Friedrich II. von Preußen. Herrschaft im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Absolutismus


Hausarbeit, 2014
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.1 Einleitung
1.2 Forschungsstand
1.3 Quellenlage

2. Zu den Begriffen Herrschaft, Aufklärung und Absolutismus

3.1 Das Selbstverständnis von Herrschaft in den Schriften Friedrichs
3.2 Die Praxis der monarchischen Herrschaft unter Friedrich dem Großen
3.3 Aufklärer und Herrscher? Friedrich II. in der Wahrnehmung seiner Zeitgenossen

4. Fazit

Quellenund Literaturverzeichnis

1.1 Einleitung

Friedrich II. von Preußen1 war ein Unikum unter den Königen des Hauses BrandenburgPreußen. Seine Herrschaft brachte für Preußen sowohl eine Erhöhung in den Rang einer einflussreichen europäischen Macht, als auch eine Modernisierung des Staatsapparates mit sich. Schon zu Lebzeiten, nämlich nach seinem mirakelhaften Sieg im Siebenjährigen Krieg, erhielt der Fürst den Beinamen „der Große“. Gleichwohl ist Friedrich der Große eine erratische Persönlichkeit, die scheinbar unauflösbare Gegensätze in sich vereint. Einerseits folgte der Monarch dem aufklärerischen Geist seiner Zeit; er war des Französischen, Modesprache der Aufklärung, mächtiger als des Deutschen, er unterhielt eine Tafelrunde von Philosophen der zeitweise sogar der illustre Voltaire angehörte, er spottete über den religiösen Aberglauben seiner Untertanen, er spielte und komponierte für die Querflöte und baute sich ein Lustschloss im Stil des Rokoko, dem er den programmatischen Namen Sanssouci2 gab. Andererseits führte der Preußenkönig ebenso einen Angriffskrieg gegen die österreichischen Habsburger, mit dem Ziel der Annexion Schlesiens; ein gewagter Schritt, der später zum Siebenjährigen Krieg führen und seinem Reich so letztlich immense Opfer abverlangen sollte und großes menschliches Leid in Preußen verursachte.3 Die Monarchie schätze der König außerdem als potenziell optimale Staatsform ein4 und schloss die demokratische Herrschaft des Volkes, wie sie schon in friderizianischer Zeit von radikaleren Aufklärern5 zunehmend gefordert wurde, grundsätzlich aus. Der Frage, was nun die wahre Natur dieser friderizianischen Herrschaft im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Absolutismus war soll diese Hausarbeit nachgehen. Dazu werden dieser Einleitung zunächst einige Bemerkungen zu Forschungsstand und Quellenlage folgen. Daraufhin müssen die zentralen Begriffe Herrschaft, Aufklärung und Absolutismus definiert werden. Der darauffolgende Hauptteil dieser Arbeit soll quellennah aufzeigen, wie Friedrich der Große sein eigenes Herrschaftsund Herrscherideal formulierte, wie er seine Herrschaftspraxis gestaltete und zuletzt wie der König als Herrscher von seinen Zeitgenossen wahrgenommen und eingeschätzt wurde. Ein abschließendes Fazit wird die Ergebnisse der Arbeit zusammenfassen.

