Wert und Bedeutung der öffentlichen Rede im antiken Rom preist Quintilian an einer Stelle seines Rhetoriklehrbuchs auf folgende Weise: »Wird es etwa bestritten werden, dass den unschönen Frieden mit Pyrrhus jener Blinde, Appius, durch der Rede Kraft beendete? Oder dass die göttliche Eloquenz des Marcus Tullius Cicero sowohl gegen die Landreformgesetze beim Volke beliebt war als auch die Dreistigkeit des Catilina zerbrach und Cicero in seiner Toga Dankfeste verdiente, die man als höchste Ehrung den siegreichen Anführern im Kriege gewährt? Ruft die Rede nicht häufig die erschrockenen Seelen der Soldaten von der Furcht zurück und überzeugt sie, dass in den vielen Gefahren, die sie im Kampfe auf sich nehmen, der Ruhm mächtiger sei als das Leben?«. Diese letztgenannte Ansprache zur Ermunterung der Soldaten ist ein Phänomen das bereits zu Quintilians Lebzeiten im 1. Jh. n. Chr. Eingang in die römische Bildkunst gefunden hatte und als Adlocutio bezeichnet wurde. Adlocutio, oder Allocutio, ist eine substantivierte Verbindung der lateinischen Vorsilbe ad und dem Deponens loqui und meint somit wörtlich die Ansprache. Vor der stark militärischen Konnotation und hauptsächlichen Verwendung des Wortes zur Bezeichnung einer Heeresansprache ist Adlocutio in der Tat auch im allgemeinen Sinne des ermunternden oder tröstenden Zuredens bezeugt. Im Rahmen dieser Arbeit wird unter Adlocutio die Ansprache jedweder Person verstanden werden die Träger eines Imperiums ist und sich an ein ziviles oder militärisches Publikum wendet. Gleichwohl bedingt die politische Struktur der römischen Gesellschaft ab dem Beginn der Kaiserzeit eine Konzentration jener imperialen Gewalt auf die Person des Kaisers. In der Hauptsache werden somit Adlocutiones der Principes behandelt werden, die darüber hinaus zumeist an Soldaten gerichtet sind. Insbesondere im Hinblick auf den republikanischen Ursprung der Adlocutio scheint die vorgenommene Differenzierung dennoch sinnvoll, da der Besitz des Imperiums zu allen Zeiten die notwendige Voraussetzung gewesen ist, eine formelle Rede an die Soldaten halten zu dürfen und somit eine Adlocutio durchzuführen.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Einleitung: Der Begriff der Adlocutio
1.2 Forschungsstand
2. Der Ursprung der Adlocutio in der Tradition der römischen Republik
3. Die Adlocutio vom beginnenden Prinzipat bis zum Tode Neros
4. Die Adlocutio im Vierkaiserjahr
5. Die Adlocutio von flavischer Zeit bis zum Tode Nervas
6. Die Adlocutio als Motiv der trajanischen Staatskunst
6.1 Die Münzprägung
6.2 Die Trajanssäule
6.3 Die Anaglypha Traiani
7. Die Adlocutio in hadrianischer Zeit
7.1 Die Münzprägung
7.2 Die Reliefs vom Arco di Portogallo
7.3 Das Adlocutio-Monument von Lambaesis
8. Fazit
Katalog
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Bildmotiv der Adlocutio in der römischen Bildkunst, von dessen ersten Ansätzen in republikanischer Tradition bis hin zu seiner vollen Ausprägung in der hadrianischen Zeit, um die Bedeutung dieser kaiserlichen Ansprache als Instrument der Machtrepräsentation zu beleuchten.
- Historische Entwicklung des Adlocutio-Motivs in der römischen Kunst
- Analyse der Adlocutio in der kaiserlichen Münzprägung
- Bedeutung der Adlocutio in den Reliefs der Trajanssäule
- Untersuchung der Adlocutio als politisches Kommunikationsinstrument
Auszug aus dem Buch
1.1 Einleitung: Der Begriff der Adlocutio
Wert und Bedeutung der öffentlichen Rede im antiken Rom preist Quintilian an einer Stelle seines Rhetoriklehrbuchs auf folgende Weise: »Wird es etwa bestritten werden, dass den unschönen Frieden mit Pyrrhus jener Blinde, Appius, durch der Rede Kraft beendete? Oder dass die göttliche Eloquenz des Marcus Tullius Cicero sowohl gegen die Landreformgesetze beim Volke beliebt war als auch die Dreistigkeit des Catilina zerbrach und Cicero in seiner Toga Dankfeste verdiente, die man als höchste Ehrung den siegreichen Anführern im Kriege gewährt? Ruft die Rede nicht häufig die erschrockenen Seelen der Soldaten von der Furcht zurück und überzeugt sie, dass in den vielen Gefahren, die sie im Kampfe auf sich nehmen, der Ruhm mächtiger sei als das Leben?«1. Diese letztgenannte Ansprache zur Ermunterung der Soldaten ist ein Phänomen das bereits zu Quintilians Lebzeiten im 1. Jh. n. Chr. Eingang in die römische Bildkunst gefunden hatte und als Adlocutio bezeichnet wurde.
