Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Bargeldloses Bezahlen unter einer digitalen Agenda


Studienarbeit, 2018

52 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen zur Digitalisierung des Zahlungsverkehrs
2.1 Definition und Abgrenzung des Zahlungsverkehrs
2.2 Digitalisierungsrelevante Bereiche des Zahlungsverkehrs
2.3 Bestehende digitale Zahlungsverkehrsleistungen

3 Analyse konventioneller und disruptiver
Zahlungsverkehrstechnologien
3.1 Transformation konventioneller Zahlungsverkehrssysteme
3.2 Zahlungsverkehrslosungen mittels disruptiver Technologien
3.3 Bewertung der Technologien im Scoring-Modell

4 Kritische Wurdigung der digitalen Zahlungsverkehrsabwicklung
4.1 Vorteile der neuen Zahlungsverkehrstechnologien
4.2 Nachteile der digitalen Zahlungsverkehrslosungen
4.3 Handlungsempfehlungen fur Banken

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Digitaler Strukturwandel als Kreislauf

Abb. 2: Uberblick digitaler Zahlungsverkehrssysteme

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Zielkriterien und Praferenzmatrix

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren in zahlreichen Lebensbereichen Einzug gehalten: Kommunikation uber soziale Netzwerke, Reisebuchungen uber das Internet, Wohnungssuche uber Immobilienportale und Online-Shopping.1 Zu- dem wollen Kunden heute verstarkt ihre Bankgeschafte rund um die Uhr online abwickeln und ebenso Beratungen uber E-Mail, Telefon und Video-Chat in An- spruch nehmen. Nicht nur Markt, Umwelt und Gesellschaft werden durch den digi- talen Wandel verandert, sondern auch das Kundenverhalten grundlegend.2 Die Kunden sind jederzeit in der Lage, sich im Internet uber Produkte und Dienstleis- tungen zu informieren sowie diese miteinander zu vergleichen und stellen gleich- zeitig einen hohen Anspruch an Qualitat und Service. Neben den vielen Moglich- keiten, die sich aufgrund einer schnelleren Bereitstellung von Daten, groBerer Transparenz und mehr Flexibilitat bieten, sorgen die Entwicklungen rund um die Digitalisierung auch dafur, dass sich die Welt des Zahlungsverkehrs immer schnel- ler andert und eine flexible Anpassung an diese Gegebenheiten notwendig macht. Viele neue technische Funktionalitaten ermoglichen es, Zahlungen wesentlich komfortabler als bisher anzustoBen. Die Neuerungen betreffen sowohl Einkaufe im stationaren als auch im elektronischen und mobilen Handel, sowie Zahlungen von Person-an-Person, bekannt als P2P-Zahlungen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist, einen Uberblick uber die betroffenen Bereiche des bargeldlosen Zahlungsver­kehrs im Hinblick auf die Digitalisierung zu geben und den Nutzen weiterentwickel- ter konventioneller sowie disruptiver Technologien der Zahlungsverkehrsabwick- lung aufzuzeigen. Nach den einleitenden Worten werden im zweiten Teil der Arbeit die theoretischen Grundlagen zur Digitalisierung des Zahlungsverkehrs vorge- stellt. Genauer wird hierbei der bargeldlose Zahlungsverkehr und seine Instru- mente definiert und abgegrenzt, bevor die digitalisierungsrelevanten Bereiche und bestehende digitale Zahlungsverkehrsleistungen erlautert werden. Danach folgen die Analyse konventioneller und disruptiver Zahlungsverkehrstechnologien sowie deren Bewertung anhand eines Scoring-Modells im dritten Teil. Nachfolgend be- fasst sich der vierte Teil mit den Vor- und Nachteilen digitaler Zahlungsverkehrslo- sungen und gibt Handlungsempfehlungen fur Banken ehe die Schlussbetrachtung den Abschluss dieser Arbeit bildet.

