Die Tätigkeit von Geheimdiensten im Bereich der Kulturpolitik beziehungsweise des Kulturtransfers unterscheidet sich erheblich von den klassischen Aufgaben von Geheimdiensten und von Spionage. Sie war zur Zeit des Kulturellen Kalten Krieges besonders auf die Vermittlung US-amerikanischer Werte fokussiert. Schwerpunkte der vorliegenden Arbeit sind deshalb die Interessen, Methoden etc. des CIA zu diesem Thema, sowie des Kongresses für Kulturelle Freiheit.
Dieser Kongress mit Hauptsitz in Paris hatte Zweigstellen auf der ganzen Welt verteilt. Seine Aktivitäten waren vielfältig und umfassten auch die Einvernahme bedeutender Personen für Ziele der USA. Der Kongress organisierte Konzerte, Auftritte von Künstlern usw., um diese Ziele zu erreichen. Von besonderem Interesse waren für die US-Kulturpolitik Personen, die aus dem linken Lager gewonnen wurden. Das waren damals vor allem Intellektuelle und bekannte Künstler. Mit geheimdienstlichen Mitteln sollten sie marxistischen Einflüssen entzogen und für den Einsatz an der Kulturfront gewonnen werden.
Die Zusammenarbeit von Schriftstellern, Musikern, Künstlern usw. mit dem Kongress für Kulturelle Freiheit war für das Thema Kulturpolitik und Geheimdienste auch richtungsweisend. Das hat auch Francis Stonor Saunders in ihrem Werk „Wer die Zeche zahlt. Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg“ u.a. festgestellt.
Das Konzept von „Soft Power“, ein Begriff, den es zur Zeit des Kulturellen Kalten Krieges noch nicht gab, der aber einige Parallelen zur damaligen Zeit erkennen lässt, bildet den Abschluss der Arbeit. „Soft Power“ ist in der modernen Politik sehr aktuell und ein interessanter Forschungsbereich.
Eine Forderung an die Politiker/innen bzw. die Wissenschaftler/innen wäre zudem die Einführung bzw. die Förderung einer eigenen Disziplin „Intelligence Studies“, die im angloamerikanischen Raum bereits seit längerer Zeit existent ist.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. GEHEIMDIENSTE, SPIONAGE UND DIE KULTURPOLITIK VON GEHEIMDIENSTEN
1. GEHEIMDIENSTE
2. SPIONAGE
3. KULTURPOLITIK UND GEHEIMDIENSTE IM 20. JAHRHUNDERT
III. GEHEIMDIENSTE ZUR ZEIT DES KALTEN KRIEGES: CIA AND CULTURAL POLICY
1. Grundlegendes
2. Die Gründung des CIA
3. Die Arbeit des OPC
4. Der Kongress für Kulturelle Freiheit
4.1 Grundlegendes
4.2 Die Aktivitäten des CCF: Durchgeführte Veranstaltungen (Auswahl)
4.3 Zeitschriften des CIA am Beispiel „Der Monat“
IV. PERSONEN, DIE BEWUSST ODER UNBEWUSST FÜR DEN CIA ARBEITETEN (AUSWAHL)
V. EIN BUCH ZUM THEMA CIA UND KULTURPOLITIK IM 20. JAHRHUNDERT
1. FRANCIS STONOR SAUNDERS „Wer die Zeche zahlt. Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg“
VI. DAS KONZEPT VON „SOFT POWER“
VII. ZUSAMMENFASSUNG/ BEMERKUNGEN
VIII. VERWENDETE LITERATUR
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die bisher wenig bearbeitete Rolle von Geheimdiensten, speziell der CIA, bei der Beeinflussung der europäischen Kulturpolitik während des Kalten Krieges. Dabei wird analysiert, mit welchen Methoden westliche Intellektuelle und Kulturschaffende gewonnen wurden, um US-amerikanische Werte zu verbreiten und antikommunistische Ziele zu verfolgen.
- Die Kulturpolitik des CIA im Kontext des Kalten Krieges
- Die Funktionen des Kongresses für Kulturelle Freiheit (CCF)
- Die Einflussnahme auf Intellektuelle und Künstler
- Die Finanzierung und Bedeutung von Zeitschriften wie „Der Monat“
- Parallelen zwischen damaliger Kulturpolitik und modernem „Soft Power“-Konzept
Auszug aus dem Buch
4. DER KONGRESS FÜR KULTURELLE FREIHEIT
Während der Hochphase des Kalten Krieges investierte die US-Regierung auch hohe Geldsummen in ein geheimes Programm, das der kulturellen Propaganda in Westeuropa diente oder jedenfalls dienen sollte. Nach außen musste es aber glaubhaft sein, kein derartiges Programm zu unterhalten, das war grundsätzlich ein wesentliches Faktum im Bereich von Geheimdiensten. Dieses Programm wurde damals unter strenger Geheimhaltung besonders auch von der Spionagemacht der USA, dem Geheimdienst CIA (Central Intelligence Agency) geplant und betrieben. Zentrale Einrichtung für diese Zwecke war der „Kongress für Kulturelle Freiheit“*, der im Zeitraum von 1950 bis 1957 vom CIA Agenten Michael Josselson geleitet wurde (Saunders 2001, S 13).
