Forschendes Lernen zum Thema Belastung und Beanspruchung von Lehrenden


Forschungsarbeit, 2018
43 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Phase I - Erstellung des Projektplans
2.1 Formulierung des Forschungsproblems
2.2 Präzisierung des Forschungsproblems
2.3 Der aktuelle Forschungsstand
2.4 Forschungsvorhaben
2.5 Einordnung des Forschungsprojekts

3. Phase II – Die Ausarbeitung des Untersuchungsdesigns und der Erhebungsinstrumente
3.1 Aufbau der Arbeit

4. Phase III – Der Datenkorpus/Interviews

5. Phase IV – Die Datenauswertung
5.1 Theoretische Grundlagen
5.1.1 Definition von psychischer und körperlicher Belastung
5.1.2 Definition von Burnout
5.2 Vorgehensweise bei der Datenauswertung
5.3 Datenauswertung der Interviews – Tabellarische Darstellung
5 .4 Ergebnisse: Zusammenfassung und Interpretation

6. P hase V – Fazit, Schlussbemerkung und Reflexion

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Beschäftigt man sich mit den Fragen der Belastung und Beanspruchung von Leh- rerinnen und Lehrern, so könnten die Aussagen nicht gegensätzlicher sein. Wäh- rend ein Großteil der Gesellschaft die Meinung vertritt, dass der Lehrberuf nur ein Halbtagsjob ist, welcher mit dem Ende der Unterrichtszeit beendet ist, behaupten viele Lehrerinnen und Lehrer, dass sie einer erheblichen Überlastung ausgeliefert sind. So ist es keine Seltenheit, dass in den letzten Jahren vermehrt Schlagzeilen wie „Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht“ (Schäfer 2012) oder „Lehrer ge- hören zu den am höchsten belasteten Berufsgruppen“ (Schwarze-Reiter 2012) in den Medien publiziert werden.

Hinzu kommt der akute Lehrermangel, der bereits vorhanden ist, aber auch in Zu- kunft die Gesellschaft vor verschiedene Probleme stellen wird. Um den dauerhaf- ten Bedarf an Lehrkräften zu gewährleisten ist es besonders wichtig, dass die Be- lastungsfaktoren von Lehrenden ermittelt und eingedämmt werden, damit der Be- ruf des Lehrers weiterhin attraktiv bleibt und somit der Nachwuchs gesichert wer- den kann.

Es lässt sich also feststellen, dass die Erforschung der Belastungsfaktoren im Lehrberuf von besonderer Bedeutung ist. Aus diesem Grund widmen wir uns in dieser Arbeit der Forschungsfrage, welche möglichen Faktoren bei den Lehrenden Stress verursachen.

Dieses Forschungsprojekt wurde im Rahmen des Seminars „Forschendes Lernen im Wohlfahrtsstaat“ unter der Leitung von Volker Sommer entwickelt. Ziel des Seminars war es, einen forschungslogischen Ablauf exemplarisch durchzuführen. Da es sich um ein Methodenseminar handelt, steht die Methode jedoch im Vor- dergrund und wird fokussiert, weshalb einige Punkte der folgenden Arbeit nur kurz dargestellt oder sogar ausgelassen werden. Diese Arbeit stützt sich auf den forschungslogischen Ablauf nach Michael Häder (2015). Häder geht von einem Phasenmodel aus, das in fünf Stufen unterteilt ist (Häder 2015: S. 70ff.):

1. Erstellung des Projektplanes
2. Ausarbeitung des Forschungsdesigns
3. Die Erhebung der Daten
4. Auswertung der Untersuchung
5. Dokumentation und Publikation

Mit Hilfe dieses forschungslogischen Ablaufs werden nun die folgenden Daten (exemplarisch) zur Beantwortung der Forschungsfrage erhoben und ausgewertet.

2. Phase I - Erstellung des Projektplans

Die erste Phase (Erstellung des Projektplans) „beinhaltet die Formulierung und Präzisierung des Forschungsproblems“ (ebd. S.71). Da es sich um eine exemplari- sche Anwendung handelt, ist das Ergebnis dieses Schrittes mit der Abgabe des Vorschlags beim Dozenten abgeschlossen. Bei der Einordnung des Forschungs- prozesses unterscheidet Häder zwischen Grundlagenforschung und angewandtes Projekt. Zudem ist es entscheidend, ob es ein fremdbestimmtes oder ein selbstin- itiiertes Projekt ist (vgl. ebd. S.71). Selbstinitiierte Projekte zeichnen sich durch einen wesentlich größeren Spielraum bei der Gestaltung einer empirischen Arbeit aus (vgl. ebd. S. 73).

