Die Kampftechnik der Hopliten


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kampfesweise der Phalangen
2.1. Bewaffnung
2.2. Rohstoffe und Bevölkerungswachstum
2.3. Die Polis und der Hoplit

3. Die Phalanx, ein Abbild einer Polis
3.1. Die Klasse der Hopliten in der Polisgemeinschaft
3.2. Vorraussetzungen

4. Altgriechische Kriegsführung
4.1. Die Schlacht von Leuktra
4.2. Die Schiefe Schlachtordnung
4.3. Die Schlacht von Gaugamela
4.3.1. Aufstellung der Heere
4.3.2. Der Schlachtverlauf
4.3.3. Das Ende der Schlacht
4.4. Die Heilige Schar

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

A. Quellen
B. Literatur
C. Filmverzeichnis

1. Einleitung

Dank populärer Filme wie Alexander1 , 3002 oder Troja3 ist heutzutage ein Bewusstsein für die antike Kriegsführung vorhanden. Im alten Griechenland war die Schlacht zwischen zweier Phalangen 4 auf offenem Feld die übliche Art um im kriegerische Auseinandersetzungen auszutragen.

Hauptträger für diese Art der Kriegsführung war der Hoplit 5, der von seiner Entstehung an in der archaischen Epoche 6, eine immer größerwerdende Bedeutung in der damaligen Kriegsführung annahm und bald zum Aushängeschild dieser wurde.

Hopliten reihten sich, bei einer meist offenen Feldschlacht, Seite an Seite und schützten sich gegenseitig mit ihrem Namensgeber, dem Hoplon 7. Diese, in die Tiefe gestaffelte Formation von Hopliten, bei der jeder Hoplit seinen jeweils rechten Nachbar mitschützt, wird auch Phalanx 8 genannt.

Die Entwicklung des Hopliten steht eng in der Verbindung mit der Entwicklung der Phalanx, die in der vorliegenden Arbeit auch behandelt wird. Da die Entwicklung einer Polis im Zusammenhang zu der jeweiligen Kriegsführung steht, wird auch diese im Blickpunkt sein.

In einer griechischen Polis, die Ursprung und Mittelpunkt des jeweiligen Militärwesen war, sind nicht nur die Hopliten sondern auch andere Einheiten Teil der Kriegsmaschinerie.

So spielten Reiterei, Fernkämpfer und Leichtbewaffnete eine unterschiedlich große Rolle. Trotz der Existenz dieser Hilfstruppen, sind die Hopliten für die damalige Zeit und für die Entwicklung der Poleis 9 ein Sinnbild für die Kriegsführung und werden deshalb hier in den Vordergrund gestellt.

Als Quellen dienen, neben archäologischen Quellen wie hauptsächlich Vasen und Rüstungsteilen sowie Waffenüberbleibsel, vorallem Schriften griechischer Lyriker wie Archilochos10, Tyrtaios11 oder Kallinos 12, die selbst als Hopliten in einer Phalanx gekämpft hatten und sich mit den Gepflogenheiten entsprechend auskannten. Sie geben einen Einblick in die Kampfesweise und Motivation der Streitkräfte wieder.

In den Vordergund der Arbeit soll auch die Kriegsführung sowie die Entwicklung der Hopliten gestellt werden. Desweiteren wird anhand der Schlachten von Leuktra und Gaugamela auf Besonderheiten, wie der Schiefen Schlachtordnung und der Heiligen Schar eingegangen.

2. Die Kampfesweise der Phalangen

Der in der Einleitung erwähnte Lyriker Tyrtaios, der selbst als Hoplit in einer Phalanx gekämpft hatte, umschreibt die Kampfesweise derart:

"Stemmet nur Fuß bei Fuß und Schutzschild neben dem Schutzschild, lasset den Helm an den Helm streifen und Busch an Busch, nähert die Brust der Brust: So führet den Kampf mit dem Gegner, entweder mit dem Schwert oder dem mächtigen Speer."13

Zusammen rückten die Hopliten hintereinander gestaffelt in einer Phalanx vor. Sie schützten sich gegenseitig mit ihrem Rundschild in der rechten Hand, während sie ihre Stoßlanze in der linken Hand trugen.