1.2 Forschungsstand

Die Forschungsund Rezeptionsgeschichte zu Person und Lebenswerk Friedrichs des Großen ist ein weites Feld, das im Rahmen dieser Arbeit nur umrissen werden kann.6 In den Jahrhunderten seit dem Tode des Monarchen haben zahlreiche Historiker verschiedene Interpretationsweisen entwickelt, um Friedrich II als historische Figur zu deuten. Dabei diente Friedrich oft auch als Projektionsfläche für verschiedene politische Strömungen und blieb nicht frei von Instrumentalisierung. Die Nationalsozialisten beispielsweise benutzten Friedrich II für ihre Staatspropaganda und glorifizierten ihn als Feldherren und Eroberer.7 Die aufklärerische Komponente seiner Persönlichkeit spielte dabei freilich keine Rolle mehr. Doch bereits im 18. Jh. erkannte Leopold von Ranke den Friedrich innewohnenden „Widerspruch des soldatischen Wesens mit den Tendenzen des Jahrhunderts“8. Auch die moderne Friedrich-Historiographie betont dieses Konzept des Königs zwischen unauflöslichen Gegensätzen. Namentlich erwähnt sei hier Theodor Schieders 1983 erschienenes Werk „Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche“, das auch für die vorliegende Arbeit nützlich gewesen ist. Ebenso wie die neueste Biographie Friedrichs von Johannes Kunisch. Die weitverzweigte Friedrichforschung hat ebenfalls eine nahezu unübersehbare Menge an Detailstudien zu vielfältigen Bereichen Friedrichs und seiner Zeit hervorgebracht. Bezüglich Staatspraxis und Herrschaft sei hier nur explizit das Werk von Walter Hubatsch erwähnt. Hubatsch legte darin 1973 erstmals eine dezidierte Studie über die preußische Verwaltung unter Friedrich II vor.

1.3 Quellenlage

Es ist nicht nur über Friedrich den Großen viel geschrieben worden, er selbst ist gleichsam Verfasser zahlreicher Schriften. Das Oeuvre des Königs umfasst private und offizielle Briefe, Lyrik, philosophische Schriften und auch historische Werke. Besonders hervorzuheben sind hierbei der Antimachiavell9 von 1739/40 und das politische Testament10 von 1752. Diese Werke illustrieren das herrschaftliche Selbstverständnis Friedrichs präzise und haben in dieser Arbeit dementsprechend hauptsächliche Verwendung gefunden. Für die Analyse der friderizianischen Herrschaft nicht weniger bedeutsam als diese Werke sind allerdings die zahlreichen offiziellen Briefe und Kabinettsordern die im Verlauf der Regierungszeit Friedrichs entstanden sind und ein direkteres Zeugnis der herrscherlichen Praxis geben, als es die theoretische Reflexion des Monarchen vermag. Aufgrund des immensen Reichtums an diesem Quellenmaterial wurden für diese Arbeit nur wenige Briefe und Befehle des Königs herangezogen, die dazu dienen werden, Friedrichs Herrschaftsentscheidungen an einem Fallbeispiel zu illustrieren.

2. Zu den Begriffen Herrschaft, Aufklärung und Absolutismus

Max Weber, der Begründer der modernen Soziologie, definiert Herrschaft folgendermaßen:

