In dieser Arbeit wird eine vergleichende Analyse zwischen dem traditionellen und dem koranischen Bild des Propheten Muhammad unternommen und untersucht, inwieweit eine Diskrepanz zwischen diesen Bildern besteht. Auf Grundlage dieser Problemstellung wird im ersten Teil dieser Arbeit auf theoretische Grundlagen eingegangen, wer Propheten, ihre Kennzeichen und Aufgaben im islamischen Verständnis sind.
Im Anschluss daran wird die Frage in Angriff genommen, welches Bild Muhammad in der islamischen Frömmigkeit hat. Dabei soll in diesem Teil untersucht werden, worauf das Bild der islamischen Frömmigkeit vom Propheten fußt und was die Gründe für das Entstehen dieses bestimmten Muhammadbildes sind. Außerdem wird hierbei untersucht, inwieweit das traditionelle Bild des Propheten mit dem koranischen Kontext übereinstimmt. Bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen wird exemplarisch auf fünf berühmte Motive bzw. Überlieferungen über den Propheten zurückgegriffen und analysiert. Diese sind die Öffnung der Brust, heilende Kräfte Muhammads, das Licht Muhammads, die Mondspaltung und, die Nacht-und Himmelsreise.
Zur Gegenüberstellung zum traditionellem Bild Muhammads wird im dritten Teil erarbeitet, welches Bild der Koran vom Propheten Muhammad präsentiert. Hierbei wird auf zwei Aspekte fokussiert, die im Koran in Bezug auf den Propheten betont werden. Diese sind das Menschsein und die Vorbildlichkeit Muhammads.
Nach der Gegenüberstellung soll eine Auswertung zu der geführten Analyse erstellt werden. Dabei werden auf die Konsequenzen eines wundersamen, übermenschlichen Muhammadbildes in Bezug auf die Gläubigen aufmerksam gemacht.
Schließlich sollen im Fazit die gewonnen Erkenntnisse zusammengefasst und meine persönlichen Gedanken zu der Diskrepanz zwischen dem traditionellen und koranischen Bild vom Propheten geäußert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prophetie – Propheten
2.1 Persönliche Kennzeichen
2.1.1 Sündlosigkeit (´isma)
2.1.2 Intelligenz (fatāna):
2.1.3 Aufrichtigkeit (sidq):
2.1.4 Vertrauenswürdigkeit (amāna):
2.1.5 Verkündigung (tablīg):
2.2 Äußerliche Zeichen – Wunder
2.3 Aufgaben der Propheten
3. Der Prophet Muhammad in der islamischen Frömmigkeit
3.1 Öffnung der Brust:
3.2 Die Nacht- und Himmelsreise:
3.3 Heilenden Kräfte des Propheten:
3.4 Die Mondspaltung:
3.4.1 Weitere Wundererscheinungen um Muhammad
3.5 Das Licht Muhammads:
3.6 Zusammenfassung
4. Das koranische Bild des Propheten Muhammad
4.1 Der Mensch-Prophet:
4.2 Muhammad – das schöne Vorbild
5. Auswertung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem in der islamischen Frömmigkeit verankerten, wundersamen und übermenschlichen Bild des Propheten Muhammad und dem im Koran gezeichneten Bild eines sterblichen, menschlichen Propheten. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen diesen beiden Perspektiven aufzuzeigen und zu analysieren, wie und warum sich das traditionelle Bild des Propheten im Laufe der Geschichte von den koranischen Grundlagen entfernt hat.
- Die theoretischen Grundlagen von Prophetie und den Eigenschaften von Propheten im islamischen Verständnis.
- Die Analyse zentraler wundersamer Motive wie die "Öffnung der Brust", die Himmelsreise, die Mondspaltung, heilende Kräfte und das Licht Muhammads.
- Die Erarbeitung des koranischen Prophetenbildes mit Fokus auf Menschsein und Vorbildlichkeit.
