Analyse des Musikvideos von The Prodigy zu "Smack my bitch up"


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse
2.1 Musik
2.2 Bild
2.3 Vergleichende Analyse

3. Interpretation

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Videoclipanalyse dieser Arbeit basiert auf drei in der wissenschaftlichen Literatur beschriebenen Analyseschemata. Zunächst soll die Musik inklusive Songtext unabhängig vom Musikvideo untersucht werden. Dazu gehören das Profil und das Image des Interpreten, sein Auftreten in der Öffentlichkeit, die Präsentation seiner Person und seiner Musik, seine Mode und gegebenenfalls der Tanzstil . Wichtig ist eine genaue Beschreibung des Musikstils, das heißt die Einteilung in Genres und Subgenres mit jeweiligen Szene-Begriffen. Des Weiteren gilt es, die Musik auf (jugend-)kulturelle Faktoren bzw. Identitätsmerkmale wie Zeichen, Symbole und andere Werte zu überprüfen. Im Anschluss an die Musik soll das Video genauer betrachtet werden. Darunter fallen der inhaltliche Ablauf, den Pape und Thomsen als „Makroanalyse“ bezeichnen sowie die filmisch-technische Umsetzung (Kameraführung, Kamera-Perspektive, Regisseur) und inhaltliche Kriterien bzw. Identitätsmerkmale. Anschließend findet die vergleichende Analyse statt. Dabei soll die Musik in Zusammenhang mit der Filmsprache analysiert werden. Wie verhält sich der Rhythmus der Musik zum Schnitt? Wie der Songtext zum Bildinhalt? Werden Bezüge zu anderen Videoclips hergestellt?1 Der vergleichenden Analyse liegen fünf Funktionen zugrunde, die Bilder, laut Giulia Gabrielli, haben können. Als erstes nennt sie die Paraphrasierung des Songtextes. Damit ist eine direkte Bezugnahme der Bilder auf den Songtext gemeint.2 Die zweite Funktion der Bilder ist eine Hilfe zum Textverständnis. Das können beispielsweise Untertitel und Schrift im Video sein. Die dritte Funktion von Bildern ist das Kreieren von erweiterten Lesarten. Das bedeutet, dass Bilder sich unabhängig vom Textinhalt entwickeln. Diese Funktion finde oft Anklang in der Technomusik finden, da die Songtexte in diesem Genre, falls vorhanden, meist sehr kurz und einfach gehalten seien und es nicht das Hauptziel des Videos sei, den Künstler zu präsentieren. Der Regisseur sei deshalb nicht beeinflusst oder eingeschränkt durch die Instrumentierung, die Stimme oder den Text. Würde diese Funktion bei Songs mit mehr Text angewendet, geschehe dies meist, um eine andere Interpretation des Songs zu kreieren.3 Als vierte Funktion nennt Gabrielli das Kreieren einer spezifischen Atmosphäre in Bezug auf das Lied. Bilder könnten beeinflussen, wie ein Song empfunden würde und die Wirkung in die gewünschte Richtung lenken.4 Die fünfte und letzte Funktion der Bilder ist das Kreieren von Übereinstimmungen zwischen Bild und Musik. Zwei unterschiedliche Arten sich auszudrücken, Bild und Ton, verschwimmen zu einem Ganzen und erzeugen dadurch etwas völlig Neues. Diese Übereinstimmungen können sowohl vorhersehbar, harmonisch als auch überraschend oder dissonant sein. Durch diese vertikalen „matches“ bietet das Musikvideo, neben den horizontalen Entwicklungen von Musik und Bild, eine eigene Ausdrucksweise und Interpretationsmöglichkeit.5

Als letzter Punkt der Arbeit folgen eine Interpretation des Videos und eine Untersuchung der Produktwirkung. Ein Musikvideo ist nicht nur die Darstellung des Musikprodukts, sondern es dient immer auch als Werbemittel. Ruth Rustemeyer beschreibt einen „Zusammenhang zwischen Produktimage und Selbstdarstellung“. Zunächst besäßen Produkte eine „funktionale Problemlösefähigkeit“. Dies wird bei Rustemeyer als Objektbelohnung bezeichnet. Neben dem funktionalen Nutzen gebe es einen Symbolgehalt des Produktes, der über die Reaktion der sozialen Umwelt des Konsumenten zustande komme.6 Diesen symbolischen Nutzen bezeichnet Rustemeyer als Sozialbelohnung. Ein Symbolgehalt könne aber auch ohne die soziale Umwelt entstehen, wenn ein Produkt zur Selbstbestätigung genutzt werde.7

In Musikvideos gibt es die unterschiedlichsten Darstellungen beider Geschlechter. Während die einen den traditionellen Machtverhältnissen entsprechen und Rollenklischees bedienen, erkennt man bei anderen ein Infragestellen der Geschlechterdifferenzen.8 Kobena Mercer zeigt am Beispiel von Michael Jackson’s „Thriller“ wie die Darstellung von Androgynität und Horrorelementen Einzug in die Popkultur hält.9 Diese Aspekte werden auch im Video von The Prodigy untersucht.

