Diese Arbeit setzt sich mit der Herrschaft von Friedrich II. von Preußen auseinander und beleuchtet die aufklärerischen aber auch absolutistischen Verhaltensweisen seines politischen und privaten Wirkens.
Friedrich II. von Preußen war ein Unikum unter den Königen des Hauses Brandenburg-Preußen. Seine Herrschaft brachte für Preußen sowohl eine Erhöhung in den Rang einer einflussreichen europäischen Macht, als auch eine Modernisierung des Staatsapparates mit sich. Schon zu Lebzeiten, nämlich nach seinem mirakelhaften Sieg im Siebenjährigen Krieg, erhielt der Fürst den Beinamen "der Große".
Gleichwohl ist Friedrich der Große eine erratische Persönlichkeit, die scheinbar unauflösbare Gegensätze in sich vereint. Einerseits folgte der Monarch dem aufklärerischen Geist seiner Zeit, denn er war des Französischen, der Modesprache der Aufklärung, mächtiger als des Deutschen, außerdem unterhielt er eine Tafelrunde von Philosophen, spottete über den religiösen Aberglauben seiner Untertanen, spielte und komponierte für die Querflöte und baute sich ein Lustschloss im Stil des Rokoko. Andererseits jedoch führte der Preußenkönig einen Angriffskrieg gegen die österreichischen Habsburger, mit dem Ziel der Annexion Schlesiens. Dies war ein gewagter Schritt, der später zum Siebenjährigen Krieg führen und seinem Reich so letztlich immense Opfer abverlangen sollte und großes menschliches Leid in Preußen verursachte.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Einleitung
1.2 Forschungsstand
1.3 Quellenlage
2. Zu den Begriffen Herrschaft, Aufklärung und Absolutismus
3.1 Das Selbstverständnis von Herrschaft in den Schriften Friedrichs II.
3.2 Die Praxis der monarchischen Herrschaft unter Friedrich dem Großen
3.3 Aufklärer und Herrscher? Friedrich II. in der Wahrnehmung seiner Zeitgenossen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Natur der Herrschaft Friedrichs II. von Preußen im Spannungsfeld zwischen aufklärerischen Idealen und absolutistischer Herrschaftspraxis. Dabei wird analysiert, wie der Monarch sein eigenes Selbstverständnis formulierte, wie sich seine tatsächliche Herrschaftspraxis im Alltag gestaltete und wie er von seinen zeitgenössischen Beobachtern wahrgenommen wurde.
- Analyse des herrschaftlichen Selbstverständnisses von Friedrich II.
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen philosophischen Idealen und politischer Praxis.
- Betrachtung der Rolle der Staatsraison als leitendes Prinzip.
- Analyse der Wirkung des Preußenkönigs auf Zeitgenossen und Gesandte.
- Einordnung Friedrichs in den Kontext der ständischen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Selbstverständnis von Herrschaft in den Schriften Friedrichs II.
„Die erste Bürgerpflicht ist, seinem Vaterlande zu dienen. Ich habe sie in allen verschiedenen Lagen meines Lebens zu erfüllen gesucht. Als Träger der höchsten Staatsgewalt habe ich die Gelegenheit und die Mittel gehabt, mich meinen Mitbürgern nützlich zu erweisen.“ Mit diesen, für das königlich-friderizianische Selbstverständnis von Herrschaft, durchaus vielsagenden Worten, beginnt das Politische Testament Friedrichs II. von 1752. Bereits diese einleitenden Sätze zeigen, daß Friedrich sich selbst als Diener des Staates definierte und seine Herrschaft als nutzbringenden Dienst an seinen Mitbürgern auffasste. Er bewertet an dieser Stelle implizit seine bisherige Regierungszeit, die unter Anderem zur Annexion Schlesiens geführt hatte, positiv. Die Bezeichnung seiner Untertanen als Mitbürger suggeriert zudem einen egalitären Hintergedanken; der König ist demnach quasi der erste Bürger im Staate, dessen Sorge dem Gemeinwohl seiner Mitbürger gilt. Neben diesem utilitaristischen Prinzip prägt das Konzept des freiheitlichen Naturzustandes die königliche Selbstdarstellung von Herrschaft: „Statt die verschiedenen Arten der Staaten zu beschreiben, wäre es meines Erachtens Machiavells Aufgabe gewesen, dem Ursprung der Fürsten und der Quelle ihrer Herrschergewalt nachzugehn, zu erörtern, was wohl freie Menschen bestimmen konnte, sich selber Herren zu geben.“ Friedrichs Staatsphilosophie folgt also den bereits thematisierten Impulsen seiner Zeit. Es überrascht daher nicht, daß Friedrich sich auch, dem Zeitgeist der Aufklärung entsprechend, ein Herrschervorbild aus der Antike suchte. Er wählte sich Marcus Aurelius. Dieser römische Kaiser, der von 161 bis zu seinem Tode 180 n. Chr. herrschte, wurde bereits von antiken Historikern überaus positiv bewertet und verkörperte das, auch von Friedrich propagierte und angestrebte, Herrscherideal des Philosophen auf dem Kaiserthron. Friedrichs immense persönliche Wertschätzung Mark Aurels wird besonders im Antimachiavell deutlich, worin er den Kaiser als Idealherrscher beschreibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der friderizianischen Herrschaft ein und umreißt die Ambivalenz des Monarchen zwischen Aufklärung und Absolutismus.
