Die geringe Präsenz der Frauen in der Ingenieur-Berufsgruppe


Ausarbeitung, 2012
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Betrachtung der Frauenberufe
2.1 Die gesellschaftliche Rolle der Frau im Mittelalter bis zur Industrialisierung
2.2 Historische Betrachtung der Frauen im Ingenieur-Berufsfeld

3. Die Einfluss der Familie auf die zukünftigen Ingenieurinnen

4. Unterpräsenz von Ingenieurinnen

5. Mögliche Maßnahmen zur Förderung der Frauen in Ingenieurberufen
5.1 Gründe für die Maßnahmen
5.2 Veränderungsvorschläge für Fördermaßnahmen in Familie, Schule, Universität und Erwerbstätigkeit.

6. Zusammenfassung der Ergebnisse und Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die traditionell vorherrschenden Rollenerwartungen und Rollenbilder lassen sich auch noch in der heutigen Gesellschaft in Berufsgruppen wie der der Ingenieure erkennen. Es ist auffallend, dass bestimmte Berufe Stereotypen 1 getreu nur von Männern und bestimmte Berufe nur von Frauen ausgeübt werden. Ein aussagekräftiges Beispiel dafür ist die Berufsgruppe der Ingenieure. Es ist zu festzuhalten, dass 91,3 % der Ingenieure in Deutsch- land Männer sind und nur ca. 8,7 % Frauen.2

Auch die Politik hat den nicht zuletzt hierauf zurückzuführenden Fachkräftemangel in dieser Berufsgruppe erkannt und versucht diesem durch gezielte Maßnahmen entgegenzuwirken. Ein bekanntes Beispiel unter den entsprechenden Maßnahmen der Bundesregierung war das „Sofortpro- gramm zur Deckung des IT-Fachkräftebedarfs“ im Jahr 2000, durch das auch Elektroingenieure gesucht wurden. Ziel der damaligen Aktion war es, Fachkräfte zu akquirieren, um den Bedarf durch qualifizierte ausländische Fachkräfte zu decken. Unternehmen haben jedoch bereits längst ein anderes Potenzial entdeckt, nämlich das der Frauen, und versuchen diese als neue Mitarbeiterinnen für ihre Unternehmen zu gewinnen und zu fördern.3

Die folgende Statistik verdeutlicht diese Problematik. Die geringe Präsenz von Frauen in den verschiedenen Berufen des Ingenieurwesens wird hier drastisch sichtbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Frauenanteil in den Ingenieursberufen Quelle: www.lohnspiegel.de

In Anbetracht dieser Zahlen stellt sich nun die Frage, durch welche Faktoren und Indikatoren sich diese Unterpräsenz der Frauen in den Ingenierberufsgruppen begründen lässt.

Eine gravierende Weichenstellung in Bezug auf die Problematik erfolgt bereits durch die Auswahl des Studiums. Es lässt sich nur eine geringe Anzahl an weiblichen Studentinnen in diesen technischen Studiengängen vorfinden.4 Tatsache ist, dass Frauen überwiegend die Hörsäle der Sprach- und Geisteswissenschaften besetzen, während die Disziplinen der MINT 5 - Studiengänge eher von Männern dominiert werden.6

Ziel der nachfolgenden Hausarbeit ist es, anhand einer breit angelegten Literaturrecherche zu untersuchen, welche Gründe ausschlaggebend für die geringe Präsenz der Frauen in der Berufsgruppe der Ingenieure und Ingenieurinnen sind. Es soll zudem hinterfragt werden, welche Rahmen- bedingungen, Barrieren und Schwierigkeiten verantwortlich für diese starke Unterrepräsentanz von Frauen in dieser Berufsgruppe sind. Des Weiteren sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, durch die die Attraktivität für und das Interesse der Frauen an diesen Berufe gefördert werden kann.

2.Historische Betrachtung der Frauenberufe

Das Ingenieurwesen hat seinen Ursprung im traditionellen Kriegshandwerk des 17. Jahrhundert. Schulen und Universitäten formten für diese speziellen Tätigkeiten eine fundierte theoretische Ausbildung und legten so die Grundlage für eine qualifizierte Tätigkeit in diesem Sektor. Disziplinen wie die Zählkunst, das Landvermessen oder der Schiffbau wurden nach und nach wissenschaftlich betrachtet. Frauen jedoch waren aus dem Bereich der höheren Bildung strikt ausgeschlossen.7

Um den genauen Hintergrund der Lage der Frauen bezüglich der diskriminierenden Bildungschancen zu verstehen, muss eine gesonderte Betrachtung ihrer gesellschaftlichen Position in der damaligen Zeit vorge- nommen werden.