Da die rechte Seite einer Phalanx verstärkt besetzt war, (eine Ausnahme:die Schiefe Schlachtordnung14 ) gewann meist diejenige Phalanx, deren rechter Flügel eine bessere Durchschlagkraft hatte. Dies hatte auch zur Folge, dass die Phalangen sich im Kampf gegen den Uhrzeigersinn drehten. War eine Phalanx besiegt, so war die Verfolgung dieser nur sehr schwer möglich, da die Rüstung zu schwer war: Mit der Niederlegung der Rüstung wäre hierbei daber er eigene Schutz in Gefahr gewesen, deshalb wurde oft auf eine Verfolgung verzichtet. Die Fliehenden mussten ihre Bewaffnung zurücklassen, um schnell genug zu sein. Es gab kein Feldlager wie bei den Römern, in das sich die Hopliten zurückziehen konnten. Vielmehr kam eine Niederlage mit einer Aufgabe des jeweiligen Territoriums gleich.15

Mit der Niederlegung des Hoplon, war also eine Schlacht in der Regel beendet.16

Der Sieger beschränkte sich meist auf die Besetzung des Schlachtfeldes, sowie auf die Errichtung eines "Tropaion" als Zeichen des Sieges.17 Der Verlierer zeigte die Anerkennung der Niederlage mit der Bitte um die Beerdigung seiner toten Soldaten.18

2.1. Bewaffnung

Wie zwei Dampfwalzen trafen zwei griechische Hoplitenheere aufeinandner.Geschuldet ist der Ausdruck Dampfwalze hierbei der schweren Bewaffnung: der Panoplie (gr.: πανοπλία, panoplía19 ) was in etwa "Allbewaffnung" bedeutet20. Die Panoplie bestand aus dem großen Rundschild ( aspis21 ), welcher den gesamten Körper Oberkörper decken konnte. Dieser Schild bestand aus Holz, war mit Bronze verziert und maß etwa 1 Meter im Durchmesser. Die Angriffswaffen waren eine Stoßlanze (Doru bzw. Sarissa22 ) und ein Kurzsschwert für den Nahkampf, wenn die Stoßlanze brach. Weitere Rüstungsteile waren bronzene Beinschienen und ein bronzener Brustpranzer.

Den Kopf schützte ein bronzener Helm, der den ganzen Kopf und das Gesicht mit Wange und Nase bedeckte.23 Die Ausrüstung bot bestmöglichen Schutz, hatte aber Langsamkeit und Unbeweglichkeit zum Nachteil. In der großen Masse war dies wegen der Durchsetzungskraft einen Vorteil, als einzelner Soldat im offenen Gelände war es jedoch ein großer Nachteil. Die Bewaffnung des Hopliten war sehr schwer, weshalb eine Schlacht für beide Seiten sehr kräfteverzerrend war, zudem befand man sich im Vorwärtsgang, da ein Zurückweichen aufgrund der hinterherrückenden Einheiten, nur sehr schwer war:

"...Schild drängte Schild, Helm Helm und Mann den Mann, und es berührten einander roßmännige Helme mit glänzenden Bügeln, wenn sie nickten, so dicht standen sie aneinander."24

2.2. Rohstoffe und Bevölkerungswachstum

Grundlage für die Ausrüstung war ein entsprechender Vorrat an Rohstoffen zur Herstellung dieser. Durch das Anfertigen der Waffen und Rüstungen wurde die Nachfrage nach diesem Vorrat erhöht.Die verstärkte Nutzung von Bronze in der Ausrüstung und von anderen Metallen bzw. Rohstoffen, hatte deshalb einen Einfluss auf die Gewinnung der Rohstoffe aus dem Bergbau aber auch aus dem Handel im Mittelmeerraum.25 Durch Handelsnetze, Expansion und der Technologie zum Abbau von Metallen und zur Anfertigung von Rüstungen, konnte diese Nachfrage grundsätzlich gestillt werden. Die bronzene Ausrüstung verbreitete sich in ganz Griechenland im Laufe der Jahrhunderte und wurde so ein Teil des äußeren Erscheinungsbildes des griechischen Kriegers in der nicht-griechischen Welt.26 Durch wirtschaftlichen Aufschwung konnten sich immer mehr Bürger in den Poleis eine Panoplia leisten und reichen Städten war es sogar möglich, ganze Armeen aus Hopliten bereitzustellen.27 Da sich die Hopliten jedoch in der Regel selbst ausrüsteten, hing die Armeegröße von den finanziellen Möglichkeiten der Bürger ab. Die Bevölkerungszahlen der griechischen Poleis sind auch der Grund für die Expansion und Kolonisation im Mittelmeerraum, die auch mit Militärgewalt durchgesetzt wurde.28