1.2 Forschungsstand: Hier wird ein Überblick über die historiographische Rezeption Friedrichs II. gegeben, von zeitgenössischen Einschätzungen bis hin zu modernen Deutungen als Königtum der Widersprüche.
1.3 Quellenlage: Dieses Kapitel stellt die primären Quellengattungen vor, insbesondere Schriften wie den Antimachiavell und das Politische Testament, die das Selbstbild des Königs dokumentieren.
2. Zu den Begriffen Herrschaft, Aufklärung und Absolutismus: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Arbeit erarbeitet, indem soziologische Herrschaftsmodelle und philosophische Strömungen wie der Gesellschaftsvertrag erläutert werden.
3.1 Das Selbstverständnis von Herrschaft in den Schriften Friedrichs II.: Dieses Kapitel analysiert Friedrichs eigenes Ideal des ersten Dieners des Staates und dessen Orientierung an antiken Vorbildern wie Marcus Aurelius.
3.2 Die Praxis der monarchischen Herrschaft unter Friedrich dem Großen: Hier wird der Kontrast zwischen Theorie und Praxis anhand von Fallbeispielen, wie dem Umgang mit der Universität Breslau, verdeutlicht.
3.3 Aufklärer und Herrscher? Friedrich II. in der Wahrnehmung seiner Zeitgenossen: Dieses Kapitel beleuchtet die Außenwahrnehmung Friedrichs, insbesondere durch französische Diplomaten, die ihn als widersprüchliche Persönlichkeit sahen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Friedrichs Herrschaft beide Konzepte – Aufklärung und Absolutismus – unauflöslich vereinte.
Schlüsselwörter
Friedrich II., Aufklärung, Absolutismus, Preußen, Staatsraison, Herrschaftspraxis, Gesellschaftsvertrag, Marcus Aurelius, Machiavelli, Schlesien, Universität Breslau, Reformpolitik, Monarchie, Souveränität, Ständegesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den aufklärerischen Idealen und der absolutistischen Machtausübung Friedrichs II. von Preußen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das herrscherliche Selbstverständnis, die praktische Umsetzung von Regierungsgewalt, das Verhältnis zur Staatsraison und die Rezeption durch Zeitgenossen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es, die „wahre Natur“ der friderizianischen Herrschaft zu ergründen und aufzuzeigen, wie der König den Widerspruch zwischen Aufklärung und absolutem Anspruch in seinem Handeln vereinte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellennah-analytische Methode, die zentrale Schriften Friedrichs mit zeitgenössischen Berichten und Verwaltungsakten in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse des Selbstbildes, eine Untersuchung der konkreten Herrschaftspraxis an Fallbeispielen und die Auswertung der zeitgenössischen Wahrnehmung des Königs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Friedrich II., Aufklärung, Absolutismus, Staatsraison und Herrschaftspraxis definieren.
Wie bewertet der Autor den Umgang Friedrichs mit der Universität Breslau?
Der Autor wertet dies als exemplarisches Beispiel für den Pragmatismus des Königs: Obwohl Friedrich die Jesuiten ablehnte, nutzte er sie als Mittel zur Stabilisierung des Staates und Förderung des Schulwesens.
Welche Rolle spielt der Siebenjährige Krieg für die Bewertung der Herrschaft?
Der Krieg wird als Extremsituation gesehen, in der der Pragmatismus und die absolute Entscheidungsgewalt des Monarchen besonders deutlich hervortraten, teils im Widerspruch zu seinem aufklärerischen Ideal.
- Arbeit zitieren
- Kevin Grossart (Autor:in), 2014, Friedrich II. von Preußen. Herrschaft im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Absolutismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458896