Die Konzeptionen der Toleranz nach Rainer Forst


Hausarbeit, 2018
11 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ziel dieser Schrift

Toleranz als Konzept

Konzeptionen der Toleranz
Erlaubnis-Konzeption
Koexistenz-Konzeption
Respekt-Konzeption

Rechtfertigung der Toleranz
Gerechtigkeit
Theorie der Rechtfertigung

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Ziel dieser Schrift

Diese Arbeit hat den Zweck, die Arbeit von Rainer Forst, auf Grundlage seines Buches „Toleranz im Konflikt“ zu durchleuchten und zusammen zu fassen. Vornehmlich soll es dabei um die Entwicklung eines Toleranzbegriffes gehen und die Klassifizierung der Toleranz als Konzept, so wie die Findung eines überlegenen Toleranzkonzeptes.

Forst beschreibt in seinem Buch zu Beginn die Notwendigkeit einer näheren Betrachtung des Begriffs Toleranz aus den vielen aktuellen Diskussionen heraus und die damit verbundenen Auffassungen. Er sieht unsere Gegenwart als eine von Konflikten geprägte Zeit, deren Lösung nur Toleranz zu verhelfen mag. Innerhalb von Gesellschaften, deren Religionen und Weltanschauungen immer vielfältiger werden und zwischen Gesellschaften in einer immer näher zusammenrückenden Welt entstehende Konflikte sind seiner Meinung nach Probleme, denen man nur mit Toleranz beikommen kann. Doch wo jede Streitpartei nach Toleranz und gleichzeitig auch nach Grenzen der selbigen verlangt, gibt es offenbar Klärungsbedarf, dahingehend, was Toleranz denn eigentlich bedeutet, wo die Grenzen von Toleranz sind und welche Art der Toleranz die zielführende ist. {Forst 2017: 16–17}

Mit Hilfe der einzelnen, universalen Bestandteile oder auch Komponenten versucht Forst dann zunächst eine Essenz, er nennt es das Konzept der Toleranz herauszubilden, die für alle Konfliktparteien gleichermaßen gelten muss. Im zweiten Schritt nimmt er sich den verschiedenen Auffassungen der Toleranz an, er nennt sie die Konzeptionen der Toleranz, um dann im Anschluss eine der Konzeptionen als den von ihm begründeten besten Weg der Toleranz herauszubilden in dem er die ein Konzeption politischer und sozialer Gerechtigkeit erarbeitet, an der er die von hm gewählte Konzeption misst. Dieser Gerechtigkeits-Konzeption wird als Fundament eine Theorie der Rechtfertigung zu Grunde gelegt die sich als Forderung der Vernunft versteht, womit dann, nach Forst dargelegt sein sollte, dass seine gewählte Konzeption die passende ist, um in einer Gesellschaft mit tiefgreifenden kulturellen Differenzen zu greifen.

Toleranz als Konzept

Um die Toleranz näher bestimmen zu können, sieht Forst an erster Stelle die Notwendigkeit den Kontext in dem sie stattfindet zu skizzieren. Da sich Toleranz als ein zumeist zwischenmenschliches Phänomen zeigt, ist damit auch in erster Linie die Beziehung zwischen den Tolerierenden und den Tolerierten gemeint. Wer steht sich gegenüber, sind es verschiedenen Individuen oder sogar Gruppen oder Institutionen? Welche Stellung nehmen sie ein und welchem kulturellen Hintergrund entspringen sie? Teilen sie überhaupt einen der klassischen Kontexte? Die Gründe, welche dann für oder gegen die Toleranz gesucht werden, hängen stark von diesem Kontext ab. Toleranz kann so aus religiösen Gründen geübt werden, oder aus Liebe aber auch aus reinem Kalkül heraus. Zu dem Kontext gehört aber auch die Handlung oder Überzeugung auf die sich die Toleranz im Grunde bezieht. Nach Forst wird niemals eine Person direkt toleriert, sondern ihre Handlungen und Überzeugungen, die zwar ein Teil von ihr sind, sogar ein Existenzieller, aber nicht die Person selbst. zu guter Letzt zählt auch die Form der Ausübung der Toleranz zum Kontext. Toleranz kann beispielsweise duldend, anerkennend oder sogar fördernd ausgeübt werden. (Forst 2017, S. 31–32)

