Wissenschaftliche Diskurse in E.T.A. Hoffmanns "Der Magnetiseur" und "Der Sandmann"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. AUFBAU DER ARBEIT

3. DER MAGNETISEUR
3.1. INHALT
3.2. FORM
3.3. WISSENSCHAFTLICHER DISKURS
3.3.1. BAMBERGER NATURPHILOSOPHEN
3.3.2. MESMER UND SEIN ANIMALISCHER MAGNETISMUS
3.4. KONKRETE BEZÜGE ZUR WISSENSCHAFT IM „MAGNETISEUR“

4. DER SANDMANN
4.1. INHALT
4.2. FORM
4.3. WISSENSCHAFTLICHER DISKURS
4.3.1. AUTOMATEN
4.3.2. REIL
4.4. KONKRETE BEZÜGE ZUR WISSENSCHAFT IM „SANDMANN“

5. HOFFMANNS POSITIONIERUNG UND ROMANTIKKRITIK

6. FAZIT

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Man stellt fest, daß Literatur und Naturwissenschaft seit der frühen Antike in vielfältigen, einander befruchtenden Wechselwirkungen gestanden haben und weiterhin stehen. Dichter haben zu allen Zeiten naturwissenschaftliche Fragen aufgegriffen, sie manchmal sogar schärfer formuliert als es die zunftgerecht zur Vorsicht angehaltenen Fachleute taten, und sie haben in ihrer Sprache versucht, Antworten zu geben, die wissenschaftlich zu nennen nur auf den ersten Blick vermessen erscheint. (Elsner/Frick 2004: 7)

Einer dieser Dichter, bei dem diese wechselhafte Beziehung eine tragende Bedeutung zu- kommt, ist zweifelsohne E.T.A Hoffmann. Hoffmann befasst sich in den beiden hier un- tersuchten Erzählungen Der Magnetiseur und Der Sandmann eingehend mit aktuellen wissen- schaftlichen Themen. Dabei sind diese nicht nur am Rande erwähnt sondern zentraler Be- standteil seiner Prosa. Interessant ist unter anderem die immer ähnliche Darstellung der Vertreter der Wissenschaft, jedoch wäre es zu einfach, davon schon auf die persönliche Haltung des Autors zum technischen Fortschritt zu schließen. Hoffmann schafft es, ein vielschichtiges Bild wissenschaftlicher Entwicklungen seiner Zeit abzubilden, ohne einseitig euphorisierend oder verteufelnd zu werden, auch wenn ihm letzteres von Zeitgenossen häufig nachgesagt wurde. So äußerte sich Heine über Hoffmann, eine Beurteilung seiner Texte sei „nicht das Geschäft des Kritikers, sondern des Arztes“ (Heine nach Elsner 2004: 215). Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch dar, die Haltungen der Protagonisten sowohl im Magnetiseur als auch im Sandmann herauszuarbeiten und darin möglicherweise eine Stellungnahme des Autors selbst zu entdecken. Die von Elsner in obigem Zitat aufge- worfene Hypothese des mit wissenschaftlichen Kenntnissen ausgestatteten Schriftstellers werde ich, zumindest was Hoffmann anbelangt, im Folgenden stützen. Der Königsberger Schriftsteller hat sich nicht nur ausführlich mit den Themen Magnetismus und Automa- tenmenschen sondern auch mit den zugrunde liegenden philosophischen Menschenbildern und psychologischen Entwicklungen auseinandergesetzt. Bei der Analyse der naturwissen- schaftlichen Grundlagen beider Texte sollen zudem epochentypische Motive und Charak- teristika herausgearbeitet werden, um Strömungen und zu dieser Zeit aktuelle und auch kontrovers diskutierte Themen aufzuspüren und Hoffmann innerhalb seiner Werke zu verorten.

2. Aufbau der Arbeit

Die Arbeit befasst sich zunächst mit dem chronologisch betrachtet früher erschienen Mag- netiseur, um danach in ähnlichem Aufbau Einblick in den Sandmann zu geben. Zu Beginn erfolgt eine kurze Einführung in den Inhalt und die formalen Charakteristika der Erzäh- lung. Für den Kontext essentiell gibt Kapitel 3.3. Einblick in den zeitgenössischen Diskurs zum Thema Magnetismus und die für Hoffmanns wissenschaftliche Bildung essentielle Bamberger Zeit. Zuletzt wird ein Bezug zwischen Wissenschaft und Prosa hergestellt, in dem dezidiert auf die literarische Behandlung wissenschaftlicher Thesen im Magnetiseur ein- gegangen wird.

