Soziale Medien und Freundschaft 2.0 in der Psychologie

Zur Beziehungsqualität verschiedener Freundschaftstypen


Bachelorarbeit, 2018
45 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1.Einleitung
1.1 Freundschaft und soziale Medien
1.2 Aktueller Forschungsstand
1.3 Hypothesen

2.Methoden
2.1 Stichprobe
2.2 Vorgehensweise und Instrumente
2.3 Analytische Verfahren.

3.Ergebnisse
3.1 Deskriptive Ergebnisse
3.2 Inferenzstatistische Ergebnisse

4.Diskussion
4.1 Schlussfolgerungen
4.2 Limitationen
4.3 Ausblick

5.Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Beziehungsqualität verschiedener Freundschaftsformen. Untersucht und verglichen wurden jeweils Offline-, Online- und Gemischte-Freundschaften der Teilnehmer mit Berücksichtigung weiterer potenzieller Einflussfaktoren. Die unterstützende Funktion zeigte die stärksten Abweichungen unter den drei Gruppen. So werden die Offline-Freunde am hilfreichsten wahrgenommen, gefolgt von den Gemischten-Freunden. Das Schlusslicht bildeten die Online-Freunde, die weniger unterstützend sind als Offline- und Gemischte-Freunde. Weiterhin zeigte sich, dass Offline-Freundschaften intimer sind als Online-Freundschaften. Der größte Einflussfaktor war das Geschlecht der Befragten. Weibliche Teilnehmer wiesen bei allen drei Freundschaften höhere Qualitäten auf als männliche Teilnehmer. Weitere Einflussfaktoren waren die Dauer der Freundschaft und die Häufigkeit des Kontaktes. Diese hatten hingegen nur bei Online-Freunden einen positiven Einfluss auf die Beziehungsqualität.

1. Einleitung

1.1 Freundschaften und soziale Medien

„Wie gibt es überhaupt ein »lebenswertes Leben« [...], das nicht auf gegenseitiger Sympathie von Freunden beruht? Was ist denn angenehmer, als jemanden zu haben, mit dem du dich getrauen kannst, alles so bereden wie mit dir selbst. Würdest du glückliche Stunden so genießen können, wenn du nicht jemand hättest, der sich darüber ebenso freut wie du?“ (Cicero, 2014, S.16-17)

Mit diesen Worten preist der römische Philosoph Marcus Tullius Cicero bereits 44 v.Chr. das Wesen der Freundschaft an (Mackenthun, 1987). Selbst Aristoteles betonte, dass Freundschaftsbeziehungen essentiell für ein erfüllendes Leben seien (Aristoteles, 1980). Dies veranschaulicht, dass Freundschaften seit Jahrtausenden ein wichtiger und fester Bestandteil unseres Lebens sind. So wird der Begriff in unserem alltäglichen Sprachgebrauch für eine Vielzahl von Personen verwendet. Wir bezeichnen Arbeitskollegen, Familienmitglieder, Bekannte und auch unseren Partner als einen Freund (Wrzus, Zimmermann, Mund, Neyer, 2017). Eben diese Vielschichtigkeit des Freundschaftsbegriffes macht eine einheitliche wissenschaftliche Definition schwer. Jedoch werden Freunde in der psychologischen Beziehungsforschung klar von romantischen Beziehungen und Familienmitgliedern differenziert (Neyer & Wrzus, 2018).