2.1 Formulierung des Forschungsproblems

30 Prozent der Lehrkräfte und Erzieher leiden unter Burn-Out und Erschöpfung (vgl. Gutachten des Aktionsrates Bildung im Auftrag der bayrischen Wirtschaft). Es ist also offensichtlich, dass ein großer Teil der Lehrkräfte überlastet wird. Aus diesem Grund soll erforscht werden, welche möglichen Ursachen bei der Belas- tung von Lehrenden eine Rolle spielen.

2.2 Präzisierung des Forschungsproblems

Betrachten wir die Vorstellungen, die mit dem Lehrberuf verbunden werden, fin- den wir eine Vielzahl dieser. Auffällig hierbei ist, dass diese Vorstellungen auffäl- lig gegensätzlich sind. Auf der einen Seite gibt es die Vorstellung von halbtags arbeitenden Lehrern, welche dazu noch sehr viel Urlaub haben. Auf der anderen Seite häufen sich jedoch Zeitungsberichte mit Überschriften wie: „Neue Studie warnt vor Überlastung: So viel müssen Lehrer wirklich arbeiten“ (Rohm, 2018) oder „Körperlich fit, psychisch belastet“ (Höhl, 2015).

Letzteres hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir uns mit dem Forschungs- stand zu dieser Problematik auseinandersetzen.

Aber auch der akute Lehrermangel und der Begriff des Burnouts werden im Zu- sammenhang mit dem Lehrberuf immer häufiger miteinander in Verbindung ge- bracht. Das kann natürlich dazu beitragen, dass weniger Nachwuchs für diese Be- rufsgruppe erzeugt werden kann. Damit der Bedarf an Lehrpersonen in den ein- zelnen Bundesländern zukünftig ausreichend gedeckt werden kann, muss also der Beruf des Lehrers attraktiv bleiben, also im besten Fall mit wenig Belastung und Beanspruchung in Verbindung gebracht werden. Das geht aber nur, wenn man die Ursachen der Belastungsfaktoren kennt. Die hier genannten Aspekte zeigen also eine absolute Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit der Problematik.

2.3 Der aktuelle Forschungsstand

Zur Beantwortung der Forschungsfrage ist der aktuelle Forschungsstand von be- sonderer Bedeutung. Dieser Schritt ist wichtig, weil hierdurch sichergestellt wer- den kann, dass die gebildeten Kategorien theoriegeleitet werden, aber auch, um herauszufinden, inwiefern sich der bisherige Forschungsstand der Problem- bzw. Fragestellung annähern konnte. Der aktuelle Forschungsstand dient außerdem der Bildung deduktiver Kategorien. Anschließend wird bei einer auffälligen Abwei- chung eine induktive Kategorienbildung angestrebt.

Die Belastungen im Lehrberuf wurden bereits von verschiedenen Akteuren unter- sucht. Es gibt beispielsweise ein Gutachten des Aktionsrates Bildung (2014), das die psychischen Belastungen beim Bildungspersonal thematisiert. Das Gutachten gibt einen umfangreichen Einblick in mögliche Ursachen psychischer Belastungen von Lehrenden.

Zum Beispiel werden Faktoren, die sich aus den spezifischen Aufgaben der Leh- renden ergeben, als mögliche Ursachen angegeben (vgl. Aktionsrat Bildung 2014: S. 163). Der Anteil komplizierter Schülerinnen und Schüler im Unterricht oder ein schwieriges Verhältnis zur Schulleitung und zum gesamten Team können eben- falls mögliche Faktoren darstellen (vgl. ebd.). Eine fehlende Unterstützung bzw. mangelnde soziale Einbindung sei darüber hinaus sehr problematisch (vgl. ebd.). Des Weiteren wird im Gutachten ein hoher Lärmpegel im Unterricht als Belas- tungsfaktor angegeben (vgl. ebd.). All diese Aspekte haben einen „nachhaltigen Einfluss auf die psychische Gesundheit und das Burn-Out Erleben“ bei Lehrenden (ebd.: S. 164).