2 Theoretische Grundlagen zur Digitalisierung des Zah­lungsverkehrs

2.1 Definition und Abgrenzung des Zahlungsverkehrs

Im Allgemeinen umschreibt der Zahlungsverkehr die Gesamtheit aller Zahlungen, also Ubertragungen von Zahlungsmitteln, zwischen verschiedenen Wirtschafts- subjekten3. Finanzielle Transaktionen sind ein Teil des Zahlungsverkehrs, wenn diese zur Erfullung einer Gegenleistung, zum Beispiel bei einem Kauf, einer Schenkung oder andere Transferleistungen, wie die Begleichung einer Steuer- schuld, erfolgen. Finden die Zahlungsvorgange zwischen den Wirtschaftssubjek- ten einer Volkswirtschaft statt wird vom nationalen Zahlungsverkehr gesprochen. Erfolgen die Zahlungsvorgange zwischen den Mitgliedern zweier oder mehr Volks- wirtschaften, handelt es sich um den internationalen Zahlungsverkehr oder Aus- landszahlungsverkehr. Im Bankbereich wird in der Literatur unter dem Begriff Zah­lungsverkehr genauer die Gesamtheit aller Zahlungen, die die Kreditinstitute im Kundenauftrag oder fur eigene Zwecke ausfuhren, verstanden.4

Bei den einzelnen Formen des Zahlungsverkehrs kann je nach Art des verwende- ten Zahlungsmittels zwischen baren, halbbaren und bargeldlosen Zahlungen dif- ferenziert werden. Wahrend bei der Barzahlung gesetzliche Zahlungsmittel, also Banknoten und Munzen, vom Zahlungspflichtigen an den Zahlungsempfanger ubertragen werden, wird bei der halbbaren Zahlung Buchgeld in Bargeld umge- wandelt oder umgekehrt.5 Als Beispiele fur den halbbaren Zahlungsverkehr kon- nen die Zahlung per Nachnahme, an der Haustur bei der Lieferung der Ware, oder die Einlosung eines Barschecks angefuhrt werden.

Die im Vordergrund stehende Form des Zahlungsverkehrs in der vorliegenden Ar­beit ist die bargeldlose Zahlung, welche auch aufgrund der stetig voranschreiten- den Digitalisierung der Markte immer mehr an Bedeutung gewinnt. Der bargeldlose oder unbare Zahlungsverkehr umfasst alle Vorgange, bei denen nicht Bargeld von einem Besitzer zum nachsten weitergegeben wird, sondern Gelder von einem Konto auf ein anderes wechseln. Voraussetzung fur alle Verfahren ist, dass beide Beteiligten, also Zahlungspflichtiger und Zahlungsempfanger, uber ein Bankkonto verfugen. Bargeldlose Zahlungen erfolgen durch Ubertragung von Buchgeld oder elektronischem Geld wenn der Zahlungspflichtige durch Uberweisung, Lastschrift oder Verrechnungsscheck uber Guthaben auf dem Kontokorrentkonto bzw. uber Karten- und Netzgeld6 verfugt und der Zahlungsempfanger das Buchgeld durch Gutschrift auf seinem Konto oder Anspruche aus Karten- oder Netzgeld erhalt.7 Zudem unterscheidet sich der unbare Zahlungsverkehr zwischen beleghaften und beleglosen Zahlungsvorgangen. Wenn ein Kunde beispielsweise eine Uberwei­sung in Form eines Beleges in der Bankfiliale zur weiteren Bearbeitung abgibt, so wird von einer beleghaften Zahlung gesprochen. Demgegenuber finden beim be­leglosen Zahlungsverkehr die Zahlungen mit Buchgeld ohne Belegverarbeitung statt. Im Folgenden werden die Instrumente des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, zu denen Uberweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen mit Debitkarten und Kreditkarten am Point-of-Sale-Terminal gehoren, naher beleuchtet.

