Die Rolle des Umweltbewusstseins und der Förderung für eine nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung in Ostelbien


Diplomarbeit, 2009

112 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Untersuchungsmethodik
2.1 Die sekundärstatistische Analyse
2.2 Die schriftliche Befragung
2.2.1 Die Befragung der Landwirte
2.2.2 Die Befragung der Auszubildenden
2.3 Das leitfadengestützte Experteninterview

3 Umweltbewusstsein, Umweltpolitik und Nachhaltigkeit
3.1 Umweltbewusstsein
3.1.1 Die Entwicklung des Umweltbewusstseins
3.1.2 Diskrepanzen zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln
3.1.3 Umweltbildung und Umweltwissen
3.1.4 Umweltbewusstsein und Umweltverhalten von Landwirten
3.2 Umweltpolitik
3.2.1 Umweltpolitik der europäischen Union
3.2.2 Entwicklung der Umweltpolitik in Deutschland
3.2.3 Umweltpolitik auf kommunaler Ebene
3.3 Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung
3.3.1 Die Agenda
3.3.2 Nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung

4 Instrumente zur Beförderung von Umwelt-und Naturschutz und Nachhaltigkeit
4.1 Die gemeinsame Agrarpolitik der EU
4.1.1 Geschichte der gemeinsamen Agrarpolitik
4.1.2 Die Agenda 2000
4.1.2.1 Die Agenda 2000 Reformen für die Landwirtschaft
4.1.2.2 Die Agenda 2000 Reformen für die ländlichen Räume
4.2 Die Förderperiode 2000-2006
4.2.1 Förderprogramme für die Landwirtschaft
4.2.2 Förderung der umweltgerechten Landwirtschaft
4.2.3 Förderprogramme für den ländlichen Raum
4.3 Die Förderperiode 2007-2013

5 Der Untersuchungsraum – die Region Ostelbien
5.1 Eignung als Untersuchungsgebiet
5.2 Lage der Region
5.3 Geschichte
5.4 Bevölkerung und Demografie
5.5 Wirtschaft
5.5.1 soziale Infrastruktur und Arbeit
5.5.2 Landwirtschaft
5.6 Institutionen und Akteure
5.6.1 Der Ostelbienverein
5.6.2 Der Landschaftspflegeverband
5.6.3 Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
(Außenstelle Mockrehna)
5.6.3.1 Das Lehr- und Versuchsgut Köllitsch
5.6.4 Der Kreisbauernverband
5.6.5 Die Flussmeisterei Torgau

6 Ergebnisse: nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung in Ostelbien
6.1 Die Landwirtschaft
6.1.1 Charakteristik der Befragten Unternehmen
6.1.2 Der Einsatz von Fördermaßnahmen in der Förderperiode 2000 – 2006
6.1.3 Förderung der umweltgerechten Landbewirtschaftung
6.1.4 Weitere Förderprogramme
6.1.5 Fördermaßnahmen in der Förderperiode 2007 – 2013
6.1.6 Ökologischer Landbau
6.1.7 Umweltwissen und Umweltbildung in den Unternehmen
6.1.8 Landwirtschaft und Tourismus
6.1.9 Bewertung der Aussagen durch die Experten
6.1.10 Zwischenfazit
6.2 Umweltbewusstsein und Umweltbildung der Auszubildenden
6.2.1 Umweltwissen der Auszubildenden
6.2.2 Umweltbildung der Auszubildenden
6.2.3 Einschätzungen zur Bedeutung von umweltgerechter und nachhaltiger
Landwirtschaft
6.2.4 Expertenmeinung
6.2.5 Zwischenfazit
6.3 Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Gemeinden
6.3.1 Gemeinde Arzberg
6.3.2 Gemeinde Beilrode
6.3.3 Gemeinde Großtreben – Zwethau
6.3.4 Zwischenfazit
6.4 Bewertung nachhaltiger Landnutzung und Landwirtschaft durch die Experten
6.4.1 Ostelbienverein
6.4.2 Landschaftspflegeverband
6.4.3 Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Außenstelle Mockrehna)
6.4.4 Kreisbauernverband
6.4.5 Flussmeisterei Torgau
6.4.6 Zwischenfazit

7 Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen
7.1 D i e Landwirte
7.2 D i e Auszubildenden
7.3 D i e Gemeinden
7.4 D i e Institutionen
7.5 Konfliktpotentiale

8 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: wesentliche Beziehungen zwischen den Befragten Akteuren

Abb. 2: Dimensionen und Strategien der Nachhaltigkeit

Abb. 3: Die Region Ostelbien mit Ortschaften

Abb. 4: Vergleich der Betriebsgrößenklassen

Abb. 5: Häufigkeit der gehaltenen Tierarten

Abb. 6: Einschätzung der Wirkung der Maßnahme

Abb. 7: Bedeutung von Maßnahmen der umweltgerechten Landwirtschaft

Abb. 8: Nutzung des Programmes extensive Grünlandwirtschaft

Abb. 9: Bedeutung der nachhaltigen Landwirtschaft für das Unternehmen

Abb. 10: Bedeutungszumessung für den Ökolandbau

Abb. 11: Reaktionen der Gesellschaft auf das Bemühen der Landwirtschaft zu umweltgerechter Produktion

Abb. 12: Einschätzung des Kenntnisstandes landwirtschaftlicher Unternehmen Zu Fragen der umweltgerechten Landwirtschaft

Abb. 13: Selbsteinschätzung des Kenntnisstandes zu Fördermöglichkeiten

Abb. 14: Sind folgende Aspekte Teil ihrer Ausbildung?

Abb. 15: Welche Bedeutung haben ihrer Meinung nach Maßnahmen für eine umweltgerechte/ nachhaltige Landwirtschaft?

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Zielregionen in der Agenda 2000

Tab. 2: Ausgestaltung der Strukturfondsförderung in Sachsen (2000-2006)

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit leistet einen Beitrag zu einer Studie des Leibniz Institutes für Länderkunde Leipzig (IfL), die im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)1 durchgeführt wird. Das Ziel der Studie ist es die „Bedeutung von Umweltbildung und Umweltbewusstsein regionaler Akteure für die nachhaltige Landnutzung und Landwirtschaft“ zu ergründen, den aktuellen Entwicklungsstand abzubilden und daraus Handlungserfordernisse abzuleiten. Dies geschieht vor dem Hintergrund „dass es Gegenwärtig zwar zahlreiche Projekte theoretischer und auch angewandter Natur gibt, die sich mit Fragen der umweltgerechten und nachhaltigen Landnutzung befassen und überwiegend in naturwissenschaftliche Fragestellungen eingeordnet sind. Aber dennoch die Frage, wie die Akteure in Landwirtschaft und ländlichen Raum damit umgehen, welche Konsequenzen sich für sie und ihre tägliche Arbeit ergeben und wie nachhaltig sie selbst Projektempfehlungen umsetzen können bzw. wollen, bis jetzt weitgehend unbeantwortet ist“. Durch eine vergleichende Analyse zweier Fallstudien (Kaliningrad und Ostelbien) soll hier Abhilfe geschaffen werden.

Die Basis des Projektes bildet die Darstellung der Ausgangssituation in der Landwirtschaft der jeweiligen Gebiete im Hinblick auf:

- Unternehmensstrukturen sowie
- realisierte Projekte und genutzte Fördermöglichkeiten mit Bezug zu umweltgerechter und nachhaltiger Landwirtschaft/ Landnutzung.

