Wie wirkt sich die Alkoholabhängigkeit suchtkranker Eltern auf ihre Kinder aus?


Hausarbeit, 2018
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Alkoholabhänigkeit
2.1. Nach ICD-10
2.2. Formen der Alkoholabhängigkeit

3. Familie als soziales System
3.1. Familie aus systemischer Sicht
3.2. Rollenverhalten der Kinder
3.3. Co- Abhänigkeit

4. Mögliche Problematiken während der Entwicklung des Kindes
4.1. Seelische Probleme
4.2. Misshandlung
4.3. Umgang mit Alkohol

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Alkohol ist seit vielen Jahrhunderten Teil in unserem alltäglichen gesellschaftli- chen Leben und ist in Deutschland ab 16 Jahren mit Einschränkungen und ab 18 Jahren frei verkäuflich. Es kann legal und vor allem in großen Mengen erwor- ben werden. Das Trinken von Alkohol ist in Deutschland fest in das soziale Le- ben integriert und wird auch weitgehendst toleriert. Laut der deutschen Haupt- stelle für Suchtfragen trank im Jahr 2016 jeder Deutsche durchschnittlich etwa 133,8 Liter alkoholhaltige Getränke.1

10,4 Millionen Deutsche konsumieren Alkohol in gesundheitsgefährdenden Mengen, 1,7 Millionen gelten als alkoholabhängig. Im Umfeld jedes Betroffenen abhängigen Erwachsenen gibt es Angehörige, die meistens die Leidtragenden des Alkoholmissbrauchs sind. 2,65 Millionen Kinder unter 18 sind von der Alko- holabhängigkeit eines Elternteils betroffen.2

Wichtig für das gewählte Thema ist es anfangs noch zu betonen, dass das Auf- wachsen in alkoholbelasteten Familien nicht unweigerlich zu Verhaltens- und Entwicklungsstörungen der Kinder und Jugendlichen führen muss. Schnell kann es bei solchen Themen zu einer Diffamierung der Kinder und Jugendlichen kom- men.

Um das Thema einzuleiten, setzt sich die Projektarbeit erst einmal damit ausei- nander was Alkoholabhängigkeit bedeutet, wie man sie nach dem ICD-10 defi- nieren kann und welche verschiedenen Formen es gibt. Danach wird ein Blick auf die Familie als soziales System geworfen. Dabei wird die Familie zunächst aus systemischer Sicht betrachtet, um danach auf die verschiedenen Rollen- verhalten der Kinder aus Familien mit alkoholabhängigen Eltern einzugehen. Als Abschluss des dritten Kapitels beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Co-Abhängigkeit. Das anschließende Kapitel handelt über die Möglichen Problematiken während der Entwicklung des Kindes, unterteilt in seelische Probleme, Misshandlung und Umgang mit Alkohol.

Abschließend wird ein Fazit gezogen.

2. Alkoholabhängigkeit

In der heutigen Fachliteratur wird die Alkoholabhängigkeit mittlerweile als Syno- nym für den moralisch belasteten Begriff der Alkoholsucht verwendet. Die Weltge- sundheitsorganisation änderte den Begriff von Sucht in Abhängigkeit, da der Be- griff von Sucht zu unspezifisch und mehrdeutig ist.3

2.1 Alkoholabhängigkeit nach ICD- 10

Alkoholabhängigkeit wird in unterschiedliche Ausprägungsrichtungen und Schwe- regrade klassifiziert. In unserem Gesundheitssystem werden diese nach dem ICD- 10 ermittelt. Der ICD (international Classification of diseases) ist dafür da Diagno- sen zu klassifizieren und zu verschlüsseln. Erstellt wurde der ICD von der Weltge- sundheitsorganisation.

