Der Attische Seebund als Herrschaftsmittel für die Hegemonie

Der antike Seebund aus geschichtlicher Perspektive


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
13 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung des Attischen Seebundes von 478 v. Chr.

3. Die Rolle der Athener im Attischen Seebund

4. Unterschiedliche Interessen am Attischen Seebund
4.1 Die Interessen der Athener
4.2 Die Interessen der Bündnispartner

5. Der Seebund als Herrschaftsmittel für die Hegemonie

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Literatur
7.3 Internetbelege

1. Einleitung

Bündnisse waren schon in der Antike ein wichtiges Mittel um die Herrschaft zu sicher, diese auszubauen oder sich gegen Feinde zu verteidigen. Im Jahre 478/477 v. Chr. wurde der erste Delisch-Attische Seebund gegründet und Athen war ein Teil dieses Bündnisses. Doch die ursprüngliche Idee eines gleichberechtigten Bündnisses veränderte sich stark im Laufe der Jahre. In dieser Hausarbeit möchte ich darum klären, ob der Delisch-Attische Seebund als reines Abwehrbündnis gegen die drohende Gefahr aus Persien diente oder ob der Delisch-Attische Seebund ein Herrschaftsmittel der Athener über seine Bundesgenossen war. Der erste Teil meiner Hausarbeit wird sich dabei erst einmal mit der zeitlichen Einordnung und der Entstehung des Seebundes beschäftigen und wer alles an diesem Bündnis beteiligt war. Danach zeige ich auf, welches Interesse die Athener und auch welches Interesse die Bündnispartner an der Aufrechterhaltung des Seebundes hatten. Der sich anschließende Teil der Hausarbeit, befasst sich mit der Stellung Athens innerhalb des Bündnisses und geht auf die Beantwortung der oben erwähnten Fragestellung ein. Abschließend wird dem Hauptteil meiner Arbeit mein Fazit folgen, in welchem ich versuchen werde die wichtigsten Punkte dieser Arbeit noch einmal herauszustellen und der Schwerpunkt darauf liegt die anfängliche Fragestellung zu beantworten. Als Literaturgrundlage beziehe ich mich auf das Buch von Christian Meier „Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte.“ und von Wolfgang Schuller „Die Herrschaft der Athener im Ersten Attischen Seebund.“ beziehen. Bei der Betrachtung der Quellen von Herodot und Thukydides ist anzumerken, dass beide in Athen ansässig waren und ihre Sichtweise auf das Geschehene wahrscheinlich nicht unvoreingenommen ist. Auch sind keine Quellen von abtrünnigen Bündnispartnern überliefert, welche eine weitere Sichtweise auf die anderen Quellen ermöglichen würden.

2. Entstehung des Attischen Seebundes von 478 v. Chr.

Bereits im Jahre 481. v. Chr. gab es einen Schutzbund gegen die Perser, welcher unter der Führung der Spartaner gegründet wurde. Insgesamt waren 31 Bündnispartner im so genannten Hellenenbund, unter anderem auch die Athener. Sparta und Athen waren zu diesem Zeitpunkt die stärksten griechischen Kriegsmächte und einige sahen Athen als die stärkste Seemacht an, weshalb man ihnen die Führung der Flotte des Schutzbundes übertragen wollte.

“In the first days, before the sending to Sicily for alliance, there had been talk of entrusting the command at sea to the Athenians. However, when the allies resisted, the Athenians waved their claim, considering the safety of Hellas of prime importance and seeing that if they quarreled over the leadership, Hellas must perish.”1

Allerdings gab es nicht nur Fürsprecher für Athen, da die Bündnispartner keinen zweiten Hegemon akzeptieren wollten. Dies führte dazu, dass Athen, trotz ihrer herausragend starken Flotte, vorerst auf die Hegemonie verzichtete. Im Jahre 479. v. Chr. kam es dazu, dass der Hellenenbund die Perser in einer Schlacht bei Mykale besiegten. Dieser große Sieg hatte zur Folge, dass viele kleinere Poleis darum baten in den Hellenenbund aufgenommen zu werden, da diese Angst vor einem Vergeltungsangriff der Perser hatten und sich nicht alleine gegen das persische Reich verteidigen konnten. Für Athen kamen diese Bitten sehr gelegen, da sie durch das Schutzversprechen, welches sie den Bündnispartnern gaben, die Lebensmittelzufuhr für ihre Stadt sicherten. Im Gegenzug für das lebensnotwendige Getreide würde Athen mit seinen Bündnispartnern die Sicherheit für die Ägäis gewährleisten. Die Spartaner, welche immer noch die Hegemonie inne hatten, sahen keine Notwendigkeit für die Aufnahme neuer Bündnispartner. Auf der Konferenz von Samos empfahlen sie den Ioniern, welche um die Aufnahme in den Bund baten, dass diese in einen anderen Teil Griechenlands umsiedeln sollten, da man weitere Truppeneinsätze im östlichen Teil des Ägäisraums vermeiden wollte.