Eine Komponente ohne die Toleranz nicht funktioniert ist die der Ablehnung. Forst betont dies sehr deutlich in seinen Werken. Sie bezieht sich auf die Ablehnung einer Bestimmten Handlung oder Haltung gegenüber ohne die die Toleranz nicht möglich wäre. Ein Mensch, der einer für ihn fremde Haltung oder Handlung zustimmend oder sogar indifferent gegenüber eingestellt ist, ist kein toleranter Mensch. Zwar sind diese Haltungen, nicht falsch zu verstehen, wohl positive und oft auch erstrebenswert. Jedoch darf auch die Toleranz nicht falsch verstanden werden und mit diesen Einstellungen verwechselt werden. Forst betont außerdem, dass die Ablehnung einer Handlung oder Haltung gegenüber normativ gehaltvoll sein muss. Er einst damit, dass die Gründe für die Ablehnung vernünftig, also objektiv und allgemein teilbar sein müssen. Dies ist ein wichtiges Kriterium für die Ablehnung, da die dritte Komponente der Toleranz die Akzeptanz ist, welche vernünftige, also objektive und allgemein teilbare Gründe gegen die Ablehnungsgründe liefert, ohne sie dabei zu widerrufen. Die Ablehnungsgründe bleiben also neben denen der Akzeptanz bestehen und wiegen sich gegeneinander auf um eine Toleranz oder vollkommene Ablehnung zu bewirken. Liegen der Ablehnung nun allerdings unvernünftige Gründe, aus beispielsweise Hass oder Vorurteilen zugrunde, ist dem nicht mit vernünftigen Gründen der Akzeptanz bei zu kommen. In einem solchen Fall hält Forst es für unangemessen die Toleranz einzufordern, sondern legt nahe, an der Grundlage der Überzeugung solcher Personen zu arbeiten. Hier ist es angebracht, die Vorurteile aus dem Weg zu Räumen und den Hass zu schlichten. Gelinge dies, so sei die Grundlage für die Ablehnung beseitigt und Toleranz eh nicht mehr vonnöten. Die Toleranz ist also nicht das Gegenstück der Vorurteile, also als Waffe dagegen oder als Heilmittel zu sehen. Denn Vorurteile sind reine Intoleranz und Toleranz kann nur dann entstehen wenn die Gründe der Ablehnung auch nach dem Aufwiegen der Akzeptanzgründe noch bestand haben. (Forst 2017, 32 - 34)

Wie bereits gesagt, gehört zu der Komponente der Ablehnung auch die Komponente der Akzeptanz. Zwar werden die zu tolerierenden Praktiken und Haltungen als falsch oder schlecht verurteilt, aber diese Verurteilung reicht aus Gründen der Akzeptanz nicht aus, sie zu verbieten. Die Akzeptanzgründe heben die Ablehnungsgründe dabei keinen Falls auf, sondern stehen ihnen gegenüber und werden abgewogen. Überwiegen die Akzeptanzgründe, ist eine Tolerierung der Handlung oder Haltung möglich, wenn nicht sogar geboten. (Forst 2017, S. 34–35) Toleranz bedeutet, die Duldung von Haltungen oder Handlungen, denen man ablehnend gegenüber steht.(Forst 2000a, S. 9)

Wärend der Abwägung der Gründe der Ablehnung und jenen der Akzeptanz, gibt es eine Grenze, die die Gründe der Ablehnung überwacht. Überschreitet deine Handlung oder Haltung diese Grenze, sind die Gründe der Ablehnung dadurch so stark gewichtet, dass diese allen gründen der Akzeptanz automatisch überwiegen. (Forst 2000a, S. 9) Forst bezeichnet die Toleranz deshalb als einen prinzipiell begrenzten Raum, in dem ein Gleichgewicht zwischen Ablehnung und Akzeptanz herrscht und der auch Grenzen benötigt. Diese Grenzen der Toleranz stellen neben der Ablehnung und Akzeptanz die dritte zentrale Komponente der Toleranz dar. Sie Beschreibt einen Punkt, an dem die positiven Gründe in keinem Fall ausreichend sind, um die negativen aufzuwiegen und an dem die Bereitschaft zur Toleranz versagt. Im Sinne der Toleranz, kann nicht alles toleriert werden. Eine Praxis, die intolerant ist, kann von der Toleranz nicht toleriert werden, Forst bezieht sich hier auf Popper, da sie dann zu ihrer eigenen Abschaffung beitragen würde. Um die Grenzen der Toleranz nicht willkürlich erscheinen zu lassen und um sie auch zu erkennen bracht es neben Ablehnungsgründen und Akzeptanzgründen auch Grenzgründe. Zunächst sind die Grenzgründe, wie bereits angedeutet zwischen jenen Handlungen die man zwar ablehnt aber tolerieren kann und jenen die man absolut ablehnt zu verorten. Damit die Grenzen der Toleranz nicht als intolerante Komponente gewertet werden, müssen die Grenzgründe außerdem wie die Ablehnungsgründe vernünftig sein und in einer wechselseitigen Form auftreten. (Forst 2017, S. 37–40) Forst nimmt sich damit auch der Paradoxie der Grenzen der Toleranz an, welche besagt, dass es keine echte Toleranz geben kann, wenn sie gleichzeitig Grenzen zieht, an denen sie nicht mehr tolerieren kann – also intolerant wird. Nach Forst, muss eine Form der Toleranz deshalb zeigen können, dass ihre Grenzen nicht willkürlich gezogen werden und die Begründung für die Grenzen für jede Streitpartei erkennbar sind. (Forst 2000b, S. 122)