2. Analyse

2.1 Musik

Die Band The Prodigy gründet sich 1990 in Essex, England. Der Bandname bedeutet übersetzt „Wunderkind“ und geht auf den Namen des Synthesizers zurück, den Liam Howlett damals verwendet.10 Howlett ist der musikalische Kopf der Band, er schreibt die Songs und produziert sie. Neben ihm gehören die Tänzer Keith Flint und Leeroy Thornhill (bis 2000) und der MC Maxime Reality (alias Keith Palmer) zur Band. Sie gehören dem Genre der elektronischen Musik an und sind durch ihre rhythmisch orientierte Tanzmusik zu den Subgenres Acid House, Techno, Big Beat, Breakbeat und Elektro-Punk einzuordnen.11

Die Identitätsmerkmale der Szene, die auch auf die Band zutreffen sind zum einen die einfach gehaltenen Songtexte „sometimes things can be so fucking simple and you don’t need an explanation of the lyrics“12, zum anderen der zum Tanzen geeignete Beat und eine Affinität zum Drogenkonsum, „wir waren alle total auf Acid“13 (der Begriff Acid wird nicht nur zur Bezeichnung eines Musikstils verwendet, sondern auch als Synonym für die Droge LSD, was die Verknüpfung von Musik- und Drogenszene noch zusätzlich verdeutlicht). Spezielle Merkmale der Band sind die Anti-Mainstream-Haltung: „Wir haben bei Top Of The Pops gleich Nein gesagt; wir wollten diese ganze kommerzielle Ausrichtung grundsätzlich vermeiden“14, und die Punkattitüde: „Wir waren immer schon gegen die Polizei; keiner der Band steht auf der Seite der Obrigkeit.“15 Des Weiteren sind The Prodigy mit ihrer Bühnenpräsenz als Liveband sehr erfolgreich, was für eine Techno-Band ungewöhnlich ist. 2012 gewinnen sie den AIM Independent Music Award als „Beste Liveband“, veröffentlichen 2011 eine Live DVD und treten auf etlichen Festivals als Headliner auf.16

Der Song „Smack My Bitch Up“ erscheint im November 1997 und ist die dritte Singleauskopplung aus dem dritten und erfolgreichsten Album „The Fat Of The Land“.17 Der Text besteht aus zwei sich immer wiederholenden Sätzen: „Change my pitch up/smack my bitch up“. Diese Zeilen sind ein Sample des Songs „Give the drummer some“ der HipHop-Band Ultramagnetic MCs aus dem Jahr 1989. „Change my pitch up“ ist unmissverständlich zu verstehen als „ändere meine Tonhöhe“. Die Aussage der zweiten Zeile kann jedoch mehrfach gedeutet werden. „Smack my bitch up“ heißt wörtlich übersetzt: „(Ich) schlage mein Miststück“, weswegen unter anderem die National Organization for Women (NOW) die Band kritisiert und einige Händler die CD aus ihrem Sortiment nehmen.18 Es ist aber auch ein Londoner Slangausdruck für „mir Heroin injizieren“19 Die Band erklärt in Interviews „The lyric’s not meant to be taken, like, literally“20, es solle vielmehr bedeuten „doing anything intensely, like being on stage – going for extreme energy“21. Über einen anderen Songtext, den Maxime beisteuert, sagt Liam: „Mir gefiel das, es gab ein paar zweideutige Drogenanspielungen, und die Idee kickte mich total.“22 Hier zeigt sich erneut das Identitätsmerkmal der Drogenaffinität und dass die Texte dehnbare Bedeutung besitzen.

Neben dem minimalistischen Songtext ist der Track auch musikalisch typisch für sein Genre. Er beginnt mit einem unauffälligen Einstieg, dann erfolgt eine Steigerung durch das Hinzukommen neuer Beats, danach gibt es einen Break-off in einen sphärischen Teil mit orientalisch anmutendem Gesang und schließlich eine Rückkehr zum treibenden Beat.23

[...]