Anders als Liebesbeziehungen sind Freundschaften nicht so stark einem klaren Erwartungsrahmen unterworfen und somit viel individueller gestaltet, was die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihnen zusätzlich erschwert (Knie & von der Lippe, 2009). Im Gegensatz zu Arbeitskollegen und familiären Beziehungen basieren freundschaftliche Beziehungen darauf, freiwillig gewählt zu werden. Sie sind nicht durch Verwandtschaft oder durch Regelungen entstanden, sondern alleine auf der freiwilligen Entscheidung, miteinander befreundet zu sein. Genauso können sie auch freiwillig und selbstständig wieder beendet werden (Wrzus et al., 2017; Rawlins, 2016). Weiterhin sind Freundschaften frei von Hierarchien. Eher sind sie symmetrische Beziehungen, die auf Wechselseitigkeit und Verbundenheit beruhen (Neyer & Wrzus, 2018). Die beiden Autoren Neyer und Wrzus (2018) heben die Wichtigkeit der emotionalen Nähe und der Reziprozität einer Freundschaft hervor. Die emotionale Nähe zeichnet sich durch gegenseitige Wertschätzung und positive Emotionen füreinander aus. Sie verweisen außerdem auf die Mobilität von Freundschaftsbeziehungen. So erfüllen einzelne Freunde bestimmte soziale Funktionen, stehen aber nicht umfassend zur Verfügung. Es gäbe demnach nicht den einen Freund, mit dem man alles teilen würde. Vielmehr hätte man mehrere Freunde, mit denen bestimmte Aspekte geteilt werden. Doch woran machen wir eigentlich fest, wer unser bester Freund und wer nur ein guter Freund ist? Festgestellt wird dies mit der Beziehungsqualität einer Freundschaft, die sich aus einzelnen Funktionen/Dimensionen zusammensetzt. Je nachdem, wie stark die Funktionen erfüllt oder nicht erfüllt werden, gibt Auskunft darüber, wie qualitativ hochwertig eine Freundschaftsbeziehung ist (Wrzus et al. 2017; Mendelson & Aboud, 2012).

Mit Blick auf die letzten zehn Jahre wird deutlich, dass vor allem seit dem Aufkommen diverser Onlineplattformen, Messaging-Diensten und Co. die zwischenmenschliche Kommunikation zunehmend digitalisiert wird (Ledbetter, 2017). Facebook führt derweil als beliebtestes soziales Netzwerk mit rund 2,2 Milliarden aktiven Nutzern pro Monat (Facebook, 2018) und WhatsApp als beliebtester Instant Messenger mit 1,1 Milliarden Nutzern pro Monat (WhatsApp, 2018). Für Adoleszente ist der Gebrauch digitaler Medien mittlerweile selbstverständlich geworden. So geben 45 % der US-amerikanischen Teenager an, fast durchgängig online zu sein. 2014 waren es hingegen nur 24 %, die dies angaben. Wie man sehen kann, hat sich die Nutzung sozialer Medien innerhalb von drei Jahren nahezu verdoppelt (Anderson & Jiang, 2018). Diese Statistiken verdeutlichen, wie das Internet unseren Alltag dominiert und wie unsere sozialen Interaktionen zunehmend in einem virtuellen Rahmen stattfinden.

Bei solch einem Konsum sozialer Medien ist es gar nicht anders möglich, als dass neue Freundschaftsformen entstehen. Selbst über weite Entfernungen kann nun der Kontakt zu Freunden aufrechterhalten werden. Außerdem können neue Bekanntschaften im Internet geknüpft werden, ohne jemals in persönlichen Kontakt miteinander getreten zu sein. Genauso gibt es auch Freunde, die sich zunächst online kennenlernen und sich mit der Zeit persönlich treffen. Die meisten Nutzer sozialer Onlinenetzwerke geben jedoch an, diese zu verwenden, um mit ihren bereits vorhandenen realen Freunden zu kommunizieren (Mwangi, 2017; Reich, Subrahmanyam & Espinoza, 2012).

Doch inwieweit hat diese zunehmend mediatisierte Kommunikation unter Freunden Auswirkungen auf ihre Beziehungsqualität? Ist sie eine Bereicherung für Freundschaften, da der Kontakt zusätzlich gepflegt wird und diese Freundschaften selbst aus weiter Distanz aufrechtzuerhalten sind? Oder wirkt sie sich negativ aus, da Freunde nun mehr Zeit online miteinander verbringen und folglich weniger Zeit für gemeinsame Unternehmungen in der realen Welt übrigbleibt?

Wie viele Studien zeigen konnten, sind qualitativ gute Freundschaften wesentlich für unsere psychische Gesundheit, unser Wohlbefinden und selbst unsere Lebensdauer (Helliwell, Layard & Sachs, 2013; Berger & Cuadros, 2016; Dunbar, 2018). Daher würde eine Verschlechterung der Freundschaftsqualität zu weitreichenden Konsequenzen in unserem Leben führen. Angesichts dessen ist es unabdingbar, diese neugebildeten Freundschaftsformen und deren Qualitäten zu untersuchen, wie Rawlins (2016) bereits angeführt hat. Aus diesem Grund soll es Ziel dieser Arbeit sein, herauszufinden, inwiefern das Ausmaß der elektronischen Kommunikation mit den verschiedenen Dimensionen der Beziehungsqualität von Freundschaften zusammenhängt und wie sich die Freundschaftsformen qualitativ voneinander unterscheiden.