„§1. „Herrschaft“ soll, definitionsgemäß [...], die Chance heißen, für spezifische (oder: alle) Befehle bei einer angebbaren Gruppe von Menschen Gehorsam zu finden. Nicht also jede Art von Chance „Macht“ und „Einfluss“ auf andere Menschen auszuüben. Herrschaft [...] in diesem Sinn kann im Einzelfall auf den verschiedensten Motiven der Fügsamkeit: von dumpfer Gewöhnung angefangen bis zu rein zweckrationalen Erwägungen, beruhen. Nicht jede Herrschaft bedient sich wirtschaftlicher Mittel. Noch weit weniger hat jede Herrschaft wirtschaftliche Zwecke. Aber jede Herrschaft über eine Vielzahl von Menschen bedarf normalerweise [...] eines Stabes [...] angebbar zuverlässiger Menschen.“11 Insbesondere wird auch das Moment der Legitimität bei Webers Definition betont: „Jede [sc. Herrschaft] sucht [...] den Glauben an ihre „Legitimität“ zu wecken und zu pflegen“12 Weber definiert zudem drei Idealtypen der Herrschaft: „§2 Es gibt drei reine Typen legitimer Herrschaft. Ihre Legitimitätsgeltung kann nämlich primär sein: 1. Rationalen Charakters: auf dem Glauben an die Legalität gesatzter Ordnungen und des Anwendungsrechts der durch sie zur Ausübung der Herrschaft Berufenen ruhen (legale Herrschaft), oder 2. traditionalen Charakters: auf dem Alltagsglauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen und die Legitimität der durch sie zur Autorität Berufenen ruhen (traditionale Herrschaft), oder endlich 3. Charismatischen Charakters: auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie offenbarten oder geschaffenen Ordnungen [ruhen] (charismatische Herrschaft).“13 Inwieweit die Herrschaft Friedrichs des Großen anhand der weberschen Idealtypen analysiert werden kann, wird im Verlauf dieser Arbeit noch zu klären sein. Neben dem vorausgegangenen modernen Theorem der Soziologie ist selbstredend noch die für Friedrich den Großen zeitgenössische Auffassung und Theorie von Herrschaft zu erläutern. Der Herrschaftstheorie im 18. Jh. ging bereits eine langwierige Begriffsbildung, voller Kontinuitäten und Zäsuren, voraus.14 Zentrale Bedeutung für die friderizianische Epoche15 hatte das Konzept des Gesellschaftsvertrages, das der englische Philosoph Thomas Hobbes16 bereits in seinem Hauptwerk, dem „Leviathan“ 1651, 89 Jahre vor dem Herrschaftsantritt Friedrichs, formulierte. Der Naturzustand des Menschen ist, gemäß Hobbes, ein Krieg von Allen gegen Alle.17 Herrschaft entsteht demnach aus dem Bedürfnis der Menschen nach Stabilität und Sicherheit18. Nur solange der Monarch seinen Untertanen diese garantieren kann, besteht der Gesellschaftsvertrag zwischen dem Herrscher und den Beherrschten. Die Vorstellung des Naturzustandes bei Jean-Jaques Rousseau19 steht dem hobbesschen diametral entgegen. In seinem Werk „Du Contract Social ou Principes du Droit Politique“20 konstruiert Rousseau einen natürlichen Frieden, der erst durch die Herrschaft von Menschen über einander beendet wird. Der Ursprung von Herrschaft ist demnach ein Gewaltakt des Stärkeren, der die Unterdrückung des Schwächeren bedeutet.21 Zusammen mit der Vorstellung eines Naturzustandes ist auch meist die Idee vom Naturrecht verbunden. Darunter verstanden die Staatsphilosophen das Konzept, daß jedem Menschen von Geburt aus bestimmte Rechte zuteil werden. Das umfasst z.B. ein Recht auf das eigene Leben und auf die Freiheit, es selbstbestimmt und individuell zu gestalten. Eine weitere erwähnenswerte Persönlichkeit in diesem Zusammenhang ist ein ebenfalls französischer Zeitgenosse Friedrichs, Denis Diderot22 nämlich, mit dessen Werk auch der preußische König vertraut gewesen ist.23 Diderot fixierte sein Herrschaftsverständnis bereits 1751, ein Jahrzehnt vor Rousseau, in der Encyclopédie. Diderots Definition greift die bisher aufgezeigten Konzepte von Gesellschaftsvertrag und Naturzustand, sowie Naturrecht auf. Für Diderot ist Herrschaft die Beendigung des freiheitlichen Naturzustandes des Menschen. Die widernatürliche und unvernünftige24 Herrschaft von Menschen über einander braucht daher die Legitimation eines Gesellschaftsvertrages, der bei Missbrauch durch den Herrscher beendet wird. Das Volk delegiert die eigene Entscheidungsgewalt, die Souveränität, nämlich nicht zum Selbstzweck an den Monarchen und kann, wenn es sein Recht verletzt sieht, die Macht wieder entziehen, die es zuvor gegeben hat. Die grundlegenden Konzepte für das Verständnis von zeitgemäßer Herrschaft im 18. Jh. sind also Naturzustand, Naturrecht und Gesellschaftsvertrag. Diese neuen Theorien zur Herrschaft sind zudem kennzeichnend für die geistige Strömung der Aufklärung, die das neuzeitliche Europa mannigfaltig verändert hat. 25 Auf die Frage, was Aufklärung sei, hat sich heute insbesondere die populäre Definition des Königsberger Philosophen Immanuel Kant 26 durchgesetzt, die im Dezember 1784 als Aufsatz in der Berlinischen Monatsschrift publiziert wurde: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude!27 Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“28 Trotz der immensen Rezeption der kantschen Definition durch die Nachwelt, wurde diese von seinen Zeitgenossen gering geschätzt.29 Eine Anwendung dieser Definition auf die friderizianische Zeit ist somit fast anachronistisch. Die Aufklärung war ohnehin eine facettenreiche Bewegung, die Friedrich und seine Zeitgenossen individuell definierten und mit der sie verschiedene Ziele verbanden. So ging Aufklärung für Friedrich und Voltaire auch stets mit der Kritik an den Religionen ihrer Zeit und den Institutionen, die sie vertraten einher; überkommene Traditionen wollten neu durchdacht werden.30 Für andere Aufklärer, wie z. B. den Begründer der Münsteraner Universität, Franz von Fürstenberg, war der Erhalt und die Erneuerung des Katholizismus dagegen untrennbar mit der geistigen Verbesserung des Landes und seiner Bewohner durch Bildungsreformen verbunden.31 Den meisten Aufklärern gemein ist die Auffassung, daß ihre Gegenwart noch durch eine schlechtere, dunklere Vergangenheit durchdrungen wird und daß sich daraus die Aufgabe formuliert, die Welt zu erneuern und in eine bessere, hellere Zukunft zu führen.32 Die Aufklärung ist damit zuerst ein Bildungsund Reformprozess. Erst lange nach Friedrichs Lebzeiten wird er auch ein Epochenbegriff aus ihr. Ebenso wie Aufklärung stellt auch Absolutismus einen problematischen Begriff dar. Anders noch als bei Aufklärung, ist Absolutismus jedoch kein zeitgenössischer Ausdruck des 18. Jhs.33 Bekannt war allerdings schon die Bezeichnung der absoluten Monarchie, für ein monarchisches System, bei dem der Großteil der Macht vom König selbst ausging.34 Das prominenteste frühmoderne Beispiel für eine absolute Monarchie ist die Herrschaft des sogenannten Sonnenkönigs Ludwigs XIV. ,der wie die Sonne selbst, als machtvoller Fixstern im Staate fungierte, sodass sich alle Untertanen, wie Planeten, um ihn drehen mussten. Friedrich der Große hegte zeitlebens eine immense Bewunderung für diesen französischen Monarchen, dessen Zeitalter er als ein goldenes auffasste.35