Eine etwas genauere Untersuchung trägt den Titel Zufriedenheit im Lehrerberuf (2016) und wurde im Rahmen einer repräsentativen Lehrerbefragung von der Ge- sellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen (Forsa) durchgeführt. Den Befragten wurden verschiedene mögliche Belastungsfaktoren genannt, welche von den Lehrerinnen und Lehrern eingeschätzt werden sollten (vgl. Forsa 2016: S.

25). Aus der Befragung geht hervor, dass der mit Abstand wichtigste Belastungs- faktor für Lehrkräfte auf den Eindruck zurückzuführen ist, dass Politiker bei poli- tischen Entscheidungen den realen Schulalltag nicht berücksichtigen (85%) (vgl. ebd.). Des Weiteren empfinden mehr als 60 % der Befragten als belastend, dass außerschulische Aufgaben (z.B. Vor- bzw. Nachbereiten von Unterricht, Lehrer- konferenzen, Klassenkonferenzen, Fortbildungen etc.) nicht aus ausreichend als Arbeitszeit berechnet werden (vgl. ebd.). Ein weiterer großer Belastungsfaktor bezieht sich auf die zu betreuende Klassengröße, die in der Regel viel zu groß ist. An dieser Stelle haben 59% der Befragten die zu großen Klassen als belastend angegeben. Außerdem werden auch strukturelle Aspekte genannt: 48% empfinden nämlich die Klassenräume als zu klein (vgl. ebd.). Weiterhin sind 45% der befrag- ten Lehrkräfte der Meinung, dass es eine zu hohe Anzahl an Unterrichtsstunden gibt, was im Endeffekt zu einer körperlichen und seelischen Belastung führt (vgl. ebd.).

Es ist aber auch wichtig zu erwähnen, dass es auch vorgegebene Belastungsfakto- ren gibt, die nicht so häufig von den Befragten ausgewählt worden sind. Bei- spielsweise empfinden nur 30% der Befragten den häufigen Kontakt zu Eltern als belastend (vgl. ebd.). Ein zu weiter Schulweg wurde sogar kaum als belastend eingestuft, denn hier haben nur 10% der befragten Lehrkräfte angegeben, dass eine große Distanz vom Wohnort zur Schule problematisch ist.

Eine sehr umfangreiche Auseinandersetzung mit der Forschungsfrage hat der Pro- fessor Rolf van Dick in seinem Werk „Stress und Arbeitszufriedenheit im Lehrer- beruf“ (1999) geleistet. Er hat eine tabellarische Klassifikation konkreter Belas- tungsfaktoren im Lehrberuf erstellt, die sehr übersichtlich und umfangreich ist (vgl. Van Dick 1999: S. 38-39). Die tabellarische Klassifikation wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit vorgestellt (s. Kap. 5). Des Weiteren dient diese Klassifikati- on als Basis für die Analyse der leitfadengestützten Interviews. In der Auswertung wird sie als Vergleich dienen. Hierdurch wird auch ersichtlich, inwiefern die Ka- tegorien eine induktive Anwendung finden können.

2.4 Forschungsvorhaben

Laut Häder ist es vorteilhaft, wenn der Projektplan außenstehenden Spezialisten ermöglicht, das Forschungsvorhaben einzuschätzen (vgl. Häder 2015: S. 74). Das Forschungsvorhaben beinhaltet die Untersuchung von durchgeführten Interviews mit Hilfe eines Vergleichs. Als Grundlage hierfür dienen die Erkenntnisse von Van Dick (1999).

2.5 Einordnung des Forschungsprojekts

Bei dem vorliegenden Projekt handelt es sich um angewandte Forschung der So- zialwissenschaft. Projekte der angewandten Forschung können im Gegensatz zur Grundlagenforschung „mithilfe mehr oder weniger bewährter methodischer Rou- tinen bearbeitet werden“ (Häder 2015: S.71). Es sind also keine anspruchsvollen Neuentwicklungen von Instrumenten oder Designs erforderlich (vgl. ebd.), wes- halb feststeht, dass es sich nicht um eine Grundlagenforschung handelt. Außerdem handelt es sich hierbei um ein selbstinitiiertes Projekt, welches jedoch im Rahmen eines Seminars in der Universität durchgeführt und betreut wurde.

