Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Liebe und Freundschaft


Hausarbeit, 2017
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thomas Hurkas Auffassung von freundschaftlicher und romantischer Liebe..

3. Diskussion und Ergänzung von Hurkas Thesen
3.1 Gesellschaft und Beziehungen im Wandel
3.2 Ausnahmen bestätigen die Regel? Moderne Freundschafts- und Partnerschaftskonzepte
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede freundschaftlicher und romantischer Beziehungen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Liebe und Freundschaft werden oft im selben Atemzug genannt, nicht zuletzt deshalb, weil sie als ver - wandte, aber dennoch klar differenzierbare Beziehungsformen aufgefasst werden. Schon im antiken Griechenland wurden mehrere Begriffe geprägt, welche die verschiedenen Formen der Liebe vonein - ander abgrenzen sollten: Eros als starkes, leidenschaftliches Verlangen; die freundschaftliche Liebe der philia; agape als göttliche Liebe zu den Menschen; die auf persönliche Interessen oder Hobbys gerich- tete stoika und schließlich die Selbstliebe in Form der philautia. Auf den ersten Blick scheint diese Einteilung sinnvoll und nachvollziehbar zu sein. Die meisten dieser Arten der Liebe lassen sich auch bei näherer Betrachtung recht eindeutig voneinander unterscheiden, beispielsweise agape oder stoika. Diese Arbeit versucht zu zeigen, dass eine solche Differenzierung im Falle der freundschaftlichen und der im weitesten Sinne erotischen Liebe nicht so leicht fällt, wie es zunächst scheinen mag. Als Dis - kussionsgrundlage dient THOMAS HURKAS Kapitel zu Liebe und Freundschaft aus seinem Buch „ The Best Things in Life. A Guide to What Really Matters “, aus dem einige Thesen zur Unterscheidung der beiden Beziehungstypen übernommen und um geeignete Argumente ergänzt werden.

HURKAS Buchtitel kündet schon von der zentralen Bedeutung, welche den genannten Formen der Lie- be normalerweise beigemessen wird - vor allem aus persönlichen, bestenfalls gesellschaftlichen Grün - den. Daraus ergeben sich zahllose Berührungspunkte mit Psychologie und Soziologie; insbesondere, da HURKA den traditionellen philosophischen Anteil der Diskussion - nämlich ethische Fragestellun - gen - in seinen Ausführungen in den Hintergrund stellt. Dieser von HURKA vorgenommenen Schwer- punktsetzung wird auch im Folgenden Rechnung getragen werden, ohne jedoch den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Arbeit der Soziologie oder Psychologie gerecht werden zu wollen und zu können. Stattdessen soll die Problematik einer Abgrenzung beider Begriffe anhand sinnvoller Beispiele und ge - sellschaftlicher Entwicklungen aufgezeigt werden und eine Reflexionsgrundlage für das Hinterfragen der eigenen Beziehungen bieten.

2. ThomasHurkasAuffassung von freundschaftli- cher und romantischer Liebe

THOMAS HURKA legt seinen Schwerpunkt eher auf den Bereich der romantischen Liebe. Insbesondere im Kontext dieser Hausarbeit ist aber bemerkenswert, dass viele seiner Thesen zu klassischen Liebes - beziehungen ebenso auf Freundschaften zutreffen. HURKA merkt auch gleich zu Beginn des Kapitels an, dass die verschiedenen Arten von Liebe, die wir unseren Mitmenschen entgegenbringen - seien es familiäre, freundschaftliche oder erotische Beziehungen - lediglich Abwandlungen derselben Gefühls - gattung seien1. Insofern unterscheide sich eine romantische Liebesbeziehung von einer Freundschaft in erster Annäherung durch die Intensität des Gefühls. Gemeinsam sei dagegen beiden Beziehungsfor- men, wenn auch in verschiedener Ausprägung, das Bedürfnis nach zusammen verbrachter Zeit, die Freude an der Gesellschaft des anderen sowie, um aristotelisch zu sprechen, einander entgegenge - brachtes Wohlwollen und gegenseitige Unterstützung2.

Das Besondere an der Liebe ist für HURKA nicht eine spezifische Eigenschaft, die allein diesem Ge - fühl zukommt. In der Liebe seien vielmehr mehrere Güter in starker Ausprägung vereint: Glück, Wis- sen, Erfolg und Tugend3.