Des Weiteren ist der Kenntnisstand von Schülern, Landwirten, Studierenden, Lehrenden und Entscheidungsträgern in der Landwirtschaft im Bezug auf regionale Umweltprojekte und Schutzgebiete sowie relevante Verordnungen und Gesetzgebungen von Interesse. Die Befragung der Akteure geschieht dabei immer vor dem Hintergrund, die Nachhaltigkeit der betreffenden Projekte, sowie die Bedeutung der Umweltbildung und die Rolle der Förderpolitik bei der Umsetzung dieser, zu hinterfragen. Auf Grundlage der gewonnenen Kenntnisse aus der vergleichenden Untersuchung werden anschließend Problemlagen und Schlussfolgerungen für die zukünftige Umweltpolitik abgeleitet (vgl. IFL-Projektbeschreibung)

Zielstellungen der Arbeit

Als ein Teilaspekt der eben erwähnten DBU-Studie verfolgt diese Arbeit das Ziel, die Bedeutung von Umweltbewusstsein und Förderprogrammen für die Umsetzung einer nachhaltigen Landnutzung und Landwirtschaft in der Region Ostelbien zu erforschen. Anhand der Befragung regionaler Akteure aus Landwirtschaft, Politik, Wissenschaft und Auszubildenden zu den Themen Umweltbewusstsein, nachhaltige und umweltgerechte Landwirtschaft und Landnutzung (Fördermittelnutzung) sowie Umweltbildung sollen dabei im Wesentlichen folgende Forschungsfragen beantwortet werden:

1. Wie handeln die Landwirte in Bezug auf nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung, werden die vorhandenen Fördermöglichkeiten genutzt bzw. wirken sie nachhaltig, welche Rolle spielt dabei das Umweltbewusstsein und die Umweltbildung?
2. Wie handeln die Gemeinden in Bezug auf nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung, welche Prioritäten setzen sie, welche Projekte führen sie in dieser Hinsicht durch?
3. Welche Einfluss haben „externe“ Institutionen (Regionalmanagement, Hochwasserschutzbehörde, Landesämter, Bauernverbände, Landschaftspflegeverbände) auf eine nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung?
4. Wie ist der Kenntnisstand der Auszubildenden in der Landwirtschaft zu diesen Themen?
5. Entstehen Konflikte zwischen den einzelnen Akteuren besonders in Bezug auf Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und Hochwasserschutz?

Die Aussagen der jeweiligen Akteure sollen dabei verglichen werden, um so unterschiedliche Sichtweisen, Interessenslagen und Konfliktpotentiale herausfiltern und Handlungsempfehlungen ableiten zu können.

Herangehensweise und Umsetzung der Arbeit

Um sich der Thematik der Arbeit zu nähern, erfolgte zunächst eine umfassende Literaturrecherche in den betreffenden Bereichen, in deren Nachgang die Fragebögen für die einzelnen Institutionen konzipiert wurden. Die Befragungen der unterschiedlichen Akteure wurden im Frühjahr 2009 bei mehreren Aufenthalten in der Untersuchungsregion (Ostelbien) durchgeführt. Nach der statistischen Auswertung der gewonnenen Daten erfolgte die nun vorliegende Verschriftlichung dieser. Die Arbeit gliedert sich in vier wesentliche Abschnitte.

1. In einem einleitenden Teil (Kap.1 und 2) wird die Thematik der Arbeit kurz umrissen, die Zielstellungen festgelegt und die Methodik erläutert.
2. Die darauf folgenden Abschnitte (Kap.3-5) sollen es dem Leser ermöglichen einen Einblick in für die Arbeit relevante gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen zu erhalten und somit zum besseren Verständnis der Thematik beitragen. Zudem wird die Untersuchungsregion mit ihren Besonderheiten genauer vorgestellt.
3. Der anschließende Abschnitt (Kap.6) bildet den eigentlichen Hauptteil der Diplomarbeit. In diesem Teil erfolgt die Auswertung der empirisch gewonnenen Daten. Vor dem Hintergrund nachhaltiger Landnutzung und Landwirtschaft soll zunächst genauer auf die Lage der Landwirte eingegangen werden, gefolgt von der Situation der Auszubildenden und einer Analyse der ostelbischen Gemeinden. Abschließend erfolgt die Bewertung nachhaltiger Landnutzung und Landwirtschaft durch die Experten aus den Institutionen.
4. Der abschließende Abschnitt (Kap.7) enthält eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse, bewertet diese und versucht, daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.

2 Die Untersuchungsmethodik

Die Untersuchungsmethodik der Arbeit stützt sich im Wesentlichen auf drei empirische Methoden:

1. Die Charakterisierung der Untersuchungsregion und ländlicher Räume im Allgemeinen sowie die Einordnung des Themas in den aktuellen gesellschaftlichen Kontext, hinsichtlich Nachhaltigkeitsdebatten und der Entwicklung von Umweltbewusstsein, erfolgten mittels einer sekundärstatistischen Analyse.
2. Bei der Untersuchung der regionalen Akteure kamen standardisierte schriftliche Befragungen und schließlich
3. leitfadengestützte Experteninterviews zum Einsatz.

Damit verbindet die Untersuchung sowohl qualitative als auch quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung. Diese seit den 1970 Jahren in der Sozialforschung immer häufiger verwendete Art des Forschungsdesigns wird in der Literatur als Methodenintegration oder Methodenmix bezeichnet. Vielen Autoren zufolge besteht der entscheidende Vorteil der Verknüpfung dieser beiden Vorgehensweisen darin, dass auf diese Weise die Schwächen der einen Tradition durch die Stärken der jeweils Anderen ausgeglichen werden können (vgl. KELLE 2007, S.47). Für die vorliegende Arbeit bedeutet dies, dass der recht eingeschränkte Informationsgewinn, in Bezug auf die abgefragten Themen, durch qualitative Experteninterviews entscheidend erweitert werden kann.

Im Folgenden sollen die verwendeten Untersuchungsmethoden genauer vorgestellt und deren Wahl begründet werden.

2.1 Die sekundärstatistische Analyse

Um einen Überblick über die Untersuchungsregion zu erhalten und die Experten bereits mit aktuellen Prozessen in der Region konfrontieren zu können, erfolgte eine Analyse von statistischen Daten des sächsischen Landesamtes für Statistik. Des Weiteren konnten über die Datenbanken und Veröffentlichungen der Europäischen Union und des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) Erkenntnisse zu Förderkullisse und aktuellen Projekten mit Umweltbezug gewonnen werden. Durch Analyse wissenschaftlicher Veröffentlichungen zu Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein wird die Arbeit in den gesamtgesellschaftlichen Kontext eingeordnet.

2.2 Die schriftliche Befragung

Laut Diekmann ist die Methode der Befragung, zur Erforschung von Einstellungen und Meinungen, der für die Untersuchung relevanten Akteure unverzichtbar (vgl. DIEKMANN 2002, S.371). Die Untersuchung der landwirtschaftlichen Betriebe und der Auszubildenden erfolgte daher mittels standardisiertem Fragebogen. Die darin gestellten Fragen waren hauptsächlich als geschlossene Fragen formuliert und gaben Antwortkategorien bereits vor. Gründe hierfür sind vor allem, dass „geschlossenen Fragen eine größere Einheitlichkeit der Antworten mit sich bringen und dadurch die Vergleichbarkeit erhöhen“ (vgl. ATTESLANDER 2008, S.139). Das Problem geschlossener Fragen, „keine Informationen außerhalb des Spektrums der Antwortkategorien zu erhalten“ (vgl. DIEKMANN 2002, S.374), wurde durch die Formulierung einiger Hybridfragen versucht zu umgehen. Hybridfragen bezogen sich zu einem großen Teil auf die Bitte nach der Begründung einer vorher gegebenen Antwort und dienen damit einem erweiterten Erkenntnissinteresse.

2.2.1 Die Befragung der Landwirte

Die Auswahl der Landwirte als Interviewpartner erfolgte aus zwei Gründen: Zum einen sind diese Adressaten für die Förderaktivitäten der Europäischen Union und zum anderen Gestalter der Umwelt und Kulturlandschaft im ländlichen Raum. Damit stehen sie im Zentrum des Forschungsinteresses dieser Arbeit.