Um als alkoholabhängig zu gelten gibt es verschiedene Kriterien, die erfüllt sein müssen. Zum einen ist Alkoholabhängigkeit gekennzeichnet durch den starken Wunsch oder auch Zwang Alkohol zu konsumieren. Dabei ist es auffällig, dass der Betroffene eine verminderte Kontrollfähigkeit im Bezug auf Beginn, Beendi- gung und Menge des Konsums verfügt. Dies geht meistens mit einer sogenannten Toleranzveränderung ein, was bedeutet das Betroffene oft zu einer Dosissteige- rung neigen, um den selben Rausch, den sie gewohnt sind, herbei zu führen. Zu- sätzlich treten Entzugssymptome auf und die Betroffenen beginnen ihre eigenen Interessen auf Grund des Konsums zu vernachlässigen. Trotz nachweislicher Schäden an Gesundheit und Psyche kommt es zu anhaltemden Konsum der Be- troffenen.

Nach ICD-10 gibt es zehn verschiedene alkoholbedingte Symptome, die bei Suchtpatienten auftreten können:

-F10.0: akute Intoxikation (akuter Rausch)
-F10.1: schädlicher Gebrauch von Alkohol
-F10.2: Abhängigkeitssyndrom
-F10.3: Entzugssyndrom, wie zum Beispiel Schweißausbrüche
-F10.4: Entzugssymptom mit Delir, das heißt die Entzugssymptome treten 48-72 Stunden nach dem letzten Alkoholkonsum auf. Die Symptome erreichen nach vier Tagen ihr Maximum und können bis zu zwei Wochen andauern. Es ist die schwerste Form der Entzugssymptome und kann zu einer vitalen Gefährdung des Patienten führen.
-F10.5: Psychotische Störung, zum Beispiel Alkoholhalluzinose
-F10.6: Amnestisches Syndrom, das heißt eine Hirnschädigung, die durch den Mangel von Vitamin B1 entstehen kann und oft die Folge von langjährigem Alko- holkonsums ist.
-F10.7: Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung (Alkoholde- menz)
-F10.8: sonstige psychische und Verhaltensstörung
-F10.9: nicht näher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung4

2.2 Formen der Alkoholabhängigkeit

Nach Lindenmeyer (2008) sind die Ausprägungen der Abhängigkeit sehr unter- schiedlich in Ausprägung und Zeit. Die Abhängigkeit wird in vier Haupttypen unter- teilt.

Der Spiegeltrinker trinkt über den Tag verteilt immer wieder regelmäßig Alkohol, vor allem um Entzugserscheinungen zu vermeiden und den Alkoholspiegel im Blut stets konstant zu halten. Die Betroffenen dieser Form der Alkoholabhängigkeit ver- suchen die Alkoholkonzentration im Blut nie unter ihren gewohnten Spiegel sinken zu lassen. Das Trinken der Betroffenen ist kontrolliert und es kommt nur in selte- nen Fällen zu Auffälligkeiten.5

Die Rauschtrinker sind nicht in der Lage nur kleinen Mengen an Alkohol zu kon- sumieren. Es handelt sich hier um eine unkontrollierte Form des Trinkens. Der Konsum der Betroffenen endet meistens im Vollrausch und fällt häufig durch ge- walttätiges und unkontrolliertes Verhalten auf. Man spricht hier auch vom soge- nannten „Kontrollverlust“.6

Bei den Konflikttrinkern handelt es sich meistens um Frauen und seltener um Männer. Betroffene versuchen durch den Alkohol ihre Probleme, mit sich selbst o- der ihrer Umwelt, zu vergessen und greifen immer dann zur Flasche, wenn keine andere Lösungs- oder Bewältigungsstrategien mehr vorhanden sind. Ohne den Al- kohol fühlen sich die Betroffenen in Stresssituationen hilflos. 7

Den periodischen Trinkern ist ihre eigene Abhängigkeit nicht bewusst. Zwischen den Phasen, in denen die Betroffenen heftig und unkontrolliert konsumieren, gibt es auch Phasen der Abstinenz, die mit schweren Entzugserscheinungen einhergehen. Zur Erklärung ihrer eigenen Sucht wird oft magisches oder abergläu- biges Denken herangezogen. 8

3. Familie als soziales System

Soziale Systeme sind im Gegensatz zu biologischen Systemen immer an ihre Um- gebung angepasst. Sie verknüpfen den Kontext von Werten, Normen und Bedeu- tungen und bilden gleichzeitig den Rahmen für Handlungen und Gedanken der in- nerhalb des Systems handelnden Personen. Das System der Familie wird durch direkte und indirekte Handlungen der vorhandenen Personen reproduziert und transformiert.