2.3. Die Polis und der Hoplit

Mit den wirtschaftlichen und demographischen Veränderungen ging eine Entwicklung des Kriegsgeschehens einher.29 So verschoben sich die Art der Kriegsführung und die Gründe den Krieg zu führen immer mehr.Waren Kriege zuvor Privatsache einzelner Adeliger oder Könige, die mit militärischen Mitteln private Ziele und Interessen durchsetzen wollten, wurden diese nun mehr und mehr aufgrund von Rohstoffen und den Gewinn von fruchtbaren Böden ausgetragen.30 Aber auch eine Überbevölkerung der Poleis führte zu einer Expansion im gesamten Mittelmeerraum, welche sich auch mit militärischen Mitteln zugetragen hatte. Der Krieg wurde deshalb zu einer Angelegenheit der gesamten Polisgemeinschaft. Als Beispiele sind die Messenischen Kriege31 und der Kampf zwischen Athen und Megara um die Eleusinische Ebene auf Salamis zu erwähnen. Diese Kriege hat das Ziel die Expansion des eigenen Gebietes auf fruchtbares Land voranzutreiben.32

3. Die Phalanx, ein Abbild einer Polis

Lyriker der gehobenen Vermögensklasse kämpften selbst in einer Phalanx und hoben deren Bedeutung für die Polisgemeinschaft besonders hervor und idealisierten deren Kampfesweise als Abbild für den Zusammenhalt einer Polis.33 Die Phalanx wurde somit zum Symbol einer politisierten Bürgerschaft erhoben.

3.1. Die Klasse der Hopliten in der Polisgemeinschaft

Egal welchen Status die einzelnen Soldaten in ihrer Polis hatten, sie kämpften in der Schlachtformation der Phalanx Seite an Seite für ihr gemeinsames Überleben. Die Polis forcierte folglich nicht nur zum Lebensort sondern auch zugleich zu einer Kampfesgemeinschaft.34 In Formation kämpfende Hopliten war aufeinander angewiesen: Jeder einzelne Hoplit musste sich auf seinen Nachbarn und dessen Disziplin verlassen können. Jede Panik und jeder Fluchtversuch konnten verheerend und eine Gefährdung für das Überleben aller sein.35 Dieses Bewusstsein, dass jeder Einzelne das Schicksal der anderen um ihn herum maßgeblich beeinflusste, beflügelte die Hopliten zu großer Tapferkeit, da sich jeder seiner wichtigen Rolle im Kampf bewusst war. Sein eigenes Leben für die Polis zu opfern wird als edel dargestellt.36 Der Mann sollte seinen Speer packen und dem Ansturm mit seinem Kameraden standhalten. Nach Kallinos winkten als Belohnung "Ehre und Glanz", denn er hat das Leben seines "Vaterlandes" und das "Leben seiner Frau und Kinder geschützt und bewahrt".37 Viele populäre, zeitgenössische Dichter, Politiker und Philosophen haben selbst in einer Phalanx gedient: Sophokles, Sokrates, Aristides, Themistokles, Militiades, Aischylos und Demosthenes sind einige Beispiele dafür, dass diese uns bekannten Persönlichkeiten trotz ihres hohen Bildungsstandes oder ihrer gehobenen politischen Stellung als Hopliten in einer Phalanx gekämpft hatten.38

[...]


1 Stone, Oliver: Alexander. 2004.

2 Snyder, Zack: 300. 2004.

3 Petersen, Wolfgang: Troja. 2004.

4 Die Phalanx, (pl. Phalangen), war eine Schlachtformation die mehrere hintereinander gestaffelte Abteilungen von Hopliten umfasste. Je nach Taktik war die Tiefe der Staffelungen dabei unterschiedlich.
Franz, Johann Peter: Krieger, Bauern, Bürger. Untersuchungen zu den Hopliten in der archaischen und klassischen Zeit, Frankfurt a. M. 2002, S.149-159, S. 195-199.