2.1. Die gesellschaftliche Rolle der Frau im Mittelalter bis zur Industrialisierung

Noch im 12. bis zum 15. Jahrhundert wurde die Rolle der Frau als Eigentum ihres Mannes definiert. Der Mann war Herrscher über die Familie und seine Frau die Dienerin im Haus. Die Frauen übernahmen die heimische Verantwortung für die Familie und den Haushalt, während die Männer das Familienleben nach außen repräsentierten . Die Frau wurde bereits damals aus allen öffentlichen Angelegenheit wie z.B. Gerichtsverhandlungen ausgeschlossen.8

Im 18. Jahrhundert ist die Bildung der Frau immer noch ein Tabuthema in der Gesellschaft. Nach den in der amerikanischen und der französischen Verfassung formulierten Menschenrechten stand das Recht auf Bildung nur den Männern zu.9 Im späten 18. Jahrhundert folgte die Zeit der industriellen Revolution und damit ging eine Verbesserung der Frauenrechte einher. Die Männer galten als Verdiener, die die Familie versorgten. Die Motivation der Frauen war es, eine zusätzliche Lohnarbeit für die Haushaltsführung zu erwirtschaften, jedoch hatten sie kaum politische Rechte, dies einzuklagen.10

Das Aufkommen der Industrialisierung hatte auch einen erheblichen Einfluss auf die staatlichen Bildungseinrichtungen. Die bis dahin geltende Grundlage für deren Besuch war der Militärdienst. Im Zuge der Industriali- sierung und der damit verbundenen Gründung von neuen Unternehmen sorgte dies für eine starke Nachfrage nach Fachkräften und somit auch nach Ingenieuren.11

2.1 Historische Betrachtungen der Frauen im Ingenieur-Berufsfeld

Die gebildeten Frauen in der Epoche der Industrialisierung wurden unab- hängiger und waren bereit für eine Veränderung des eigenen Lebensstils. Arbeiterfamilien mussten in Fabriken arbeiten und die Bäuerinnen boten sich als Dienstmädchen an.12

Anfang der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts hatten Frauen erstmals die Möglichkeit, ein naturwissenschaftliches Studium zu belegen. Infolge der geringen Anzahl der Männer, die sich zum damaligen Zeitpunkt nicht im Krieg befanden, war dies eine interessante Möglichkeit in der Industrie, um sich weiterzuentwickeln. Ab 1941 erhöhte sich die Zahl der Frauen, die ein naturwissenschaftliches Fach studieren wollten, auf 20 %, da begabte Frauen jetzt auch ohne Abitur studieren durften.13

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es für Frauen kaum Möglichkeiten, Karriere in der Wissenschaft zu machen, um ihre Fähig-keiten weiterzuentwickeln, da qualifizierte männliche Emigranten als Konkurrenten einreisten. Diese Emigranten arbeiteten mit großer fachlicher Kompetenz und versuchten dabei Karriere zu machen.14

3. Der Einfluss der Familie auf die zukünftigen Ingenieurinnen

In Anbetracht dieser historischen Tatsachen gilt es nun näher zu betrachten, inwiefern die Familie richtungsweisend für die spätere Berufswahl oder bereits ein möglicher Indikator für die Beziehung des weiblichen Geschlechts zur Technik ist.

Die traditionelle Familienkonstellation der heutigen Gesellschaft, die aus einem Vater, einer Mutter und deren gemeinsamen Kindern besteht, wird auch als Kern- oder Gattenfamilie bezeichnet. Der Einfluss der Elternteile auf die Entwicklung des Kindes hat bekanntlich einen prägenden und richtungsweisenden Einfluss auf die spätere Entwicklung des Kindes.

Im Entwicklungsprozess der Kinder gelten die Elternteile für diese als Identifikationsfiguren, die eine maßgebliche Rolle für die Weiterentwick- lung und spätere Identifikation des Kindes mit seiner Rolle in der Gesell- schaft haben.

Die gesellschaftlichen Rollenbilder von Frauen und Männern entsprechen weiterhin den sich während der Evolution herausgebildeten typischen Über- lebensinstinkten: Frauen gelten als Sammlerinnen und Männer als Jäger und Eroberer.