Weit uber 80 %8 aller Werte, die hierzulande bargeldlos ubertragen werden, ent- fallen auf die Uberweisung. Die Uberweisung erfreut sich daher grower Beliebtheit in Deutschland. Sie wird selbst als ein Geschaftsvorgang definiert, den ein Kredit- institut auf Veranlassung des zahlenden Auftraggebers durchfuhrt, um dem End- empfanger einer Zahlung einen bestimmten Geldbetrag zur Gutschrift auf dessen Konto zur Verfugung zu stellen.9 Im Jahr 2008 wurde der sogenannte SEPA Credit Transfer bzw. die SEPA Uberweisung eingefuhrt. SEPA steht fur einen einheitli- chen Euro-Zahlungsverkehrsraum, in dem alle Zahlungen wie inlandische Zahlun­gen behandelt werden und keinerlei Unterscheidungen mehr stattfinden.10 Seit- dem mussen beleglose Uberweisungen in der EU die auf Euro lauten innerhalb eines Tages ausgefuhrt werden. Fur beleghafte Uberweisungen gilt eine Frist von zwei Tagen. Der Uberweisungsprozess selbst wird durch den Zahlungspflichtigen anhand eines Uberweisungsauftrags an sein Kreditinstitut initiiert. Diese leitet die Uberweisungsnachricht an ihre Clearing-Stelle, welche die Bank des Zahlungs- empfangers benachrichtigt und der Betrag wird auf dem Konto des Zahlungsemp- fangers gutgeschrieben.11 Einmal eingerichtet wird durch einen Dauerauftrag im regelmafcigen Rhythmus eine Uberweisung automatisiert veranlasst, solange bis dieser gestoppt bzw. geloscht wird.

Fur den Einzug von Forderungen im Lastschriftverfahren ist die Einwilligung des Zahlungspflichtigen Voraussetzung, die nicht auf bestimmte Betrage festgelegt ist.12 Anders als bei der Uberweisung erfolgt bei der Lastschrift die Zahlung durch den Zahlungsempfanger sobald ihm die Einwilligung, das sog. SEPA-Mandat, vor- liegt. Den in der Lastschrift angegebenen Betrag kann er uber seine Bank, die erste Inkassostelle, vom Konto des Zahlungspflichtigen bei derselben oder einer anderen Bank, die Zahlstelle, abbuchen oder einziehen lassen.13 Grundsatzlich lassen sich zwei Lastschriftverfahren unterscheiden, bei denen zudem unter- schiedliche Widerspruchsmoglichkeiten gelten. Zum einen die SEPA-Basis-Last- schrift - auch als SEPA Core Direct Debit bekannt - die zwischen Privathaushalten und Unternehmen Anwendung findet und innerhalb von acht Wochen nach Konto- belastung widersprochen werden kann. Liegt kein gultiges Mandat vor, kann der Zahlungspflichtige innerhalb von 13 Monaten nach der Belastung die Erstattung des Betrags verlangen. Zum anderen die SEPA-Firmenlastschrift oder SEPA Bu- siness-to-Business Direct Debit, die ausschliefclich fur den Verkehr zwischen Ge- schaftsleuten vorgesehen ist und bei der keine Moglichkeit des Widerspruchs der Lastschrift besteht. Der Prozess des Lastschriftverfahrens wird in Anhang II dar- gestellt.14