1.2 Aktueller Forschungsstand

Obwohl Freundschaften von solch wichtiger Bedeutung für ein zufriedenstellendes und glückliches Leben sind, ist ihr Wesen in der empirischen Forschung noch lange nicht so stark untersucht worden wie Liebesbeziehungen, Eltern-Kind-Beziehungen oder die Beziehung zu einem selbst (Knie & von der Lippe, 2009) - dies macht eine Befassung mit dem Thema umso notwendiger.

In der Literatur wird seit jeher die Qualität von Freundschaften anhand der Stärke ihrer Bindung identifiziert (Mesch & Talmud, 2006). Die netzwerktheoretische Arbeit von Granovetter (1973) zu starken und schwachen Bindungen zählt zur Grundlagenliteratur auf diesem Gebiet. Beziehungen mit starken oder engen Bindungen zeichnen sich durch ein hohes Maß an Intimität, häufigem Kontakt und gegenseitigem füreinander Dasein aus. Beziehungen mit einer schwachen Verbindung gelten als oberflächlicher und weniger intim. Sie haben seltener Kontakt und ein geringeres Maß an wechselseitiger Hilfeleistung (Granovetter, 1973).

Zu der Frage, inwiefern sich die elektronische Kommunikation auf die Freundschaftsqualität auswirkt gibt es in der Wissenschaft bisweilen unterschiedliche Meinungen. Die eine Seite postuliert, dass die Onlinekommunikation die Freunde von mehr wertvoller Face-to-Face-Zeit ablenkt und die andere Seite vertritt die Ansicht, dass die Onlinekommunikation Freundschaften zusätzlich bereichert (Ledbetter, 2017).

Desjarlais und Joseph (2017) sind der Ansicht, dass die Onlineumgebung eine sichere und angenehme Atmosphäre verschafft, bei der es leichter fallen soll persönliche Informationen mit seinem Gegenüber auszutauschen. In ihrer Studie fanden sie heraus, dass der Onlinekontext tatsächlich die Selbstenthüllung der Probanden steigerte. Befragte fühlten sich wohler, wenn sie sich online selbst offenbarten, als wenn sie dies offline täten und dies führt indirekt zu einer Verbesserung der Freundschaftsqualität. Vor allem unsichere Menschen mit einem geringeren Selbstwertgefühl sollen daher von Onlinenetzwerken profitieren. Es fällt ihnen so leichter, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und mit ihnen eine Unterhaltung zu führen (Van Zalk & Van Zalk, 2014). Auch Vorderer (2015) bezeichnet soziale Onlinenetzwerke als eine Bereicherung für Freundschaften. Der Gedanke, jederzeit seinen Freund erreichen zu können, gäbe einem das Gefühl von stärkerer Verbundenheit. Genauso vertreten die beiden Autoren Patulny & Seaman (2016) die Ansicht, dass sowohl Offline- als auch Online-Freunde im gleichen Maße soziale Unterstützung erhalten.