Diese Rollenmodelle waren für die Kinder ein Vorbild, die Jahre später dazu führen, dass sie nachgemacht wurden. Die Bindung zwischen dem Kind und seiner Bezugspersonen bestimmt sein Selbstbild. Es stellt sich nun die Frage, wieso Frauen und Männer in diese traditionellen Rollen gedrängt werden.

Nach den Geschlechterstereotypen von Moeck gilt das männliche Rollen- bild als dominant, leistungsfähig, ehrgeizig und wettbewerbsorientiert und das weibliche Rollenbild ist von Sensibilität, emotionaler Ausdruckskraft und Kompetenz geprägt.15

Die wichtigen Determinanten dieser Stereotype spiegeln dabei das Verhal- ten der Eltern wider. Die folgende Grafik zeigt die typische Verteilung der täglichen Arbeitsteilung von Frauen und Männern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen

Quelle: http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.beziehungen- familienleben.de/fileadmin/user_upload/redakteur/diagramme..._

Durch festgelegte Geschlechterrollen wird Mädchen von Anfang eine große Zurückhaltung gegenüber Technik beigebracht, da dies nicht zur typischen Geschlechterrolle der Frau passt. Dadurch wird verhindert, dass sie sich mit einer technischen Berufstätigkeit identifizieren können.

Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob der Einfluss einer postmodernen Familie 16 den Kindern traditionelle Rollenbilder vermittelt.

[...]


1 „Der Begriff Stereotype bezieht sich auf eine Reihe gleicher Eigenschaften, die Gruppen zugeschrieben werden. Bei der Wahrnehmung von Gruppen bedienen wir uns einiger typischer Eigenschaften, um Mitglieder dieser Gruppe zu kennzeichnen.“ Kühne, Norbert: Studiengesellschaft für Friedensförderung.
http://www.studiengesellschaft-friedensforschung.de/da_49.htm.(Stand:01.11.2002).

2 http://.www.lohnspiegel.de/dateien/wsimit_2011_01_LohnSpiegel_Ingenieure.pdf,Stand: 12.01.2011, S. 12–14.

3 Weber, Christian: Perspektiven und Zukunftschancen von Ingenieuren auf dem Arbeitsmarkt, Grin Verlag für akademische Texte, München1998.

4 Kucklich, Clarissa: Frauen erobern die Naturwissenschaften und die Technik, Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt an Main 1994.

5 MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik.

6 Steward, Gerdi: Die Motivation von Frauen für ein Studium der Ingenieur- und Naturwissenschaften, Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung, München 2003, S. 3–5.

8 Wörndl, Barbara: Die Kernkraftdebatte. Eine Analyse von Risikokonflikten und sozialem Wandel, Deutscher Universität Verlag, Wiesbaden 1992, S. 20–22.

9 Vgl. Wörndl, Barbara: Die Kernkraftdebatte, S. 21.

10 Knoll, Bente/Ratzer, Brigitte: Gender Studies in den Ingenieurswissenschaften, Facultas wuv, Wien 2010, S. 76–78.

11 Knoll, Bente/Ratzer Brigitte: Gender Studies in den Ingenieurswissenschaften, S. 80.

12 Vgl. Wörndl, Barbara: Die Kernkraftdebatte, S. 22–23.

13 Vgl. Wörndl, Barbara: Die Kernkraftdebatte, S. 23.

14 Vgl. Hartmann, Corina/Ute, Sanner: Ingenieurinnen – ein unverzichtbares Potential für die Gesellschaft, Hoho Verlag C. Hoffmann, Berlin 1997, S. 48–49.

15 Moeck, M.: Frauen im Ingenieurstudium – Ursachen der Unterrepräsentation von Ingenieurinnen in Ausbildung und Beruf, Referat Allgemeine Studienberatung der TUHH, Hamburg 1987, S. 6–7.

16 16 Postmodern: post = lat.: nach] Allg.: Unklare Sammelbezeichnung für eine Geisteshaltung (neuer Zeitgeist) bzw. eine (aus Architektur und Kunst vermittelte Stil- und) Denkrichtung, die sich als Gegen- oder Ablösungsbewegung zur Moderne versteht. Der auf

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die geringe Präsenz der Frauen in der Ingenieur-Berufsgruppe
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V459510
ISBN (eBook)
9783668907119
Sprache
Deutsch
Schlagworte
präsenz, frauen, ingenieur-berufsgruppe
Arbeit zitieren
Angelica Maria Cruz (Autor), 2012, Die geringe Präsenz der Frauen in der Ingenieur-Berufsgruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459510

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