Schliefclich dienen Karten der bargeldlosen Zahlung, der Bargeldbeschaffung und der Inanspruchnahme kurzfristiger Kredite.15 Je nach Kartenart kann der Kartenin- haber Bargeld an Geldautomaten beziehen, Waren und Dienstleistungen bargeld- los bezahlen sowie auch weitergehende Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Kartenarten vor allem in ihrer Liquiditatswirkung fur den Karteninhaber.16 Wahrend bei der Geldkarte17 die Be- lastung des Kundenkontos bereits vor Karteneinsatz stattfindet, und eine Verfu- gung nur uber das zuvor vom Kunden einbezahlte Guthaben ermoglicht wird, er- folgt dies bei Debitkarten - die girocard18 von Banken und Sparkassen - erst nach Abwicklung des jeweiligen Vorgangs. Daneben bieten Kreditkarten dem Kartenin- haber einen Zahlungsaufschub uber die getatigten Umsatze, die im Hintergrund gesammelt werden. Bei Charge-Karten wird der negative Kreditkartensaldo gemaB der monatlichen Umsatzaufstellung dem Verrechnungskonto meist am Monats- ende belastet. Dahingegen ermoglichen echte Kreditkarten den Ausgleich des Kre- ditkartenkontos in Raten, wobei hier Sollzinsen fur den restlichen Kreditbetrag fallig werden. Durch den Einsatz von Terminals am POS nehmen Handels- und Dienst- leistungsunternehmen am elektronischen Zahlungsverkehrssystem teil. Bei Zah- lungen im Electronic Cash Verfahren wird gegenuber dem Handler durch Eingabe der PIN eine vollstandige Zahlungsgarantie abgegeben.19 Wird auf die Autorisie- rung mittels PIN verzichtet kann alternativ das elektronische Lastschriftverfahren, kurz ELV, eingesetzt werden.20 Dies ist ein vereinfachtes und fur den Handler kos- tengunstigeres Zahlungssystem, bei dem die Unterschrift des Kunden nach Vor- lage der girocard ausreicht.21 Allerdings tragt der Handler durch die fehlende Au- torisierung ein Ausfallrisiko.

2.2 Digitalisierungsrelevante Bereiche des Zahlungsverkehrs

Der Markt fur Zahlungsabwicklungen mit den Instrumenten Uberweisung, Last- schrift und Karten unterliegt seit Jahren einem technischen Veranderungsprozess. In diesem Zusammenhang sind die Bezeichnungen „Digitalisierung" und „digitale Transformation" heute fast allgegenwartig. SinngemaB wird durch den Begriff „di- gitale Transformation" ein Wandel beschrieben, welcher durch Digitalisierung aus- gelost wird.22 Im Banking bedeutet Digitalisierung, Geschafts- und IT-Prozesse mithilfe relevanter Daten und geeigneter IT-Systeme uber alle Kundenkanale hin- weg zu unterstutzen und zu automatisieren. Die Digitalisierung stellt die Strukturen und Prozesse im gesamten Unternehmen infrage, durchbricht etablierte Strukturen und konfrontiert Mitarbeiter mit neuen Prozessen.23 Der daraus resultierende Ver- anderungsprozess im Unternehmen wird benotigt, um technologische Entwicklun- gen und Innovationen - mit denen der Bankensektor konfrontiert wird - sowohl in der IT als auch in der Organisation zu berucksichtigen und umzusetzen. Der digi- tale Fortschritt ermoglicht Effizienzsteigerungen der IT-Prozesse und fuhrt zu Pro- duktivitatsverbesserungen sowie Kostensenkungen im Bankbetrieb. Gleichzeitig bieten Technologien die Moglichkeit, innovative Bankprodukte und Services zu entwickeln, um sich damit wettbewerbsfahig und erfolgreich am Markt zu positio- nieren.