Andere Studien belegen wiederum, dass Menschen generell ihre persönlichen Informationen und Probleme lieber in Face-to-Face-Interaktionen mitteilen als online (Knop et al., 2016; Lohaus & Glüer, 2016; Mesch & Talmud, 2006). Asendorpf, Banse und Neyer (2017) zeigen außerdem, dass soziale Onlinenetzwerke kaum kompensatorisch wirken, da Personen mit einem geringen Selbstwertgefühl auch online von anderen negativer wahrgenommen werden und unbeliebter sind als Personen mit einer besseren Selbstdarstellung. Viele Forscher kommen demnach in ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass Online-Freundschaften weniger intim sind als Offline-Freundschaften und folglich weniger qualitativ sind (Wee & Lee, 2017; Dunbar, 2018). Eine Reihe von Wissenschaftlern sind sogar der Meinung, dass das Internet eine Gefährdung für die Entstehung von engen und unterstützenden Freundschaften darstelle, denn der leichte Zugriff zur elektronischen Kontaktaufnahme hätte zur Folge, dass wir unsere qualitativen Offline-Freunde für unsere weniger qualitativen Online-Freunde vernachlässigen (Lima, Marques, Muinos & Camilo, 2017). Auch Mwangi vertritt in ihrer Studie von 2017 diese Ansicht. So fand sie ebenfalls heraus, dass junge Erwachsene eine schwache Bindung zu ihren Online-Freunden haben, welche aus dem Mangel an Vertrauen und Intimität resultiere. Zudem gaben die Teilnehmenden an, dass sie nicht das Bedürfnis hätten, den Kontakt zu ihren Online-Freunden verstärken zu wollen oder mit ihnen auch face-to-face zu kommunizieren, was ebenfalls die schwache Verbindung verdeutliche. Direkte Vergleiche der Beziehungsqualitäten von Offline- und Online-Freunden zeigten gleichfalls, dass Online-Freunde eine schwächere Verbindung zueinander haben und dass sie zudem weniger intim sind als Offline-Freundschaften (Lohaus & Glüer; Mesch & Talmud, 2006). Antheunis, Valkenburg und Peter verglichen in ihrer Publikation von 2012 zusätzlich Gemischte-Freunde mit Online- und Offline-Freunden. Gemischte-Freundschaften waren qualitativer als Online-Freundschaften. Weiterhin zeigten sie Ähnlichkeiten mit Offline-Freundschaften. Allerdings war auch dort die Beziehungsqualität von Offline-Freunden wesentlich besser als von den anderen beiden Formen. Weitere Autoren sind der Ansicht, dass Beziehungen mit schwachen Verbindungen nur geringfügig soziale Hilfe zur Verfügung stellen können, sodass starke intime Bindungen eine große Rolle für unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit spielen (Burke & Kraut, 2016).

Ferner viel bei den Forschungsarbeiten, die sich mit diesem Themengebiet auseinandersetzten auf, dass der Entstehungsort der Freundschaft eine wichtige Rolle bei der Beziehungsqualität spielt. So weisen online entstandene Freundschaften schlechtere Beziehungsqualitäten auf als im Offlinekontext entstandene Freundschaften (Mesch & Talmud, 2007; Lohaus & Glüer, 2016). Weitere Einflussfaktoren sind die Häufigkeit des Kontaktes sowie die Dauer der Freundschaft. Mesch und Talmud (2006) fanden heraus, dass sich Online-Freunde nicht so lange kennen wie Offline-Freunde und dass sich eine längere Dauer der Freundschaft sowie die Kontakthäufigkeit positiv auf die Qualität auswirken. Zu diesem Schluss kamen auch weitere Forscher (Antheunis et al, 2012; Chan & Cheng, 2004). Chan und Cheng (2004) fanden sogar heraus, dass je länger sich Online-Freunde kennen, desto mehr würde sich ihre Beziehungsqualität der der Offline-Freunde anpassen. Ebenfalls herausgefunden wurde, dass sich die räumliche Nähe des Freundes positiv auf die Qualität auswirkt (Mesch & Talmud, 2006, 2007). Zu anderen Ergebnissen kamen Antheunis et al., 2012 und Lohaus und Glüer - hier hatte räumliche Nähe nämlich keinen Einfluss auf die Qualität der Freunde. Weiterhin könnte der Herkunftsort der Freundschaft, online oder offline, die Beziehungsqualität beeinflussen (Mesch & Talmud, 2006).

Diese Einflussfaktoren werden oftmals in Studien nicht berücksichtigt – vielmehr werden Geschlechtsunterschiede von Freundschaften untersucht. Freundschaftsbeziehungen von Frauen sind zumeist intimer und emotional enger (Asendorpf, Banse & Neyer, 2017). Asendoprf et al. (2017) postulieren, dass dies jedoch kein spezifischer Befund ist. Es handelt sich eher um grundsätzliche Geschlechtsunterschiede, die sich bei allen Beziehungen von Männern und Frauen wiederfinden lassen und die auf das soziale Verhalten zurückzuführen sind. So finden sich selbst bei Schwestern engere Beziehungen als bei Brüdern. Mit Blick auf den Onlinekontext wäre es möglich, dass sich die Beziehungsqualität von Männerfreundschaften an die der Frauenfreundschaften angleicht, da diverse Umweltbedingungen (Gestik, Mimik etc.) wegfallen. Einige Studien zeigen jedoch, dass weibliche Online-Freundschaften qualitativ höhere Beziehungsqualitäten ihrer Freundschaften aufweisen als männliche Teilnehmer (Mendelson & Aboud, 1999; Lohaus & Glüer, 2016; Mesch & Talmud 2006).