[...]


1 Friedrich wurde am 24.01.1712 als Sohn Friedrich Wilhelms I. geboren. Er bestieg 1740, nach dem Tod des Vaters, den Thron und wurde damit zum dritten König in Preußen aus dem Hause der Hohenzollern. Bereits

2 Von Französisch „sans souci“ für dt. „ohne Sorge“.

3 Hubatsch bezifferte das Ausmaß des durch den Krieg entstandenen Bevölkerungsverlustes im ohnehin dünn besiedelten Preußen auf fast 400.000 Menschen. Dies entsprach 20% der gesamten Bevölkerung nach dem Stand von 1740 und immer noch 10% nach dem Stand von 1756. Vgl. W. Hubatsch, Friedrich der Große und die preußische Veraltung, Berlin/Köln 19822 ,S. 146.

4 Der König schrieb in seinem Werk über Regierungsformen und Herrscherpflichten von 1777: „Die wahrhaft monarchische Regierung ist die schlimmste oder aber die beste von allen, je nachdem sie gehandhabt wird.“ Zitiert nach: P. Baumgart, Naturrechtliche Vorstellungen in der Staatsauffassung Friedrichs des Großen, in: Humanismus und Naturrecht in Berlin/Brandenburg/Preußen. Ein Tagungsbericht (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin 48), H. Thieme (Hrsg.), Berlin/New York 1979, S. 147.