Ursprung der digitalen Transformation bildet neben der Innovation der Hardware, wie bspw. das Smartphone, der digitale Strukturwandel von analogen Signalen zu digitalen Daten, worunter primar die Erhebung, Verarbeitung und Speicherung von digitalen Informationen insbesondere im Internet gemeint ist.24 Diese gewonnenen Daten lassen sich unabhangig von einem speziellen Medium und ohne nennens- werte Qualitatsverluste zu marginalen Kosten beliebig oft reproduzieren, wodurch eine Anwendung entlang der gesamten Wertschopfungskette des Zahlungsver­kehrs moglich ist und einen signifikanten Mehrwert stiftet.25 Eine entsprechende Umsetzung, bspw. in Form einer verbesserten Identifikation von Kundenbedurfnis- sen, findet sich heute bereits in personalisierten elektronischen Zahlungsanwen- dungen wie Internet- und mobile Zahlungssysteme.26 Zudem andert der digitale Wandel die Struktur bestehender Wirtschaftszweige, d. h. traditionelle Marktstruk- turen brechen auf, Branchengrenzen verschieben sich, und es kommt zum Eintritt neuer Akteure.27 Diese neuen Anbieter im Markt, die sogenannten FinTechs28, spezialisieren sich auf einzelne Geschaftsmodelle oder Dienstleistungen des Ban- kensektors. Im Wesentlichen wird die digitale Transformation durch innovative Un­ternehmen wie Amazon, Apple, Google oder Facebook vorangetrieben. Ein bevor- zugter Angriffspunkt der neuen Wettbewerber sind Zahlungssysteme, die auf lange Sicht eine hohe Anzahl von Kunden versprechen und drangen sich insbesondere im Onlinebereich zwischen Bank und Kunden.29 Die neuen digitalen Akteure haben im Vergleich zu Banken haufig eine groUere Nahe zum Kunden, da sie entweder unmittelbar oder mittelbar an der mit der Zahlung verbundenen Handelstransaktion beteiligt sind.30 Nun konnen auch Nicht-Banken, durch das Angebot hauseigener Zahlungsverkehrslosungen, ihre Kerngeschaftsfelder mit dem traditionellen Ge- schaftsfeld des Bankenzahlungsverkehrs verbinden. Ermoglicht werden ihnen dadurch lukrative Wachstumschancen sowie die ErschlieUung neuer Ertragsquel- len und Marktanteile.

Neben den technischen Innovationen zahlen zu den digitalisierungsrelevanten Be- reichen des Zahlungsverkehrs auch die regulatorischen Rahmenbedingungen. Zur Schaffung eines einheitlichen Rechtsrahmens fur alle Mitgliedsstaaten der Euro- paischen Union im Hinblick auf SEPA-Zahlungen, wurde die sogenannte Payment Service Directive, kurz PSD31, eingefuhrt. Allerdings waren infolge der Digitalisie­rung und der daraus resultierenden Einfuhrung neuer Technologien und vieler in- novativer Geschaftsmodelle sowie die rasanten Entwicklungen im Zahlungsver- kehrsmarkt Anpassungen notwendig, die in der PSD2 realisiert wurden. Einerseits ist es Ziel der PSD2, dem zunehmenden technologischen Fortschritt in Fragen der Sicherheit Rechnung zu tragen und andererseits soll als weiteres Ziel der Verbrau- cherschutz gestarkt und der Zugang von neuen Teilnehmern zum Markt erleichtert werden.32 Im Kern der weiterentwickelten Zahlungsdiensterichtlinie wurden sog. „dritte Zahlungsdienstleister", die Zahlungsauslosedienste, Kontoinformations- dienste und die Ausgabe von Zahlungskarten anbieten, einbezogen.33 Damit wird einem Kunden unter anderem ermoglicht eine Uberweisung uber einem Zahlungs- auslosedienst zu Lasten seines Girokontos bei seinem Kreditinstitut zu tatigen o­der gebundelte Informationen zu seinen gefuhrten Zahlungskonten zu erhalten. Dies findet insbesondere bei Online-Bezahlverfahren Anwendung, die im folgen- den Kapitel vorgestellt werden.

Des Weiteren andert sich auch das Konsumentenverhalten unter dem digitalen Einfluss. Banken stehen uber die Zahlungsfunktion nahezu taglich mit ihren Kun­den in Verbindung. Allerdings wird die Filiale von normalen Bankkunden immer weniger frequentiert und somit ist der Zahlungsverkehr uber Oberweisungen, Last- schriften Oder Dauerauftragen eine zentrale Verbindung zwischen Kunde und Bank.34 Geregelte Offnungszeiten der Bankniederlassung treten bei der Kund- schaft mehr und mehr in den Hintergrund und der Wunsch nach Interaktion, egal wann, wo und damit gerne auch mobil, steigt.35 Dieser Aspekt wird auch durch den Ruckgang der beleggebundenen Auftrage verdeutlicht. Bei Privatkundenbanken machen beleghafte Oberweisungen nur noch funf bis zehn Prozent aus, wahrend der Anteil internetbasierter Auftrage doppelt bis dreifach so hoch ausfallt.36 Zwar bleibt das Grundbedurfnis der Kunden, in einer sicheren Umgebung Geld sparen, ausgeben und transferieren zu konnen, auch im digitalen Zeitalter unverandert. Doch Studien zufolge stellt sich bei Kunden eine abnehmende Loyalitat gegenuber ihrer Hausbank, die insbesondere bei der digitalen Generation uber keine zentrale Bedeutung mehr als exklusiver Partner zur Abwicklung der Finanzgeschafte ver- fugt, sowie eine erhohte Wechselbereitschaft ein.37