In der Region Ostelbien konnten 18 Landwirte und Geschäftsführer größerer landwirtschaftlicher Unternehmen befragt werden. Fünf weitere Landwirte gaben an nicht an der Befragung teilnehmen zu wollen. Laut Auskunft des Landesamtes für Umwelt und Landwirtschaft in Sachsen finden sich auf dem Gebiet Ostelbiens 34 landwirtschaftliche Betriebe, allerdings werden dort auch Unternehmen, welche nicht aus der Region stammen und über Land verfügen, erfasst. Die genaue Zahl der in Ostelbien ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht verfügbar, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass für die Untersuchung ein Großteil der Landwirte befragt werden konnte. Unter anderem wurde dies durch die befragten Experten bestätigt. Da eine Grundgesamtheit daher nicht verfügbar war, wurden die Befragten der Stichprobe bei mehrfachen Aufenthalten in der Untersuchungsregion willkürlich ausgewählt. Der Fragebogen umfasst insgesamt 52 Fragen und gliedert sich in drei Themenkomplexe. Diese Stimmen im Wesentlichen mit den Forschungsthemen der Arbeit überein.

1. Im ersten Themenkomplex wurden allgemeine Daten zu den Unternehmen wie Betriebsgröße, Mitarbeiterzahlen, Betriebsform, Art der bewirtschafteten Flächen, Bestand an Tieren und das Alter des Betriebes abgefragt.
2. Der zweite Themenkomplex fokussiert umweltbezogene Fördermaßnahmen, die in der Förderperiode 2000-2006 durchgeführt wurden und deren entsprechende Charakteristika.
3. Im abschließenden dritten Themenkomplex des Fragebogens liegt der Schwerpunkt auf den Bedeutungszuschreibungen der befragten Landwirte zu den Themen Umwelt- und Naturschutz, sowie deren Kenntnistand in umweltrelevanten Belangen.

Die Befragung erfolgte entweder im Beisein des Forschenden mit den Landwirten, direkt vor Ort (elf Fragebögen) oder der Fragebogen wurde abgegeben und zu einem späteren Zeitpunkt abgeholt, so dass der Befragte die Antworten in Eigenregie auszufüllen hatte (sieben Fragebögen). Diese Unterscheidung wurde aufgrund des geringen Zeitbudgets einiger Befragter nötig. Im ersten Fall kann davon ausgegangen werden das der Fragende keinen Einfluss auf die Antworten der zu befragenden ausübte.

2.2.2 Die Befragung der Auszubildenden

Bei den befragten Auszubildenden handelt es sich um angehende Landwirte, aus dem ersten bis dritten Lehrjahr. Sie sind für die Untersuchung maßgeblich, da sie zukünftig die Kulturlandschaft und die Umwelt prägen werden. Auch sind die Auszubildenden die Adressaten wenn es um die Vermittlung von Umweltwissen und Nachhaltigkeitsgedanken geht. Die Befragung der Auszubildenden wurde am Lehr- und Versuchsgut Köllitsch durchgeführt. Im Rahmen der Befragung konnten 54 Auszubildende aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen befragt werden, die zum Zeitpunkt der Befragung zur Ausbildung am Lehr- und Versuchsgut weilten. Bei einer Grundgesamtheit von 238 Auszubildenden beträgt der Stichprobenumfang somit etwas weniger als 25%. Anzumerken ist, dass aufgrund der Ausgestaltung der überbetrieblichen Ausbildung zu keinem Zeitpunkt alle 238 Auszubildenden gleichzeitig am Lehr- und Versuchsgut anwesend sind.

Der Fragebogen für die Auszubildenden umfasste 13 Fragen und orientierte sich in der Gestaltung der Fragen ebenfalls an den Forschungsschwerpunkten der Arbeit. Abgefragt wurden:

1. Kenntnisse bezüglich umweltgerechter und nachhaltiger Landwirtschaft
2. Aspekte der Lehre sowie
3. persönliche Einschätzungen zur Bedeutung von umweltgerechter und nachhaltiger Landwirtschaft.

Die Auszubildenden erhielten die Fragebögen von einem ihrer Ausbilder und wurden gebeten diese selbständig auszufüllen.

2.3 Das leitfadengestützte Experteninterview

Zusätzlich zu den im vorhergehenden Abschnitt beschriebenen quantitative Befragungen stützt sich die vorliegende Arbeit im empirischen Bereich, auf qualitative, leitfadengestützte Experteninterviews. Laut MEUSER und NAGEL wird als Experte angesprochen:

- wer in irgendeiner Weise Verantwortung trägt für den Entwurf, die Implementierung oder die Kontrolle einer Problemlösung oder
- wer über eine privilegierten Zugang zu Personengruppen oder Entscheidungsprozesse verfügt (vgl. MEUSER UND NAGEL 2005, S.73).

Die hier befragten Experten zeichnen sich durch die im zweiten Punkt genannten Eigenschaften aus und kommen aus den Bereichen Politik (Bürgermeister/ LfULG), Naturschutz, Landschaftspflege, Regionalmanagement, Hochwasserschutz und Ausbildung. Sie alle bringen spezifisches Wissen aus ihrem jeweiligen Arbeitsfeld mit und können so einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung der während der quantitativen Untersuchung gewonnen Erkenntnisse leisten.

Die Entscheidungsträger aus Politik und Regionalmanagement sind als Experten zu Fragen des aktuellen Entwicklungstandes und zukünftigen Perspektiven in der Untersuchungsregion zu sehen. Weiterhin können sie Erkenntnisse zu Umweltprojekten, der Ausrichtung ihrer Politik (Bürgermeister) bezüglich Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie im speziellen Fall des Regionalmanagements, zu Fördermaßnahmen der europäischen Union liefern.

Die Befragung der Experten für Ausbildung, Politik (LfULG), Naturschutz und Landschaftspflege diente dazu, die Aussagen der Landwirte bzw. Auszubildenden beurteilen zu lassen, um nicht ein zu einseitiges Meinungsbild zu erhalten.

Da Hochwasserschutz eine elementare Rolle, nicht nur für die Landwirte der Region spielt, wurde auch in diesem Bereich eine Expertenmeinung eingeholt 2.

Im Kern enthalten sämtliche Leitfäden offene Fragen zu den Themen Hochwasserschutz, Tourismus sowie Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Diese drei Kernthemen wurden um Fragen, je nach Spezialgebiet des Experten, erweitert. So wurden die befragten Bürgermeister einleitend mit statistischen Daten zu ihrer jeweiligen Gemeinde konfrontiert.

Eine Ausnahme bildete das Interview mit dem Experten des Hochwasserschutzes, welches nahezu ohne die Beschränkungen eines Leitfadens geführt wurde 3.

Auf diese Weise konnten insgesamt elf Experten interviewt werden, wobei zu beachten ist, dass in zwei Fällen jeweils zwei Experten gleichzeitig am Gespräch teilnahmen 4. Die Dauer der Interviews variierte zwischen 24 und 56 Minuten was sich hauptsächlich auf die Ausführlichkeit, mit der die Fragen beantwortet wurden, zurückführen lässt.

Die Interviews wurden mit einem Tonbandgerät, nach Zustimmung der jeweiligen Experten, aufgenommen und im Nachgang transkribiert. Als Methode wurde das „zusammenfassende Protokoll“ gewählt, somit die Datenfülle bereits reduziert und dabei ein erster Schritt in Richtung Dateninterpretation vorgenommen. (REDEPENNING 2006). Abbildung 1 zeigt die wesentlichen Beziehungen in denen die Befragten zueinander stehen.

Abbildung 1: wesentliche Beziehungen zwischen den befragten Akteuren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigener Entwurf (LVG= Lehr und Versuchsgut Köllitsch; KBV = Kreisbauernverband; FM= Flussmeisterei; OEV= Ostelbienverein; LPV= Landschaftspflegeverband; LfLUG = Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie)

3 Umweltbewusstsein, Umweltpolitik und Nachhaltigkeit

Im folgenden Abschnitt sollen die zentralen Begriffe der Arbeit genauer erläutert werden. Des Weiteren wird ein Einblick in die gesellschaftspolitischen Prozesse und Entwicklungen gegeben, welche Auswirkungen auf die in der Arbeit behandelten Problemstellungen haben.

