Die aktuelle Weltpolitik wird bestimmt vom „Kampf gegen den Terrorismus“, wie es die mächtigsten Politiker unserer Zeit benennen. Doch die Wurzeln dieses Terrors bleiben in der Regel unbenannt. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei der Gegensatz zwischen Arm und Reich, zwischen den westlichen Industriemächten und den ihnen ökonomisch unterlegenen, weniger entwickelten Ländern im Nahen Osten, Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Abneigung gegenüber den oktroyierten westlichen Lebens- und Wirtschaftsweisen sowie die gleichzeitig empfundene Unterdrückung der eigenen Kultur bilden (unter anderem) einen Nährboden, aus dem extremistische Gesinnungen hervorgehen.
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der so genannten Verwestlichung von Kulturräumenalso dem Zurückdrängen traditioneller Lebensweisen zugunsten westeuropäischer und nordamerikanischer Geisteshaltungen und Wirtschaftsauffassungen - kritisch auseinander. Es soll die Frage beantwortet werden, ob Verwestlichung als ausschließliche und unabdingbare Voraussetzung für Modernisierung, wirtschaftlichen Aufstieg, Fortschritt und verbesserte Lebensqualität angesehen werden kann.
Zu diesem Zwecke werden im nächsten Kapitel vorab die Begriffe „Kultur“ und „Kulturraum“ definiert. Mit dem westlichen und dem sinisch-konfuzianische Kulturraum werden nachfolgend die zwei für die vorliegende Arbeit relevanten Kreise eingehend beschrieben, bevor im Abschnitt 2.3 die Notwendigkeit von Modernisierung sowie d as Phänomen der Verwestlichung, gleichzeitig aber auch die Gefährdung von Kultur und Tradition durch solche Prozesse, aufgezeigt werden. Im dritten Kapitel steht Singapur im Mittelpunkt. Anhand dieses Raumbeispiels soll untersucht werden, ob westliche Programmatiken den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes verursacht haben oder ob dieser hauptsächlich durch indigene Potenziale bewirkt wurde. Zuerst werden in 3.1 allgemeine Daten zu Singapur gegeben, darauf folgend die historische und wirtschaftliche Entwicklung des südostasiatischen Staates zusammenfassend dargestellt. Im abschließenden Fazit soll dann beurteilt werden, ob die Verwestlichung als notwendige Voraussetzung für den ökonomischen Aufstieg Singapurs angesehen werden kann.
Gliederung
1. Einleitung
2. Kultur und Kulturraum
2.1 Der sinisch-konfuzianische Kulturraum
2.2 Der westliche Kulturraum
2.3 Modernisierung und Verwestlichung
3. Das Raumbeispiel Singapur
3.1 Allgemeine Daten zu Singapur
3.2 Zur historischen und wirtschaftlichen Entwicklung Singapurs
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch den Zusammenhang zwischen Verwestlichung und Modernisierung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Verwestlichung eine unabdingbare Voraussetzung für wirtschaftlichen Aufstieg und Fortschritt ist oder ob Modernisierung auch auf Basis indigener Werte erfolgreich realisiert werden kann, wofür Singapur als Fallbeispiel analysiert wird.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Kultur und Kulturraum
- Charakterisierung des sinisch-konfuzianischen sowie des westlichen Kulturraums
- Theoretische Auseinandersetzung mit Modernisierung und Verwestlichung
- Historische und wirtschaftliche Entwicklung Singapurs
- Evaluierung von Singapurs Erfolg als Modell der Reformismus-Haltung
Auszug aus dem Buch
2.3 Modernisierung und Verwestlichung
Unter Modernisierung versteht man den „Prozess, der traditionelle Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen verändert.“ Modernisierung beinhaltet Industrialisierung, Urbanisierung, ein zunehmendes Maß an Alphabetisierung, Bildung, Wohlstand und sozialer Mobilität sowie komplexere und diversifiziertere berufliche Strukturen. Sie ist ein Produkt der enormen Erweiterung des naturwissenschaftlichen und technischen Wissens seit dem 18. Jahrhundert, die es dem Menschen ermöglichte, seine Umwelt auf eine noch nie da gewesene Weise zu ergründen, zu gestalten und zu beherrschen.