Sowohl romantische Liebe als auch Freundschaften lösen positive Gefühle aus. Das Spektrum reicht dabei von allgemeiner Zufriedenheit bis hin zur Ekstase. Auch hier ist für HURKA dieselbe Emotion in unterschiedlicher Ausprägung ursächlich, naturgemäß mit zunehmender Intensität in romantischen bzw. sexuellen Beziehungen.

Mit Wissen meint HURKA in erster Linie das Wissen über den anderen. Hierbei wäre zu ergänzen, dass zwischenmenschliche Beziehungen auch stets ein hohes Potenzial zur Selbsterkenntnis und Selbstfindung mit sich bringen.

Der Aspekt des Erfolgs oder persönlichen Fortschritts ist auch aus soziologisch-evolutionärer Per - spektive interessant. Denn wie HURKA erläutert, kann die Unterstützung durch einen Freund oder Part - ner das Erreichen individueller Vorhaben erleichtern oder erst ermöglichen; innerhalb besonders enger Bindungen werden womöglich gemeinsame Ziele auch gemeinsam verfolgt.

Die Tugend, HURKAS letzter Punkt, nimmt in der philosophischen Betrachtung des Themas traditio - nell eine Sonderstellung ein. Allerdings dekonstruiert HURKA die nach wie vor am häufigsten herange- zogene Konzeption von Tugend innerhalb der Freundschaft, wie sie Aristoteles in der Nikomachischen Ethik entwickelt: Freundschaften brauchten, um wertvoll zu sein, nicht unbedingt die Tugend bzw. ihre Beförderung als Grundlage. Genauso wenig seien die besten Freundschaften nur zwischen beson- ders tugendhaften Menschen möglich, in der Realität reiche uns vielmehr ein (wohl subjektives) Min - destmaß an Moralität aus, um eine, wie auch immer geartete, Beziehung zu jemandem einzugehen 4. Ähnlich argumentieren BELLAH ET AL. Es gebe keine allgemein-verbindlichen Kriterien dafür, was ei- nen Freund zum Freund mache. Die traditionelle Sichtweise umfasse konform mit Aristoteles, dass man einen Lust- und Nutzengewinn aus der Gesellschaft des anderen ziehe und sich darüber hinaus gemeinsam dem Guten verpflichte. Die gegenwärtige Auffassung von Freundschaft dagegen betone den Aspekt der Lust und lehne den des Nutzens als unethisch ab. Die moralische Komponente (in Form der gemeinsamen Beförderung des eher abstrakten Guten) hingegen sei heutzutage kaum noch nachvollziehbar5. Nichtsdestotrotz bieten soziale Beziehungen viel Raum für im weitesten Sinne tu - gendhaftes Verhalten. Und mehr noch, für die meisten Menschen bedarf es wohl einer gewissen per - sönlichen Zuneigung, um altruistisches Handeln überhaupt auszulösen. Entsprechend konstatiert HURKA, dass man geliebten Menschen gegenüber selbstloser bzw. moralischer begegne als Fremden und daher beförderten derartige Beziehungen indirekt die Tugend. In diesem Zusammenhang ließe sich diskutieren, ob eine solche Hierarchisierung des Umfelds in Bezug auf moralisches Handeln nicht eigentlich unmoralisch ist. Ein wahrhaft tugendhafter Mensch würde seinem gesamten Umfeld wo - möglich die gleiche Hilfe und Freundlichkeit zukommen lassen wie persönlichen Bekannten. Denn, wie HURKA anmerkt, ist das Wohlwollen gegenüber unserem sozialen Umfeld teilweise auch egois- tisch motiviert. An dieser Stelle lässt sich wie zuvor ein gewisser „Gefühlsgradient“ feststellen zwi - schen romantischen und freundschaftlichen Beziehungen. Gerade in Liebesbeziehungen sei der Wunsch nach Zufriedenheit des Partners stark an die eigene Person geknüpft: „Though you want someone you love to be happy, you especially want her to be happy with you; you wouldn’t prefer her to be a little happier if that meant being made happy by someone else.6 “ Diese Behauptung mag auf die Mehrheit der romantischen Beziehungen zutreffen. Doch lassen sich auch einige Ausnahmen nen - nen, die in Kapitel 3 an geeigneter Stelle angesprochen werden müssen. Zudem leben alle zwischen- menschlichen Beziehungen von der Reziprozität und den Sonderrechten, die man geliebten Menschen einräumt, korrespondieren auch Pflichten. Zum einen wird in der Regel davon ausgegangen, dass die geleistete Unterstützung in einer vergleichbaren Situation auch einem selbst zuteil werden wird. Zum anderen werde, so HURKA, selbstloses Verhalten gegenüber Freunden nicht nur gewährt, sondern auch erwartet.