3. Phase II – Die Ausarbeitung des Untersuchungsdesigns und der Erhebungsinstrumente

Zunächst einmal ist es wichtig zu erwähnen, warum für diese Arbeit der qualitati- ve Forschungsansatz gewählt wurde. Der Vorteil dieses Ansatzes gegenüber des quantitativen Forschungsansatzes liegt in der wesentlich größeren Offenheit und Flexibilität (vgl. Lamnek 1995: S. 22). Offenheit gilt als zentrales Element der qualitativen Forschung (vgl. ebd.). Mit dem Kriterium der Offenheit ist der offene Charakter der Datenerhebung sowie der interpretative Charakter der Datenauswer- tung gemeint (vgl. ebd.). Die quantitative Forschung hingegen geht vor der Da- tenerhebung von begrenzten Erfahrunsgbereichen und Tatbeständen aus. Hierbei besteht die Gefahr, dass die tatsächliche Wirklichkeit enorm eingeschränkt wird (vgl. Atteslander 1995: S. 92 f.). Die qualitative Forschung versucht dem entge- genzuwirken, indem das Subjekt in den Vordergrund gestellt wird (vgl. ebd.: S. 90). Die Meinung des Einzelnen wird hier untersucht und interpretiert, wodurch man neue, noch unerforschte Ergebnisse erhalten kann (vgl. ebd.).

Im Kontext der Forschungsfrage ist festzuhalten, dass die Belastung und Bean- spruchung von Lehrenden in den letzten Jahren zugenommen hat. Es scheint so, als würden neue Phänomene den Stress und die Belastung von Lehrenden beein- flussen (beispielsweise Inklusion). Um diese Aspekte zu untersuchen bzw. heraus- finden zu können, welche neuen Beeinflussungen stattfinden, eignet sich der qua- litative Forschungsansatz besonders gut, da - wie bereits oben erwähnt - das Sub- jekt in Kombination mit den Kriterien der Offenheit und der Flexibilität Äußerun- gen tätigen kann, die zu neuen Erkenntnissen in der Forschung führen könnten.

Der nächste Schritt ist die begründete Festlegung auf eine Erhebungsform und auf ein Erhebungsinstrument (vgl. Häder 2015: S. 75). Als Erhebungsform dient eine Befragung von Lehrpersonen. Es ist nämlich am sinnvollsten, unmittelbar bei den Betroffenen selbst anzusetzen, um so die subjektive Wahrnehmung und die ge- sammelten Eindrücke zu erhalten.

Als Erhebungsinstrument dient das leitfadengestützte problemzentrierte Interview nach Witzel (vgl. Witzel 2000; 2012). Diese Form der Befragung enthält für den Interviewer einen Leitfaden, an dem er sich orientieren kann. Der Leitfaden ergibt sich aus offenen Fragen, die den interviewten Personen gestellt werden, wobei gleichzeitig dem Interviewer aber verschiedene Spielräume zur Verfügung stehen. Beim problemzentrierten Interview nach Witzel handelt es sich um eine Mischung aus narrativem und leitfadengestützten Interview (vgl. Witzel 2000). Die inter- viewenden Personen erarbeiten ihr Wissen hierbei sowohl induktiv als auch de- duktiv. Das bedeutet, dass der Forscher mit einem theoretischen Wissen bzw. Vor- verständnis das Interview führt, gleichzeitig dienen aber die Äußerungen der Be- fragten als Grundlage für eine Erweiterung (vgl. ebd.). Hierdurch grenzt sich das leitfadengestützte, problemzentrierte Interview wesentlich von quantitativen Me- thoden ab.