„Sie fanden es ganz unmöglich, dass die Hellenen Ionien dauernd unter ihrer Obhut halten sollten, und doch durfte man nicht hoffen, dass die Ionier ohne solchen Schaden sich ungestraft von Persien freimachen könnten.“2

Nachdem im Jahre 478 v. Chr. Byzanz vom Hellenenbund eingenommen wird, sieht Sparta den Ägäisraum als gesichert an und „die Spartaner beschlossen nun, am Kriege nicht mehr teilzunehmen“3. Viele waren der Meinung, dass Athen besser für die Führung des Bundes geeignet war, allerdings „gab den Spartanern ja das Ansehen, das sie allgemein genossen, unabhängig von ihren tatsächlichen Leistungen den Vorrang“4. Sparta strebte keine Seeherrschaft an und gab daraufhin im Jahre 478/477 v. Chr. die Führung des Hellenenbundes an Athen weiter. Daraufhin erhielten Inseln wie Samos, Lesbos und Chios die Aufnahme in den Hellenenbund und wurden sogleich die wichtigsten Getreidelieferanten für Athen. „Später sind mehr als 100, schließlich weit mehr als 200 Mitglieder der Allianz bezeugt“5. Durch die neugewonnene Hegemonie schließt Athen neue Verträge mit seinen Bündnispartnern, welche der Grundstein für den delisch-attischen Seebund waren. Der neugegründete Seebund hatte zum Ziel auch künftig persische Angriffe auf die Poleis abzuwehren, aber auch, die für Athen sehr wichtigen Seehandelsrouten, zu schützen. Die Bündnispartner waren eine Vielzahl von Poleis auf dem griechischen Festland, aber eine Vielzahl von Insel im Ägäisraum, sowie einige Poleis in Westasien und Thrakien. Die Bündnispartner waren entweder dazu verpflichtet Schiffe für den Seebund zu stellen oder sie verpflichteten sich zu Zahlungen, die allerdings um einiges geringer waren als sie unter der Herrschaft der Perser standen. Wie genau der Hegemoniewechsel verlief ist unterschiedlich überliefert. Wir wissen von Thukydides, dass der Hegemoniewechsel wegen der Unbeliebtheit des Oberbefehlshabers Pausanias von Sparta stattgefunden haben soll und weil der andauernde Seekrieg für Sparta eine hohe Belastung war.

„Doch die spartanische Führung, die doch gerade hatte behauptet werden sollen, erwies sich als unmöglich. Denn Pausanias mache sich bei den Griechen, vor allem bei denen aus dem Osten, durch Strenge, Hochmut, angeblich auch durch Gewaltsamkeit derart unbeliebt, daß sich viele von ihnen an die Athener wandten, sie sollten das Kommando übernehmen.“6

Allerdings berichten Herodot und Aristoteles, dass Athen die Unbeliebtheit des spartanischen Oberbefehlshabers genutzt habe, um die Bündnispartner dazu zu bewegen sich vom Hellenenbund loszusagen und dadurch einen Hegemoniewechsel zu erzwingen.7,8,9

3. Die Rolle der Athener im Attischen Seebund

Athen sah sich von Anfang an in einer Führungsrolle innerhalb des Bundes, was alleine schon daraus ersichtlich wird, dass die Athener den Seebund „Die Athener und ihre Bundesgenossen“10 oder „Städte, über die die Athener Gewalt haben“11 nannten. Allerdings ist die Quellenlage zur Gründung des Attischen Seebundes nicht sehr gut, da es keine schriftlich festgehaltenden Verträge gab. Aristoteles zufolge gab es aber Treueeide, die durch das versenken von Metallklumpen im Meer besiegelt wurden und so lange Gültigkeit haben sollten, bis diese Metallklumpen an der Meeresoberfläche schwimmen.