Alle hier genannten Aspekte von Beziehungen treffen sowohl auf Freunde als auch auf Liebespartner zu, wobei Freundschaften normalerweise als weniger innig und intensiv eingestuft werden als es bei Liebesbeziehungen der Fall ist. Entsprechend nimmt auch die Intensität der Emotionen in letzteren zu. Als eindeutiges Unterscheidungskriterium wird in der Regel gemeinsame Sexualität genannt, die in den meisten Freundschaften ausgeschlossen, für die gängige Konzeption romantischer Beziehungen aber essentiell ist. Ob dieses Merkmal tatsächlich trägt, darf und wird in dieser Arbeit angezweifelt werden. HURKA beruft sich zwar ebenfalls auf Sex, um die beiden Formen der Liebe voneinander ab - zugrenzen. Allerdings ist er der Auffassung, dass es sich dabei ebenfalls um ein Kontinuum handele: Sexuelle Anziehung wäre somit maximierte Zuneigung und Freude an der Nähe des anderen 7. An an- derer Stelle verweist HURKA dagegen explizit auf den animalisch-triebhaften Anteil in der romanti- schen Liebe, der von charakterlichen Vorzügen oder gar Tugendhaftigkeit abstrahiere und lediglich physisch-biologischen Ursprungs sei8. Diese Lesart wird gestützt durch die Behauptung, dass häufig oberflächliche Merkmale (er nennt Aussehen und Geruch als Beispiele) den Ausgangspunkt für Lie - besbeziehungen bildeten, während Freundschaften meist auf gemeinsamen Interessen fußten9. LEWIS geht ebenfalls von einem gemeinsamen Interesse als Grundlage für Freundschaften aus, allerdings schränkt er die dafür tauglichen Übereinstimmungen ein. Ein Interesse, das sehr viele Menschen tei - len, vermag es normalerweise nicht, uns die übliche Distanziertheit gegenüber Fremden oder ober - flächlichen Bekanntschaften überwinden zu lassen. Es muss das Überraschungsmoment dazu kom - men, eine Gemeinsamkeit zu entdecken, die wir nicht erwartet haben:

„Friendship arises out of mere Companionship when two or more of the companions discover that they have in common some insight or interest or even taste which the others do not share and which, till that moment, each believed to be his own unique treasure (or burden). The typical ex - pression of opening Friendship would be something like, ‘What? You too? I thought I was the only one’10

Folgt man HURKAs Argumentation, würden romantische Beziehungen zwar durch physische Anzie - hung ausgelöst (selbstverständlich spielt der Charakter für die meisten Menschen ebenfalls eine ent - scheidende Rolle) und Freundschaften durch spezifische Gemeinsamkeiten. Von diesem Punkt aus ent- wickele sich die Zuneigung aber auf ähnliche Art und Weise weiter. HURKA unterscheidet hier insbe- sondere historische und nicht-historische Eigenschaften, die am anderen geschätzt würden. Letztere seien theoretisch für jeden erkennbar und somit auch potenziell liebenswert, beispielsweise politisches Engagement oder ein spezieller Humor. Manche dieser nicht-historischen Eigenschaften seien wieder- um bewundernswert, da intrinsisch gut und prinzipiell jedem Menschen zu wünschen (in diesem Bei - spiel das politische Engagement). Andere Eigenschaften seien dagegen liebenswert und würden nur subjektiv als anziehend empfunden, wie beispielsweise ein bestimmter Humor. Im Gegensatz zur aris - totelischen Sicht wertet HURKA die liebenswerten nicht gegenüber den bewundernswerten Merkmalen ab. Zuneigung aus rein subjektiven Beweggründen sei ebenfalls Zuneigung und damit Quelle morali- schen Handelns11.

