Wolfgang Borchert und die Trümmerliteratur. Zu "Nachts schlafen die Ratten doch"


Term Paper, 2014
15 Pages, Grade: 2,0
Anonymous

Excerpt

Inhalt

1. Einleitung

2. Nachkriegszeit

3. Trümmerliteratur

4. Wolfgang Borchert

5. Kurzgeschichte: Nachts schlafen die Ratten doch
5.1. Inhaltsangabe
5.2. Analyse und Interpretation
5.3. Sprachliche Gestaltung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.“1 Dieses Zitat beschreibt den Krieg aus Sicht der Kriegsopfer und Hinterbliebenen zutreffend. Normalerweise wird das Thema Krieg in der Literatur für Propaganda verwendet. Es wird heldenhaft und positiv beschrieben, um die jungen Männer für den Kriegsdienst zu begeistern. Sie möchten heldenhafte Taten vollbringen und ihr Land vertreten und dabei ehrenhaft sein. Dabei werden jedoch die eigentlichen, realistisch eintretenden Folgen außer Acht gelassen. Wenn der Krieg dann vorbei ist, macht sich die Zerstörung und das Elend erst richtig bemerkbar. Es geht dabei nicht nur um materielle Opfer, sondern auch um die psychischen Opfer. Die psychischen Folgen können sich noch lange, nachdem der Krieg vorbei ist, bemerkbar machen, wobei viele psychische Schäden nicht mehr zu beseitigen sind. Viele junge Soldaten merken erst viel zu spät, dass der Krieg viele Opfer von ihnen fordert. Das Leben mitten im Krieg, das ständige Leiden, die Angst vor dem Tod, die Zerstörung, die Krankheiten, die verlorenen „Kameraden“, der Aufenthalt in Lazaretten usw. zerstören den Menschen. Vor allem junge Soldaten können sich nach einem Leben, in dem sie jeden Augenblick mit dem Tod rechnen mussten, nicht mehr im alltäglichen Leben zurechtfinden. Diese verlorene Generation trägt einen für immer bleibenden Schaden davon. Auch Zivilisten, die zwar nicht an der Front kämpfen müssen, müssen die Folgen des Krieges ertragen. Sie müssen ebenso mit der Zerstörung, dem Verlust von Familienangehörigen und Verletzten / Verstümmelten zurechtkommen.

Nachdem 1945 der zweite Weltkrieg mit mehr als 50 Millionen Opfern vorbei war, entstand die sogenannte Trümmerliteratur. Die Autoren der Trümmerliteratur versuchten, ihre traumatischen Kriegserlebnisse in ihren Geschichten schnörkellos, authentisch und realistisch zu verarbeiten. Genau die am Anfang geschilderten Probleme wurden beschrieben. Die verheerende Zerstörung des Krieges stand im Vordergrund. Es war eine kritische Betrachtungsweise des gesellschaftlich als positiv angenommenen Krieges. Die Schriftsteller verwendeten hierfür eine ganz einfache Sprache, damit es auch alle verstehen konnten.

Viele bekannte Autoren wie Wolfgang Borchert, Heinrich Böll, Günter Eich usw. prägten die Trümmerliteratur maßgeblich.

Die vorliegende Hausarbeit wird sich mit dem Thema der Trümmerliteratur ausführlich auseinandersetzen. Erst wird zunächst der historische Kontext geschildert. Dann folgt eine analytische Beschreibung der Trümmerliteratur. Da Wolfgang Borchert ein sehr bekannter Vertreter dieser Literaturrichtung war, wird seine Biographie kurz vorgestellt und auch, in welchem Maß sein Schicksal seine Werke beeinflusste. Danach wird die Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Borchert genauer analysiert. Dabei stehen die Merkmale der Trümmerliteratur und das Prinzip von Borchert im Vordergrund. Den Schluss bildet ein Fazit.

