Konstantin der Große. War er ein Heiliger?


Seminararbeit, 2018

16 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Konstantin – Kandidat für eine Heiligsprechung

2. Was ist ein Heiliger?

3. Das Heiligsprechungsverfahren der katholischen Kirche: Früher und heute
3.1. Das Verfahren zwischen dem 4 Jh. und
3.2. Das heutige Heiligsprechungsverfahren
3.2.1. Die Beatifikation
3.2.2. Die Kanonisation

4. Kurzbiographie von Konstantin I.: Vom Kind zum gläubigen Kaiser
4.1 Die Kindheit
4.2. Spiel um Macht
4.3. Die Schlacht an der Milvischen Brücke
4.4. Der Konflikt mit Licinius
4.5. Die Alleinherrschaft

5. Ist ein Heiligsprechungsverfahren überhaupt möglich?

6. Konstantin der Große: Heiliger, Seliger oder doch nur christlicher Kaiser?
6.1. Die Wunder
6.2. Die Tugend

7. Auswirkungen einer möglichen Kanonisation/Beatifikation Konstantins in der römisch-katholischen Kirche

8. Auswirkungen der Heiligsprechung in der orthodoxen Kirche

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

War Konstantin der Große ein Heiliger?

1. Konstantin – Kandidat für eine Heiligsprechung

Flavius Valerius Constantinus, der meist eher unter dem Namen „Konstantin der Große“ bekannte spätantike Kaiser, war einer der maßgeblichen Männer in der Kirchengeschichte. Durch die berühmte Schlacht an der Milvischen Brücke und seine Herrschaftspolitik legte er das Fundament für eine christliche Staatskirche. Heute wird er in zahlreichen Kirchen, wie etwa in der „orthodoxen, der armenischen und der koptischen Kirche“1, als Heiliger verehrt. Bislang wurde Konstantin I. von der römisch-katholischen Kirche noch nicht heiliggesprochen, dennoch behaupten zahlreiche Internetseiten sein Name sei im Heiligenkalender zu finden.2 Dies lässt sich nicht bestätigen, da er nicht im Martyrologium Romanum3 als Heiliger aufgelistet ist.4 Doch war Konstantin der Große wirklich ein Heiliger?

Genau dieser Frage widmet sich diese Seminararbeit. Dazu wird der Begriff „Heiliger“ definiert und das Heiligsprechungsverfahren dargelegt. Dabei wird auch die Entstehung dieses Verfahrens berücksichtigt. Anschließend wird das Leben Konstantins systematisch durchleuchtet, sowohl vor seiner Alleinherrschaft als auch danach. Daraufhin werden die beiden zuletzt genannten Punkte miteinander verglichen und festgestellt, ob er nun heilig war oder nicht. Zu guter Letzt werden die möglichen Folgen einer Heiligsprechung Konstantins aufgezeigt. Während der gesamten Arbeit soll herausgearbeitet werden, ob man ihn als Heiligen bezeichnen kann. Dabei soll keine „Check-Liste“ entstehen, woran man einen Heiligen erkennen kann, oder ein Vergleich mit einem anderen Heiligen erfolgen.

2. Was ist ein Heiliger?

Die Ernennung zum Heiligen ist in der römisch-katholischen Kirche an das Heiligsprechungsverfahren geknüpft. Bevor auf eben dieses Verfahren eingegangen werden kann, muss erst einmal der Begriff „Heiliger“ definiert werden. Darunter werden „[i]n Modifikation des chr. Begriffs […] lebende, verstorbene od. myth. Persönlichkeiten verstanden, die sich durch besondere Nähe z. Numinosen auszeichnen od. den Maßstäben der jeweil. Religion in weit überdurchschnittl. Maß genügen“.5

3. Das Heiligsprechungsverfahren der katholischen Kirche: Früher und heute

6 In der römisch-katholischen Kirche ist das Heiligsprechungsverfahren seit 1983 klar nach dem CIC7 neu geregelt. Anders verfährt die orthodoxen Kirche, wo kein offizielles Heiligsprechungsverfahren, jedoch eine Kultanerkennung erfolgt. Jenes war nicht immer so.

