Working Poor. Armut trotz Arbeit?


Hausarbeit, 2018
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Working Poor – Arm trotz Arbeit?

1. Erwerbsarmut in Deutschland

2. Abgrenzung des Armutsbegriffs und Erläuterung verwendeter Quellen
2.1. Die wichtigsten Datenquellen
2.1.1. Der Mikrozensus
2.1.2. Das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP)
2.2. Der Armutsbegriff
2.3. Begriffserklärung „Working Poor“

3. Ursachen von Armut trotz Erwerbstätigkeit
3.1. Die Betroffenen

4. Maßnahmen in der Politik gegen Armut
4.1. Helfen Mindestlohn und bedingungsloses Grundeinkommen?
4.2. Aktivierungspolitik gegen Erwerbsarmut?

5. Fazit und Schlussfolgerungen

6. Literaturverzeichnis

1. Erwerbsarmut in Deutschland

Seit 2014 sind die Beschäftigungszahlen in Deutschland kräftig gewachsen. Damit nimmt auch die Arbeitslosenquote immer weiter ab. Auch die Wirtschaft in Deutschland boomt seit langem. Doch trotz dieser wirtschaftlichen Spitzenwerte leben in Deutschland immer mehr Menschen an der Armutsgrenze. Die Betroffenen sind schon lange nicht mehr nur Erwerbslose. Immer mehr Erwerbstätige leben zunehmend an der Grenze der Armut oder sogar darunter, Tendenz steigend. Die Erwerbsarmut ist vor allem aus den USA bekannt, doch auch in Deutschland ist dieses Phänomen schon lange nicht mehr unbekannt.

Die Zahl der betroffenen berufstätigen Menschen in Deutschland, hat sich zwischen 2004 und 2014 mehr als verdoppelt. Deutschland steht damit im EU-Vergleich auf Platz 1, denn in keinem anderen EU-Land stieg die Erwerbsarmut so stark an wie in der Bundesrepublik. Deutschland ist damit nicht alleine, eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt auch, dass in fast allen Ländern, welche in diesem Zeitraum eine wachsende Beschäftigung zu verzeichnen hatten, stieg auch die Erwerbsarmut an.1 Dies lässt darauf schließen, dass der Zusammenhang zwischen dem Beschäftigungswachstum und der Armut viel komplizierter ist als bisher angenommen. Damit ist es ein Thema von höchster Aktualität.

Mehr Arbeit scheint offensichtlich keine Garantie für weniger Armut zu sein. Wie konnte es dazu kommen, dass die Arbeit nicht mehr vor Armut schützt? Wer sind die Betroffenen? Welche sozialen Konsequenzen bringt das mit sich und welche Lösungen gibt es? Ziel dieser Arbeit ist es die wichtigsten Fragen zu klären.

Einführend werden im zweiten Kapitel Begrifflichkeiten geklärt. Weiterführend werden im Kapitel drei die Ursachen erläutert und die Hauptbetroffenen kurz vorgestellt.

Das vierte Kapitel befasst sich des Weiteren mit der Frage, was bereits gegen die Erwerbsarmut in der Politik getan wird und zeigt mögliche sozialpolitische Maßnahmen auf. Von der Einführung eines Mindestlohns bis hin zu einem Grundsicherungssystems für Erwerbstätige. Abschließend wird im Kapitel fünf ein kurzes Fazit gezogen sowie die zentrale Fragestellung beantwortet.

2. Abgrenzung des Armutsbegriffs und Erläuterung verwendeter Quellen

2.1. Die wichtigsten Datenquellen

Für die empirischen Untersuchungen werden unterschiedliche Datenquellen verwendet, wobei jede verschiedene Vorteile besitzt. Die zwei repräsentativsten Quellen sind der Mikrozensus und das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP). Allerdings ist zu beachten, dass beide Datengrundlagen voneinander zu unterscheiden sind, da die daraus ermittelten Armutsquoten nicht direkt miteinander vergleichbar sind.