Adlocutio, oder Allocutio, ist eine substantivierte Verbindung der lateinischen Vorsilbe ad und dem Deponens loqui und meint somit wörtlich die Ansprache. Vor der stark militärischen Konnotation und hauptsächlichen Verwendung des Wortes zur Bezeichnung einer Heeresansprache ist Adlocutio in der Tat auch im allgemeinen Sinne des ermunternden oder tröstenden Zuredens bezeugt2. Im Rahmen dieser Arbeit wird unter Adlocutio die Ansprache jedweder Person verstanden werden die Träger eines Imperiums3 ist und sich an ein ziviles oder militärisches Publikum wendet 4 . Gleichwohl bedingt die politische Struktur der römischen Gesellschaft ab dem Beginn der Kaiserzeit eine Konzentration jener imperialen Gewalt auf die Person des Kaisers 5. In der Hauptsache werden somit Adlocutiones der Principes behandelt werden, die darüber hinaus zumeist an Soldaten gerichtet sind. Insbesondere im Hinblick auf den republikanischen Ursprung der Adlocutio scheint die vorgenommene Differenzierung6 dennoch sinnvoll, da der Besitz des Imperiums zu allen Zeiten die notwendige Voraussetzung gewesen ist, eine formelle Rede an die Soldaten halten zu dürfen und somit eine Adlocutio durchzuführen7.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Einleitung: Der Begriff der Adlocutio: Definition des Begriffs Adlocutio als kaiserliche Ansprache und Eingrenzung des Forschungsgegenstands auf Träger des Imperiums.
1.2 Forschungsstand: Überblick über die bisherige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Motiv in der Archäologie, Numismatik und Philologie.
2. Der Ursprung der Adlocutio in der Tradition der römischen Republik: Analyse der republikanischen Wurzeln des Motivs, insbesondere der Geste der Dextra Elata beim Arringatore.
3. Die Adlocutio vom beginnenden Prinzipat bis zum Tode Neros: Untersuchung der Entwicklung des Motivs unter den frühen Kaisern bis zur Ausbildung eines festen Bildtyps bei Caligula.
4. Die Adlocutio im Vierkaiserjahr: Betrachtung der Bedeutung des Motivs als politisches Instrument in der unruhigen Zeit des Jahres 69 n. Chr.
5. Die Adlocutio von flavischer Zeit bis zum Tode Nervas: Analyse der spärlichen Belege in der flavischen Zeit und die Wiederaufnahme des Motivs unter Nerva.
6. Die Adlocutio als Motiv der trajanischen Staatskunst: Untersuchung der breiten Verwendung des Motivs in der trajanischen Münzprägung und den Reliefs der Trajanssäule.
6.1 Die Münzprägung: Detaillierte Betrachtung der verschiedenen Adlocutio-Münztypen Trajans.
6.2 Die Trajanssäule: Analyse der neun Adlocutio-Szenen auf dem Säulenrelief und deren Einteilung in verschiedene Kategorien.
6.3 Die Anaglypha Traiani: Untersuchung der historischen Reliefs im Kontext der kaiserlichen Liberalitas.
7. Die Adlocutio in hadrianischer Zeit: Analyse der Entwicklung des Motivs unter Hadrian, das sich durch einen großen Typenreichtum in der Münzprägung auszeichnet.
7.1 Die Münzprägung: Auswertung der umfangreichen Exercitus-Serie und anderer hadrianischer Münztypen.
7.2 Die Reliefs vom Arco di Portogallo: Betrachtung des einzigen erhaltenen Reliefs einer Ansprache Hadrians.
7.3 Das Adlocutio-Monument von Lambaesis: Analyse der epigraphischen Überlieferung einer Ansprache Hadrians an die Legio III Augusta.
8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung des Adlocutio-Motivs und seiner Bedeutung für die Kommunikation zwischen Kaiser und Volk.
Schlüsselwörter
Adlocutio, römische Bildkunst, Kaiserzeit, Prinzipat, Münzprägung, Trajanssäule, Dextra Elata, Redegestus, Imperator, Staatskunst, Soldatentum, Hadrian, Caligula, Repräsentation, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung des Bildmotivs der Adlocutio, der kaiserlichen Ansprache, in der römischen Bildkunst von der Zeit der Republik bis zur Herrschaft Hadrians.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die visuelle Repräsentation imperialer Macht, die Interaktion zwischen Kaiser und Soldatentum sowie die Bedeutung der Redegestik in der römischen Staatskunst.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung und Bedeutung der Adlocutio als politisches Kommunikationsinstrument in der römischen Bildkunst umfassend darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die archäologische und kunsthistorische Analyse, kombiniert mit numismatischen Untersuchungen und dem Abgleich mit literarischen sowie epigraphischen Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und thematisch, von den republikanischen Vorläufern über die Ausprägung unter Caligula bis hin zu den umfangreichen Belegen unter Trajan und Hadrian.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Adlocutio, römische Bildkunst, Kaiserzeit, Repräsentation und Kommunikation.
Welche Rolle spielt die Trajanssäule in der Untersuchung?
Die Trajanssäule ist ein zentraler Beleg für das Motiv, da sie nicht weniger als neun Adlocutio-Szenen in unterschiedlichen Kontexten, wie Anfangs-, Sieges- oder Schlussansprachen, zeigt.
Was zeichnet die hadrianische Adlocutio-Darstellung besonders aus?
Hadrian erweitert das Motiv durch einen bisher unerreichten Typenreichtum, insbesondere in der Exercitus-Serie, welche die Reisen des Kaisers durch die Provinzen thematisiert.
- Arbeit zitieren
- Kevin Grossart (Autor:in), 2016, Die Adlocutio in der römischen Bildkunst. Vom Aufkommen des Bildmotivs bis in hadrianische Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458903