3.1. Das Verfahren zwischen dem 4 Jh. und 1983

8 Die Entstehung des Heiligsprechungsverfahrens entwickelte sich schon vor dem 4.Jh., als zahlreiche Märtyrer durch das Volk verehrt wurden. Ab der 2. Hälfte des 4.Jh. erweiterte sich dieser öffentliche Kult, auf Personen, welche Wunder bewirkten, und auf Bischöfe, und auch Lehrer, welche den Irrglauben bekämpften. Teil dieser Volksverehrung war es auch, die Gebeine der Heiligen aufzubewahren, ihren Lebens- und Leidensweg dem Volk vorzulesen und später die Zustimmung des örtlichen Bischofs, in Ausnahmefällen die Zustimmung des römischen Bischofs, für einen öffentlichen Kult zu erhalten. Erst 993 wurde die erste offizielle Heiligsprechung von Papst Johannes XV. vorgenommen. 1234 erhielt das Verfahren durch die Dekretale9 „Audivimus“ von Alexander III., „welche die Verehrung eines Heiligen ohne Autorität der römischen Kirche untersagte“10, Verbindlichkeit. Jedoch wurde dies weitestgehend missachtet, was zu der Unterscheidung zwischen selig und heilig führte. Erst 1588 wurde das päpstliche Vorbehaltsrecht, durch die SC Rit. von Sixtus V., umgesetzt. 1917 wurde das Heiligsprechungsverfahren von Urban VIII. durch Benedikt XIV. erneut so verändert, dass ein „heroisches Tugendstreben u. sein Vorbildcharakter prozessual erwiesen“11 sein musste. Dieses mitunter sehr langwierige Verfahren wurde im Jahr 1969 durch Paul VI. gestrafft.

3.2. Das heutige Heiligsprechungsverfahren

12 Im Codex Iuris Canonici ist seit 1983 das heutige Heiligsprechungsverfahren niedergeschrieben. Doch bevor die Kanonisation13 erfolgen kann, muss eine Beatifikation14 vorliegen. Dabei unterscheidet sich die Seligsprechung insofern von der Heiligsprechung, dass der/die Seliggesprochene nur beschränkt15 verehrt werden darf, wohingegen der/die Heiliggesprochene in der ganzen römischen-katholischen Kirche verehrt wird. Dabei wird bei beiden Verfahren zwischen drei Prozessarten unterschieden. Zum einem „dem Prozess über die Tugenden, [wo] […] sich die [zu] verehrende Person durch ein besonders tugendhaftes christliches Leben [auszeichnet] […], dem Prozess über das Martyrium, der dann stattfindet wenn die betreffende Person den Märtyrertod gestorben ist […] und dem Prozess über Wunder“16, wo Wunder nachgewiesen werden müssen.

3.2.1. Die Beatifikation

17 Bevor ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet werden kann, muss die betroffene Person mindestens fünf Jahre tot sein. Erst danach kann der Impuls für ein Seligsprechungsverfahren, beim Bischof der betreffenden Diözese, durch einen „Aktor“18 eingeleitet werden. Dabei finanziert und begleitet dieser den gesamten Prozess. Zu dem Ganzen wird dann, ausgehend vom „Aktor“, ein „Postulator“19 hinzugezogen, welcher die Aufgabe hat, alle Informationen der betreffenden Person zu sammeln, vom Lebenslauf bis hin zu verfassten Schriften und Zeugenaussagen. Dabei werden alle „unerklärlichen und wundersamen Vorgänge […] von einem Gremium aus Medizinern und Wissenschaftlern auf ihre Unerklärlichkeit geprüft“20, was dann vom Papst als Wunder anerkannt oder abgelehnt werden kann. Nach der Beweissammlung, können Gläubige ihre Bedenken gegen das Verfahren beim Bischof vorbringen, was zu einem Verfahrensstopp führen kann. Sobald der Bischof die Akte geprüft hat, wird diese an die römische Heiligsprechungskongregation übergeben. Dort wird aus den gesammelten Informationen die sogenannte „Positio“21 durch den „Relator“22 erstellt. Diese „Positio“ wird anschließend von sechs Theologiekonsultatoren bezüglich des christlichen Lebens, des Martyriums oder des Wunders geprüft. Wird zu Gunsten des Betreffenden entschieden, wird ein letztes Votum in der Versammlung der Kongregations- bischöfen und -kardinäle abgehalten. Diese können dem Papst einen Handlungsvorschlag liefern. Letztendlich entscheidet der Papst, wer seliggesprochen wird und wer nicht.