Zusammenfassend lasst sich derdigitale Strukturwandel anhand eines Kreislaufs, der in nachstehender Abbildung dargestellt wird, beschreiben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Dapp (2014), S. 12.

Abb. 1: Digitaler Strukturwandel als Kreislauf

2.3 Bestehende digitale Zahlungsverkehrsleistungen

Die fortschreitende Digitalisierung und deren Verschrankung mit analogen Prozes- sen losten bei den Zahlungsverkehrsleistungen einen digitalen Wandel aus. Fur den Handel sind bereits alternative Finanztransaktionsdienste und Bezahlfunktio- nen fur Konsumenten im Internet entstanden und trennen damit tendenziell die Bank von ihren bisherigen Nutzern.38 In diesem Kontext konnen grundlegend drei Erscheinungsformen des digitalisierten Zahlungsverkehrs unterschieden werden, die bereits heute am Markt bestehen, in folgender Abbildung zusammengefasst sind und nachstehend ausgefuhrt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Elgene Darstellung

Abb. 2: Uberblick digitaler Zahlungsverkehrssysteme

Laut einer Statistik des Statistischen Amts der Europaischen Union nutzten 56 % der Bevolkerung zwischen 16 und 74 Jahren in Deutschland im Jahr 2017 Online- Banking bei ihrer Bank.39 Dies entspricht einem Anstieg urn elf Prozentpunkte ge- genuberdem Ergebnis in 2012 und um fiinf Prozentpunktegegenuber2015. Somit ist festzustellen, dass Online-Banking vor allem in den letzten Jahren rapide an Beliebtheit gewonnen hat und Bankkunden auf das Online-Angebot ihrer Bank mit groftem Zuspruch zuruckgreifen. Online-Banking eroffnet dem Nutzerdie Moglich- keit, rund um die Uhr und ortsunabhangig, Kontoinformationen abzurufen, Trans- aktionen zu tatigen oder weitere Dienstleistungen des Kreditinstituts in Anspruch zu nehmen.40 Grundlagen fur die Nutzung des Online-Bankings sind eine Verein- barung zwischen Kunden und Bank, eine Zugangskennung samt eine durch das Kreditinstitut freigeschaltete PIN sowie ein Computer, Tablet oder Smartphone mit Internetzugriff. Damit ist der Kunde beispielsweise in der Lage Kontostande, -umsatze und -auszuge abzurufen, inlandische und auslandische Uberweisungen bzw. Umbuchungen vorzunehmen, Dauerauftrage einzurichten und zu verwalten oder vom Konto abgebuchte Lastschriften zu widersprechen.41 Viele weitere Funk- tionen wie Adressanderung, Beantragung eines Dispokredits oder Verwaltung der Freistellungsauftrage runden das Online-Angebot der Bank ab. Um monetare Transaktionen im Online-Banking verbindlich zu tatigen, muss der jeweilige Auf- trag durch ein vorher festgelegtes Sicherungsverfahren, mit dem eine sechsstellige Transaktionsnummer, kurz TAN, generiert wird, legitimiert werden.42 Hierzu stehen dem Kunden verschiedene Verfahren zur Verfugung. Wahrend beim chipTAN- o­der photoTAN-Verfahren mit Hilfe eines externen Gerates, dem sog. TAN-Gene­rator, und der eigenen girocard anhand eines am Bildschirm angezeigten Flicker- bzw. Farbmatrix-Codes eine TAN erstellt wird, wird bei den mobilen Sicherungs­verfahren entweder eine SMS oder eine Push-TAN in der eigens dafur entwickel- ten TAN-App aufs Handy gesendet. Nach der Ubertragung der TAN in die Trans- aktionsmaske und deren Bestatigung wird der Auftrag durchgefuhrt.

