Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Das Wald-Motiv im Text "Herzog Ernst B" und die Lotmansche Raumtheorie

Eine literaturwissenschaftliche Analyse

Titel: Das Wald-Motiv im Text "Herzog Ernst B" und die Lotmansche Raumtheorie

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Judith Brückner (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem mediävistischen Werk "Herzog Ernst" in der mittelhochdeutschen Fassung B. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Wald-Motiv aus raumtheoretischer Sicht. Angenommen wird, dass das Vorkommen des Waldes im "Herzog Ernst B" in seiner Semantisierung analog zur Entwicklung des Protagonisten steht. Dass er durch den Wald lernt oder mit dem Wald wächst. Dass der Wald die Entwicklungssprünge des Helden umrahmt.

Am Wald wird Fortschritt sichtbar, aber auch teilweise unbegründete (rückschrittliche?) Angst. Der Wald ist vielseitig, er ist groß und mächtig und wird wohl ob seiner Kraft und Dichte nicht zufällig eingesetzt sein, oder etwa doch? Zur Analyse des Waldes wird in dieser Arbeit die Raumtheorie des baltischen Strukturtheoretikers Jurij M. Lotman herangezogen. Um die vorliegenden, vermutlich unterschiedlichen semantischen Aufladungen des Waldes im "Herzog Ernst" greifbar zu machen, ist diese strukturelle Herangehensweise von großem Vorteil. Bewegungen und Oppositionen im Text, die somit in die Betrachtung einfließen, lassen eine fundierte Untersuchung des Motivs und seiner Ausprägungen zu. Die Anwendung des Lotmanschen Raummodell eignet sich für die Analyse eines Raummotivs, wie die hier vorliegende Arbeit es sich als Thema gesetzt hat. Neben der semantischen Aufladung des Waldes wird auch die Funktion des Raumes an sich untersucht. Daher sind die Kriterien der Kombination, der Sujethaftigkeit sowie der oppositionellen Aufladung höchst relevant. Die Bewegungen in diesem und Abgrenzungen zu anderen Räumen können weiteren Aufschluss auf den Text geben.

Zunächst wird die Raumtheorie nach Lotman kurz vorgestellt, um anschließend in das mediävistische Werk "Herzog Ernst B" einzuführen. Dabei werden Genre, Inhalt und Struktur kurz erläutert. Nach diesen Grundlagen kommt es zum eigentlichen Kern der Arbeit, der Analyse des Waldes und seines Vorkommens im "Herzog Ernst B". Die Arbeit schließt mit einem kurzen Fazit. Der Wald trägt im "Herzog Ernst" eine Vielzahl von Bedeutungen: Mal wird der Fortschritt des Mittelalters illustriert, mal hat er einen schützenden Charakter, wieder an anderer Stelle bietet er eine Zone der Abgrenzung vom "Anderen", vom Ausgestoßenen und Nicht-Gesellschaftsfähigen. Er fungiert als Puffer und als Schwelle, das Motiv des Waldes ist sehr vielseitig.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. LOTMAN

3. „HERZOG ERNST“: GENRE, INHALT UND STRUKTUR

4. DER WALD

4.1. ALLGEMEINES, STRUKTUR

4.2. DETAILLIERTE ANALYSEN DER WALDSZENEN

4.2.1. ERSTE SZENEN: ÜBERGANG UND ANKUNFT IN ARIMASPI

4.2.2. WEITERE SZENEN: KÄMPFE IN ARIMASPI

4.2.3. LETZTE SZENE – RÜCKKEHR INS RÎCHE

5. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das Motiv des Waldes im mittelhochdeutschen Epos „Herzog Ernst B“ unter Anwendung der Raumtheorie von Jurij M. Lotman. Das primäre Ziel ist es, die semantische Aufladung des Waldraums zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit das Motiv die Entwicklung des Protagonisten vom verbannten Herzog zum gerechten Herrscher widerspiegelt oder unterstützt.

  • Strukturelle Analyse von Raumsemantik und -oppositionen.
  • Untersuchung der Lotmanschen Raumtheorie im Kontext mittelalterlicher Literatur.
  • Die Funktion des Waldes als Raumschwelle und Schutzzone.
  • Vergleich der Waldszenen als Spiegel der ritterlichen Reifung des Helden.
  • Bedeutungswandel des Waldes vom Exilraum zum Ort der Bewährung.

Auszug aus dem Buch

4.2.1. Erste Szenen: Übergang und Ankunft in Arimaspi

Das erste Vorkommen des Waldes befindet sich im Übergang von rîche zu Orient. Nach dem Entkommen von den Greifen am Magnetberg steigen Herzog Ernst und seine verbleibenden Ritter hinab in den Wald. Da sie kaum Nahrung fanden und sich nur von Pflanzen ernährten, zogen sie immer weiter bis sie an einen Fluss kamen. Die Möglichkeit der Jagd im Wald wird vollkommen ausgeblendet. Der Fluss nun versorgte sie mit Fisch. Da sie sich jedoch nur von Wald und Gesteinswänden umgeben fanden, beschlossen sie, mit den Bäumen des Waldes ein Floß zu bauen und dem reißenden Fluss, der durch seine starke Strömung nicht zu überqueren war, auf diesem Gefährt zu folgen. Auffällig ist nun der Wechsel der Bedeutung des Waldes. Zu Anfang dieser Szene diente er als Schutzraum vor den Greifen (V. 4293-4295: ... in den walt, / dâ den helden vil balt / die grîfen mohten niht geschaden.). Im Laufe der Szene jedoch ändert er seine Funktion und vermittelt Ausweglosigkeit: er bietet nicht genug Nahrung, die Überlebenden sind eingekesselt vom Wald, dem reißenden Fluss und Gesteinswänden.