3.2.2. Die Kanonisation

23 Wurde die betreffende Person seliggesprochen, kann ein Heiligsprechungsverfahren erst fünfzig Jahre nach deren Tod eingeleitet werden. Dabei muss die Beatifikation vorher erfolgt sein, da bei der Kanonisation ein weiteres Wunder nach der Seligsprechung erfolgt und nachgewiesen werden muss. Erst dann kann der Papst diese Person zum Heiligen ernennen.

Bei beiden Verfahren können nur getaufte Christen selig- bzw. heilig- gesprochen werden.

4. Kurzbiographie von Konstantin I.: Vom Kind zum gläubigen Kaiser

4.1 Die Kindheit

24 Flavius Valerius Constantinus wurde als Sohn des Caesar von Britannien und Gallien, Constantius Chlorus, und der Helena25, welche von niedriger Herkunft war, in der diokletianischen Tetrarchie zwischen 270 und 288 in Naissus in Moesien, dem heutigen Serbien, unehelich geboren. „Konstantin war [dementsprechend] ein Bastard“.26 Der Vater verließ Helena in der frühen Kindheit Konstantins, um Theodora, die Tochter des Augustus Maximian, zu heiraten. In seiner Jugend erhielt Konstantin eine militärische Ausbildung, sodass er schon früh in der Reiterei des Caesar Galerius als „tribunus primi ordinis“27 diente.

4.2. Spiel um Macht

28 Nachdem Diokletian und Maximian als Augusti zurücktraten und Galerius sowie Constantius zu den nachfolgenden Augusti wurden, zog Konstantin zu seinem Vater nach Britannien.29 Dort wurde er, nach dem Tod seines Vater, am 25. Juli 306 von den Truppen des Constantius Chlorus zum Augustus ausgerufen. Doch Galerius erkannte ihn nur als Caesar des Westens an, was Konstantin akzeptierte. 307 heiratete Konstantin der Große Fausta, die Tochter des Maximian, da dieser Konstantin zum Augustus erhob. Dies war für Konstantin von Vorteil, da zu diesem Zeitpunkt ein Bürgerkrieg um die Kaiserherrschaft tobte. Diokletian30, welcher 308, auf Bitte des Galerius hin, eine Kaiserkonferenz in Carnuntum einberief, mit dem Ziel, den Krieg zu beenden, degradierte Konstantin zum Caesar unter dem Augustus Licinius. Als 310 Maximian sich zum Augustus ausrufen ließ, zwang Konstantin seinen Schwiegervater mit militärischem Druck zurückzutreten, was mit dem Selbstmord Maximians endete. Aufgrund dessen brauchte Konstantin eine neue Herrschaftslegitimation, welche er durch den Sonnengott Sol erlangte.31 Gegen Ende 310 soll „Apollo [, welcher auch als Sonnengott verehrt wird,] […] dem Kaiser in Begleitung der Siegesgöttin Victoria erschienen [sein]“32 und ihm eine dreißigjährige Regierungszeit, durch einen „Lorbeerkranz mit dem Zahlzeichen XXX“33, prophezeit haben. Solche göttlichen Visionen waren zur damaligen Zeit keine Seltenheit.

4.3. Die Schlacht an der Milvischen Brücke 312

34 Nach dem Tod des Galerius kam es erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen, diesmal zwischen Konstantin I. und Maxentius, dem Sohn des Maximian, die nach den Belagerungen von Susa, Turin, Verona und Aquileia 312 in der berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke vor Rom endeten. Entstanden war der Krieg durch die Kriegserklärung des Maxentius, indem er die Statuen des Konstantin in Rom niederriss. Vor der entscheidenden Schlacht soll Konstantin laut Laktanz in De mortibus persecutorum 44,5, „im Schlaf ermahnt [worden sein], das himmlische Zeichen Gottes auf den Schilden anzubringen“.35 Wohingegen Eusebius in der Vita Constantini 1,30f. behauptet, Konstantin habe ein Kreuzzeichen am Himmel zusammen mit der Schrift „hierdurch siege“36 gesehen, und in dem darauffolgenden Traum soll ihm Christus erschienen sein, welcher ihn anwies, das gesehene Kreuzzeichen zu fertigen. Am nächsten Tag ertrank Maxentius in der Schlacht, als er auf der Flucht vor Konstantin in den Tiber fiel.