1 vgl. Pape, Winfried/Thomsen, Kai (1996): Zur Problematik der Analyse von Musikvideos. In: Beiträge zur Popularmusikforschung Bd. 19/20, S. 212f

2 Gabrielli, Giulia (2010): An Analysis of the Relation between Music and Image. In: Keaznor, Henry/Wübbenau, Thorsten (Hg.): Rewind, Play, Fast Forward. The Past, Present and Future of the Music Video. Bielefeld, S. 91

3 vgl. Gabrielli (2010), S. 93

4 vgl. Gabrielli (2010), S. 94

5 vgl. Gabrielli (2010), S. 96

6 vgl. Rustemeyer, Ruth (1992): Die Wechselwirkung von Produktimage und Selbstdarstellung der Konsumenten: Zur Perspektive der Psychologie. In: Faulstich, Werner (Hg.): Image, Imageanalyse, Imagegestaltung. Bardowick, S. 73

7 vgl. Rustemeyer (1992), S. 74

8 vgl. Funk-Hennings, Erika (2007): Musikvideos im Alltag: Geschlechtspezifische Darstellungsweisen. Einführung. In: Helms, Dietrich/Phleps, Thomas (Hg.): Clipped Differences. Geschlechterpräsentationen im Musikvideo. Bielefeld, S. 59/65

9 vgl. Mercer, Kobena (1993): Monster Metaphors: Notes on Michael Jackson’s ’’Thriller“. In: Frith, Simon/Goodwin, Andrew/Grossberg, Lawrence (Hg.): Sound & Vision: The Musik Video Reader. London, S. 106

10 vgl. Roach, Martin (2011): The Prodigy. Wie alles begann. Höfen, Österreich, S. 46

11 vgl. Ohne Autor (2013): The Prodigy. In: http://de.wikipedia.org/wiki/The_Prodigy (abgerufen am 22.02.2013)

12 zitiert nach Lathinen, Jussi (o.J. b): http://theprodigy.inof/articles/Music_News_Of_The_World_8th_december_1997.shtml

13 Roach (2011), S. 44

14 Roach (2011), S. 81

15 Roach (2011), S. 153

16 vgl. Ohne Autor (o.J. c): AIM Independent Music Awards. In: http://www.musicindie.com/awards (abgerufen am 21.02.2013);

vgl. Ohne Autor (2010): The Prodigy Headliner beim Taubertal Festival. In: Günther, Frank (Hg.): http://www.heftig-magazin.de/2010/06/21/the-prodigy-headliner-beim-taubertal-festival/ (abgerufen am 21.02.2013); vgl. Ohne Autor (2011): The Prodigy announced as final Download Festival headliner – ticket details. In: http://www.nme.com/news/the-prodigy/60461 (abgerufen am 21.02.2013)

17 vgl. Ohne Autor (2013)

18 vgl. Jeffrey, Don (1997/1998): Target To Smack Label On Prodigy Album. In: Billboard, Bd. 109, Nr. 52, S. 89

19 vgl. Ohne Autor (2008): smack my bitch up. In: http://www.urbandictionary.com/define.php?term=smack%20my%20bitch%20up&defid=2973559

20 zitiert nach: Lathinen, Jussi (o.J. c): The Prodigy explain SMBU... In: http://theprodigy.info/articles/melodymakerjan98.shtml

21 zitiert nach: Lathinen. Jussi (o.J. d): Music group, Prodigy, causing controversy with ist new song and video. In: http://theprodigy.info/articles/The_Ottawa_Citizen.shtml

22 Roach (2011), S. 150

23 vgl. Schmidt, Eva (1999): Eine Jagd durch die Nacht – The Prodigy und ihr ausgezeichneter/zensierter Videoclip Smack my bitch up. In: Neumann-Braun, Klaus (Hg.): VIVA MTV!: Popmusik im Fernsehen. Frankfurt, S. 308

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Analyse des Musikvideos von The Prodigy zu "Smack my bitch up"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar. Musikvideos: Strukturen, Intentionen, Entwicklungen.
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V459424
ISBN (eBook)
9783668882775
ISBN (Buch)
9783668882782
Sprache
Deutsch
Schlagworte
The Prodigy, Musikvideos, Smack my bitch up
Arbeit zitieren
Franziska Deutschmann (Autor), 2013, Analyse des Musikvideos von The Prodigy zu "Smack my bitch up", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459424

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