Der zunehmende Onlinehandel im Internet ist ein wichtiger Treiber der Digitalisie­rung des Zahlungsverkehrs. Wenn einem Kunden die komplette Wertschopfungs- kette von der Angebotsprasentation bis zu den Bezahloptionen aus einer Hand komfortabel angeboten wird, ist der Bezahlvorgang nur noch ein letzter Schritt zum Geschaftsabschluss.43 Um die Abbruchquote im Bestellprozess moglichst gering zu halten, bieten Handler ihren Kunden unterschiedliche Bezahlverfahren an. Ne- ben den traditionellen Verfahren der Vorauskasse, der Rechnung oder Nach- nahme gibt es daruber hinaus spezielle Online-Bezahlverfahren. Hierbei schaltet sich zwischen einem Online-Handler und dem Finanzinstitut des Kunden ein On- line-Bezahlsystem, das die Zahlungsabwicklung ubernimmt.44 Zu den bekanntes- ten und meist verbreiteten Online-Bezahlverfahren gehoren PayPal, paydirekt, gi- ropay, Sofort45 und Amazon Pay. Der Kunde wird im Zahlungsprozess zur Inter- netseite des jeweiligen Anbieters weitergeleitet und muss sich dort verifizieren. Am Beispiel von PayPal benotigen Kunden fur Transaktionen ein Benutzerkonto, auf dem entweder vorab ein Guthaben vom Kunden uberwiesen wird oder uber dem die Abbuchung des Zahlungsbetrags vom Bankkonto oder der Kreditkarte des Kunden angestofcen wird.46 Im Falle von giropay und Sofort gelangt der Kunde im Bezahlungsvorgang zum Online-Banking seines Kreditinstituts und gibt eine Uber- weisung zu Gunsten des Handlers in Auftrag. Auf paydirekt, das von deutschen Kreditinstituten entwickelt wurde, wird in Kapitel 3.1 naher eingegangen.

Die globalen Kartennetzwerke, wie z. B. MasterCard oder VISA, haben in den ver- gangenen Jahren ihre Infrastrukturen dahingehend verandert, dass sie mit einer Vielzahl neuer Geschaftsmodelle, unter voller Ausnutzung der notwendigen Ska- leneffekte fur alle Marktteilnehmer, flexibel umgehen konnen, stetig Innovationen liefern und neue Technologien mit ihren bestehenden Systemen absichern und integrieren.47 Damit lassen sich digitalisierte Zahlungsverkehrsleistungen nicht nur im Onlinehandel definieren, sondern auch im stationaren Einzelhandel am POS finden kartengestutzte Zahlungssysteme Anwendung. Der Sprung von der kon- taktbehafteten Zahlung am POS uber die kontaktlose Zahlung via Karte oder Smartphone bis hin zur Zahlung im Internet via digitalem Portemonnaie, dem sog. Digital Wallet oder E-Wallet, wird den Kartenprodukten durch bereits bestehende digitale Infrastrukturen ermoglicht, die im hochsten Mafce abgesichert sind.48 Wah- rend die in Kapital 2.1 vorgestellten Debit- und Kreditkarten zunehmend mit der sog. Kontaktlos-Funktion ausgestattet werden und Handler ihre Kartenterminals hierfur nachrusten, mussen sich die angebotenen Digital Wallets erst noch etab- lieren. Die Zahlungsverkehrsabwicklung mittels kotaktloser Karte oder Digital Wal­let wird in Kapitel 3 ausfuhrlich beschrieben.

[...]