[...]


1 S.v. Der Theologe Nr.66. Kaiser Konstantin, Steigbügelhalter der Machtkirche und Bekämpfer der Urchristen [12].

2 Ebd.

3 Das Martyrologium Romanum ist eine Auflistung aller Märtyrer und Heiligen der römisch-katholischen Kirche.

4 Vgl. Martyrologium Romanum [1].

5 LThK [3], s.v. Heilige. I. Religionsgeschichtlich, Sp.1274.

6 Vgl. LThK [3], s.v. Heiligsprechung, Sp.1330f.

7 Der Codex Iuris Canonici „ist das Gesetzbuch des Kirchenrechts der römisch-katholischen Kirche.“ S.v. Codex Iuris Canonici [14].

8 Vgl. LThK [3], s.v. Heiligsprechung, Sp.1329.

9 „[P]äpstliche Entscheidung in einer Einzelfrage“ s.v. Duden. Dekretale [13].

10 Otfried Krafft [6] S.103.

11 Vgl. LThK [3], s.v. Heiligsprechung, Sp.1329.

12 Vgl. Kerstin Fischer [8] S. 4-6.

13 Heiligsprechung.

14 Seligsprechung.

15 Z.B in bestimmten Gemeinden, Bezirken oder Staaten.

16 Kerstin Fischer [8] S. 5f.

17 Vgl. Kerstin Fischer [8] S. 5-9.

18 „Der Aktor initiiert den Selig- oder Heiligsprechungsprozess, indem er den Bischof um eine Einleitung des Verfahrens bittet.“ Kerstin Fischer [8] S. 6.

19 „Als ‚Postu[la]tor‘ werden nur Gläubige mit theologischer und kirchenrechtlicher Ausbildung zugelassen, die außerdem als Fachhistoriker gelten und mit Heiligsprechungsverfahren vertraut sind.“ Ebd. S. 7.

20 Ebd. S.7f.

21 „In Buchform gebundene Akte über das bischöfliche Erhebungsverfahren.“ Marckhoff, Das Selig- und Heiligsprechungsverfahren nach katholischem Kirchenrecht, S.21; zit. nach Kerstin Fischer [8] S. 8.

22 Ein Fachhistoriker, welcher zwei unterschiedliche Sprachen, Italienisch und eine theologische Ausbildung vorweisen kann. Vgl. Kerstin Fischer [8] S. 8.

23 Vgl. Kerstin Fischer [8] S. 5.

24 Vgl. Karen Piepenbrink [11] S. 28f.

25 Vgl. Manfred Clauss [10] S. 14.

26 Ebd. S. 19.

27 Hoher Offiziersrang.

28 Vgl. Hartwin Brandt [7] S. 19-21.

29 Vgl. Karen Piepenbrink [11] S. 29.

30 Vgl. Manfred Clauss [10] S. 23-26.

31 Vgl. Karen Piepenbrink [11] S. 32.

32 Manfred Clauss [10] S. 25.

33 Ebd. S. 25f.

34 Vgl. Karen Piepenbrink [11] S. 36-38.

35 Zit. nach Karen Piepenbrink [11] S. 38.

36 Zit. nach ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Konstantin der Große. War er ein Heiliger?
Note
1,5
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V458842
ISBN (eBook)
9783668898738
ISBN (Buch)
9783668898745
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spätantike, Geschichte, Religion, Heiliger, Konstantin I., Konstantin der Große, Heiligsprechungverfahren, Kurzbiographie, Heilig, Flavius Valerius Constantinus, Seminararbeit
Arbeit zitieren
Christopher Siemens (Autor:in), 2018, Konstantin der Große. War er ein Heiliger?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458842

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