Aufgrund zahlreicher Faktoren ist die heutige Welt gekennzeichnet von erheblichen Entwicklungsunterschieden. So werden im Allgemeinen drei Entwicklungskategorien unterschieden:
- Industrieländer: Hochentwickelte Länder mit entsprechend hohem Pro-Kopf-Einkommen, deren Erwerbsbevölkerungen zum überwiegenden Teil im Industrie- bzw. Dienstleistungssektor tätig sind. Weitere signifikante Merkmale sind ein relativ niedriges Bevölkerungswachstum, Alphabetismus, technologischer und gesellschaftlicher Fortschritt. Die meisten Länder Westeuropas und Nordamerikas gehören zu dieser Kategorie.
- Schwellenländer: Länder mit mittlerem Pro-Kopf-Einkommen, die in ihrer Entwicklung vorangeschritten ist, im Vergleich zu den Industrieländern jedoch noch weniger weit entwickelt sind. Ein gemeinsames Negativmerkmal der Schwellenländer (oder ‚Newly Industrializing Countries‘, NIC) ist, dass die soziale Entwicklung im Land nicht mit der wirtschaftlichen Schritt halten kann. Zu den NICs zählen u. a. die Türkei, die „vier kleinen Tiger“ Singapur/Hongkong/Taiwan/Südkorea, Brasilien und Mexiko.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Problematik der Verwestlichung im Kontext der Globalisierung und stellt die Forschungsfrage vor, ob westliche Werte zwingend für ökonomischen Erfolg sind.
2. Kultur und Kulturraum: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Kultur und Kulturraum und stellt den sinisch-konfuzianischen dem westlichen Kulturraum gegenüber, um die theoretischen Grundlagen zu schaffen.
3. Das Raumbeispiel Singapur: Anhand von Singapur wird die historische und wirtschaftliche Entwicklung analysiert, um zu prüfen, ob der Aufstieg auf westliche Prinzipien oder indigene Potenziale zurückzuführen ist.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Singapur den Beweis erbracht hat, dass wirtschaftlicher Fortschritt auch ohne die unbedingte Übernahme westlicher Prinzipien und ohne Verwestlichung möglich ist.
Schlüsselwörter
Verwestlichung, Modernisierung, Singapur, Konfuzianismus, Kulturraum, Wirtschaftswachstum, ökonomischer Aufstieg, Industrieländer, Schwellenländer, Reformismus, Identität, Tradition, Gesellschaftsstruktur, wirtschaftlicher Pragmatismus, globale Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert kritisch das Phänomen der Verwestlichung und untersucht, ob diese ein notwendiger Prozess für wirtschaftlichen Fortschritt und Modernisierung ist.
Welche zwei Kulturräume stehen im Zentrum der theoretischen Betrachtung?
Der Autor fokussiert sich auf den Vergleich zwischen dem westlichen Kulturraum und dem sinisch-konfuzianischen Kulturraum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, mittels des Raumbeispiels Singapur zu belegen, dass wirtschaftlicher Erfolg und Modernisierung auch ohne eine vollständige Übernahme westlicher Werte (Verwestlichung) erreicht werden können.
Welche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine geographische und politikwissenschaftliche Fallstudienarbeit, die auf Literaturanalyse, historischen Daten und entwicklungstheoretischen Konzepten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition von Kultur und Modernisierung sowie eine detaillierte Analyse der historischen und ökonomischen Entwicklung Singapurs unter besonderer Berücksichtigung konfuzianischer Werte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Verwestlichung, Modernisierung, konfuzianische Ethik, wirtschaftlicher Pragmatismus und das Fallbeispiel Singapur charakterisiert.
Warum ist der "Konfuzianismus" für den wirtschaftlichen Erfolg Singapurs laut Autor relevant?
Der Autor argumentiert, dass Tugenden des Konfuzianismus wie Einordnungsbereitschaft, Fleiß, Ehrgeiz und ein hohes Bildungsethos die gesellschaftliche Basis für ein effizientes und erfolgreiches Wirtschaftssystem bilden.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "Modernisierung" und "Verwestlichung"?
Während Modernisierung primär die Verbesserung von Arbeits-, Produktions- und Lebensbedingungen beschreibt, impliziert Verwestlichung die Aufgabe eigener kultureller Werte zugunsten westlicher Geisteshaltungen.
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- Karsten Kramer (Author), 2005, Verwestlichung als notwendige Voraussetzung für ökonomischen Aufstieg? Das Gegenbeispiel Singapur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45932