2.1.1. Der Mikrozensus

Der Mikrozensus ist Teil der amtlichen Statistik in Deutschland in Form einer repräsentativen Haushaltsbefragung. Stellvertretend für die gesamte Bevölkerung werden rund 830 000 Personen in etwa 370 000 privaten Haushalten über ihre Lebensbedingungen befragt.2 Dies entspricht etwa 1% der Bevölkerung. Die Befragten werden nach einem bestimmten festgelegten Zufallsverfahren ausgewählt. Der Mikrozensus hat damit gegenüber dem SOEP eine größere Fallzahl. Der Mikrozensus wird bereits seit 1957 durchgeführt und gibt wichtige Informationen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung sowie zur Bevölkerungsstruktur.

Mit den Daten zu Lebenspartnerschaft und Familie, Erwerbstätigkeit und Arbeitsmarkt sowie Ausbildung und Beruf ist der Mikrozensus sehr geeignet für die Untersuchung der Working Poor.

Ein Nachteil ist es jedoch, dass die Armutspopulation nur näherungsweise bestimmbar ist, da die Beantwortung der Frage über das monatliche Haushaltsnettoeinkommen nur in Einkommensklassen möglich ist.3 Das Statistische Bundesamt verwendet als einzige Datengrundlage den Mikrozensus, da dieser als einzige brauchbare Zahlen zum Armutsrisiko von Menschen mit Migrationshintergrund bietet.

2.1.2. Das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP)

Seit bereits 30 Jahren befragt Kantar Public Deutschland etwa 30 000 Personen und knapp 11 000 Haushalte in Form einer repräsentativen Wiederholungsbefragung jährlich. Wie der Mikrozensus gibt auch das SOEP Auskunft über Erwerbstätigkeit, Einkommen sowie Bildung und Gesundheit. Vorteil ist, dass besonders gut soziale und gesellschaftliche Trends verfolgt werden können, da jedes Jahr immer die gleichen Personen befragt werden.4 Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die umfassende Messung des Einkommens. Es gibt Fragen zum monatlichen Nettoeinkommen des Haushalts, aber auch zahlreichende weiterführende Fragen zu weiteren Einkommensbestandteilen.5

Im Nachfolgenden wird immer benannt, welche Datenquellen als Grundlage dienten.

2.2. Der Armutsbegriff

Armut lässt sich anhand zahlreicher Methoden definieren und messen. In dieser Arbeit wird lediglich ein genau definierter Begriff der Armut durchgängig verwendet. Er orientiert sich hauptsächlich an der Definition von Wolfgang Strengmann-Kuhn. Denn auch die Ergebnisse würden sich bei Verwendung von alternativen Armutsmessungsverfahren inhaltlich im Wesentlichen ändern.

„Im Folgenden gelten jeweils alle Personen als arm, die in einem Haushalt leben, der weniger als 50% des durchschnittlichen bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Einkommens, auch Äquivalenzeinkommen genannt, zur Verfügung hat.“6 An der sogenannten Armutsgrenze lebt, wer lediglich 60% dieses durchschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung hat. Hiermit gelten betroffene Personen als armutsgefährdet.

Bedarfsgewichtet bedeutet, dass für den Erwachsenen mit dem höchsten Beitrag zum Haushaltsnettoeinkommen ein Gewicht von 1,0 zugeordnet wird und allen weiteren Erwachsenen, ab 15 Jahren, ein Gewicht von 0,7 sowie jedem Kind unter 15 Jahren ein Gewicht von 0,5.

Nachfolgend wird zum besseren Verständnis ein Beispiel gegeben:

Bei einem Haushalt mit einem Verdienst von 40 000€ Jahresnettoeinkommen, einem weiteren Verdienst von 20 000€ Einkommen und zwei Kinder im Alter von 15 und 12 Jahren würde die Berechnung des Äquivalenzeinkommens wie folgt aussehen:

60 000€ ÷ 2,9 = 20 689€.

Sie besitzen also einkünftebezogen den Lebensstandard eines Alleinstehenden mit 20 689€ Jahresnettoeinkommen. Mit Hilfe des bedarfsgewichteten Pro-Kopf- Einkommen lassen sich Haushalte mit verschiedener Größe und Zusammensetzung vergleichen.