- Die Reflexion über die Konsequenzen eines idealisierten Bildes für das praktische Leben gläubiger Muslime.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Nacht- und Himmelsreise:
„Die Nachtreise al-isrā und die anschließende Himmelsreise al-mi´rāg ist das bekannteste aller wunderhaften Ereignisse im Leben des Propheten“ (Schöller 2008, 37f). Laut den Überlieferungen soll der Prophet in der Nachtreise auf dem weißen Reittier namens Borak, das Flügeln besaß, von der heiligen Moschee in Mekka zum heiligen Tempel in Jerusalem geführt worden sein. In der Prophetenbiographie von Ibn Ishak heißt es diesbezüglich:
„Man führte Mohammed den Borak vor; es ist das Tier, das schon andere Propheten vor ihm getragen hatte, und das seine Hufen so weit auseinandergesetzt, als das Auge reicht. Sein Freund (Gabriel) hob ihn hinauf und begleitete ihn, und er sah die Wunder, zwischen Himmel und Erde, bis er nach Jerusalem kam“ (Ibn Ishak 2014, 54).
Dort erwarteten ihn die ihm vorausgegangen Propheten wie Abraham, Moses und Jesus, mit denen er gemeinsam das Gebet verrichtet haben soll. In anderen Überlieferungen wird sogar erwähnt, dass der Prophet der Vorbeter des Gebetes gewesen ist (vgl. Bursali 2011, 209).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Propheten im Islam ein und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit vor, nämlich die Diskrepanz zwischen dem traditionell-frömmigkeitsgeprägten und dem koranischen Muhammad-Bild.
2. Prophetie – Propheten: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des islamischen Prophetentums, inklusive der Kennzeichen, Wunder und Aufgaben, die Propheten im Koran zugeschrieben werden.
3. Der Prophet Muhammad in der islamischen Frömmigkeit: Hier werden exemplarisch fünf wundersame Überlieferungen analysiert, die den Propheten als ein übernatürliches und verherrlichtes Wesen darstellen.
4. Das koranische Bild des Propheten Muhammad: Dieses Kapitel arbeitet das Bild eines sterblichen, menschlichen Propheten heraus, der den Gläubigen als Vorbild dienen soll.
5. Auswertung: Die Auswertung vergleicht die erarbeiteten Prophetenbilder und macht auf die erheblichen inhaltlichen Diskrepanzen aufmerksam.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Verantwortung der Gläubigen, den Propheten nicht als ferne Märchenfigur, sondern als erreichbares menschliches Vorbild zu begreifen.
Schlüsselwörter
Muhammad, Prophetie, Islamische Frömmigkeit, Koran, Menschsein, Vorbildlichkeit, Wunder, Sündlosigkeit, Offenbarung, Tradition, Hadith, Diskurs, Glaubenspraxis, Überlieferung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das unterschiedliche Verständnis der Person Muhammads im Islam – einerseits als wundersames, übermenschliches Wesen der islamischen Tradition und andererseits als menschlicher Prophet des Korans.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Konzepte von Prophetie, die Rolle von Wundern im islamischen Verständnis, die Analyse von Überlieferungen (Hadithe) im Vergleich zum Koran sowie die ethische Dimension des Propheten als Vorbild.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Hauptfrage lautet, inwieweit eine Diskrepanz zwischen dem traditionellen, von der islamischen Frömmigkeit geprägten Bild des Propheten und dem vom Koran präsentierten Bild besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der Koranverse und deren Exegese mit traditionellen Überlieferungen sowie historischen und religionswissenschaftlichen Perspektiven kritisch gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Dekonstruktion wundersamer Motive wie der Herzwäsche oder der Mondspaltung und stellt diesen die koranische Darstellung von Muhammad als Mensch und Vorbild gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Muhammad, Prophetie, Koran, islamische Frömmigkeit, Menschsein, Vorbildfunktion, Wunder und religiöse Tradition sind die wesentlichen Begriffe.
Warum wird die Sündlosigkeit (´isma) als Kriterium für Prophetie kritisch hinterfragt?
Da der Koran auf das Menschsein und die Fehlbarkeit von Propheten hinweist, wird die Vorstellung einer absoluten Sündlosigkeit als gelehrtes Konstrukt der Tradition hinterfragt, das den Propheten vom Menschen entfremdet.
Welche Rolle spielt das "Licht Muhammads" in der islamischen Mystik im Vergleich zum Koran?
Während die Mystik Muhammad als Urbild der Schöpfung und Licht-Manifestation Gottes sieht, betont der Koran Muhammad als Gesandten, der Gott unterstellt ist, und lehnt jegliche Vergöttlichung explizit ab.
- Arbeit zitieren
- Ömer Zorlu (Autor:in), 2018, Muhammad. Eine vergleichende Analyse zwischen dem traditionellen Bild und dem koranischen Bild des Propheten Muhammad, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459467