Es lässt sich festhalten, dass, obwohl Freundschaften seit längerer Zeit untersucht werden, die Studien auf diesem Gebiet überwiegend Freundschaften im Kindes- und Jugendalter untersuchen. Über das Erwachsenenalter ist jedoch noch wenig bekannt, weshalb sich diese Studie den Freundschaften von jungen Erwachsenen widmen wird. Die deutliche Mehrheit von Studien, die die Qualität von Online-Freunden untersuchen, bezieht sich weitestgehend auf die Intimität/Bindung der Freundschaft und die Wechselseitigkeit der Selbstenthüllung. Wenig ist jedoch über die weiteren Aspekte der Freundschaftsqualität bekannt. Zudem befassen sich nur eine Reihe von Arbeiten mit dem direkten Vergleich von Offline-, Online- sowie Gemischten-Freundschaften. Dabei werden Online-Freunde überwiegend auf spezifischen sozialen Netzwerken untersucht, oder als solche verstanden, mit denen nur online kommuniziert wird. In welchem Ausmaß Online-Freunde und auch Offline-Freunde tatsächlich elektronisch miteinander kommunizieren, wurde bisher nicht eindeutig erfasst. Zudem berücksichtigen viele der Studien die weiteren Einflussfaktoren (Dauer, Entstehungsort s. o.) nicht. Auf Grundlage dessen werden die folgenden Forschungsfragen der Arbeit hergeleitet.

1.3 Hypothesen

(F1) Die Arbeit möchte untersuchen, inwieweit die Dimensionen der Beziehungsqualität von Freunden mit dem Ausmaß des elektronischen Kontaktes zusammenhängen.

(H2) Die Arbeit möchten zeigen, dass auch bei jungen Erwachsenen die wahrgenommene Beziehungsqualität von Online-Freunden niedriger ist, als die von Offline- und Gemischten-Freundschaften. Dabei werden vor allem die unterschiedlichen Aspekte der Qualität einer Freundschaft beleuchtet.

(F3) Weiter möchte die Arbeit zeigen, dass auch bei jungen Erwachsenen das Geschlecht, Alter, die Dauer und die Kontakthäufigkeit sowie der Entstehungsort und die räumliche Entfernung der Freundschaft Einfluss auf die wahrgenommene Freundschaftsqualität haben.

2. Methoden

2.1 Stichprobe

Die Befragten sind Nutzer sozialer Onlinenetzwerke und/ oder Studenten der Medical School Berlin. Zur Akquise wurde die „Teilen“-Funktion der Netzwerke, wie Facebook oder Instagram, herangezogen. Mithilfe des Versuchspersonensystems SONA wurden ebenfalls Teilenehmer akquiriert. Insgesamt öffneten 244 Personen die Onlineumfrage. Von diesen beantworteten 142 Teilnehmer zumindest einige Fragen. Vollständig ausgefüllt wurde der Fragebogen von 113 Personen. Eine weibliche Person musste ausgeschlossen werden, da ihr Alter (40 Jahre) nicht den Voraussetzungen der Studie entspricht. Folglich fußen die Datenanalysen auf 112 Personen. Grundsätzlich nahmen mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer an der Umfrage teil. 78 Frauen (69.6 %) stehen 34 Männern (30.4 %) gegenüber. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmenden liegt bei M = 23.71 (SD = 3.22) Jahren. In Bezug auf das höchste erreichte Bildungsniveau verfügen die Mehrheit der Befragten (55 Personen, 49.1 %) über ein Abitur und ein ebenfalls großer Anteil (40 Personen, 35.7 %) über einen Hochschulabschluss. Nur sehr wenige Personen geben an einer der verbleibenden Kategorien (Realschulabschluss, Fachhochschulreife, abgeschlossene Ausbildung oder Sonstige) anzugehören. Diese Studie ist demnach repräsentativ für junge Erwachsene in Deutschland, mit einem höheren Bildungsabschluss.