5 Johann Friedrich Graf von Struensee, ein Zeitgenosse Friedrichs des Großen, war einer dieser radikalen Aufklärer. Struensee, der 1737 in Halle geboren wurde, kam als Mediziner an den Hof des schwachsinnigen dänischen Königs Christian VII. , zu dessen Leibarzt er 1770 wurde. Struensee gelang es dabei selbst zum faktischen Herrscher Dänemarks zu werden, da er Kontrolle auf den König ausübte und gleichsam eine Affäre mit der Königin Caroline Mathilde anfing. Struensee nutzte diese Machtposition um innerhalb von 16 Monaten Regierungszeit um die 1800 Verordnungen zu beschließen, die Ausdruck seines, durchaus wenig durchdachten, radikalen Reformprogrammes waren. Struensee entmachtete die Aristokratie, schaffte die Tortur ab, liberalisierte die Wirtschaft, führte die absolute Pressefreiheit ein, usw. Durch diese ungebremste, radikale Aufklärung des damals noch feudal geprägten Staates Dänemark machte sich Struensee zahlreiche Feinde in allen gesellschaftlichen Schichten. Zuletzt war es dann eine Verschwörung der Aristokraten, die zu seiner Verhaftung führte. Die Adligen gewannen daraufhin wieder die Kontrolle über ihren schwachsinnigen Monarchen und benutzten seine Unterschrift um ihren Aufstand zu legitimieren. Struensee wurde am 23.04.1772 zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung erfolgte durch Abschlagen der rechten Hand, gefolgt vom Kopf. Struensees Torso wurde daraufhin gerädert. Abschließend wurden Kopf und Hand öffentlich zur Schau gestellt. Die Grausamkeit dieser Hinrichtung eines Mannes, der selbst zuvor die Tortur abgeschafft hatte, stellt gewissermaßen die Antithese zum Geist der Aufklärung und einen zivilisatorischen Rückschritt dar. Zu Struensees Leben und Wirken Vgl. J. P. Findeisen: S.v. „Struensee, Johann Friedrich Graf von“ in: Lexikon zum Aufgeklärten Absolutismus in Europa (2005), S. 596-599.

6 Vgl. ausführlicher zu dieser Thematik: H. Duchhardt, Barock und Aufklärung (= Oldenbourg Grundriss der

Geschichte 11), München 20074 , S. 205-209.

7 Vgl. dazu Durchhardt S. 206.

8 Zitiert aus den „Historischen Charakterbildern“ nach Duchhardt, S. 205.

9 Der Antimachiavell, den Friedrich wie die allermeisten seiner Schriften, in französischer Sprache verfasste wurde 1740 anonym veröffentlicht und von Voltaire herausgegeben, der Friedrich zuvor mit Korrekturen und Anregungen geholfen hatte. Erklärtes Ziel der Schrift ist, wie der Name bereits erkennen lässt, eine Widerlegung der Staatsphilosophie, die Niccolò Machiavelli in seinem Werk Il Principe (Italienisch für „Der Fürst“) bereits in der ersten Hälfte des 16. Jhs. vertraten hatte. Diese besagt, daß ein Fürst alle Mittel der Macht verwenden darf ,um die eigene Herrschaft und damit die Staatsgewalt zu sichern und so letztlich zum Wohle des Gemeinwesens zu herrschen. Machiavelli verfasste dieses Werk unter dem Eindruck der Zersplitterung Italiens. Viele Kleinstaaten dort führten gegeneinander Krieg, was die Idee eines Herrschers, der dem Land Einheit, wenn auch unter Zuhilfenahme aller dafür notwendigen Mittel, bringen konnte, als Verbesserung der bestehenden Verhältnisse erscheinen ließ. Damit ist Machiavelli ein Verfechter der Staatsraison, jenem Konzept also, das einen Dienst am Gemeinwohl meint, der wiederum den pragmatischen Erhalt der Staatsgewalt voraussetzt. Friedrich der Große hat sich als Herrscher ebenfalls zu einem Verfechter der Staatsraison gemacht. Freilich entspricht die friderizianische Absolutistische Monarchie in praxi durchaus dem, im Antimachiavell zumindest theoretisch als amoralisch verurteiltem Konzept Machiavellis, wie noch dezidiert zu zeigen sein wird. Vgl. zu Friedrichs Antimachiavell und Machiavellirezeption: T. Schieder, Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, Frankfurt a. M/Berlin 19862. S. 102-126.

