrument zur Gestaltung eines stimmigen Designhotels. In: MCI Management Center Innsbruck: Beiträge von AbsolventInnen des MCI Tourismus zu Entrepreneurship, Marketing und Destinationsmanagement. STUDIA Univ.-Verlag. Innsbruck. S. 1

10 Vgl. Funke, Caroline; Gerhard, Stephan (2008). S. 82 ff.

11 Vgl. Wirtnik, Günther Christian (2006). S. 2

12 Vgl. Muecke, Harald (08.02.2010): Lifestylehotels.

13 Vgl. Anhar, Lucienne (13.12.2001): The Definition of Boutique Hotels. HVS International. Unter: http://www.hospitalitynet.org/news/4010409.html (Stand: 16.11.2016)

14 Vgl. Timmermann, John; Yu, Daniela (05.09.2014): From Economy to Luxury, What Matters Most to Hotel Guests. Gallup. Unter: http://www.gallup.com/businessjournal/175568/economy-luxury-matters- hotel-guests.aspx (Stand: 16.11.2016)

15 Vgl. Funke, Caroline; Gerhard, Stephan (2008): Design- und Boutiquhehotels. S. 83

16 Vgl. Munsters, Will; Freund des Klumbis, Daniela (2006): Culture as a component of the hospitality product. In: Leslie, David; Sigala, Marianna: International Cultural Tourism. Management, Implications and Cases. Routledge. Oxford. S. 34

17 Schrager, Ian (23.03.2016): Interview geführt von Marcus Fairs. "I called Isozaki and woke him up. I didn't know there was a 13-hour time difference". Dezeen. Unter: https://www.dezeen.com/2016/03/23/ian- schrager-interview-morgans-hotels-nightclubs-arata-isozaki-philippe-starck-herzog-de-meuron/ (Stand: 01.12.2016)

18 Vgl. Penner, Richard H.; Adams, Lawrence; Robson, Stephani K. A. (2013): Design Hotels. Hotel Design - Planning and Development. Second Edition. Routledge. New York. S. 53

19 Vgl. Price, David Julian (03.03.2015): Anouska Hempel’s Grand Designs. The Huffington Post. Unter:http://www.huffingtonpost.co.uk/david-julian-price/anouska-hempel_b_6790342.html (Stand: 01.12.2016)

20 Vgl. Klara, Robert (28.09.2011): Boutique Chic. As the big chains move in, boutique-hotel brands reveal their secrets to staying eclectic. Adweek. Unter: http://www.adweek.com/news/advertising- branding/boutique-chic-135090 (Stand: 01.12.2016)

21 Vgl. Levere, Jane (04.04.2011): The Rush to Boutique. The New York Times. Unter: http://www.nytimes.com/2011/04/05/business/05boutique.html (Stand: 16.11.2016)

22 Vgl. Walls, Andrew; Okumus, Fevzi; Wang, Youcheng; Kwun, David Joon-Wuk (2011): Understanding the Consumer Experience. An Exploratory Study of Luxury Hotels. In: Journal of Hospitality Marketing & Management. Vol. 20. Unter: http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/19368623.2011.536074 (Stand: 17.11.2016) S. 180

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Design zum kleinen Preis. Können Budget-Designhotels hochpreisige Luxus-Designhotels in Zukunft ersetzen?
Untertitel
Entstehung und Entwicklung touristischen Reiseverhaltens
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V458638
ISBN (eBook)
9783668898899
Sprache
Deutsch
Schlagworte
budget design hotels, günstige design hotels, günstige luxushotels, budget hotels, budget hotellerie, hotels tourismus, budget tourismus
Arbeit zitieren
Jenny Jacobs (Autor), 2017, Design zum kleinen Preis. Können Budget-Designhotels hochpreisige Luxus-Designhotels in Zukunft ersetzen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458638

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