Entscheidend für tiefere Bindungen seien aber die historischen Eigenschaften, die aus dem Umgang miteinander erwachsen. Es handelt sich vorrangig um gemeinsame Erinnerungen, die kein anderer tei - len kann und welche die nicht-historischen Eigenschaften, die einst die Anfangsbedingungen für die Beziehung schufen, ergänzen oder gar ablösen. In diesem Kontext sei auf FRIEDMANS Föderationsmo- dell verwiesen. Es besagt, dass im Rahmen einer engen Bindung zwischen zwei Menschen eine dritte gemeinsame Entität entsteht, die gemeinschaftliche Erlebnisse und spezifische Verhaltensweisen bein - haltet und so ein „Wir“ erschafft12. Das Föderationsmodell wird der alltäglichen Erfahrung gerecht, dass Personen, die viel Zeit miteinander verbringen, sich immer ähnlicher werden und in gewisser Weise miteinander verschmelzen. Gleichzeitig wahrt das Modell aber auch die Eigenständigkeit der Beteiligten, die natürlich trotzdem weiterhin besteht. Zu der Liebe gegenüber nicht-historischen Ei - genschaften gesellt sich im Laufe der Zeit also eine auf die gemeinsame Vergangenheit gerichtete Lie - be. Bestehe die Bindung weiterhin fort, so übertrage sich laut HURKA die Liebe zur Person (als Sum- me der genannten Attribute) in einem dritten Schritt auf andere Eigenschaften, die primär gemocht würden, eben weil sie der geliebten Person zukommen.

Doch auch wenn sowohl in Freundschaften als auch in Liebesbeziehungen die gleichen Mechanis - men greifen, ergeben sich unter anderem aus den verschiedenen Startbedingungen auch Unterschiede in der Weiterentwicklung. HURKA zitiert in diesem Zusammenhang BROAD:

„Ifwe may compare prolonged and successful sexual love for a person to the course of a river from its source to the sea, it begins as a violent torrent in a narrow bed full of rocks and shallows; in its middle it receives many tributaries; and in its later stages it becomes a calm wide deep stream. Too often, of course, there is no such happy ending, and the stream peters out into the shallows of mere habitual toleration or the swamps of mutual irritation and frustration.13

Die gemeinsame Leidenschaft, die eine Freundschaft entstehen lassen kann, ist von anderer Natur als die auf den Partner gerichtete Leidenschaft in einer Liebesbeziehung. Sicherlich müssen auch in neuen Freundschaften erst gemeinsame Umgangsformen ausgelotet und so manche „Stromschnelle“ über - wunden werden, ehe ein reibungslos-selbstverständliches Miteinander entsteht. Auch hier ließe sich le - diglich eine Abstufung in der Intensität der zwischenmenschlichen Turbulenzen mutmaßen. Doch es ist davon auszugehen, dass die meisten Freundschaften bei geringer Verbindlichkeit geruhsam begin - nen und sich mit zunehmender Bindung und Verbindlichkeit vertiefen, dabei aber nach wie vor eher ruhig ihren Lauf nehmen.

Im obigen Zitat geht BROAD auch auf das Ende von Liebesbeziehungen ein. HURKA identifiziert an diesem Punkt ein weiteres Unterscheidungskriterium zwischen freundschaftlichen und romantischen Beziehungen: Letztere besäßen in der Regel eine breitere Basis, die Verflechtungen seien stärker und ließen sich daher auch schwieriger lösen als bei einer Freundschaft. Während Freundschaften häufig tatsächlich wie von BROAD beschrieben enden - ein allmähliches „Versickern“ mit einhergehendem Bedeutungsverlust und schließlich ihrem Ende, das sich aber selten genau datieren lässt - ist dies bei Liebesbeziehungen meist nicht der Fall. Der Freundschaftsbegriff umfasst zahllose Abstufungen, Übergänge geschehen darin häufig und unwillkürlich. Eine Liebesbeziehung wird dagegen in der Re - gel binär aufgefasst (wobei auch hier Ausnahmen zu nennen sein werden): Entweder man ist derart ge - bunden, oder nicht. Das Ende einer solchen Bindung muss normalerweise klar kommuniziert werden, selbst wenn die Partner nicht zusammen leben, während die meisten Freundschaften enden, ohne dies explizit auszusprechen.