3.1 Umweltbewusstsein

Laut WULFMEYER ist „Umweltbewusstsein ein mehrdimensionales Konstrukt das sich monokausalen Erklärungen versperrt“ (vgl. WULFMEYER 2002, S. 266). Durch den Rat von Sachverständigen in Umweltfragen wurde es 1978 als „die Einsicht in die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlage der Menschen durch diese selbst, mit der Bereitschaft zur Abhilfe“ definiert. Umweltbewusstsein setzt sich aus den Komponenten Umweltwissen, Umwelteinstellung, Umweltverhalten und Verhaltensintentionen zusammen. KUCKARTZ (2008, S.4) definiert diese Komponenten wie folgt:

- U mw eltwissen: beschreibt den Kenntnis- und Informationsstand einer Person über Umwelt und Natur sowie über Trends in ökologischen Aufmerksamkeitsfeldern.
- U mw elteinstellungen: sind neben Einstellungen zu Fragen des Umweltschutzes auch Ängste, Empörung, Zorn und Betroffenheit sowie persönliche Grundorientierungen und auf Umwelt bezogene Werthaltungen.
- U mw eltverhalten: ist als das individuelle Verhalten in relevanten Alltagssituationen zu verstehen.
- Davon zu unterscheiden sind Handlungsbereitschaft und Verhaltensintensionen: als Bekundungen eines Individuums sich in Zukunft so und nicht anders verhalten zu wollen.

Während der wissenschaftliche Begriff Umweltbewusstsein sich auf jede der genannten Komponenten gleichermaßen bezieht, unterscheidet die Politik lediglich zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten. Damit erfolgt eine Unterscheidung zwischen Wissen, Einstellungen und Verhaltensintentionen einerseits und dem tatsächlichen Umwelthandeln auf der anderen Seite (vgl. KUCKARTZ 2008, S.5). Das Umwelthandeln ist dabei in komplexe individuelle und soziale Prozesse eingebunden, die insgesamt das Umweltbewusstsein ausmachen. Die Umweltbewusstseinsforschung ist der Kern der Umweltbildungsforschung, welche sich zum Ziel gesetzt hat, kognitive Faktoren für ein umweltgerechtes Handeln zu identifizieren (vgl. WULFMEYER 2002, S. 266).

3.1.1 Die Entwicklung des Umweltbewusstseins

Seit Anfang der 70er Jahre finden Umweltbewusstsein, Umwelthandeln und auch Umweltbildung verstärkt Beachtung in der Gesellschaft und auch in der Politik. Dies lässt sich vor allem auf die verstärkte Wahrnehmung von Umweltproblemen und die beginnende Umweltpolitik einzelner Staaten, bereits in den 60er Jahren, zurückführen (siehe Abschnitt 3.2.1). Eine große Rolle dabei spielten wissenschaftliche Studien und kritische Expertenstimmen, die auf die Risiken des ungebremsten Wachstums hindeuteten und teilweise zu Protestbewegungen führten.5 Besondere Breitenwirkung und Aufmerksamkeit erzielte die Studie von MEADOWS und MEADOWS, im Auftrag des Club of Rome „The Limits of Growth“6 aus dem Jahre 1972, welche eine öffentliche Diskussion über die Zukunftschancen von Mensch und Natur auslöste. Weitere Studien belegten die fortschreitenden Eingriffe der Menschheit in die Funktionsweisen der globalen Ökosysteme und den Fakt das diese anders als bisher angenommen, nicht zeitlich begrenzt sind, sondern eine lang anhaltende Wirkung entfalten. Auch die stärkere Thematisierung von umweltrelevanten Themen durch die Medien trug zu einem gesteigerten öffentlichen Bewusstsein, für diese Probleme, bei (vgl. ERDMANN 2004, S.9). Erstmals wird deutlich, dass das gegenwärtige gesellschaftliche Handeln nicht nur Auswirkungen auf die Umwelt und die zu dieser Zeit lebenden Generationen hat, sondern gleichzeitig auch die Handlungsoptionen zukünftiger Generationen stark beeinflusst bzw. einschränkt. Damit werden traditionelle Lösungsansätze für Umweltprobleme obsolet. Obwohl es zu dieser Zeit bereits zahlreiche Umweltprojekte gab, scheiterten diese doch all zu oft am mangelnden Verständnis komplexer Zusammenhänge und am fehlenden Wissen über umweltrelevante sowie gesellschaftliche Strukturen und Prozesse. Als Schlussfolgerung aus diesem Dilemma begann die Wissenschaft ökologische Fragestellungen in zunehmendem Maße mit sozialen und ökonomischen Fragestellungen zu verknüpfen und der Mensch wurde erstmals als „umweltbeeinflussendes Wesen“ in die Betrachtungen einbezogen. Das 1970 aufgelegte UNESCO- Programm „der Mensch und die Biosphäre-MAB“ trägt dem zum ersten Mal Rechnung indem sozial-, wirtschafts- und naturwissenschaftliche Aspekte verknüpft werden. Zudem postuliert es erstmals das Konzept der Nachhaltigkeit auf das im Folgenden noch genauer eingegangen werden soll (vgl. ERDMANN 2004, S.10).

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit stellt die Konferenz von Rio de Janeiro 1992 dar. Seit diesem Datum steht nicht nur nachhaltige Regionalentwicklung im Zentrum der internationalen Politik sondern wurde Umweltbewusstsein und Umwelthandeln in den Regionen verankert (vgl. ERDMANN 2004 S.9). Die Konferenz von Rio de Janeiro wird in Unterpunkt 3.3 genauer thematisiert.

3.1.2 Diskrepanzen zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln

Trotz der im vorherigen Abschnitt beschriebenen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen im Hinblick auf das Umweltbewusstsein fördern viele empirische Studien immer wieder eine Kluft zwischen dem Umweltbewusstsein und dem tatsächlichen Umwelthandeln der Menschen zu Tage (vgl. DIEKMANN 2001, 114). Eine einheitliche Theorie die dieses Phänomen hinreichend erklärt konnte bislang nicht gefunden werden. Es gibt jedoch einige Modelle die zu mindestens Teilaspekte dessen besser verstehen lassen. Unter ihnen findet sich die Low-Cost-Hypothese von DIEKMANN und PREISENDÖRFER aus dem Jahre 1992 welche besagt:

das Umwelteinstellungen und Umweltverhalten am ehesten und bevorzugt in Situationen beeinflussen, die mit geringen Kosten bzw. Verhaltensanforderungen verknüpft sind. Je geringer der Kostendruck in einer Situation, desto leichter fällt es den Akteuren, ihre Umwelteinstellungen auch in ein entsprechendes Verhalten umzusetzen“ (DIEKMANN 2001, S.117) .

Auch Kosten-, Nutzen- Theorien versuchen dieses Phänomen zu beschreiben. Beispielhaft dafür steht der verstärkte Kauf von konventionell erzeugten landwirtschaftlichen Produkten gegenüber biologisch erzeugten Produkten. In vielen Alltagsituationen ist es aber oftmals einfach nur die Gewohnheit, der persönliche Lebensstil, das Streben nach Wohlbefinden, die Routinisierung des Alltagshandelns und ein Dilemma zwischen Normen und persönlichen Interessen welche die Menschen zu nicht umweltgerechtem Handeln treibt. Daraus ergibt sich für die Umweltpolitik die Notwendigkeit die einzelnen Verhaltensbereiche und Verhaltensweisen genau zu betrachten, um Hemmnisse und fördernde Faktoren für umweltgerechtes Verhalten herauszufiltern (vgl. KUCKARTZ 2008, S.6f).

3.1.3 Umweltbildung und Umweltwissen

Die Umweltbildungsforschung hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen und stellt sich heutzutage folgenden Aufgaben:

- Den Status quo zu beobachten zu analysieren und zu evaluieren
- Theorien aus der Praxis abzuleiten und gleichzeitig neue Theorien zu entwickeln
- Und schließlich neue Methoden zur Erforschung von Umweltbildung bzw. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zu generieren (vgl. MICHELSEN 2002, S.8).