Josselson erhielt das Amt nach der Gründung des „Congress for Cultural Freedom (CCF), der aus einem Kongress in (West) Berlin vom 26. bis zum 30. Juni 1950 hervorging. Dieser Kongress in Berlin umfasste damals etwa 121 antikommunistische Schriftsteller, Künstler, Politiker und Intellektuelle aus vielen westlichen Ländern, besonders aber aus den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch aus Frankreich, aus Großbritannien, aus Italien und aus Westdeutschland usw. Die Vertreter dieser Staaten diskutierten damals die Möglichkeiten einer konzentrierten antikommunistischen Aktion prowestlicher Intellektueller im Kampf gegen den stalinistischen Kommunismus (http://www.1000dokumente.de/index. html?=dokument_de&dok, 20.06.2013, Seite 1).
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das unterbelichtete Thema der geheimdienstlichen Steuerung von Kultur in Deutschland und Österreich ein und definiert die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
II. GEHEIMDIENSTE, SPIONAGE UND DIE KULTURPOLITIK VON GEHEIMDIENSTEN: Dieses Kapitel erläutert die Begriffe Geheimdienst und Spionage und setzt diese in den Kontext der staatlichen Einflussnahme auf Kunst und Medien.
III. GEHEIMDIENSTE ZUR ZEIT DES KALTEN KRIEGES: CIA AND CULTURAL POLICY: Es wird die historische Ausgangslage des Kalten Krieges analysiert sowie die Gründung und die strategische Arbeit des CIA und OPC zur kulturellen Beeinflussung.
IV. PERSONEN, DIE BEWUSST ODER UNBEWUSST FÜR DEN CIA ARBEITETEN (AUSWAHL): Hier wird beleuchtet, wie europäische Kulturschaffende und Intellektuelle, teils unwissentlich, in das Propagandanetz des CIA eingebunden wurden.
V. EIN BUCH ZUM THEMA CIA UND KULTURPOLITIK IM 20. JAHRHUNDERT: Dieses Kapitel analysiert das Werk von Francis Stonor Saunders als zentrale Quelle für das Verständnis der US-Kulturpolitik im Kalten Krieg.
VI. DAS KONZEPT VON „SOFT POWER“: Es werden die Parallelen zwischen der damaligen geheimdienstlichen Kulturarbeit und dem modernen politikwissenschaftlichen Konzept der „Soft Power“ aufgezeigt.
VII. ZUSAMMENFASSUNG/ BEMERKUNGEN: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und der Forderung nach einer stärkeren Etablierung der „Intelligence Studies“ in der Forschung.
VIII. VERWENDETE LITERATUR: Ein Verzeichnis der herangezogenen Fachliteratur, Zeitschriften und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Geheimdienste, CIA, Kulturpolitik, Kalter Krieg, Kongress für Kulturelle Freiheit, Propaganda, Soft Power, Spionage, Intellektuelle, Kulturtransfers, Westorientierung, Antikommunismus, Nachrichtendienste, Westliche Werte, Intelligence Studies
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der verdeckten Beeinflussung der europäischen Kulturpolitik durch den US-Geheimdienst CIA während des Kalten Krieges.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die geheimdienstliche Steuerung von Kulturschaffenden, die Finanzierung von Medien und der Kampf um kulturelle Deutungshoheit im Ost-West-Konflikt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, auf welche Weise der US-Geheimdienst die europäische Kulturpolitik beeinflusst hat, um prowestliche Werte zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, Archivergebnissen und zeitgeschichtlichen Dokumentationen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gründung von Organisationen wie dem „Kongress für Kulturelle Freiheit“, die Rolle des CIA bei der Steuerung von Medien wie „Der Monat“ und die Einbindung von Intellektuellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie CIA-Kulturpolitik, Kultureller Kalter Krieg, Propaganda, Soft Power und Intelligence Studies beschreiben.
Welche Rolle spielte der „Kongress für Kulturelle Freiheit“?
Der Kongress fungierte als zentrales, vom CIA gesteuertes Instrument zur Finanzierung von Veranstaltungen und Zeitschriften, um den Einfluss marxistischer Ideologien in Europa zu bekämpfen.
Wie ist die Beziehung zwischen Geheimdienstarbeit und dem „Soft Power“-Konzept?
Die Arbeit zieht Parallelen zwischen der historischen, verdeckten Kulturpropaganda des CIA und dem modernen, eher auf kultureller Attraktivität basierenden Soft-Power-Ansatz von Joseph Nye.
Warum war der Zugriff auf Dokumente in US-Archiven für den Autor so wichtig?
Da viele geheimdienstliche Aktionen streng geheim waren, liefern US-Archive die notwendigen Belege, um die tatsächlichen Steuerungsprozesse und Finanzströme im Nachhinein nachvollziehbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- Dr. Franz Zeilner (Autor:in), 2013, Geheimdienste zur Zeit des Kalten Krieges. CIA und Cultural Policy, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458682