10 Das Politische Testament von 1752 ist ein ebenfalls französischsprachiges Werk Friedrichs, das sich direkt an die Nachwelt richtet. Darin soll dem Thronfolger vermittelt werden, wie Preußen regiert werden möge und was die bisherigen Leistungen und politischen Erfahrungen Friedrichs gewesen sind.

11 Zitiert nach: Max Weber. Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, herausgegeben von J. Winckelmann, Tübingen 19725, S. 122.

12 Ebd. S.122.

13 Ebd. S. 124.

14 Es können in dieser Arbeit daher nur die wichtigsten Konzepte erläutert werden. Vgl. zur Herrschaftstheorie des 18. Jhs und Hintergründen derselben detailliert: R. Koselleck, H. Günther, D. Hilger, K.-H. Ilting, P. Moraw, S.v. „Herrschaft“ in: Geschichtliche Grundbegriffe 3 (1982), S. 1-102.

15 D. h. diejenige Zeit vom Herrschaftsantritt des Königs 1740 bis zu seinem Tod 1786.

16 Hobbes lebte vom 05.04.1588 bis zum 04.12.1679. Leben und Werk fallen damit in die Zeit des Englischen Bürgerkrieges von 1642 bis 1649. Im Verlauf dieses Krieges wurden die Bestrebungen des englischen Königs Charles I. als Monarch im Stile des Absolutismus zu regieren, mit der Enthauptung desselben beendet.

17 Vgl. dazu: Thomas Hobbes, Leviathan herausg, von E. Curly, Indianapolis/Cambridge 1994, S. 76: „Hereby it is manifest that during the time men live without a common power to keep them all in awe, they are in that condition which is called war, and such a war as is of every man against every man.“ Übersetzung des Verfassers: Hiermit ist es offenkundig, daß während der Zeit, in der Menschen ohne eine gemeinsame Kraft leben, die sie alle in Ehrfurcht hält, sie in einem Zustand sind, der Krieg genannt wird und solch ein Krieg ist ein Krieg von Jedermann gegen Jedermann.

18 Vgl. Leviathan S. 80: „And because the condition of man [...] is a condition of war of everyone against everyone [...], it followeth that in such a condition every man has a right to everything, even to one another’s body. And therefore [...] there can be no security to any man. [...] And consequently it is a precept, or general rule, of reason that every man ought to endeavor peace[...]“ Übersetzung des Verfassers: Und weil der Naturzustand des Menschen ein Zustand von Krieg jedermann gegen jedermann ist [...], folgt daraus, daß in so einem Naturzustand Jedermann ein Recht auf Alles hat, sogar auf den Körper eines anderen. Und deshalb kann es für niemanden Sicherheit geben. [...] Und konsequenterweise ist es ein Gebot, oder eine generelle Regel, der Vernunft, daß jedermann den Frieden erstreben sollte.

19 28.06.1712 – 02.07.1778.