„... im dritten Jahr nach der Seeschlacht bei Salamis, unter dem Archontant des Timosthenes, und dem Ioniern schwor, dieselben Feinde und Freunde zu haben. Dazu versenkten sie auch Metallklumpen im Meer.“12

Da Metallklumpen ja bekanntlich nicht schwimmen, ist dies ein Zeichen dafür, dass dieses Bündnis ein Bündnis für die Ewigkeit sein sollte. Bei diesen Eiden handelte es sich um Eide mit den einzelnen Städten, es gab keinen gemeinsamen Eid für alle Bündnispartner. Athen war nicht nur mit der Führung dieses Bundes betraut, sie kümmerten sich auch um innen- und außenpolitische Angelegenheiten. Auch war ihnen die Heeresführung vorbehalten und sie kümmerten sich darum das die zu leistenden Tribute geleistet wurden. Im Gegenzug dafür sicherten sie den Ägeisraum vor Piraten und kamen den Städten bei ihrem Krieg gegen das Persische Reich zur Hilfe. Trotz der einnehmenden Rolle, die Athen im Attischen Seebund hatte, gab es einen Bundesrat, der auf der Insel Delos abgehalten wurde. Diese Insel bot sich an für die Treffen bei denen alle Bündnispartner vertreten waren, da sie sehr Zentral im Ägeisraum lag und somit für alle Bündnispartner gut zu erreichen war.

4. Unterschiedliche Interessen am Attischen Seebund

4.1 Die Interessen der Athener

Athen hatte vor allem ein wirtschaftliches Interesse an einem Bündnis mit anderen Städten, denn die Erhaltung und Erweiterung ihrer Seeflotte kostete die Athener viel Geld. Auch musste die Versorgung der Stadt mit Getreide sicher gestellt werden, daher kam es den Athenern sehr entgegen, dass sie das bereits bestehende Bündnissystem der Spartaner übernehmen konnten. Die Flotte diente nicht nur zur Verteidigung vor Persien, sondern auch dafür, die Handelswege in der Ägäis vor Piraten zu sichern, sowie natürlich zur Eintreibung von Geldern der Bündnispartnern oder abtrünnig gewordener Städte und zur Expansion. So konnten die Athener Städte in Kleinasien erschließen und Kolonien in Thrakien gründen. Auch wenn der Seebund bei Mykale einen großen Sieg über die Perser erringen konnte, war die Bedrohung durch das persische Großreich weiterhin vorhanden. Dies war ein weiterer Grund den Seebund aufrecht zu erhalten, da die Furcht vor persischen Angriffen allgegenwärtig war. Aber auch der Rachegedanke für die erlittenen Niederlagen und Plünderungen durch die Perser führte zur Aufrechterhaltung des Bündnisses. Athen und seine Bündnispartner wollten Vergeltung, welches ein weiteres gemeinsames Interesse war. Außerdem war das Persische Reich bekannt für seine Reichtümer, welche ein besonderes Interesse für die Athener hatten, da die Unterhaltung der Flotte eine teure Angelegenheit für sie war. Athen sah die geplünderten Reichtümer als eine Art gewaltsames Beschaffen von Reparationszahlung an, welche das Persische Reich ihnen wegen des Krieges schuldete.

[...]


1 Hdt. 8,3.

2 Hdt. 9,106.

3 Meier, Christian: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Berlin 1993. Seite 296.

4 Ebd. Seite 296.

5 Ebd. Seite 297.

6 Meier, Christian: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Berlin 1993. Seite 296.

7 Thuk. 1,95-96.

8 Hdt. 8,3,2.

9 Aristot. Ath. Pol. 23,2.

10 Schuller, Wolfgang: Die Stadt als Tyrann – Athens Herrschaft über seine Bundesgenossen. Konstanz, 1978. Seite 10.

11 Ebd. Seite 10.

12 Aristot. Ath. Pol. 23, 5.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Attische Seebund als Herrschaftsmittel für die Hegemonie
Untertitel
Der antike Seebund aus geschichtlicher Perspektive
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Athen - Kultur und Gesellschaft in klassischer Zeit
Note
2,3
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V458838
ISBN (eBook)
9783668900301
ISBN (Buch)
9783668900318
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Athen, Attischer Seebund, Attisch, Seebund, Antike, Entstehung, Interessen, Bündnispartner
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Der Attische Seebund als Herrschaftsmittel für die Hegemonie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458838

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