Obwohl in Literatur und Film nach wie vor häufig eine romantisierte Auffassung von Liebesbezie - hungen propagiert wird, nach welcher es die oder den „Richtige(n)“ als Lebenspartner gebe, gehen die meisten Menschen wie auch HURKA heutzutage wohl eher davon aus, dass es eine Vielzahl potenziel- ler Partner gibt, die man lieben kann. Bei Freunden ist dieser Gedanke ohnehin Konsens, dazu kommt, dass man in der Regel mehrere Freundschaften gleichzeitig pflegt, aber nur eine Liebesbeziehung führt. Dies mag seine Ursache zum einen in sozialen Normen haben, zum anderen aber sicherlich auch in der von HURKA angeführten Intensität und den damit verbundenen zeitlichen und emotionalen Ka - pazitäten, die nicht für eine unbegrenzte Anzahl an Personen zur Verfügung stehen.

3. Diskussion und Ergänzung von Hurkas Thesen

Angesichts der vielen von HURKA festgestellten Übereinstimmungen und lediglich graduellen Unterschiede zwischen romantischer und freundschaftlicher Liebe erscheint es fragwürdig, eine derartig strikte Trennung beider Formen aufrechtzuerhalten, wie sie im allgemeinen Verständnis und Sprachgebrauch gehandhabt wird. Zur Klärung dieser Frage ist es notwendig, zusätzlich einige Aspekte anzuführen, die von HURKA nicht oder nur am Rande erwähnt werden.

Auf Basis grundlegender historisch-soziologischer überlegungen sollen moderne freundschafts- und beziehungskonzepte skizziert werden, die den tradierten schemata zuwiderlaufen. dabei werden auch übergänge zwischen liebe und freundschaft berücksichtigt. dies soll schließlich als ausgangspunkt dienen, um gemeinsamkeiten und unterschiede beider beziehungstypen herauszuarbeiten und zu bewerten, ob diese kategorien auch in unserer heutigen zeit noch ihre berechtigung haben.

3.1 Gesellschaft und Beziehungen im Wandel

Der Wert freundschaftlicher Beziehungen für Politik und Gesellschaft wurde bereits in der Antike diskutiert, doch das Thema ist auch heute Inhalt philosophischer und soziologischer Debatten. Angesichts des Zerfalls der Präindustrialisierungs-Gesellschaft wird Freundschaft oftmals als „einzig zukunftsfähige Alternative zu dem auslaufenden Modell der bürgerlichen Kleinfamilie14“ gehandelt, welche die gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Ordnung aufrechterhalte15. Freundschaft stelle „die habituelle Grundlage einer demokratischen Sittlichkeit16“, indem sie, wie auch bei HURKA, den praktischen Rahmen für Moral und tugendhafte Lebensführung biete. Wie schon erläutert, hat die ethische Komponente von Freundschaften heutzutage jedoch an Bedeutung verloren. Mögen die von PAHL und LEMKE festgestellten (oder erhofften) Effekte auch existieren, sind sie normalerweise nur unbewusst oder kollateral wirksam. Nach DOYLE ET AL. wird Freundschaft heute definiert als private, freiwillige, informelle Beziehung zwischen gleichwertigen, autonomen Individuen. Insbesondere der Aspekt der Freiwilligkeit kann dabei kritisch gesehen werden, denn Freundschaften entstehen nicht auf alleiniger Grundlage gemeinsamer (Spezial-)Interessen. Der Zufall17, der ein Aufeinandertreffen ohnehin stets mitverursacht, wird zusätzlich durch soziologische Variablen beeinflusst, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit oder Einkommen. Das gilt für alle Sozialkontakte und somit auch für Liebesbeziehungen.

[...]


1 Vgl. HURKA (2011), S. 141f.

2 Vgl. ebd. S. 142.

3 Vgl. ebd. S. 143ff.

4 Vgl. ebd. S.149f.

5 Vgl. BELLAH ET AL. (1996), S. 115. Zitiert nach DOYLE ET AL. (2002), o. S.

6 HURKA (2011), S. 145.

7 Vgl. ebd., S. 142.

8 Vgl. ebd., S. 151.

9 Vgl. ebd., S. 142.

10 Vgl. LEWIS (2002), S. 78f. Zitiert nach DOYLE ET AL. (2002), o. S.

11 Vgl. ebd., S. 149.

12 FRIEDMAN (1989). Zitiert nach BENNETT (2013), o. S.

13 BROAD (1933), zitiert nach HURKA (2011), S. 155 und S. 160.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Liebe und Freundschaft
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V459583
ISBN (eBook)
9783668909229
ISBN (Buch)
9783668909236
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
gemeinsamkeiten, unterschiede, liebe, freundschaft
Arbeit zitieren
Sara Mann (Autor), 2017, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Liebe und Freundschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459583

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