2.2 Vorgehensweise und Instrumente

Vorgehen

Die Umfrage wurde mithilfe der webbasierten Software EFS-Survey erstellt und mit dem dazugehörigen Link auf verschiedenen Onlineplattformen veröffentlicht. Die Befragten wurden vor Beginn der Umfrage umfassend über den Sinn und den Ablauf der Studie informiert. Vor der Kernerhebung wurden soziodemographische Daten der Teilnehmenden abgefragt (Alter, Geschlecht, Bildung). Anschließend wurden sie dazu aufgefordert, nacheinander drei verschieden gute Freunde beim Vornamen zu nennen und zu beschreiben. Zuerst wurde nach einem guten Freund gefragt, mit dem sie am stärksten offline den Kontakt halten (Offline-Freund). Danach sollten sie einen guten Freund beschreiben, mit dem sie am stärksten online kommunizieren (Online-Freund) und anschließend sollten sie einen guten Freund nennen, mit dem sie jeweils sowohl offline, als auch online gleichermaßen den Kontakt pflegen (Gemischter-Freund). Durch die Nennung des Vornamens wurde sichergestellt, dass auch wirklich drei verschiedene Freunde beschrieben werden. Damit die Begriffe „offline“ und „online“ nicht unterschiedlich interpretiert werden, wurde zusätzlich zur Instruktion eine Definition der beiden Begriffe eingeführt („Online ist die Kommunikation, die elektronisch mit Ihren Freunden stattfindet“ und „Offline ist die Kommunikation, die nicht elektronisch mit Ihren Freunden stattfindet“). Abgefragt wurden zusätzlich das Ausmaß des elektronischen Kontaktes zum Freund, die Dauer, Kontakthäufigkeit, räumliche Entfernung und der Entstehungsort der Freundschaft. Nach der Beschreibung des Freundes wurde ein Fragebogen zur Erfassung der Freundschaftsqualität verwendet. Dieser Fragebogen wurde drei Mal hintereinander eingesetzt: einmal, um die Qualität von Offline-Freundschaften zu beurteilen, anschließend, um die Qualität von Online-Freundschaften einzuschätzen und schlussendlich, um die Qualität von Gemischten-Freundschaften zu bewerten. Die Befragten wurden hierbei gebeten, den Fragebogen wahrheitsgemäß und sorgsam auszufüllen.

Maße

Beschreibung der Freunde. Die Beschreibung der drei Freundes (offline, online und gemischt) beinhaltet Fragen über das Geschlecht (1 = männlich, 2 = weiblich, 3 = neutral), das Alter und den Entstehungsort der Freundschaft (1 = online kennengelernt, 2 = offline kennengelernt)

Ausmaß des elektronischen Kontaktes. Der Grad des elektronischen Kontaktes wird mit einer neunstufigen Einschätzungsskala erhoben. Die Antwortalternativen reichen von (1) Nur online, (2) Überwiegend online, (3) Meistens online, (4) Eher online, (5) Gleichermaßen online und offline, (6) Eher offline, (7) Meistens offline, (8) Überwiegend offline bis (9) Nur offline.

Kontakthäufigkeit. Die Kontakthäufigkeit wird mit einer fünfstufigen Einschätzungsskala gemessen von (1) Mehrmals am Tag, (2) Jeden Tag, (3) 3-4 Mal die Woche, (4) 1-2 Mal die Woche und (5) Weniger als 1 Mal die Woche.

Dauer, räumliche Entfernung. Die Dauer der Freundschaft und die räumliche Entfernung zum Freund werden ebenfalls mit einer fünfstufigen Antwortskala erfasst. Diese von (1) 0-1Jahr, (2) 1-2 Jahre, (3) 2-3 Jahre, (4) 3-4 Jahre und (5) Länger als 4 Jahre und mit (1) Mitbewohner, (2) Gleiche Stadt, (3) Gleiches Bundesland, (4) Gleiches Land und (5) Anderes Land.