Obwohl keine einheitliche Definition von Umweltbildung existiert steht in ihrem Kern die Vermittlung von umweltbezogenem Wissen. Verantwortliches Handeln gegenüber Natur und Umwelt setzt Erdmann zufolge voraus, das jeder einzelne über die Konsequenzen seines Handelns im privaten sowie im gesellschaftlichen Rahmen informiert ist (vgl. ERDMANN 2004, S.12). Das Wissen bietet weiterhin Chancen und Möglichkeiten an der demokratischen Meinungs- und Willensbildung teilzunehmen. Im besonderen Maße ist die Umweltbildung der jüngeren Generationen zu beachten. Die Alfred Wegener Stiftung machte in einem Brief an die Kultusminister bereits 1991 deutlich:

Um zu verhindern, dass in unserer Zeit steigenden Umweltbewusstseins der Jugend nur allgemeine Phrasen über Umweltschutz vermittelt werden, oder dass bestimmte Gruppen aus eigennützigen oder ideologischen Gründen die Jugend zu manipulieren versuchen, indem sie Entwicklungen übertreiben oder Gefahren verharmlosen, ist es unbedingt erforderlich, die junge Generation soweit wie möglich zu befähigen, die umweltbeeinflussenden Zusammenhänge mindestens ansatzweise selbst zu beurteilen. Dafür sind Grundkenntnisse und Einsichten in des Zusammenwirken erforderlich, wobei peinlich darauf zu achten ist, dass gesicherte Fakten und nicht persönliche Meinungen vermittelt werden“ (vgl. E RDMANN 2004, S.12).

Diese Aussage hat auch nahezu 20 Jahre später noch Bestand, weshalb unter anderem die Umweltbildung von Auszubildenden der Landwirtschaft ein Thema dieser Arbeit sein wird. Entscheidenden Einfluss auf die Umweltbildung und die Vermittlung von Umweltwissen hat die Politik, im speziellen die Umweltpolitik, welche in Abschnitt 3.2 betrachtet werden soll.

3.1.4 Umweltbewusstsein und Umweltverhalten von Landwirten

Aufgrund der Tatsache das landwirtschaftliche Betriebe und die Landwirte selber einen erheblichen Teil der empirischen Untersuchungen in dieser Arbeit ausmachen, sollen in folgendem Abschnitt Besonderheiten des Umweltbewusstseins und Umweltverhaltens von Landwirten betrachtet werden.

Da den Landwirten als Gestaltern der Kulturlandschaft und als Nahrungsproduzenten eine besondere Verantwortung für die Natur und für die Gesundheit der Menschen zukommt, merkt Adomßent an, dass die Leiter landwirtschaftlicher Betriebe oftmals im Mittelpunkt empirischer Untersuchungen des Umweltbewusstseins stehen (vgl. ADOMßENT 2004, S.40). Auffällig ist das in den neuen Bundesländern bisher kaum Untersuchungen stattfanden. Die wenigen bisher durchgeführten Studien kamen jedoch unter anderem zu dem Schluss, dass die Landwirte auf Kritik an ihrem eigenen umweltrelevanten Verhalten häufig mit Verhaltensänderungen reagieren, was für ihre Offenheit und Anpassungsfähigkeit spricht. Des Weiteren wird die Diskussion um den Nachhaltigkeitsbegriff von einem Großteil der Landwirte wahrgenommen und Fehlentwicklungen mit negativen Folgen für die Ökosysteme zugegeben. Allerdings bleibt zu beachten, dass Landwirte in erster Linie die Wirtschaftlichkeit und Tragfähigkeit ihres Betriebes im Blick haben. Umweltbewusstes Handeln erfolgt demzufolge unter der Mindestprämisse, dass das eigene Auskommen und das Überleben des Betriebes damit gesichert werden können. Die Landwirte sehen sich zum einen in der Rolle als Pfleger des Landschaftsbildes und haben zum anderen den Wunsch Vorbild zu sein und in ihrer Lebensweise anerkannt zu werden (vgl. ADOMßENT 2004 S.46/47). Für Weiterbildungsmaßnahmen gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen sind sie allerdings schwer zu mobilisieren (vgl. ADOMßENT 2004, S.48).

3.2 Umweltpolitik

JÄNICKE definiert Umweltschutz „als die Summe aller organisierten Handlungen zur Ermittlung und Lösung von Umweltproblemen“. Demnach ist Umweltpolitik „ derjenige Teil dieser Handlungen, an denen staatliche Akteure - ausschließlich oder teilweise, national oder international – beteiligt sind“ (vgl. JÄNICKE 2008, S.52). Die weltweite Verbreitung der Umweltpolitik begann in den 1970er Jahren als Reaktion auf die zunehmend die Umwelt betreffenden Probleme des Industriewachstums. Heutzutage bestehen in mehr als 100 Ländern Umweltministerien und der Umweltschutz ist Bestandteil der Verfassungen. Die nationalen Regierungen sind damit ein wichtiger Träger der Umweltpolitik obwohl sie teilweise Souveränität an supranationale Institutionen wie EU oder UNO abgegeben haben (vgl. JÄNICKE 2008, S.52). Anhand der europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland soll nun beispielhaft die Entwicklung der Umweltpolitik bis in unsere heutige Zeit nachgezeichnet werden.

3.2.1 Umweltpolitik der europäischen Union

Den Ausgangspunkt für die Etablierung einer Umweltpolitik in der europäischen Union bilden die Pariser Gipfelkonferenz der Staats- und Regierungschefs im Jahre 1972, welche der europäischen Kommission den Auftrag erteilte, ein Aktionsprogramm für den Umweltschutz auszuarbeiten. Obwohl die Union sich selbst als Wirtschaftsgemeinschaft sah, bildete sich die Umweltpolitik in der Folge zu einem eigenständigen Politikbereich heraus und wurde 1987 als offizielles Handlungsfeld der Gemeinschaft im EWG Vertrag festgeschrieben. In den Verträgen von Maastricht (1993) und Amsterdam(1997) wurden die umweltpolitischen Handlungsmöglichkeiten der Union ausgebaut und einzelnen Mitgliedstaaten, durch Einführung des Mehrheitsprinzips die Möglichkeiten genommen umweltpolitische Maßnahmen zu blockieren (vgl. KNILL 2008, S.62/63). Bei der konkreten Umsetzung von Umweltpolitik, setzt die europäische Union auf Aktionsprogramme. Diese legen medienspezifische (Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Lärmschutz etc.) und medienübergreifende Maßnahmen (integrierte Behandlung von Umweltproblemen) fest. Die ersten Aktionsprogramme setzten vor allem auf die Einführung von Grenzwerten, wobei die Mitgliedstaaten erheblichen Gestaltungsspielraum hatten. Heutzutage setzt die Union vor allem auf verstärkte Information und Beteiligung der Öffentlichkeit, um so gesellschaftlichen Druck auf die Beteiligten zu erhöhen und eine bessere Umsetzung der Programme zu erreichen. Des Weiteren wurde ein System aus ökonomischen Anreizen geschaffen um vor allem die Industrie zu einem umweltbewussteren Handeln zu bewegen (vgl. KNILL 2008, S.64/65). Mit einem ähnlichen Anreizsystem soll der Umweltschutz in der Landwirtschaft gefördert werden.

3.2.2 Entwicklung der Umweltpolitik in Deutschland

Der Umweltschutz in den 1950er und 1960er Jahren zeichnete sich durch die vornehmliche Bekämpfung der Symptome von Umweltverschmutzung aus. Erst gegen Ende der 1960er Jahre begann der Staat punktuell gegen Beeinträchtigungen von Natur und Umwelt vorzugehen. In der damaligen DDR begann dieser Prozess, mit der formellen Institutionalisierung des Umweltschutzes, durch dessen Verankerung in der Verfassung 1968 und der Gründung des Umweltministeriums 1971, etwas früher, als in der BRD. Festzustellen ist allerdings, dass sich in der DDR, trotz dieser formellen Errungenschaften, keine praktischen Erfolge einstellten und es sogar zu einer Verschlechterung der Umweltsituation kam. Laut Erdmann ist dies vor allem auf den Fakt zurückzuführen, das ökologische Fragen in der DDR zuerst unter wirtschaftlichen und sozialpolitischen Gesichtspunkten gesehen wurde (vgl. ERDMANN 2004 S.11).