Stauffer interpretiert die Lage als „ein geistiges Verstricktsein in den Bedrohungen der Welt, aus denen es keinen Ausweg gibt [...], wenn die Befreiung nicht durch die Hilfe Gottes ermöglicht wird.“ Auch hier, im „Herzog Ernst“, legen die Helden ihr Schicksal in Gottes Hand, indem sie sich in das Ungewisse der Naturgewalten begeben. Verstärkt wird die menschliche Machtlosigkeit durch das nun folgende Bild der Wiedergeburt. Die wichtige Funktion des Waldes ist an dieser Stelle die der Raumschwelle, welche Schmid-Cadalbert als den Übergang „[...] zwischen diesseitiger Welt und jenseitigem Ort.“ bezeichnet. Die Transition zum Orientraum und damit zum Unbekannten wird so unterstrichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in das Waldmotiv im „Herzog Ernst“ und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise unter Nutzung der Lotmanschen Raumtheorie.

2. LOTMAN: Vorstellung der strukturalen Erzähltheorie von Jurij M. Lotman mit Fokus auf Raumstruktur, Topologie und binäre Oppositionen.

3. „HERZOG ERNST“: GENRE, INHALT UND STRUKTUR: Überblick über das Werk, seine Zweiteilung in Reich- und Orientteil sowie die Bedeutung der Reise für die ritterliche Entwicklung des Protagonisten.

4. DER WALD: Zentrale Analyse des Waldmotivs, unterteilt in allgemeine strukturelle Beobachtungen und spezifische Szenenanalysen von der Ankunft in Arimaspi bis zur Rückkehr ins Reich.

5. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, in der die Bedeutung des Waldes als Raum der Entwicklung kritisch reflektiert wird.

Schlüsselwörter

Herzog Ernst B, Lotman, Raumtheorie, Waldmotiv, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Spielmannsdichtung, Raumschwelle, Topologie, ritterliche Tugend, Selbstfindung, Orientreise, Strukturalismus, Erzählstruktur, Semantik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das literarische Motiv des Waldes im mittelhochdeutschen Epos „Herzog Ernst B“ und untersucht, wie dieses Motiv räumlich und inhaltlich zur Charakterentwicklung des Protagonisten beiträgt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Raumtheorie nach Jurij M. Lotman, die Struktur der Spielmannsdichtung, die Symbolik des Waldes sowie die ritterliche Identitätsbildung durch Prüfungen im „fremden“ Orient.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob die Struktur des Raumes (konkret der Wald) essenziell mit der Struktur des Textes zusammenhängt und ob die Bedeutung des Werkes durch die gezielte Wahl dieses Raummotivs verstärkt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit nutzt die strukturalistische Raumtheorie von Jurij M. Lotman, um durch die Untersuchung von Bewegungen im Raum, Grenzziehungen und oppositionellen semantischen Feldern die Funktion des Waldes im Epos zu erschließen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Raumtheorie und des Werks „Herzog Ernst“ dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Waldszenen – angefangen beim Übergang in den Orient über die Kämpfe in Arimaspi bis hin zur abschließenden Rückkehr in das rîche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Herzog Ernst, Lotman, Raumtheorie, Waldmotiv, Spielmannsdichtung, Raumschwelle, ritterliche Entwicklung, Orientreise und Semantik.

Welche Funktion hat der Wald bei der Begegnung mit den Prechami?

Im Kontext der Prechami fungiert der Wald als Schutzraum und Exil für eine als positiv wahrgenommene, aber bedrängte Gruppe, wodurch der Wald zur Antithese zur kriegerischen Macht der Kraniche wird.

Inwiefern zeigt das Fazit die Grenzen der Ausgangsthese auf?

Die Autorin stellt fest, dass die These einer stringenten Entwicklung durch eine „semantische Erweiterung“ des Waldes zwar in Ansätzen erkennbar ist, jedoch durch die stilistische Schlichtheit der Gattung Spielmannsdichtung weniger ausgeprägt ist als ursprünglich vermutet.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Wald-Motiv im Text "Herzog Ernst B" und die Lotmansche Raumtheorie
Untertitel
Eine literaturwissenschaftliche Analyse
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Eigen- und Fremdräume im „Herzog Ernst“
Note
1,3
Autor
Judith Brückner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V458948
ISBN (eBook)
9783668902282
ISBN (Buch)
9783668902299
Sprache
Deutsch
Schlagworte
raumsemantik wald herzog ernst spielmannsdichtung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Judith Brückner (Autor:in), 2014, Das Wald-Motiv im Text "Herzog Ernst B" und die Lotmansche Raumtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458948
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  16  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum