Boris Vian - Der Schaum der Tage


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biographisches
2.1 Die Jugend
2.2 Das Erwachsenenalter

3 Inhaltsangabe
3.1 Die Personen
3.1.1 Colin
3.1.2 Chick
3.1.3 Alise
3.1.4 Chloé
3.2 Das Geschehen
3.2.1 Colin und Chloé
3.2.2 Alise und Chick

4 Parallelen zwischen Leben und Werk

5 Boris Vians Ansichten
5.1 Arbeit
5.2 Partres Vortrag
5.3 Kirche

6 Existenzialismus
6.1 Allgemeine Aussagen
6.2 Schlüsselwörter des Existenzialismus

7 Boris Vian und der Existenzialismus
7.1 Allgemein
7.2 Erfahrung und Engagement
7.3 Glück des Einzelnen
7.4 Krieg

8 Schlussbemerkung

1 Einleitung

Boris Vian war trotz seiner kurzen Lebens- und Schaffenszeit ein besonderer Schriftsteller. Seine faszinierende Sprache ist voller Poesie und Kraft, was auch den Reiz des hier zu behandelnden Werkes „Der Schaum der Tage“ ausmacht. Dieses ist reich an phantasievollen Wortspielen, guten Ideen und Liebe, was nicht gänzlich unbeachtet bleiben soll.

Da diese Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Der französische Existentialismus“ verfasst wird, sind jedoch nicht die wunderbaren sprachlichen Mittel, sondern der Bezug zum Existentialismus Gegenstand der Betrachtung.

Um das Werk möglichst in seiner Gesamtheit vorzustellen, werden nach einem kurzen biographischen Abriss im 3. Kapitel die einzelnen Protagonisten eingeführt, woran anschließend das Geschehen des Romans erläutert wird. Unter Bezugnahme auf das Leben von Boris Vian wird im nächsten Kapitel eine kurze Interpretation des Werkes erfolgen. Des Weiteren soll im letzten Kapitel das Verhältnis Vians zum Existentialismus genauer untersucht werden, da das Hauptaugenmerk der Hausarbeit auf diesem liegt. Um dies in ausreichendem Maße zu gewährleisten, geht dem eine kurze Erläuterung des Existentialismus und dessen Schlüsselbegriffen voraus.

2 Biographisches

Obwohl es unnütz[1] erscheinen mag, soll dennoch auf die Biographie von Boris Vian eingegangen werden. Wie später genauer erläutert wird, sind viele Fakten oder Begebenheiten seines Lebens in das hier vorgestellte Werk eingeflossen, so dass seine Biographie für die Erschließung des Textes nützlich ist.

2.1 Die Jugend

Boris Vian wurde am 10.März 1920 in Ville d’Avray geboren. Sein Vater war Hersteller von Kunstbronzen, musste dieser Tätigkeit jedoch nicht nachkommen, da er aus dem Vermögen seiner Vorfahren schöpfen konnte. Die Eltern von Boris Vian kümmerten sich nicht um Politik und waren sowohl antiklerikal als auch pazifistisch eingestellt. Die Familie lebte abgeschirmt vom Weltgeschehen und genoss das Leben. Die Kinder wurden nicht in einer Grundschule, sondern von einer Privatlehrerin unterrichtet. Ihre Freizeit verbrachten sie größtenteils mit Musizieren, Lesen oder Schachspielen.

1929 aber wurde das Glück der Vians beeinträchtigt. Der Vater verlor einen Großteil seines Geldes während des Börsensturzes, weswegen sich die Familie stark einschränken musste. Die große Villa wurde untervermietet und die Familie zog ins Portierhäuschen. Obwohl sich die finanzielle Lage der Familie weiter verschlechterte, weigerten sich die Eltern zunächst, den Wert des Geldes ebenso wie den von Arbeit als Erwerbsquelle anzuerkennen. Jegliche Schwierigkeiten dieser Zeit wurden jedoch von den Kindern ferngehalten, damit diese ihr unbeschwertes Leben fortführen konnten.

Da Boris ein scheuer und kränkelnder Junge war, wurden während seiner Kindheit penible Vorkehrungen getroffen, um ihn vor Erkrankungen zu schützen. Dies jedoch bewahrte ihn nicht vor einer Herzmuskellähmung in Folge einer schweren Diphtherie. Seit diesem Zeitpunkt, seinem 15. Lebensjahr, wusste er, dass er kaum älter als 40 Jahre werden würde. Die große Sorge seiner Eltern umklammerte ihn derart, dass er später glaubte, zu dieser Zeit nicht wirklich gelebt zu haben, weshalb es seiner Meinung nach einiges nachzuholen galt.

2.2 Das Erwachsenenalter

1939 begann Boris Vian, der sehr begabt war und schon während der Schulzeit ohne jegliche Anstrengung zu den Besten gehörte, ein Ingenieurstudium an der Ecole Centrale. Während des Studiums versuchte er, die Grenzen zwischen Naturwissenschaften und Philosophie sowie zwischen Technik und Kunst zu überwinden, was immer eines seiner Anliegen bleiben sollte.

1941 feierte er Verlobung mit Michelle Léglise, einen Monat darauf heirateten die beiden. 1942 wurde ihr Sohn geboren. Obwohl es dem jungen Ehepaar an Geld und Talent zur Rolle fürsorglicher Eltern fehlte, setzten sie ihr Leben voller Partys, Vergnügen und Spaß einfach fort.

Die Musik gehörte zu den großen Leidenschaften von Boris Vian. 1942 trat er als Trompeter in eine Amateurjazzband ein. Während dieser Zeit machte er Bekanntschaft mit den Existentialisten, deren Treffpunkte die Lokale von Saint-Germain-des-Prés waren, in denen Vian mit der Band auftrat.

In der Zeit von 1942 bis 1944 schrieb er neben seiner Jazz- und Ingenieurtätigkeit auch zwei Romane: „Aufruhr in den Andennen“ und „Drehwurm, Swing und das Plankton“. Auf Grund dieser erhielt er 1945 bei Gallimard einen Autorenvertrag. Obwohl er zwischen 1946 und 1950 mehrere Bücher veröffentlichte und auch zu den Autoren von Sartres Zeitung „Les Temps Modernes“ gehörte, nahm ihn die Öffentlichkeit nur als Trompeter und „Kellerprinz“ wahr. Dies geschah nicht zuletzt aus dem Grund, dass Sartre als König der Pariser Bars und Clubs galt und zu dieser Zeit von den Kritikern als einziger Autor mit Aufmerksamkeit bedacht wurde. Das änderte sich jedoch, als Boris Vian 1946 unter dem Pseudonym Vernon Sullivan den Roman „Ich werde auf eure Gräber spucken“ veröffentlichte. Wegen der darin enthaltenen Themen wie Gewalt, Sex etc. entstand ein Skandal, der dem Verkauf des Buches sehr dienlich war. Im Jahr darauf schrieb er „Der Schaum der Tage“.

1948 musste Vian seine Karriere als Trompeter auf Anraten eines Arztes vorzeitig beenden. Er verlegte sich deswegen auf Präsentationen und Buchkritiken, obwohl ihm der Verzicht auf die Musik sehr schwer fiel. Im selben Jahr wurde Tochter Carole geboren. Dennoch geriet die Ehe mit Michelle 1950 in eine ausweglose Krise, der bald darauf die Trennung und 1952 die Scheidung folgte. 1954 heiratet er Ursula Kübler. Vian sah in ihr die perfekte Frau und schöpfte aus der Ehe neues Selbstvertrauen und künstlerischen Mut. Er arbeitete mit wachsendem Erfolg als Texter sowie Librettist und erhielt bald die Chance, seine Lieder aufzuführen. Nebenbei war er bei der Plattenfirma Fontana als Berater für das Jazzprogramm, Gestalter des Jazzkatalogs und Betreuer des Plattensektors „Variétés“ tätig. Da der geschäftliche Teil seiner Arbeit jedoch immer mehr zunahm, er sich somit kaum noch um die Musik kümmern konnte und die Belastung zu groß wurde, kündigte er 1959. Um seine Gesundheit war es zunehmend schlechter bestellt. Am 23.06.1959 starb Boris Vian bei der Aufführung des Filmes zu „Ich werde auf eure Gräber spucken“, dessen Realisierung er vehement bekämpfte, da seine Vorschläge nicht einbezogen wurden.

3 Inhaltsangabe

3.1 Die Personen

3.1.1 Colin

Colin ist ein zweiundzwanzigjähriger Junggeselle mit einem Vermögen, das ihm ein gutes Auskommen sichert. Sein Aussehen wird wie folgt beschrieben:

„Sein Kopf war rund, seine Ohren klein, seine Nase gerade, und sein Teint schimmerte golden. Er lächelte oft wie ein kleines Kind, so daß sich auf Dauer ein Grübchen in seinem Kinn gebildet hatte. Seine Beine waren lang, er war ziemlich groß, schlank und sehr liebenswürdig. Der Name Colin paßte einigermaßen zu ihm. Er sprach sanft mit den Mädchen und fröhlich mit den Männern. Er war fast immer bester Laune, die übrige Zeit schlief er.“[2]

„Er war so fein, daß man seine blauen und malvenfarbenen Gedanken in den Adern seiner Hände kreisen sah.“[3]

Wie zu erkennen ist, führt Colin ein angenehmes Leben. Er muss sich um nichts sorgen und schon gar nicht arbeiten. Um ein wenig von seinem Glück abzugeben, lädt er seinen Freund Chick häufig zum Essen ein, damit sich dieser ebenso wie er an den raffinierten Kompositionen seines Koches Nicolas erfreuen kann.

Mit diesem Koch und den kleinen Mäusen, die zur Musik der Sonnenstrahlen tanzen, wenn diese auf die goldenen Wasserhähne prallen, teilt sich Colin seine wunderschöne Wohnung und genießt das Leben in vollen Zügen. Dazu trägt auch das von ihm erfundene Pianocktail bei. Es wandelt Töne, bevorzugt aus Jazzstücken, in Einheiten um, aus denen dann ein Cocktail gemixt wird. Eine wohltuende Annehmlichkeit.