Betrachtet man die Entwicklung des Umweltschutzes in der BRD so kann man verschiedene Phasen unterscheiden die oftmals mit den jeweiligen Legislaturperioden kongruent sind. In einer ersten Phase von 1969- 1972 stand vor allem der Umweltschutz „von oben“ im Mittelpunkt. So wurde Umweltschutz erstmals als staatliche Aufgabe definiert und das Vorsorge-, Verursacher und Kooperationsprinzip als Grundlage der Umweltpolitik festgeschrieben. Des Weiteren datieren die Gründung des Umweltbundesamtes und die Formierung, des in Kapitel 3.1 erwähnten Rates von Sachverständigen in Umweltfragen, in diese Zeit zurück. Zur Umsetzung des Umweltschutzes bediente man sich vor allem der Anwendung von Verboten und Geboten. Aufgrund der Ölkrise und damit verbundener konjunktureller Schwierigkeiten verlor die Weiterentwicklung der Umweltpolitik zunächst wieder etwas an Schwung. Gleichzeitig kam es jedoch zur Formierung einer „politisierten Umweltbewegung“ welche u.a. mit der Gründung der Partei „die Grünen“ einherging. Anfang der 1980er Jahre führte ein gesamtgesellschaftlich gestiegenes Umweltbewusstsein zu einem Wiederaufleben der Umweltpolitik, „Die Grünen“ zogen in den Bundestag ein und das Bundesamt für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit wurde gegründet. An den Instrumenten der Umweltpolitik änderte sich allerdings wenig, sie blieben auf „top down“ Ansätze basiert. Seit 1994 sind Umweltschutz und Nachhaltigkeit als Staatsziel festgeschrieben (Art. 21 a des Grundgesetzes) und Deutschland nimmt eine internationale Vorreiterrolle beim Thema Umweltschutz ein. Integrierte und präventive Ansätze, sowie Selbstverpflichtungen der Wirtschaft gewannen in dieser Phase an Bedeutung und gesellschaftliche Kräfte wurden verstärkt in den Politikprozess einbezogen. Während der neuerlichen Rezession zwischen 1994-1998 trat erneut eine Tempoverlangsamung in der Umweltpolitik ein, jedoch gewannen Selbstverpflichtungs- und Selbstregulierungsansätze an Bedeutung (vgl. ERDMANN 2004 S.11). Mit dem Regierungswechsel 1998 wurde der Umweltschutz zunehmend als Querschnittsaufgabe betrachtet. Jänicke merkt an das „ dieser Integrationsansatz teils auf die EU zurückgeht und zugleich Teil der Nachhaltigkeitsstrategie, die auf der UN-Konferenz von Rio de Janeiro zur globalen Leitlinie erhoben wurde, ist“. (JÄNICKE 2008, S.54) Ausdruck findet dies in der verstärkten Förderung der erneuerbaren Energien, des Ökolandbaus und des Naturschutzes sowie in der Einführung von Ökosteuer und LKW- Maut. Auch weist Deutschland weitreichende Handlungskapazitäten im Umweltbereich auf, die unter anderem in einem hohen Innovations- und Finanzpotential und einer starken Umweltbewegung zum Ausdruck kommen. „Umweltpolitik muss heutzutage nicht nur auf verschiedenen Handlungsebenen agieren (global, europäisch, national, regional und kommunal) sondern sich auch um die Einbeziehung wichtiger organisierter Interessen (Stakeholder) bemühen“ (vgl. JÄNICKE 2008, S.56). Der folgende Abschnitt beschäftigt sich daher mit der Umweltpolitik auf kommunaler Ebene.

3.2.3 Umweltpolitik auf kommunaler Ebene

Wie in Kapitel 3.1.1 zur Entwicklung des Umweltbewusstseins bereits erwähnt, wurden Umweltschutz, Umweltbewusstsein und Umwelthandeln auf der Konferenz von Rio de Janeiro auf der regionalen Ebene verankert. Im Rahmen, der auf dieser Konferenz verabschiedeten Agenda 21 (Art 28.1), wird den Kommunen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung und bei der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen zugesprochen. Dieser Fakt wird wie folgt begründet:

„ K ommunen errichten, verwalten und unterhalten die wirtschaftliche, soziale und ökologische Infrastruktur, überwachen den Planungsablauf, entscheiden über die kommunale Umweltpolitik und kommunale Umweltvorschriften und wirken außerdem an der Umsetzung der nationalen und regionalen Umweltpolitik mit. Als Politik- und Verwaltungsebene, die den Bürgern am nächsten ist, spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Informierung und Mobilisierung der Öffentlichkeit und ihrer Sensibilisierung für eine nachhaltige umweltverträgliche Entwicklung“

( vgl. http://www.agenda21-treffpunkt.de/archiv/ag21dok/kap28.htm).

Im Nachgang zu dieser Konferenz wurden die Programme der lokalen Agenda 21 ins Leben gerufen. Die darin enthaltenen Ziele und Maßnahmen auf kommunaler Ebene sollen in einem bestimmten Zeitrahmen in die Praxis umgesetzt werden und somit den Lebensstandard anheben und den Schutz der Umwelt verbessern. Vorrangige Handlungsfelder sind hier Ressourcenmanagement, Luftqualität, Wassermanagement und Verkehr (vgl. JÖRGENSEN 2008, S.58)

3.3 Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und wurde bereits im 18. Jahrhundert geprägt. Landwirtschaftliche Aktivitäten und steigender Holzbedarf der Industrie hatten zu einer Übernutzung der Wälder geführt. Daraufhin wurde die nachhaltige Forstwirtschaft als ein Bewirtschaftungsweiße eingeführt die auf einen möglichst hohen, gleichzeitig aber dauerhaften Holzertrag abzielte (vgl. GRUNWALD U. KOPFMÜLLER 2006, S.14). Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, wurde dennoch erst 200 Jahre später postuliert und bildet, seit der bereits mehrfach erwähnten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED) von Rio de Janeiro 1992, das Leitbild der internationalen Umwelt und Entwicklungspolitik. Das Ziel der Nachhaltigkeit, im Sinne von Rio ist es, allen Ländern und Völkern gleiche Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen und dabei die Interessen der nachfolgenden Generationen zu berücksichtigen (vgl. BAUER 2008, S.16). Damit orientierten sich die Vereinten Nationen weitgehend an der Nachhaltigkeitsdefinition, die 1987 von der Brundtland- Kommission 7 veröffentlicht wurde. Die vollständige Definition von Nachhaltigkeit im Brundtland Bericht lautet:

„ Sustainable development integrates economics and ecology in decision making and law making to protect the environment and to promote development. It aims at a type of development which integrates production with resource conservation and enhancement and links both to providing and adequate livelihood base and equitable access to resources. It tries to reorient international relations to achieve trade, capital and technology flows that are more equitable and consistent with environmental imperatives. Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs” (WCED, 1987).