Qualität der Freundschaft. Für die Messung der Freundschaftsqualitäten wird der „McGill Friendship Questionnaire-Friend’s Functions“ (MFQ-FF, Kurzform; Mendelson & Aboud, 1999, 2012) verwendet. Zur Bewertung der Freundschaften werden hierfür Daten auf insgesamt sechs Subskalen mit jeweils fünf Items erhoben (30 Items). Dabei steht jede Subskala für eine wichtige Funktion, die ein Freund erfüllen sollte. Stimulating companionship ist die erste Funktion. Diese erfasst, wie häufig erheiternde, amüsante oder spannende gemeinsame Unternehmungen mit dem Freund stattfinden. Die zweite Funktion Help misst den Grad der Unterstützung und Hilfe, die vom Freund erhalten wird. Ein dritter Aspekt Intimacy erfasst, wie sehr dem Freund eigene Gedanken und Gefühle ehrlich und offen mitgeteilt werden können und wie feinfühlig dieser Freund auf die Bedürfnisse und das Wohlbefinden des anderen reagiert. Weiterhin misst die vierte Funktion Reliable Alliance, wie sehr sich auf den Freund verlassen werden kann und inwiefern dieser erreichbar ist. Die letzten beiden wichtigen Funktionen eines Freundes werden von Mendelson und Aboud (1999) Self-Validation und Emotional Security genannt. Ersteres stellt fest, wie stark der Freund auf das positive Selbstbild des anderen einwirkt und wie viel er dazu beiträgt, dieses aufrechtzuerhalten. Letzteres misst, inwieweit der Freund in neuen oder bedrohlichen Situationen Geborgenheit vermittelt. Die Ausprägungen der jeweiligen Funktionen werden mit einer neunstufigen Einschätzungsskala (0 = never, 2 = rarely, 4 = once in a while, 6 = fairly often, 8 = always) erfasst.

Wie bereits erwähnt misst der MFQ-FF den Grad der Freundschaftsqualität anhand sechs wichtiger Aspekte einer Freundschaft und dient deshalb als passendes Instrument zur Beantwortung der Hypothesen. Da in dieser Arbeit die Freundschaftsqualitäten von jungen Erwachsenen untersucht werden und der MFQ-FF unter anderem für das Erwachsenalter ausgelegt ist, ist dies ein weiterer Grund für dessen Verwendung. Weiterhin überzeugt der MFQ-FF mit seiner sehr guten Reliabilität. So reichen die Cronbachs-Alpha-Werte der Subskalen von a = .84 bis a = .90 (Mendelson & Aboud, 2012). Die höchsten Alpha-Werte erzielte hierbei die Funktion Intimacy mit Items wie beispielsweise „is someone I can tell private things to“, oder „knows when I’m upset“ (Mendelson & Aboud, 2012; S.19). Zudem konnten die beiden Autoren nachweisen, dass die Items jeweils valide sind und zwischen einem guten und einem besten Freund differenzieren können. Der Fragebogen korrelierte außerdem nicht mit Fragebögen, die andere Beziehungen erfassen.

Da die deutschsprachige Validierung des Fragebogens noch aussteht, wird eine selbstübersetzte Version des Fragebogens verwendet. Dementsprechend werden in der Arbeit die übersetzten Begriffe der jeweiligen Funktionen verwendet (stimulating companionship = anregende Gesellschaft, help = Hilfe, intimacy = Intimität, reliable alliance = Loyalität, self-validation = Selbstvalidierung, emotional securtiy = Geborgenheit).

Um die interne Konsistenz des übersetzten MFQ-FF zu bestimmen, wurden Cronbachs-Alpha-Werte für alle Subskalen (Hilfe, Intimität, Geborgenheit, Selbstvalidierung, anregende Gesellschaft, Loyalität) je Messzeitpunkt berechnet. Zur Betrachtung der Werte auf den sechs Subskalen wurden im ersten Schritt die jeweils zur Subskala gehörigen Items zusammengeführt. Hierzu wurden die Item-Werte aufaddiert und anschließend durch die Anzahl der Items dividiert, sodass ein Subskalenmittelwert entstand. Nachdem dies für alle sechs Subskalen und alle drei Messzeitpunkte1 durchgeführt wurde, wurden Reliabilitätsanalysen durchgeführt. Die Cronbachs-Alpha-Werte werden je Subskala und je Messzeitpunkt in Tabelle 1 dargestellt.

[...]


1 Die Antworten der Probanden zu ihren drei verschiedenen Freunden werden hier und im Folgenden als „Messzeitpunkte“ bezeichnet.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Soziale Medien und Freundschaft 2.0 in der Psychologie
Untertitel
Zur Beziehungsqualität verschiedener Freundschaftstypen
Hochschule
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
45
Katalognummer
V458888
ISBN (eBook)
9783668902039
ISBN (Buch)
9783668902046
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freundschaft, Beziehungsqualität, Soziale Medien, Web 2.0
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Soziale Medien und Freundschaft 2.0 in der Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458888

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