1 Vgl. Ornau (2017), S. 49.

2 Vgl. ebenda.

3 Wirtschaftssubjekte sind alle Privathaushalte, Unternehmen, Institutionen oder der Staat.

4 Vgl. Becker/ Peppmeier (2015), S. 193 f.

5 Vgl. ebenda.

6 Wahrend beim Kartengeld die elektronischen Werteinheiten auf einer vorausbezahlten Wertkarte, wie z. B. der GeldKarte, gespeichert sind, handelt es sich beim Netzgeld um softwaregestutztes elektronisches Geld.

7 Vgl. Grill/ Perczynski (2008), S. 111.

8 Vgl. Deutsche Bundesbank (2017), S. 7 ff.

9 Vgl. Wahlers (2013), S. 18.

10 Vgl. Huch (2014), S. 17.

11 Siehe Anhang I: Prozessmodell einer SEPA Uberweisung, S. 35.

12 Vgl. Becker/ Peppmeier (2015), S. 197.

13 Vgl. ebenda.

14 Siehe Anhang II: Prozessmodell einer SEPA Lastschrift, S. 36.

15 Vgl. Becker/ Peppmeier (2015), S. 198.

16 Vgl. ebenda.

17 Geldkarten werden auch als Prepaid Cards, Wertkarten, Chipkarten, Pay Cards oder Smart Cards bezeichnet.

18 Die girocard wurde fruher EC-Karte genannt.

19 Vgl. Ostendorf (2014), S. 91 ff.

20 Siehe Anhang III: Zahlungsmethode ELV am POS-Terminal, S. 37.

21 Vgl. Ostendorf (2014), S. 91 ff.

22 Vgl. Ornau (2017), S. 50.

23 Vgl. Samulat (2017), S. 103.

24 Vgl. Huch (2015), S. 2.

25 Vgl. Dapp (2014), S. 6.

26 Siehe Kapitel 2.3 und 3.2.

27 Vgl. Dapp (2014), S. 10.

28 Der Begriff FinTech ist die Kurzform von Financial Technology und umfasst auch noch weitere Geschaftsmo­delle, z. B. im Bereich der digitalen Anlage, Beratung, Vermittlung, Verwaltung und Finanzdienstleistungen.

29 Vgl. Zillmann (2015), S. 16 f.

30 Vgl. RoUbach/ Taubenberger/ Laszlo (2015), S. 11.

31 Gegenstand der PSD ist u. a. die Regelung der Zahlungsverkehrsdienstleister, um eine einheitliche Regelung fur Europa zu implementieren. In diesem Rahmen unterscheidet die PSD u. a. zwischen verschiedenen Zah- lungsdienstleistern wie Kreditinstitute; Postscheckamter, die Zahlungsdienste erbringen; Zahlungsinstitute.

32 Vgl. Gobel (2017a), S. 167.

33 Vgl. Deutsche Bundesbank (2018).

34 Vgl. Zillmann (2015), S. 16.

35 Vgl. ebenda, S. 9.

36 Vgl. von Poser (2017).

37 Vgl. Roftbach/ Taubenberger/ Laszlo (2015), S. 9.

38 Vgl. Zillmann (2015), S. 17.

39 Vgl. Eurostat (2018).

40 Vgl. Ostendorf (2014), S. 104 f.

41 Vgl. ebenda.

42 Vgl. ebenda.

43 Vgl. Zillmann (2015), S. 17.

44 Vgl. Hellenkamp (2018), S. 159.

45 Ehemals unter dem Namen „Sofortuberweisung“ bekannt.

46 Vgl. Hellenkamp (2018), S. 159.

47 Vgl. Pache (2016), S. 85.

48 Vgl. ebenda.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Bargeldloses Bezahlen unter einer digitalen Agenda
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin  (ADG Business School)
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
52
Katalognummer
V458790
ISBN (eBook)
9783668903043
ISBN (Buch)
9783668956698
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitalisierung, Zahlungsverkehr
Arbeit zitieren
Harald Wicht (Autor), 2018, Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Bargeldloses Bezahlen unter einer digitalen Agenda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458790

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