Zunächst einmal leitet der Interviewer das Gespräch mit der zu interviewenden Person durch eine Eingrenzung des Problembereichs ein (vgl. ebd.). Möglich und sinnvoll ist auch eine vorformulierte Einleitungsfrage (vgl. ebd.). Anschließend bilden offene Fragen die Grundlage dafür, dass die befragten Personen offen er- zählen können (vgl. ebd.). Zu beachten sind die drei Grundpositionen des pro- blemzentrierten Interviews (vgl. ebd.):

1. Die Problemzentrierung: Der Interviewer versucht am Problem orientierte Fragen bzw. Nachfragen zu stellen.
2. Die Gegenstandsorientierung: Hierunter ist die Flexibilität der Methode gemeint. Das Interview als Instrument steht zwar im Vordergrund, aber es kann auch mit an- deren Methoden kombiniert werden.
3. Die Prozessorientierung: Diese Grundposition bezieht sich auf den gesamten For- schungsablauf. Durch den Kommunikationsprozess entsteht eine Vertrautheit und damit eine Offenheit. Dieser Umstand fördert die Erinnerungsfähigkeit. Hierdurch entwickeln die Befragten „im Laufe des Gesprächs immer wieder neue Aspekte zum gleichen Thema, Korrekturen an vorangegangenen, Aussagen, Redundanzen, und Widersprüchlichkeiten.“

Des Weiteren ist es wichtig, die Äußerungen der Befragten nachzuvollziehen (vgl. ebd.). Um das so gut wie möglich zu gewährleisten, gibt es drei verschiedene Möglichkeiten. Zunächst hat man die Möglichkeit dem Befragten in Form einer Zurückspiegelung die eigene Interpretation mitzuteilen, um möglicherweise die Interpretationsannahmen korrigieren zu können (vgl. ebd.). Des Weiteren können die Interviewer aber auch Verständnisfragen stellen, um Widersprüche zu vermei- den (vgl. ebd.). Außerdem besteht auch die Möglichkeit, die Befragten unmittel- bar mit ihrer Aussage zu konfrontieren (vgl. ebd.).

Mittels Ad-hoc Fragen kann man neue, noch nicht erörterte Themenbereiche er- öffnen (vgl. ebd.). Außerdem dienen sie dazu, dass kein Frage-Antwort-Spiel ent- steht (vgl. Witzel 2000). Mit Hilfe des Leitfadens, welcher als Orientierung dienen soll, kann man diese Ad-hoc Fragen den zu interviewenden Personen stellen (vgl. ebd.). Sie können sich im Leitfaden sowohl durch Stichwörter, als auch durch standardisierte Fragen äußern (vgl. ebd.).

Das leitfadengestützte problemzentrierte Interview nach Witzel wurde vor dem ersten Einsatz einem Pretest unterzogen (vgl. Häder 2015: S. 75). Hierdurch konn- te getestet werden, ob der Leitfaden Ungereimtheiten enthält.

Der Interviewleitfaden wurde nach dem dem SPSS-Prinzip (Prinzip zur Leitfa- denerstellung) erstellt (vgl. Helferrich 2011: S. 182 ff.). Das SPSS-Prinzip trägt dazu bei, dass das Grundprinzip der Offenheit bei der Leitfadenerstellung gewahrt wird (vgl. ebd.). Die vier Buchstaben SPSS stehen für Sammeln von Fragen, Prü- fen, Sortieren und Subsumieren (vgl. ebd.).

Beim Sammeln von Fragen werden möglichst viele Fragen gesammelt, hierbei sollte man sich möglichst gut überlegen, was man genau wissen möchte (vgl. ebd.). Ob die Fragen geeignet für den Leitfaden sind oder aber nicht, ist zunächst nicht wichtig. Wichtig ist vielmehr das Zusammentragen von möglichst vielen Fragen.

Im nächsten Schritt Prüfen wird die Liste mit den gesammelten Fragen geprüft (vgl. ebd.). Wichtig ist auch, dass sie „drastisch reduziert und strukturiert“ werden sollte (vgl. ebd.: S.182). Als Orientierung dafür, welche Fragen gestrichen werden sollten und welche nicht, dienen Prüffragen. Bei der ersten Prüffrage sollen bei- spielsweise alle Faktenfragen gestrichen werden (z.B „sind Kinder dabei gewe- sen?“) (vgl. ebd.: S. 182). Bei einer weiteren Prüffrage werden alle Fragen gestri- chen, die nur Vorwissen abfragen, es sei denn es werden neue Formulierungen ge- funden (vgl. ebd.). Eine andere Prüffrage beschäftigt sich zum Beispiel damit, ob die formulierte Frage auch so formuliert sein könnte, dass die Erzählperson andere Zusammenhänge berichten könnte, als erwartet. Der nächste Schritt Sortieren dient dazu, etwas Ordnung in die Frageliste zu bekommen. Die verbleibenden Fragen und Stichworte werden anschließend z. B. nach der zeitlichen Dimension oder der zeitlichen Abfolge, sortiert (vgl. ebd.). Es kann aber auch nach inhaltli- chen Aspekten sortiert werden (vgl. ebd.).