Die fünfte Komponente ist die der Freiwilligkeit. Erzwungene Toleranz führt zu einer Form der Duldung die keine Anerkennung beinhaltet und deshalb muss sie aus freien Stücken geschehen. (Forst 2000a, S. 9) Wenn die tolerierende Partei nicht den Raum bekommt ihr Ablehnung deutlich zu machen um daraus eine Toleranzhaltung zu entwickeln, dann erträgt sie lediglich die Handlungen und Haltungen, die sie ablehnt, als etwas, dass man nicht ändern kann. (Forst 2000b, S. 122)

Toleranz kann sowohl eine persönliche Haltung als eine gesellschaftliche und politische Praxis beschreiben. Beide Formen sind relativ unabhängig voneinander und treten sogar zeitgleich auf. Die Toleranz, die eine Regierung bestimmten Bürgergruppen entgegenbringt, muss nicht auch gleichzeitig die Haltung sein, die jeder einzelne Bürger als Individuum in seiner Toleranz vereint. (Forst 2000a, S. 9)

Die Wesentlichen Bestandteile der Toleranz sind für Forst die Ablehnung, die Akzeptanz und die Grenzen der Toleranz. (Forst 2017, S. 530)

Konzeptionen der Toleranz

Mit der Charakterisierung der Toleranz als grundlegendes Konzept legt Forst das Fundament für seine weitere Betrachtung. Er nimmt sich nun den verschiedenen Auffassungen der Toleranz, oder wie er es nennt, den verschiedenen Konzeptionen an. Im Diskurs um die Toleranz gibt es viele Konzeptionen und noch mehr Begründungen (die hier nicht weiter ausgeführt werden), jedoch konzentriert Forst sich auf 4 wesentliche Konzeptionen, von denen ich drei in Augenschein nehmen werde. Alle drei dieser Konzeptionen interpretieren die Bestandteile aus dem vorhergehenden Kapitel unterschiedlich und messen ihnen auch unterschiedlich viel Gewicht zu. Forst möchte unter den Konzeptionen jene finden, die ihm als die geeignetste erscheint, für eine Gesellschaft die auf Grund vieler Kultureller Unterschiede tiefgreifende Differenzen aufweist. Die verschiedenen Konzeptionen treten dabei auch gleichzeitig innerhalb einer Gesellschaft auf und sorgen oft für mehr Konflikte. Forst betont, dass die verschiedenen Konzeptionen der Toleranz als Konflikte zwischen verschiedenen Auffassungen der Toleranz und nicht als Konflikt um den Begriff der Toleranz zu verstehen sind. Innerhalb dieses Konfliktes geht es auf Grundlage der Ausführungen Forst's um ein interpersonales Anerkennungsverhältnis welches er versucht zu analysieren und anhand dessen die angemessene Konzeption zu finden. (Forst 2017, S. 42) Doch allein durch eine Bestimmung des Konzeptes der Toleranz ist die gestellte Frage nicht zu beantworten, da sie in sich kein Bewertungsinstrument beherbergt, mit dessen Hilfe man die verschiedenen Konzeptionen bewerten könnte. Deshalb wählt Forst als externe ethische Prämisse zur Bewertung der Konzeptionen die Gerechtigkeit. Er stellt außerdem die These auf, dass die Respekt-Konzeption, jene Konzeption ist, die einem Konzept der Gerechtigkeit am angemessensten sein sollte. (Forst 2000b, S. 130–132)