Der Aufbau für das Kapitel über den Sandmann ist sehr ähnlich, nach einer inhaltlichen und formalen Einführung werden wissenschaftstheoretischen Diskurse der Zeit aufgedeckt. Grundlegend dafür ist ein Abriss über das Menschenbild von Descartes und LaMettrie, da sie den Diskurs über Mensch und Maschine entscheidend prägten. Daran anschließend erfolgt ein Einblick in Reils psychophysiologische Thesen. Die literaturwissenschaftliche Untersuchung einzelner Motive und Passage des Sandmanns soll in Kapitel 4.4. die bisheri- gen Kenntnisse in der Erzählung aufdecken.

Abschließend werden in Kapitel 5 die Erkenntnisse zusammengeführt. An dieser Stelle wird versucht, Hoffmanns Haltung zur Wissenschaft aus den zuvor analysierten Texten hervorzukehren. Weiter wird die Verortung des Autors im Epochengefüge skizziert, da dies zusätzlich Aufschluss über seine Ansicht über den Fortschritts bietet. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.

3. Der Magnetiseur

3.1. Inhalt

Die Entstehung des Magnetiseurs ist bezeichnend für die fundierte wissenschaftliche Positi- on des Autors. E.T.A. Hoffmann schrieb die Erzählung innerhalb einiger Monate im Sommer 18131 und schickte sie nach erster Fertigstellung zur Durchsicht und fachlichen Beurteilung an seinen Freund Friedrich Speyer, einen Bamberger Arzt (Siebenpfeiffer 2009:108). Zunächst war der Arbeitstitel der Erzählung „Träume sind Schäume“ und war von Hoffmann als Geschichte über Träume und ihren Zugang zum Unbewussten angedacht (Bayer-Schur 2007: 52). Schon bald entwickelte sich der Text zu einer multiperspektiven Untersuchung des Magnetismus. Da Speyer neben Adalbert Friedrich Marcus (Leiter des Krankenhauses und der Psychiatrie, Speyers Onkel) und Gotthilf Heinrich Schubert Hoffmanns wichtigste Bezugspunkte für den wissenschaftlichen Diskurs v.a. über den Magnetismus darstellten, zeigt Hoffmanns Konsultation nach Fertigstellung des Textes seinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit/Vollständigkeit.

Der Magnetiseur ist eine sehr komplexe, vielgliedrige Erzählung im Stile der damals populä- ren Schauer- und Trivialromane. In fünf Abschnitten, die aus Briefen, Tagebuchnotizen und erzählten Passagen bestehen, beschreibt der Erzähler die Veränderung einer Familie durch den Magnetismus. Der Magnetiseur Alban tritt in Familie des Baron, ermächtigt sich dort mit Hilfe magnetischer Therapien der Tochter Maria, die zuletzt an der totalen Beein- flussung verstirbt. Zunächst noch eher theoretisch und mutmaßend, doch schnell sehr nah und aktuell kommt die Familie mit den Lehren des Franz A. Mesmer in Berührung und zerbricht schlussendlich daran.

Mit der Erzählung Der Magnetiseur erschloss sich Hoffmann ein literarisches Thema, in dem das Wir- ken unbekannter, unbewusster, unkontrollierbarer und in diesem Sinne ‚nächtlicher’ Kräfte auf den Menschen im Mittelpunkt steht. (Siebenpfeiffer 2009: 109)

Hoffmann schafft es, durch die verschiedenen Familienmitglieder gleich mehrere Positio- nen zum animalischen Magnetismus zu Wort kommen zu lassen sowie seine Wirkung und Macht explizit aufzuzeigen. Die Vielschichtigkeit der Erzählung, die unter anderem durch den häufigen Perspektivwechsel erreicht wird, bezeichnet Schweizer sehr treffend als „ka- leidoskopartig“ (Schweizer 2007: 27). Durch Ottmar, einen glühenden und naiven Anhä- nger, sowie Alban, den abgeklärten und mit unlauteren Motiven agierenden Magnetiseur, wird eine Dichotomie aufgezeigt, die noch von der unschuldigen Maria, die wehrlos zum Spielball wird, unterstrichen ist. Skeptizismus gepaart mit Angst wird vom Baron (Vater Ottmars und Marias) verkörpert, der gewissermaßen auch das Rationale und Alte verkör- pert. Nur der Maler Franz Bickert beteiligt sich nur marginal an den Glaubenskonflikten und betrachtet zuweilen amüsiert das Geschehen. Wenig überraschen mag daher, dass er der einzige Überlebende der Familie sein wird.

3.2. Form

Die Komplexität des Magnetiseurs ist auf formaler Ebene ebenso sichtbar. So wechselt nicht nur die Erzählsituation sondern auch die Erzählperspektive häufig. Die Verschachtelung und zuweilen Undurchsichtigkeit der Erzählung trägt zum Spannungsaufbau bei. Erst zum Ende des Magnetiseurs wird die Form für den Leser greifbar, fügt sich die Erzählung in ihren einzelnen Teilen zu einem Ganzen. Das Eingangskapitel2, das mit Träume sind Schäume überschrieben ist, beginnt als extradiegetische Erzählung mit einem unbekannten auktoria- len Erzähler. Es enthält längere Figurenreden, die jeweils Binnenerzählungen darstellen. Darauf folgen zwei Briefe, der erste von Maria, der zweite von Alban, mit denen die Erzäh- lung an Dichte angereichert und dem Leser eine neue Perspektive geboten wird. Der nächste Teil der Erzählung, Das einsame Schloß, wird von einem Ich-Erzähler wiedergege- ben, der jedoch in der bisherigen Figurenkonstellation nicht aufgetaucht ist. Es handelt sich um Nikomedes, einen Justizrat, der das Schloss nun verwalten soll. Inzwischen ist mit Bickert auch der letzte Überlebende des Anfangskapitels verstorben und Nikomedes stößt bei der Besichtigung des Schlosses auf tagebuchähnliche Notizen des Malers. Diese werden mit anderen Dokumenten (Briefe von Marie und Alban) in Montagetechnik zur Erzählung gefügt, so dass sich das Kaleidoskop der Erzählung vervollständigt. Der Magnetiseur endet mit einem Brief des Herausgebers der Erzählung an Nikomedes, in dem er sich auf einen Aufsatz über die Malerei Bickerts bezieht. Schweizer bezeichnet dieses Ende als typisch für die Romantik mit ihrem „literarische[n] Spiel der Potenzierung von Reflexionsebenen“ (Schweizer 2007: 30), da hier die bildende Kunst integriert wird bzw. ein Verweis auf Re- flexivität in einem anderen Kunstmedium hergestellt wird. Nach Schweizer geht die Ebe- nenpotenzierung am Schluss des Magnetiseurs jedoch noch weiter, da der Herausgeber die Identität Nikomedes anzweifelt und somit die Identität des fiktiven Erzählers ungeklärt bleibt (Schweizer 2007: 30).

3.3. Wissenschaftlicher Diskurs

3.3.1.Bambergerr Naturphilosophen

Gerade Hoffmanns Aufenthalt in Bamberg (1808-1813) sollte prägend für sein Verständnis von Wissenschaft sein und wirkte stark auf seine Auseinandersetzung mit dem Magnetis- mus in den darauffolgenden Jahren und Werken nach. Die Stadt, die als Zentrum der ro- mantischen Naturphilosophen und Sammelpunkt des kulturellen Leben galt (Safranski 1987: 221f.), bot Hoffmann die Möglichkeit, fundierte Einblicke in den aktuellen wissen- schaftlichen Diskurs zu erhalten sowie praktische Erfahrungen zu sammeln. Der junge Schriftsteller nutzte die Zeit, sich intensiv mit Theorien und Annahmen naturge- schichtlicher, philosophischer, medizinischer sowie psychologischer Natur zu befassen. Insbesondere die Verbindung zum Arzt Adalbert Friedrich Marcus, der ihn in die Theorie und Praxis des Magnetismus einführte und wichtiger Diskussionspartner des jungen Autors war, führte zu dem fundiertem Wissen, das die Basis für die multiperspektive „Abhand- lung“ über den Magnetismus im Magnetiseur bildet.

Adalbert Friedrich Marcus war Direktor des dortigen Krankenhauses sowie der Psychiatrie, und galt als bahnbrechend für den romantischen Geist in Medizin und Naturphilosophie. Er stand in engem Kontakt zu u.a. Schlegel und Schubert und war einer der ersten die sich mit der Erregungstheorie des schottischen Arztes Brown (1780) fundiert beschäftigte (Saf- ranski 1987: 220). Die Erregungstheorie wird als Vorläufer der romantischen Naturphilo- sophie bezeichnet. Zentral dabei ist die Annahme von einer Einheit des Organismus auf körperlich-seelischer Ebene. Diese Einheit ließe sich über „die Polarität von Reiz und Er- regbarkeit herstellen“ (Safranski 1987: 220), wobei Disharmonie Krankheit bedeutet, die fast schon mechanisch zu lösen sei. Nach ihr wird das psychische Erleben als Wechseln von Stimulation und Mangel von Reizen definiert (Siebenpfeiffer 2009: 59). Kaum zu über- sehen ist die enge Beziehung des animalischen Magnetismus zur Brownschen Erregungs- theorie. Adalbert Friedrich Marcus beschäftigt sich nach Studium der schottischen Theorie ausführlich mit dem Magnetismus und wendet diesen in seinem Krankenhaus an. Hier hat- te Hoffmann nicht nur Gelegenheit zum intensiven Diskurs, sondern darüber hinaus die Möglichkeit, der direkten praktischen Umsetzungen der magnetischen Lehren beizuwoh- nen.

Hoffmann lernte neben Schelling und Johann Christian Reil auch Gotthilf Heinrich Schu- bert in Bamberg kennen. Mit dem Herder- und Schlegel-Schüler Schubert (1780-1860) fand der Mesmerismus seinen wichtigsten Vertreter in deutschen Raum. Nicht nur sein 1808 erschienene Werk Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft 3 übte großen Einfluss auf Hoffmann aus, auch mit der Symbolik des Traumes 4 (1814) war der Autor sehr vertraut (Kremer 2009: 32). So beschreibt Barkhoff in seinem Aufsatz über Romantische Naturphi- losophie, dass Schubert die „wichtigste[n] Quelle für naturphilosophische Elemente in Hoffmanns Werk“ darstellte (Barkhoff: 2009: 71).

Laut Siebenpfeiffer habe Schubert, basierend auf Novalis und Schlegel, die Theorien von Mesmer über den animalischen Magnetismus ausgebaut und populärer gestaltet (Sieben- pfeiffer 2009: 61). Sein Stil wird als „poetisierend-evokativ“ bezeichnet, seine Abhandlun- gen zielen mehr auf Anschaulichkeit und Einfühlung denn auf methodische Absicherung oder Widerspruchsfähigkeit, so Barkhoff (2009: 71).

3.3.2.Mesmerrundrseinranimal i scherrMagneti smus

Mit dem Motiv des Magnetismus greift Hoffmann eine Theorie auf, die einen hohen zeit- genössischen Bezug hat. So wirkt Franz Anton Mesmer mit seinen Schriften und seiner Theorie des animalischen Magnetismus polarisierend, Siebenpfeiffer geht in ihrem Aufsatz über Romantische Psychologie so weit, ihn als „strukturbildend auf die spätromantische Psychologie“ (2009: 61) zu bezeichnen.

Mesmer beschreibt in seinen Abhandlungen, die Ende des 18. Jahrhundert veröffentlicht wurden, wie magnetische Kräfte die Beziehungen und Spannungen in und um den mensch- lichen Körper beeinflussen. Dabei geht er von einer Wechselwirkung zwischen den Kräf- ten der Natur und dem Menschen aus. Zentral ist dabei das biophysikalische Fluidum, das sowohl Kosmos als auch belebte und unbelebte Natur durchströmt. Bei einem gesunden Körper herrscht Harmonie der Schwingungen. Liegt jedoch eine Dissonanz vor, kommt es zur Krankheit, die mittels Krise zu überwunden versucht wird (Schweizer 2007: 40). Der animalische Magnetismus versucht nun, die Krise zu begünstigen und Heilung zu ermögli- chen. Als kritischen Zustand bezeichnet Mesmer den somnambulen, der als Zwischenzu- stand von Wachen und Schlafen zu verstehen ist. In Magnetkuren, die psychotherapeuti- schen Sitzungen ähnlich waren und eine Beeinflussung des Patienten durch den starken Willen des Magnetiseurs mit sich brachten, wird versucht, auf das Unbewusste Einfluss zu nehmen. Hier sind vor allem die Instrumente Hypnose und Suggestion zu nennen, mit denen der Magnetiseur agiert. Kaum verwundern mag nun, dass der Mesmerismus zuwei- len als Vorgänger der Freudschen Psychoanalyse genannt wird (Schweizer 2007: 39).