5 Der Hoplit war der schwere Infanterist des griechischen Heeres zwischen dem siebten und vierten Jahrunderts vor Christus. Sein Name leitet sich von seinem großen Rundschild, dem Hoplon, ab. Mitchell, Stephen: Hoplite Warfare in Ancient Greece, in: Lloyd, Alan B. (ed.): Battle in Antiquity, London 1996, S. 87-105, S.891.

6 Die Archaische Zeit mfasste das siebte und sechste Jahrhundert v.Chr. Das Ende der archaischen Epoche wird üblicherweise um das Jahre 500 v. Chr. Gesehen. Parker: Kriegskultur der Archaischen Epoche, S.209.

7 Der Hoplon war ein bronzener Rundschild mit hölzener Rahmen, circa 90 cm Durchmesser groß. Ducrey: Warfare, S.47f.

8 Siehe Fußnote 1.

9 Die Polis / Poleis war ein griechischer Verbund von Stadtstaaten.Welwei, Karl-Wilhelm u. Rhodes, P. J.: Polis. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 10, Metzler, Stuttgart 2001, Sp. 22–26.

10 Archilochos: Griechischer Lyriker, geboren nach 700 v. Chr. In Paros. Er diente als Söldner und fiel im Kampf. Irmscher, Johannes (Hrsg.): Lexikon der Antike, Leipzig. 1990, S.54

11 Tyrtaios: Griechischer Lyriker aus unbekannter Herkunft, sesshaft in Sparta. Imrscher: Lexikon der Antike, S.54.

12 Kallinos: Elegischer Dichter aus Ephesos, Ca. 650 vor Christus. Cancik, Hubert u. Schuster, Helmut (Hrsg.): Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 6, Stuttgart 1999, Sp. 198.

13 Tyrtaios 11 W = 8 D, 31-34.

14 Die Schiefe Schlachtordnung umfasst eine Änderung der bisherigen Kampfformation der Phalanx. Die Änderung umfasste die Tiefe der Staffelung der Hopliten, die nun auf die äußere linke Flanke verstärkt wurden. Erstmals war dies in der Schlacht von Leuktra entwickelt worden. Hanson, Victor: Epameinondas, the Battle of Leuktra (371 B. C.) and the "Revolution" in Greek Battle Tactics. In: E. Wheeler (Hg.), The Armies of Classical Greece. Aldershot 2007, S. 503-520.

15 Adcock: Art of War, S.20.

16 Ebd.

17 Raaflaub: Protohopliten, S.238.

18 Adcock: Art of War, S.14.

19 Die Panoplia umfasste eine vollständige Hoplitenausrüstung. Snodgrass: Arms and Armour, S.49.

20 Ebd.

21 Ebd.

22 Ebd.

23 Ebd.

24 Ilias 13, 128-30 und 13, 131-33 = 16,215-17.

25 Murray, Oswyn: das frühe Griechenland, München 1982, S.161.

26 Snodgrass: Arms and Armour, S.49.

27 Ebd.

28 Parker: Kriegskultur der Archaischen Epoche, S. 213 f.

29 Parker: Kriegskultur der Archaischen Epoche, S. 213 f.

30 Franz, Johann Peter: Krieger, Bauern, Bürger. Untersuchungen zu den Hopliten der archaischen und klassischen Zeit, Frankfurt a.M. 2002, S.119.

31 Raaflaub: Protohopliten, S.260.

32 Raaflaub: Protohopliten, S.260.

33 Der Dichter Archilochos kämpfte selbst als Hoplit. Archilochos Fr. 5;2.

34 Edward van der Vliet: Polis. The Problem of Statehood. In: Social Evolution & History 4, 2005, S. 120–150.

35 Ebd.

36 "Nicht ziemlich ist es ihm, sich wehrend um die Heimat zu sterben." Ilias 15, 494-99.

37 Kallinos 1 W = 1 D, 5-9.

38 Hanson: Kriege der griechischen Antike, S.48.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Kampftechnik der Hopliten
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Einführungsseminar: Alexander der Große
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V458854
ISBN (eBook)
9783668882157
ISBN (Buch)
9783668882164
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hopliten, Kampftechnik der Hopliten, Alexander der Große, Antike, Antikes Griechenland, Die Heilige Schar, Die Schlacht bei Gaugamela, Die Schlacht von Leuktra
Arbeit zitieren
Georg Spann (Autor), 2013, Die Kampftechnik der Hopliten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458854

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