In großen Haushalten wird so die gemeinsame Nutzung von Wohnraum und Haushaltsgeräten mit berücksichtigt. 50% des durchschnittlichen bundesweiten Äquivalenzeinkommens bezeichnet damit die Armutsgrenze für eine einzelne Person.

Will man jetzt die Armutsgrenze für einen spezifischen Haushalt ausrechnen muss man diesen Wert mit den Bedarfsgewichten des Haushalts multiplizieren. In Deutschland entsprechen die so ermittelten Armutsgrenzen für alle Haushaltstypen in etwa dem durchschnittlichen Bruttobedarf der Sozialhilfe.

Basierend auf den Mikrozensus lag 2015 in Deutschland das Nettoäquivalenzeinkommen bei etwa 20 668€ im Jahr. Damit lag die Armutsgrenze bei 10 334€ jährlich und 861€ im Monat.7 Damit lag die Armutsgefährdungsquote bei insgesamt 25,1% (20,43 Millionen Menschen) und mit Sozialleistungen bei 16,7% der Bevölkerung. Dies bedeutet, dass 2015 rund 13,59 Millionen Menschen als arm oder armutsgefährdet galten.8

2.3. Begriffserklärung „Working Poor“

Armut fängt oft mit dem Verlust einer Erwerbstätigkeit an, doch das bedeutet nicht, dass das endet mit der Aufnahme einer Beschäftigung. Ebenfalls in Deutschland leben Menschen, die einer Beschäftigung nachgehen, aber unter der Armutsgrenze leben. Working Poor- Armut trotz Erwerbstätigkeit- steht in den USA schon länger zur Debatte.

Das Schlagwort „working poor“ bezieht sich nicht ausschließlich auf Niedriglöhne oder Niedriglohnbeschäftigung, wie es in Deutschland schon einige Zeit üblich ist, sondern auf die Verbindung von Beschäftigung und Armut. Ein Niedriglohn führt nicht zwangsläufig zu Armut.

Die Bezeichnung „working poor“ oder auch „low-wage work“ kann sich auf einzelne Personen und Haushalte beziehen, die trotz einer dauerhaften Erwerbstätigkeit an oder unter der Armutsgrenze verdienen. Dementsprechend wie oben bereits besprochen, wer lediglich 60% des Nettoäquivalenzeinkommens verdient.

[...]


1 WSI. (1991-2013). Hans-Böckler-Stiftung. Abgerufen am 14. Juli 2017 von https://www.boeckler.de/wsi_67242.htm

2 Statistisches Bundesamt. (kein Datum). Destatis. Abgerufen am 13. Juli 2017 von https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Mikrozensus.html

3 Strengmann-Kuhn, W. (2003). Armut trotz Erwerbstätigkeit. Empirisches Ausmaß und sozialpolitische Schlussfolgerungen. Campus, S. 2.

4 Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung. (kein Datum). DIW Berlin. Abgerufen am 14. Juli 2017 von http://www.diw.de/de/diw_02.c.221178.de/ueber_uns.html

5 Strengmann-Kuhn, W. (2003). Armut trotz Erwerbstätigkeit. Empirisches Ausmaß und sozialpolitische Schlussfolgerungen. Campus, S. 2.

6 Strengmann-Kuhn, W. (2003). Armut trotz Erwerbstätigkeit. Empirisches Ausmaß und sozialpolitische Schlussfolgerungen. Campus, S. 1.

7 Statistisches Bundesamt. (kein Datum). Destatis. Abgerufen am 14. Juli 2017 von https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/LebensbedingungenArmutsgefaehrdung/Tabellen/Einkommensverteilung_SILC.html

8 Statistisches Bundesamt. (kein Datum). Destatis. Abgerufen am 14. Juli 2017 von https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/LebensbedingungenArmutsgefaehrdung/Tabellen/EUArmutsschwelleGefaehrdung_SILC.html

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Working Poor. Armut trotz Arbeit?
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V459283
ISBN (eBook)
9783668901339
ISBN (Buch)
9783668901346
Sprache
Deutsch
Schlagworte
working, poor, armut, arbeit
Arbeit zitieren
Kimberly Prudlo (Autor), 2018, Working Poor. Armut trotz Arbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459283

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