Mesmer selbst verstand sich als Arzt in der Tradition der Aufklärung, der der rationalisti- schen Wissenschaft verpflichtet ist (Schweizer 2007: 40). Sein Anspruch war es, so Schwei- zer, das Verhältnis von Magnetiseur und seinem Patienten „empirisch-materialistisch“ zu erklären (2007: ebd.). Erst als sich deutlich abzeichnete, dass seine Ergebnisse nicht wie- derholbar und damit seine Thesen nicht belegbar sind, wurde der animalische Magnetismus von zentralem Interesse für die Romantiker, die diese Theorie spirituell-mystisch auslegten. Für die Romantik war vor allem der somnambulische Zustand interessant, da hier eine höhere Seins-Ebene zu erreichen versucht wurde. Diesem tranceartigen Zustand wurden hellseherische Fähigkeiten zugesprochen, was mit dem Überschreiten der Bewusstseins- grenzen und dem Einzug ins Phantastische, einem für die Romantik zentralen Begriff, kongruierte.

Trotz des nachgewiesen großen Interesses Hoffmanns am Magnetismus stand er dieser Strömung kritisch gegenüber. Durch seine langjährige Beschäftigung mit dem Thema eig- nete er sich ein fachlich tiefgehendes Wissen an. Der Autor akzeptierte die magnetische Praxis als Heilmittel, stand dieser jedoch kritisch entgegen. Barkhoff äußert sich dazu sehr passend:

Bei aller Faszination aber blieb Hoffmann sowohl gegenüber den naturphilosophisch-religiösen wie den therapeutischen Heilserwartungen, die von seinen Anhängern an den Mesmerismus geknüpft wurden, höchst reserviert und eröffnete in seinen Literarisierungen einen skeptischen Gegendiskurs. (Barkhoff 2009: 512)

Hoffmanns Position kann in der Figur des Malers Franz Bickert im Magnetiseur gefunden werden. Gründe für diese Annahme und Einblicke in die Figur des Künstlers werden im Folgenden aufgezeigt.

[...]


1 1819 wurde der Magnetiseur für die zweite Auflage der Fantasiestücke in stark überarbeiteter Form erneut veröffentlicht. Diese Arbeit orientiert sich jedoch durchgängig an der ersten Fassung.

2 Den Rahmen der Geschichte bildet zunächst die Kaminrunde, was eine sehr verbreitete Situierung für Schauergeschich- Den Rahmen der Geschichte bildet zunächst die Kaminrunde, was eine sehr verbreitete Situierung für Schauergeschich- ten darstellt.

3 „Der Titel Ansichten ist durchaus selbstbewusst gegen Lichtmetaphorik und Wissensbegriff der Aufklärung gerichtet. Ihm geht es um die verborgenen, vom kalten Licht aufklärerischer Naturforschung in den Schatten gerückten, mit exakter Wissenschaft nicht zu erhellenden Wissensbestände: Spekulationen über die Einheit von Natur und Geschichte, Ahnung über., Einblick in die Seele, ..“ Barkhoff 2009: 71.

4 Diese Veröffentlichung wurde von Freud als „Vorläuferstudie zur Traumdeutung anerkannt“ (Siebenpfeiffer 2009: 61).

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftliche Diskurse in E.T.A. Hoffmanns "Der Magnetiseur" und "Der Sandmann"
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Literatur und Wissen
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V458940
ISBN (eBook)
9783668903234
ISBN (Buch)
9783668903241
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Magnetismus, Romantik
Arbeit zitieren
Judith Brückner (Autor), 2015, Wissenschaftliche Diskurse in E.T.A. Hoffmanns "Der Magnetiseur" und "Der Sandmann", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458940

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