Eines Tages aber gerät seine beschauliche Welt aus dem Gleichgewicht.

3.1.2 Chick

„Chick war Junggeselle wie Colin, genauso alt wie dieser, zweiundzwanzig Jahre, und er hatte die gleichen literarischen Vorlieben, aber weniger Geld. [...] Chick hingegen mußte alle acht Tage seinen Onkel im Ministerium aufsuchen und Geld von ihm leihen, denn was ihm seine Stellung als Ingenieur einbrachte, reichte nicht für einen Lebensstandard wie den der Arbeiter, deren Vorgesetzter er war. Und es ist schwierig, jemandem Anweisungen zu geben, der besser angezogen und besser ernährt ist als man selbst.“[4]

Obwohl es um sein finanzielles Auskommen nicht gut bestellt ist, gibt Chick beinahe sein ganzes Geld für die Werke Jean-Sol Partres aus, dessen glühender Verehrer er ist. Diese Vorliebe geht sogar soweit, dass er alle Werke Partres besitzen muss, was im Verlauf der Geschichte noch schlimme Folgen hat. Doch zunächst ergibt sich eine erfreuliche Wendung in seinem Leben, denn er lernt bei einem Vortrag Partres die schöne Alise kennen.

3.1.3 Alise

Sie hat

„[...] ungewöhnlich helles blondes Haar. Zum Sehen benutzte sie große blaue Augen, und ihr Körper war mit einer frischen goldbraunen Haut überzogen. Sie hatte wohlgeformte Arme und Beine, war schlank gewachsen und verfügte über einen tadellos proportionierten Busen, daß man ihn für eine Photographie hätte halten können.“[5]

Ebenso wie Chick ist sie zu Beginn der Geschichte eine große Anhängerin von Jean-Sol Partre. Bei einem Vortrag von ihm lernt sie unter einem Podium liegend Chick kennen und lieben. Damit beginnt die tragisch endende Geschichte der beiden, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit eingehend erläutert wird.

3.1.4 Chloé

Als Letzte tritt Chloé in das Geschehen der Geschichte ein.

„Sie hatte rote Lippen und (glänzende, lockige) braune Haare, sie sah glücklich aus, und das lag nicht an ihrem Kleid.“[6]

Ihre Schönheit ist ebenso harmonisch wie ein Arrangement von Duke Ellington, so dass Colin kurz nach der ersten Begegnung mit ihr nur noch an sie denken kann und sich entschließt, sein Leben mit ihr verbringen zu wollen.

3.2 Das Geschehen

3.2.1 Colin und Chloé

Wie in der Vorstellung von Colin bereits erwähnt, kommt es in der Geschichte zu einem Ereignis, welches sein Leben gehörig durcheinanderbringt. Eines Tages lernt er beim Schlittschuhlaufen Chicks neue Freundin Alise kennen und es ist sofort um ihn geschehen. Obwohl er schnellstens in eine andere Richtung blickt, um sein Gleichgewicht wiederzufinden, brennt sich ihr Bild in ihn ein. Die Tage darauf denkt er häufig an Alise. Da sein Freund Chick jedoch die älteren Rechte hat, beschließt er, diese Gedanken zu unterbinden und sich auf die Suche nach der Liebe zu machen, nach der er eine immer größer werdende Sehnsucht verspürt: „Was meinen sie, werde ich heute wohl eine verwandte Seele finden?“[7] Und tatsächlich: schon nach wenigen Tagen ist ihm das Glück hold. Bei einer Geburtstagsparty für den Pudel einer Freundin lernt er Chloé kennen, tanzt mit ihr und schon sind die beiden verliebt. Leider jedoch versäumte es Colin, Chloé einzuladen oder um ein nächstes Treffen zu bitten. Deswegen befällt ihn beim Gedanken, sie nicht wiedersehen zu können, große Traurigkeit. Zu seiner Erleichterung findet er aber bei einem neuerlichen Essen mit Chick in seinem Kuchen einen Zettel, auf dem Datum und Uhrzeit eines Rendezvous mit Chloé steht. Das darauffolgende Treffen scheint das Glück der beiden Liebenden endgültig zu besiegeln. Kaum einen Monat später beschließen sie zu heiraten, da Colin nie mehr ohne Chloé sein möchte:

[...]


[1] Vgl. Klaus Völker: Boris Vian – Der Prinz von Saint-Germain, S. 19 - 119

[2] Boris Vian: Der Schaum der Tage, S. 12

[3] ebenda: S. 80

[4] Boris Vian: Der Schaum der Tage, S. 13

[5] ebenda: S. 31

[6] Boris Vian: Der Schaum der Tage, S. 59

[7] ebenda: S. 47

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Boris Vian - Der Schaum der Tage
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V45960
ISBN (eBook)
9783638432627
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Rahmen des Seminars zum französischen Existentialismus.
Schlagworte
Boris, Vian, Schaum, Tage
Arbeit zitieren
Antje Siebert (Autor), 2003, Boris Vian - Der Schaum der Tage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45960

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