Im letzten Schritt Subsumieren „erhält der Leitfaden seine besondere Form“ (Hel- ferrich 2011: S. 185). Für jeden „Bündel“, der beim Sortieren entstanden ist, soll nun eine einfache Erzählaufforderung gefunden werden (vgl. ebd.). Diese Erzähl- aufforderung soll möglichst erzähl-generierend sein, aber auch möglichst wenig Präsuppositionen enthalten (vgl. ebd.).

3.1 Aufbau der Arbeit

Nachdem wir in den vorangegangenen Phasen unser Forschungsvorhaben vorge- stellt haben und unser Untersuchungsdesign sowie unsere Erhebungsinstrumente vorgestellt haben, wollen wir nun den weiteren Ablauf der Arbeit kurz vorstellen.

In Kapitel 3. der dritten Phase nach Häder, stellen wir unseren vorliegenden Da- tenkorpus kurz vor, welcher drei Interviews mit Lehrern, welche wir für unsere Befragung gewinnen konnten, umfasst. Anschließend werden wir einen kurzen theoretischen Überblick über die verwendeten Termini psychische und körperliche Belastung darlegen. Daraufhin wird der Begriff des Burnouts erklärt. Dieser Schritt bedient den theoretischen Teil der vorliegenden Hausarbeit.

Um den Ansprüchen des Seminars gerecht zu werden, erfolgt dann im weiteren Verlauf die Auswertung der erhobenen Daten. Dieses wird exemplarisch an zwei Kategorien erfolgen.

Die gewonnen Daten sollen mithilfe von gebildeten Kategorien in bereits getätigte Forschungen eingebunden und verglichen werden. Wir beziehen uns hierbei auf die Klassifikation von Van Dick (1999), die im weiteren Verlauf dieser Arbeit ebenfalls vorgestellt wird.

Rolf van Dick hat in seinem Werk „Stress und Arbeitszufriedenheit im Lehrerbe- ruf“ (1999) eine tabellarische Klassifikation konkreter Belastungsfaktoren im Lehrberuf erstellt (vgl. Van Dick 1999: S. 38-39). Diese Klassifikation eignet sich besonders gut, da sie relativ aktuell ist und darüber hinaus sehr übersichtlich und umfangreich zusammengefasst wurde. Diese Daten dienen uns somit als Ver- gleichswert, ohne dass wir unsere Befragten direkt auf die Belastungen im Lehr- beruf angesprochen oder nachgefragt haben. Dies ermöglicht uns, einen Abgleich der selbstgenannten möglichen Belastungen mit denen aus der Klassifikation zu vergleichen.

4. Phase III – Der Datenkorpus/Interviews

Für die Forschungsarbeit wurden insgesamt drei Interviews mit drei unterschiedli- chen Lehrerinnen und Lehrern geführt, die wir entweder durch unsere Praktika (SPS und ASP) an den Schulen kennengelernt haben oder durch private Kontakte von unserem Vorhaben überzeugt haben. Es wurde vorab überlegt, welche Perso- nen für die Beantwortung unserer Forschungsfrage geeignet sind. Wir entschieden uns daher für eine Auswahl von Lehrpersonen aus unterschiedlichen Schulformen, da wir uns hiervon verschiedene Antworten erhofft haben. Wichtig war uns außer- dem, dass durch unsere Befragung beide Geschlechter abgebildet werden, da wir auch hier Unterschiede erwartet haben und diese mit in unserer Auswertung be- rücksichtigen wollten.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Forschendes Lernen zum Thema Belastung und Beanspruchung von Lehrenden
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Forschendes Lernen im Wohlfaartsstaat
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
43
Katalognummer
V458820
ISBN (eBook)
9783668906433
ISBN (Buch)
9783668906440
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forschendes Lernen, Belastung und Beanspruchung von Lehrenden, Lehrerstress, Forschungslogischer Ablauf
Arbeit zitieren
Mahmud Tunc (Autor), 2018, Forschendes Lernen zum Thema Belastung und Beanspruchung von Lehrenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458820

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