Erlaubnis-Konzeption

Die Erste Konzeption, nennt Forst die Erlaubnis-Konzeption. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Beziehung zwischen einer Autorität oder Mehrheit und einer Minderheit (in zahl oder Rang) darstellt. Die Toleranz besteht darin, dass die Autorität der Mehrheit der Minderheit erlaubt, ihren Haltungen und Handlungen nach zu gehen. Die Bedingung ist allerdings, dass die Vorherrschaft der Autorität nicht in Frage gestellt wird. Diese Form der Toleranz bezieht seine Legitimation aus einer Art Kosten-Nutzen-Rechnung der Autorität und unterliegt ihrer Willkür. Trotz der Tatsache, dass diese Konzeption der Toleranz im Laufe der Geschichte häufig zum Einsatz kam, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie noch immer eine vorherrschende Form der Toleranz auf dieser Welt darstellt. Sie wird als Minimalforderung von unterdrückten Menschen erhoben oder auf Grund von Interessenkalkül von großen Mächten ausgeübt. Unter der Bedingung, dass die Praktiken der Minderheit sich nicht auf das öffentliche und politische Leben der Mehrheit auswirken, werden sie toleriert. Einerseits ist der Kostenaufwand, etwas zu bekämpfen, was noch keine Probleme verursacht zu groß, andererseits wäre es in unserer jetzigen Gesellschaft auch illegitim eine Minderheit zur Aufgabe ihrer Haltungen und Handlungen zu bewegen, ohne dass sich gesellschaftliche oder politische Probleme zeigen. Die Erlaubnis-Konzeption ist also eine Form der Toleranz, in der eine Autorität eine Minderheit unter einseitigen Argumentationen zu einer Konformität zwingt, während die Minderheit diese Entscheidung unter Machtandrohung akzeptieren muss. Diese Art der Toleranz wird von den tolerierten als eine Duldung empfunden und stellt ein Machtverhältnis dar. (Forst 2000b, S. 124–125)

Koexistenz-Konzeption

Die zweite Form der Toleranz wird von Forst die Koexistenz-Konzeption genannt. Ähnlich wie in der ersten Konzeption wird auch hier kein richtiger Konflikt ausgetragen, sondern durch die Toleranz eher verhindert. Doch die Parteien, die sich gegenüberstehen, sind in dieser Form der Toleranz auf Augenhöhe. Es gibt keine Autorität oder Mehrheit wie in der Erlaubnis-Konzeption. Die Koexistenz-Konzeption ist pragmatisch-instrumentell ausgerichtet. Damit meint Forst, dass zwei Parteien sich gegenseitig Akzeptieren, obwohl sie ihre Praktiken und Haltungen ablehnen, weil sie darin einen Nutzen sehen. Um ihre Ziele zu verfolgen wollen sie eine Art Waffenstillstand erhalten, der es beiden Seiten ermöglicht ihre Interessen durch zu setzen. So versteht sich diese Form der Toleranz als eine Art Kompromiss. Forst sieht diese Konzeption der Toleranz als eine sehr instabile. Denn der Kompromiss der Toleranz, der hier getroffen wird, Fußt lediglich auf der Tatsache, dass beide Parteien eine etwa gleiche Präsenz an Einfluss, Stärke oder Masse aufweisen. Sie ist jedoch nicht auf Grundlage ethischer Normativen entstanden. Sobald eine der Parteien ihren Einfluss, ihre Stärke oder ihre Anzahl erhöhen kann, wird sie in eine Machtposition rücken, in der sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr gewillt sein wird, den Kompromiss aufrecht zu erhalten, da es nun keinen Grund mehr gibt, Toleranz zu üben. Forst verweist hier auf verschiedene Interpretationen der Koexistenz-Konzeption. So kann diese Konzeption eine Folge aus langen Konflikten sein und als Waffenstillstand interpretiert werden. Oder mit demVerweis auf Hobbe's Werk "Leviathan" als Kooperation zwischen gleichstarken Parteien die miteinander umgehen durch strategisches Kalkül und Furcht angetrieben. Doch Forst sieht in beiden Interpretationen der Koexistenz-Konzeption wider nur das Dulden der anderen Partei. (Forst 2000b, S. 125–126)

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Details

Titel
Die Konzeptionen der Toleranz nach Rainer Forst
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
2,3
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V458970
ISBN (eBook)
9783668903401
ISBN (Buch)
9783668903418
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzeptionen, toleranz, rainer, forst
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Die Konzeptionen der Toleranz nach Rainer Forst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458970

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