20 Französisch für „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes“. Erstmals 1762 erschienen.

21 Vom Gesellschaftsvertrag, Kapitel 1: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten. [...] Wie ist dieser Wandel zustande gekommen? Ich weiß es nicht. Was kann ihm Rechtmäßigkeit verleihen? Diese Frage glaube ich beantworten zu können. Wenn ich nur die Stärke betrachte und die Wirkung, die sie hervorbringt, würde ich sagen: Solange ein Volk zu gehorchen gezwungen ist und gehorcht, tut es gut daran; sobald es jedoch das Joch abschütteln kann und es abschüttelt, tut es noch besser; denn da es seine Freiheit durch dasselbe Recht wiedererlangt, das sie ihm geraubt hat, ist es entweder berechtigt, sie sich zurückzuholen, oder man hatte keinerlei Recht, sie ihm wegzunehmen. Aber die gesellschaftliche Ordnung ist ein geheiligtes Recht, das allen anderen zur Grundlage dient. Trotzdem stammt dieses Recht nicht von der Natur; es beruht also auf Vereinbarungen. " Beachtenswert ist an dieser Stelle auch, daß Rousseau die Argumentation nicht auf Basis der religiösen Vorstellungen einer gottgegebenen Ordnung führt. Für Hobbes war diese Denkart im Leviathan noch unerlässlich. Das hobbessche Werk ist nicht zuletzt nach dem eponymen biblischen Seeungeheuer benannt, das bei Hobbes für die Macht des Staatskörpers steht.

22 05.10.1713 – 31.06.1784.

23 Wenngleich er diesem und den anderen Enzyklopädisten durchaus abweisend gegenüber stand; waren sie doch Inbegriff einer radikaleren Strömung der Aufklärung. Vgl. H. Möller, Friedrich der Große und der Geist seiner Zeit, in: Zeitschrift für historische Forschung Beiheft 4 Analecta Fridericiana (1987) S. 65ff.

24 Vernunft ist ein zentrales Konzept der Aufklärung.

25 Eine wichtige geistige Voraussetzung der Aufklärung ist das Konzept des Rationalismus, das den menschlichen Verstand und die Deduktionen desselben zum wichtigsten Maßstab der Erkenntnis erhebt. Vordenker der Aufklärung ist damit Descartes, der 1637 in dem zweiten Teil seines Discours de la Méthode ein Denkmodell entwickelte, das rational und systematisch funktionierte: „Die erste Vorschrift besagte, niemals irgendeine Sache als wahr zu akzeptieren, die ich nicht evidentermaßen als solche erkenne; dies bedeutet, sorgfältig Übereilung und Voreingenommenheit zu vermeiden und in meinen Urteilen nicht mehr zu umfassen als das, was sich so klar und so deutlich meinem Geist vorstellt, dass ich keine Möglichkeit hätte, daran zu zweifeln.“. Zitiert nach: René Descartes, Bericht über die Methode, übers. und herausg. von H. Ostwald, Stuttgart 2001, S. 39.

26 Kants Kritiken, insbesondere die der reinen Vernunft, sind bis heute Klassiker der Philosophie, weshalb auch kleineren Schriften Kants große Beachtung im Urteil der Nachwelt zuteil geworden ist.

27 Dieses lateinische Zitat ist den Briefen des römischen Dichters Horaz entlehnt. Vgl. Hor. epist. I, 2, 40f. Anlehnungen an die antike europäische Kultur der Griechen und Römer können insgesamt als ein ubiquitäres Merkmal der Aufklärung bezeichnet werden. Es erfolgte also, gewissermaßen als Analogie zur Renaissance, eine wiederholte Erneuerung Europas aus dem Geist der Antike heraus. Es ließen sich eine Vielzahl weiterer Beispiele dafür anführen, von dem Klassizismus der bildenden Künste, bis zu dem republikanischen Gedanken der Revolutionäre in Nordamerika und Frankreich. Ausdrücklich verwiesen sei an dieser Stelle nur noch auf Johann Joachim Winckelmann (1717-1768), den Begründer der Klassischen Archäologie, dessen Wirken bisher unbeachtete Facetten des kulturellen Erbes der Antike idealisierte, das zeitgenössische Bild von der Antike prägte und somit Dichter wie Friedrich Schiller zu Werken wie der Bürgschaft, einer Ballade über den Wert der Freundschaft, deren Handlungsort das antike Syrakus ist, inspirierte.

28 Zitiert nach: Immanuel Kant. Was ist Aufklärung? Ausgewählte kleine Schriften, herausgegeben von H. D. Brandt, Hamburg 1999, S. 20.