2. Nachkriegszeit

Am 8. Mai 1945 musste Deutschland bedingungslos kapitulieren und der zweite Weltkrieg war beendet. Der Traum vom dritten Reich und dessen Überlegenheit brach zusammen. Die darauf folgende Orientierungslosigkeit machte die bittere Realität deutlich. Das Ausmaß der Folgen des Krieges schien nicht zu übertreffen. Der Krieg forderte über 60 Millionen Tote.2 Das ganze Land war unter Trümmern begraben. Die Zerstörung stürzte das Land in Hoffnungslosigkeit. Denn jetzt gab es niemanden mehr, der der fügsamen, willenlosen Masse die Richtung vorgab. Der Alltag war von einer Trümmerlandschaft geprägt. Die Hinterbliebenen versuchten, in ihrem gelähmten und geschockten Zustand wieder zur Normalität zurückzufinden. Bist 1960 ging es vor allem um den Wiederaufbau. Nach der Kapitulation wurde Deutschland von den Alliierten besetzt und unter diesen aufgeteilt. Die noch lebenden Hauptschuldigen des Dritten Reichs wurden zur Rechenschaft gezogen und bestraft. Viele Bürger empfanden die auferlegten Strafen als eine Art Demütigung. Allerdings waren sie dadurch auch gezwungen, sich mit ihrer jüngsten Vergangenheit auseinanderzusetzen, wie unangenehm diese Situation auch war. Jedoch war Deutschland in der Lage, sich wieder neu aufzubauen. Denn die Stunde Null gilt als ein Wendepunkt der Geschichte und man kann sie als einen Neuanfang für Deutschland betrachten.3

3. Trümmerliteratur

Nach dem zweiten Weltkrieg begann 1945 eine neue Literaturepoche, die man auch Trümmerliteratur nennt. Sie dauerte bis 1950 an. Man bezeichnet diese Art von Literatur als Nachkriegsliteratur oder auch als Kahlschlagliteratur. Sie wird folgendermaßen beschrieben: „In dieser Bezeichnung ist die Wirklichkeit gegenwärtig, durch die diese Literatur geprägt wurde, die Realität des Schutts und der Ruinen – nicht nur der Städte und Häuser, sondern auch der Ideale und Ideologien –, die Realität des Krieges, des Todes, des Untergangs und des Überlebens inmitten von Trümmern.“4 Der zweite Name Kahlschlag bedeutet: „Abkehr von den Traditionsbildungen im Umkreis der inneren Emigration und des poetischen Konservatismus – Neubeginn in poetischer Sprache, Bilderwelt, Metaphorik.“5 Manche Schriftsteller versuchten zu dieser Zeit, die Trümmerwirklichkeit und die jüngsten Ereignisse des dritten Reichs zu verdrängen. Sie schrieben idyllische und heitere Texte und entzogen sich der Wirklichkeit. Im Gegensatz hierzu versuchten einige andere Autoren, sich bewusst mit der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sie wollten sich von der Masse abheben und stilistisch neue Wege einschlagen: „Ihre Sprache war schnörkellos, unmittelbar und wahrhaftig. Die neue Sprache, die so entstand, war nicht schön. Sie wirkte keuchend und kahl.“6 Das Geschehene sollte genauestens erfasst und aufgeschrieben werden. Die Texte wurden in kurzen Sätzen geschrieben und es wurde ein monotoner Stil verwendet. Man stößt auch auf viele Wiederholungen im Text.

Der Inhalt sollte das zerstörerische Ausmaß des Krieges deutlich machen. Die Protagonisten der Trümmerliteratur sind meistens verunstaltete oder arme Menschen. Deren Verzweiflung soll deutlich zum Ausdruck gebracht werden. Eine aussichtslose und sinnlose Situation steht im Mittelpunkt. Da viele Autoren selbst als Soldaten im Krieg waren, konnten sie die Situation authentisch wiedergeben. Mit ihren Werken übten sie indirekt gesellschaftliche Kritik und auch Kritik am Krieg. Denn die Menschen, die den Krieg überlebt hatten, versuchten, mit der Verzweiflung und der Situation zurechtzukommen. Viele Soldaten, die im Angesicht des Todes gelebt hatten und dann heimkehrten, konnten sich nicht mehr in den normalen Alltag integrieren. Für viele erschien das weitere, „normale“ Leben nun sinnlos. Diese Problematik wird auch von vielen Autoren zum Ausdruck gebracht. Dies zeigt den unheilbaren Schaden der verlorenen Generation auf. Die authentische, subjektive Beschreibung vermittelt einen guten Einblick in das Leben vieler Kriegsgeschädigter und Heimkehrer. Normalerweise wurde der Krieg in der Kriegsliteratur immer heldenhaft und positiv beschrieben. Dies ist jedoch bei der Trümmerliteratur nicht der Fall, sie lenkt die Perspektive vielmehr auf die wahren Geschehnisse.