Somit wird deutlich das nachhaltige Entwicklung nicht nur auf Gerechtigkeit zwischen den Generationen abzielt sondern auch auf Gerechtigkeit innerhalb einer Generation und außerdem den Ausgleich sucht zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen. Im Fokus liegt dabei der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, was nach einer Trendwende im globalen Umwelt- und Ressourcenverbrauch der Weltwirtschaft, sowie im Konsumverhalten der Menschen verlangt (vgl. BAUER 2008, S.16). In der Rio-Deklaration verpflichteten sich schließlich 178 Staaten diesen Zielen und verabschiedeten zusätzlich die Agenda 21 (siehe Kap.3.3.1). Seitdem werden in der wissenschaftlichen Diskussion drei unterschiedliche Problemdimensionen von Nachhaltigkeit diskutiert:

- zum Ersten die ökonomische Dimension, welche sich auf die Erhaltung der langfristigen Erträge aus den vorhandenen Ressourcen bezieht und sich damit, zum heutzutage vorherrschenden Paradigma des, auf kurzfristige Erträge ausgerichteten Wirtschaftens abgrenzt. Dennoch bleibt quantitatives Wachstum erforderlich um den ärmsten Ländern eine Unterversorgung zu ersparen und ihnen einen Aufholprozess zu ermöglichen.
- zum Zweiten die ökologische Dimension, welche den Wert der Natur und die Endlichkeit der Ressourcen in den Mittelpunkt rückt und sich für die Erhaltung der ökologischen Ressourcen einsetzt.
- zum Dritten die soziale Dimension, welche die Verteilungsgerechtigkeit, im Sinne von Zugänglichkeit und Chancen und Ressourcen, betont und als Ziel die Grundbedürfnisbefriedigung heutiger und zukünftiger Generationen hat.

Abbildung 2: Dimensionen und Strategien der Nachhaltigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bauer 2008, S.18 (nach Siebenhüner, Bernd 2001, S.78), eigenes Layout

Alle drei genannten Dimensionen stehen dabei in Zusammenhang zueinander, lediglich die Frage nach der Gewichtung der einzelnen Dimensionen erzeugt den Disput. Laut BAUER besteht jedoch Einigkeit darin, dass „eine Fortsetzung der ressourcenintensiven Wachstumspolitik in der Weltwirtschaft langfristig nicht mit dem Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung vereinbar ist“ (vgl. BAUER 2008, S.19).

3.3.1 Die Agenda 21

Die Agenda 21 ist ein detailliertes Aktionsprogramm. Es werden konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung von Nachhaltigkeit auf lokaler, nationaler und globaler Ebene gegeben. In ihrer Präambel heißt es: „ Die Agenda ist Ausdruck eines globalen Konsens und einer politischen Verpflichtung auf höchster Ebene zur Zusammenarbeit in Entwicklung und Umwelt“. Damit wird klargestellt das die „erfolgreiche Umsetzung Aufgabe der Regierungen“ ist. Dies soll auf der Grundlage von „Konzepten, Plänen, Leitsätzen und Prozessen auf nationaler Ebene, die durch internationale Zusammenarbeit unterstützt werden“, geschehen (vgl. Präambel Punkt 1.3 http://www.agenda21-treffpunkt.de/archiv/ag21dok/kap01.htm). Im Mittelpunkt steht demnach die Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien unter Beteiligung privater Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft. Die Agenda 21 wurde in Rio de Janeiro von 178 Staaten unterzeichnet und anschließend weltweit auf der Basis von Nachhaltigkeitsplänen umgesetzt. Zusätzlich zur Agenda 21 wurde im Jahr 2002 auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg Aktionspläne in den Bereichen Wasser, Energie, Gesundheit, Landwirtschaft und Artenvielfalt beschlossen und eine stärkere Beteiligung privatwirtschaftlicher Akteure vorgesehen (vgl. BAUER 2008, S.17).

3.3.2 Nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung

Artikel 14 der Agenda 21 gibt konkrete Ziele und Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft und ländlichen Entwicklung vor. In der deutschen Übersetzung heißt es dazu:

„ D i e Landwirtschaft muss der Herausforderung einer wachsenden Weltbevölkerung in erster Linie dadurch begegnen, dass sie die Produktion auf bereits bewirtschafteten Flächen steigert, gleichzeitig aber ein weiteres Vordringen auf, nur begrenzt für eine landwirtschaftliche Nutzung geeignete Standorte unterlässt. Vorrang muss dabei die Erhaltung und die Steigerung der Leistungsfähigkeit der ertragreichen landwirtschaftlichen Nutzflächen haben, denn nur so kann eine wachsende Bevölkerung ausreichend versorgt werden. Allerdings muss zur Aufrechterhaltung eines langfristig tragfähigen Verhältnisses der Arbeitskräfte zur landwirtschaftlich nutzbaren Fläche, auch der Erhaltung und Rehabilitierung der natürlichen Ressourcen Rechnung getragen werden. Zu den wichtigsten Instrumentarien einer nachhaltigen Landwirtschaft und ländlichen Entwicklung gehören: Politik und Agrarreform, Beteiligung der Bevölkerung, Einkommensdiversifizierung, Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und ein verbesserter Einsatz der Produktionsmittel. Der Erfolg dieses Entwicklungskonzeptes hängt zu einem ganz erheblichen Teil von der Unterstützung und der B eteiligung der ländlichen Bevölkerung, der nationalen Regierungen und der Privatwirtschaft sowie der internationalen Zusammenarbeit ab, wozu auch die technische und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zählen“ (vgl. http://www.agenda21- treffpunkt.de/archiv/ag21dok/kap14.htm).

Laut CHRISTEN stellt die Agenda 21 damit, in ihrem landwirtschaftlichen Teil, eine Abkehr von dem Modell der sogenannten Grünen Revolution 8 dar. Bei der nachhaltigen Landwirtschaft geht es um eine dauerhafte Vernetzung, der ökonomischen Produktions- mit den sozialen Ausgleichsprozessen und um die Tragfähigkeit der ökologischen Systeme. Dabei sollen neben Ertragssteigerungen auch umweltrelevante Aspekte und soziale Auswirkungen von Produktionssystemen verstärkt Beachtung finden. An der Umsetzung der Agenda 21 sollen alle betroffenen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt werden und statt staatlichen top-down Verordnungen, vor allem bottom-up Ansätze berücksichtigt werden (vgl. CHRISTEN 1999, S.21). Als zentrale Organisation im Anschluss an die Rio Konferenz wurde von der UNO Generalversammlung die Commission on Sustainable Development (CSD)9 gegründet, um die Implementierung der Grundsätze auf regionaler und nationaler Ebene zu beschleunigen. Die Agenda 21 hatte des Weiteren erheblichen Einfluss auf die Agrarpolitik der europäischen Union (siehe Kap 4.1), die im Nachgang eine langsame Umorientierung und Entkopplung ihrer Agrarpolitik von Preisen und Subventionsmaßnahmen vollzog und vermehrt in den Bereichen Umwelt und Naturschutz aktiv wurde. Es existiert eine Fülle an Definitionen für den Begriff nachhaltige Landwirtschaft aus denen sich laut Christen im Wesentlichen sechs Teilbereiche ableiten lassen.

- Die ethische Komponente, welche die Intergenerationelle Gerechtigkeit beinhaltet.
- Die Schonung der Ressourcen Boden, Wasser, Luft und der Erhalt der Produktionsgrundlage.
- Die Vermeidung der Beeinträchtigung naturnaher Ökosysteme durch die landwirtschaftliche Produktion und der Erhalt der biologischen Vielfalt.
- Die gleichzeitige Sicherstellung der ökonomischen Überlebensfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe.
- Die Verantwortung der Landwirtschaft für Nahrungsversorgung und Nahrungsqualität sowie
- eine globale Komponente nachhaltiger Entwicklung (vgl. CHRISTEN 1999, S.26).

Eine Definition welche alle genannten Teilbereiche abdeckt gibt Allen:

„ A sustainable food and agriculture system is one which is environmentally sound, economically viable, socially responsible, non- exploitive, and which serves as the foundation for future Generations. It must be approached through an interdisciplinary focus which addresses the many interrelated parts oft he entire food and agriculture system, at the local, regional and international level“(in C HRISTEN 1999, S.27; nach A L L EN ET ALL . 1991).

Diese Definition macht bereits deutlich, dass der jeweilige räumliche Bezugsrahmen bei der Definition von Nachhaltigkeit beachtet werden muss und das gleichzeitig auch die jeweiligen Akteure nachhaltige Landwirtschaft unterschiedlich definieren werden. So wird angenommen, dass die Landwirte zunächst die ökonomische Nachhaltigkeit für die Sicherung ihres Betriebes im Vordergrund sehen, während die Wissenschaft der ökologischen Landwirtschaft die größere Bedeutung beimisst (vgl. CHRISTEN 1999, S.26). Instrumente zur Umsetzung einer nachhaltigen Landwirtschaft und Landnutzung sollen im nächsten Abschnitt der Arbeit beschrieben werden.