29 Er gewann damit nicht den Wettbewerb um die beste Definition von Aufklärung, dessen Initiator die Berlinische Monatsschrift gewesen war. Der erste Platz ging stattdessen an Moses Mendelsohn.

30 Die angesprochenen Konzepte der Religionskritik, des Naturrechts und des Gesellschaftsvertrages sind Teil der friderizianischen Idee von Aufklärung, wie noch dezidiert gezeigt werden soll.

31 Vgl. zu Fürstenbergs vorsichtig-gemäßigter Aufklärung: Franz von Fürstenberg (1729-1810). Aufklärer und Reformer im Fürstbistum Münster (= Westfalen in der Vormoderne 11) ,T. Flammer; W. Freitag; A. Hanschmidt (Hgg.), Münster 2012

32 Die Auffassung, durch die Aufklärung von einer dunklen hin zu einer hellen Welt zu gelangen findet sich auch in dem englischen Äquivalent zum deutschen Wort Aufklärung „Enlightenment“, wörtlich also „Erleuchtung“.

33 Als Epochenbegriff wurde er nämlich erst im 19. Jh. eingeführt. Vgl. zum Begriff des Absolutismus R.-G. Asch, S.v „Absolutismus“ in: Lexikon zum Aufgeklärten Absolutismus in Europa (2005), S.15-21.

34 Daß der Monarch, entgegen der inhärenten Bedeutung seines Namens (dieser leitet sich nämlich von gr. μοναρχος [monarchos] ,Alleinherrscher, einem Kompositum aus μονος [monos], allein, sowie αρχος [archos], Herrscher, von αρχειν [archein], herrschen, her) nicht zwangsläufig der mächtigste politische Akteur sein musste, bewiesen die römisch-deutschen Könige, deren Herrschaft ebenso von der Lehenstreue ihrer einflussreichen Vasallen, wie auch von ihrem Verhältnis zur katholischen Kirche abhing. Als Beispiel sei hier auf den Habsburger Maximilian I. verwiesen, der es als römisch-deutscher König nicht vermocht hatte, sich die Unterstützung der Stände für eine Reichsreform in seinem Sinne auf dem Wormser Reichstag von 1495 zu sichern. Erreicht werden konnte nämlich nur ein Kompromiss, der nicht zu der vom König erhofften Stärkung der eigenen Macht führte. Vgl. W. Pfeifer, s.v. „Monarchie“ in: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (20058), S. 885 zur Etymologie des Wortes Monarchie und H. Angermeier, Die Reichsreform 1410-1555. Die Staatsproblematik in Deutschland zwischen Mittelalter und Gegenwart, München 1984 zur Reichsreform Maximilians.

35 Friedrich schätze an dem Franzosenkönig, den er maßgeblich durch das historiographische Werk Voltaires kennengelernt hatte, die Kulturpolitik, den glanzvollen Versailler Hofstaat und nicht zuletzt die nahezu unumschränkte Machtfülle seiner absolutistischen Regierungsart. Friedrich bezeichnete die Blüte der französischen Kultur unter der Herrschaft des Sonnenkönigs sogar als „augusteisch“ , Eine Anspielung auf das vom ersten römischen Kaiser Augustus postulierte Goldene Zeitalter, die aurea aetas. Vgl. dazu: H. Möller, Friedrich der Große und der Geist seiner Zeit, in: Zeitschrift für historische Forschung Beiheft 4 Analecta Fridericiana (1987) S. 57f.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Friedrich II. von Preußen. Herrschaft im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Absolutismus
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V458896
ISBN (eBook)
9783668897762
ISBN (Buch)
9783668897779
Sprache
Deutsch
Schlagworte
friedrich, preußen, herrschaft, spannungsfeld, aufklärung, absolutismus
Arbeit zitieren
Kevin Grossart (Autor), 2014, Friedrich II. von Preußen. Herrschaft im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Absolutismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458896

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