4. Wolfgang Borchert

Als einer der berühmtesten Vertreter der Trümmerliteratur gilt Wolfgang Borchert.

Seine Biographie hat seine Werke maßgeblich beeinflusst.

Borchert hatte gerade seine Schauspielerausbildung beendet, als er 1941 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Allerdings erlitt er an der Front schwere Verletzungen und bekam Krankheiten, von denen er nie wieder geheilt werden konnte. Borchert wurde in der Zwischenzeit wegen Kritik am nationalsozialistischen Regime und auch wegen Zersetzung der Wehrkraft auch mehrmals verhaftet. 1946 versuchte er, erneut seine Bühnentätigkeit aufzunehmen aber da er stark erkrankt war, war er an das Bett gefesselt. In dieser sehr kurzen Zeit hatte Borchert seine kreative Schaffensphase, in der er mehrere Kurzgeschichten verfasste, die bis heute bedeutende Werke der Trümmerliteratur darstellen. Borcherts berühmteste Erzählungen und Kurzgeschichten sind unter anderem: Die Hundeblume, Die traurigen Geranien, Das ist unser Manifest, Nachts schlafen die Ratten doch, Die Küchenuhr, An diesem Dienstag.

Sein größter Erfolg aber war das Drama Draußen vor der Tür. Im Jahr 1947 verstarb er im Alter von nur 36 Jahren,7 und zwar einen Tag vor der Uraufführung von Draußen vor der Tür.

In seinen Kurzgeschichten verarbeitete er die Kriegserlebnisse und deren Folgen. Er versucht mittels seiner Werke, das Geschehene dem Leser näherzubringen, und zeigt eine kritische Haltung gegenüber dem zerstörerischen Ausmaß des Krieges. Der Krieg wird nicht wie in nationalsozialistischen Texten heldenhaft und positiv dargestellt, sondern es geht realistisch um Kriegsgeschädigte und Hinterbliebene. Seine Texte sollten einerseits eine Warnung und andererseits gleichzeitig ein Appell an die Lesenden sein.8

Hierfür verwendet er eine einfache Sprache, ohne besonders auf die Grammatik und Regeln zu achten. Dazu schreibt er Folgendes: „Wir brauchen keine Dichter mit guter Grammatik. Zu guter Grammatik fehlt uns Geduld. Wir brauchen die mit dem heißen heiser geschluchzten Gefühl. Die zu Baum Baum und zu Weib Weib sagen und ja sagen und nein sagen: laut und deutlich und dreifach und ohne Konjunktiv. Für Semikolons haben wir keine Zeit“.9 Für Borchert reichte eine aussagekräftige und einfache Sprache, ohne besonders auf die Sprachgestaltung zu achten. Die Kriegsfolgen sollten möglichst authentisch und einfach wiedergegeben werden. Man kann daher in Borcherts Werken keine ausschmückenden Stilmittel finden. Durch Wiederholungen versucht er, die Situation genauestens deutlich zu machen.10