3.1 Familie aus systemischer Sicht

Aus systemischer Sicht lässt sich Familie als etwas definieren, dass zusammen- steht und von Beobachtern auch als etwas Zusammengehöriges empfunden wird. Die Beziehung der Elemente ist eine Einheit und klar von anderen Elementen zu unterscheiden. Der Fokus der systemischen Sicht liegt nicht auf den einzelnen Objekten, sondern auf den Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitglie- dern. Die Beziehung der Familienmitglieder ist quantitativ intensiver und qualitativ produktiver als die zur Umwelt. Untereinander sind die Familienmitglieder durch den Austausch von Gefühlen, Verhaltensweisen und Informationen verbunden.9

In der Systemtherapie wird Familie als sich eine stetig verändernde Beziehung der verschiedenen Einzelsysteme verstanden. Dabei wird unterteilt in verschiedene Subsysteme. Das erste ist das eheliche Subsystem, welches der Bedürfnisbefrie- digung und der gegenseitigen Unterstützung dient. Das zweite ist das elterliche Subsystem. Hierbei geht es vor allem um Ernährung und Sozialisation der Kinder. Das dritte ist das geschwisterliche Subsystem, welches zur Ausbildung von Bezie- hungen zu Gleichaltrigen dient. Das vierte wird Geschlechtersubsystem genannt (zum Beispiel Mutter-Tochter) und ist wichtig für die Ausbildung einer geschlechtli- chen Identität.10

Alle Verhaltensweisen jedes einzelnen Familienmitgliedes haben Auswirkungen auf das System. Veränderungen im Verhalten werden oft schnell realisiert und können zu Irritationen und Konflikten untereinander führen. Die Beziehungen der einzelnen Objekte sind untereinander geregelt und mit persönlichen Grenzen fest- gelegt. Dies wird auch als Gleichgewichtszustand bezeichnet. Jede Familie erlebt verschiedene Stadien, in denen sich die Beziehungen verändern und wieder auf einen neuen Gleichgewichtszustand einpendeln.11

Da der Mensch ein soziales Wesen ist, ist er auf Systeme wie die Familie ange- wiesen. Familie hat für die Entwicklung der Einzelnen eine wichtige Bedeutung, da die Sozialisationsbedingungen in der Kindheit entscheidend für körperliche, psy- chische und soziale Entwicklung.12

[...]


1 Vgl. Drogen und Suchtbericht 2017 BmfG

2 Vgl. Drogen und Suchtbericht 2017 BmfG

3 (Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)e.V., Suchtme- dizinische Reihe Band 1, Alkoholabhängigkeit, DHS INFO, 2003)

4 Vgl.: ICD Code

5 Vgl.: Zobel& Lindenmeyer (2005), S.53

6 Vgl.: ebenda, S.54

7 Vgl.: ebenda, S.54f.

8 Vgl.: ebenda, S.55

9 Vgl.: Katholische Hochschule NRW

10 Ebenda

11 Pädagogische Hochschule Ludwigsburg

12 Ebenda

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wie wirkt sich die Alkoholabhängigkeit suchtkranker Eltern auf ihre Kinder aus?
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V459066
ISBN (eBook)
9783668931961
ISBN (Buch)
9783668931978
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sucht, Familie, Alkohol, Abhängigkeit, Kinder, Jugendliche, Rollenmuster
Arbeit zitieren
Neele Gebhardt (Autor), 2018, Wie wirkt sich die Alkoholabhängigkeit suchtkranker Eltern auf ihre Kinder aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459066

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