Der Krieg an sich wurde dabei gar nicht thematisiert, seine Folgen und Auswirkungen standen im Vordergrund. Auch wenn er in seinen Texten viel Verzweiflung und Zerstörung zum Ausdruck bringt, so versucht Borchert trotzdem, gleichzeitig im Neuanfang auch Hoffnung aufzubauen. Viele seiner Werke haben das Prinzip Hoffnung. Obwohl Borchert in den letzten Jahren seines Lebens viel Leid ertragen musste, in Form von vielen Inhaftierungen, unzähligen Krankenhausaufenthalten und einer unüberwindbaren Krankheit, ist er trotzdem immer positiv gestimmt. Er versucht, aus seiner Lage das Beste herauszuholen und trotzdem seinem Wunsch nachzugehen, zu schreiben und im Theater tätig zu sein. Das Ende des Krieges stellt für ihn einen Neuanfang dar. Borchert kann selbst inmitten der düsteren Kriegslandschaft noch positive Dinge sehen, die Hoffnung symbolisieren. Daher verarbeitet er in seinen Erzählungen auch die Hoffnung oder die positive Erwartung hingebungsvoll.11 Auch wenn seine Werke von seinen traumatischen Kriegserlebnissen beeinflusst sind, so zeigt er trotzdem auch die positive Seite eines Neuanfangs. Man soll trotz allem versuchen, alles neu aufzubauen und hoffnungsvoll zu sein. Borcherts Werke erlangten erst nach seinem Tod Berühmtheit. Auch wenn er eine nur sehr kurze Schaffensphase hatte, so hat er die Nachkriegsliteratur doch maßgeblich geprägt.

5. Kurzgeschichte: Nachts schlafen die Ratten doch

5.1. Inhaltsangabe

Ein neunjähriger Junge namens Jürgen sitzt im Trümmerfeld seines Elternhauses und bewacht die Leiche seines kleinen Bruders vor nachts aktiven Ratten, die ihn fressen könnten. Ein älterer Mann kommt vorbei, der versucht, ihn aus seiner ausweglosen Situation zu befreien. Nach einer Weile erzählt Jürgen zögerlich dem älteren Mann von seiner Situation. Der ältere Mann kann ihn schließlich davon überzeugen, dass Ratten nachts schlafen und er mit ihm zusammen seine Kaninchen besuchen kann. Mit dieser Notlüge bringt der ältere Mann Jürgen dazu, von der Totenwache abzulassen, und erweckt neue Hoffnung in ihm.

5.2. Analyse und Interpretation

Die Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ wird an dieser Stelle bezüglich verschiedener Merkmale untersucht und interpretiert.

Man kann die Geschichte in 3 Abschnitte gliedern. Am Anfang wird der Handlungsort beschrieben und die Situation geschildert, dies stellt die Einleitung dar. Darauf folgt der Hauptteil, in dem das Gespräch zwischen Jürgen und dem älteren Mann stattfindet. Danach kommt der Schluss, welcher die Entscheidung von Jürgen und die Hoffnung zeigt. Eine Auflösung, ob die Ratten tatsächlich nachts schlafen, findet indes nicht statt, das Ende ist offen.

[...]


1 Vgl. Martin Kessel 1901-1990

2 Vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/

3 Vgl. BpB, 1998, Bonn, S. 6

4 Vgl. Deutsche Literaturgeschichte, 2013, Weimar, S.496

5 Vgl. Deutsche Literaturgeschichte, 2013, Weimar, S.496

6 Vgl. Deutsche Literaturgeschichte, 2013, Weimar, S.246

7 Vgl. Ruffing, Reiner, 2013, Paderborn, München, S. 247

8 Vgl. Schmidt, Alfred, 1975, Bonn, S. 202

9 Vgl. http://www.xlibris.de/Autoren/Borchert/Biographie?page=0%2C3

10 Vgl. Pichl, Robert, 1984, Bonn, S.117

11 Vgl. Rühmkorf, Peter, 1961, Hamburg, S. 123

Excerpt out of 15 pages

Details

Title
Wolfgang Borchert und die Trümmerliteratur. Zu "Nachts schlafen die Ratten doch"
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Germanistik)
Grade
2,0
Year
2014
Pages
15
Catalog Number
V458753
ISBN (eBook)
9783668922600
Language
German
Tags
Wolfgang Borchert Nachts schlafen die Ratten doch Germanistik Didaktik Nachkriegsliteratur Kurzgeschichte, Trümmerliteratur, Deutsch
Quote paper
Anonymous, 2014, Wolfgang Borchert und die Trümmerliteratur. Zu "Nachts schlafen die Ratten doch", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458753

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