4 Instrumente zur Beförderung von Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Der folgende Abschnitt soll die, für die Arbeit, relevanten Instrumente zur Beförderung des Natur und Umweltschutzes sowie der Nachhaltigkeit näher erläutern. Zunächst soll dazu auf die Gemeinsame Agrarpolitik der europäischen Union als politischer Hauptinitiator und Finanzier solcher Maßnahmen genauer eingegangen werden. Daran anschließend folgt eine Beschreibung der, in der Förderperiode 2000- 2006, verfügbaren Förderprogramme für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum. Abschließend, soll in diesem Kapitel ein Ausblick auf die nächste Förderperiode 2007-2013 und ihre Auswirkungen auf den ländlichen Raum und die Landwirtschaft gegeben werden.

4.1 Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU

Werden lediglich die Kosten der Agrarpolitik betrachtet, so ist sie der wichtigste Politikbereich der Union. Im Jahr 2006 wurden 47% des Gesamtbudgets für die Gemeinsame Agrarpolitik aufgewendet, obwohl nur 5% aller Beschäftigten der europäischen Union, im primären Landwirtschaftsektor arbeiten und dort lediglich mit 2% zum gesamten Bruttoinlandsprodukt beitragen. (vgl. ZANDONELLA 2006, S.49/ GEHLER 2002, S.47). Das Ziel der gemeinsamen Agrarpolitik laut Artikel 33 des EG- Vertrages ist es:

- die Produktivität der Landwirtschaft durch Förderung des technischen Fortschrittes, Rationalisierung der landwirtschaftlichen Erzeugung und den bestmöglichen Einsatz der Produktionsfaktoren (Arbeitskräfte) zu steigern,
- auf diese Weise der landwirtschaftlichen Bevölkerung, insbesondere durch Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens der in der Landwirtschaft Tätigen, eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten,
- die Märkte zu stabilisieren,
- die Versorgung sicherzustellen und
- für die Belieferung der Verbraucher zu angemessenen Preisen zu sorgen (vgl. FRITZLER 2007, S.80/ ZANDONELLA 2006, S.49).

4.1.1 Geschichte der gemeinsamen Agrarpolitik

Die Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU gehen bereits auf die Gründungsverträge von Rom 1957 zurück. Unter dem immer noch wachen Eindruck von Nahrungsmittelknappheit und Hunger in Folge des zweiten Weltkrieges wurde die Versorgung der Bevölkerung als primäres Ziel einer Agrarpolitik angesehen. Neben den in Abschnitt 4.1 bereits erwähnten Zielen wurde die europäische Landwirtschaft vor der Weltmarktkonkurrenz geschützt, während innerhalb der Gemeinschaft freier Warenverkehr für landwirtschaftliche Erzeugnisse herrschte (vgl. ZANDONELLA 2006, S. 49). Zur Finanzierung der GAP trugen alle Mitgliedstaaten bei. Um die Ziele der GAP zu erreichen, dienten die sogenannten Marktordnungen und die Agrarfonds 10. Die wesentlichen Bestandteile der Marktordnungen waren (und sind teilweise noch immer ):

- Garantiepreise für die Landwirtschaft (EU kauft Überschüsse auf, lagert sie ein oder vernichtet sie),
- Schutz gegen die Weltmarktkonkurrenz durch Abschöpfungen 11 und Erstattungen bzw. Exportsubventionen,
- Direktzahlungen an die Landwirte, um ihnen ein angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten.

Da diese Praktiken zu erheblichen Missständen und zu Überproduktionen in den europäischen Landwirtschaften führten (Milchseen, Getreideberge), aber auch als Reaktion auf etliche Lebensmittelskandale, wurde die GAP mehrfach reformiert (vgl. ZANDONELLA 2006, S.50). Einen ersten Ansatz lieferte 1992 die sogenannte Mc Sharry Reform. Im Zuge dieser Agrarreform wurde die Preise für Getreide und Rindfleisch gesenkt und den Landwirten Ausgleichszahlungen bei Einkommensverlust und Flächenstilllegungen angeboten. Gleichzeitig wurde versucht den außenpolitischen Konflikten mit dem GATT 12, welche vor allem durch die Subventions- und Zollpolitik ausgelöst wurden, entgegen zu wirken (vgl. WOYKE 2006, S.594). Am ersten November 1993 trat der Vertrag von Maastricht in Kraft und die Europäische Gemeinschaft wurde in die Europäische Union integriert. Die Agrarpolitik befindet sich seit dem in der ersten Säule des Unionsvertrages, auf einer Stufe mit der Strukturpolitik, der Handelspolitik, der Wettbewerbspolitik, der Zollunion sowie dem Binnenmarkt (vgl. GEHLER 2002, S.70).

Im Anschluss an die Mc Sharry Reform und den Vertrag von Maastricht folgte im Jahr 1999 die Agenda 2000, welche für die Untersuchung in dieser Arbeit von entscheidender Bedeutung ist und deshalb im nächsten Kapitel genauer erläutert werden soll. Die für die Förderperiode 2007- 2013 relevante Agrarreform des Jahres 2003 soll in Kapitel 4.3 eine kurze Beschreibung finden.

4.1.2 Die Agenda 2000

Die Agenda 2000 basiert auf Vorschlägen der europäischen Kommission und wurde im März 1999 durch die 15 Mitgliedsstaaten in Berlin unterzeichnet. Sie kann, bis dahin, als die weitreichendste Reform in der Geschichte der europäischen Gemeinschaftspolitiken generell und der gemeinsamen Agrarpolitik im Speziellen, betrachtet werden. Das Ziel der Agenda war die Ausrichtung der Finanzen und der Gemeinschaftspolitiken auf die bevorstehende Erweiterungsrunde 13. Dabei wurden folgende Kompromisse geschlossen:

- Die Schaffung eines Finanzrahmens bis 2006,
- die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik,
- die Beibehaltung des Kohäsionsfonds und Konzentration der Mittel auf die wirklich bedürftigen Staaten sowie
- die Änderungen des Eigenmittelsystems 14 um Haushaltsungleichgewichte abzubauen (vgl. WOYKE 2006, S.115).

Für den Zeitraum 2000-2006 standen für die gemeinsame Agrarpolitik (ohne Regionalentwicklung) 38,1 Mrd. € jährlich, für die regionale Entwicklung 4,3 Mrd. € jährlich und für das SAPARD-Programm 15 520 Mio. € jährlich bereit (vgl. EUROPEAN COMMISSION 1999a). Die Reformen in den Bereichen Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sollen im Folgenden genauer betrachtet werden.

[...]


1 Die Deutsche Bundestiftung Umwelt (DBU) wurde 1991 ins Leben gerufen und fördert Projekte aus den Bereichen Umwelttechnik, Umweltforschung & Naturschutz sowie Umweltkommunikation und Kulturgüterschutz (vgl. http://www.dbu.de/399.html)

2 Die Region Ostelbien Aufgrund ihrer Lage seit je her von Hochwasser bedroht, erste Überflutungen sind bereits aus dem Jahr 590 überliefert, für die Arbeit wird vor allem das Hochwasser von 2002 von Bedeutung sein (vgl. VEREIN ZUR BEWAHRUNG UND FÖRDERUNG DES LÄNDLICHEN RAUMES OSTELBIEN E.V. , S.41)

3 Da Hochwasserschutz ein besonderes Merkmal er ostelbischen Region ist und umfangreiche Aussagen aus diesem Bereich gewonnen werden sollten wurde auf die Begrenzungen eines Leitfadens verzichtet, die Kernthemen aber dennoch im Laufe des Gespräches angesprochen.

4 Diese Einschränkung ergibt sich aus terminlichen Engpässen der Experten. Da die Befragten dennoch aus sehr unterschiedlichen Fachrichtungen kamen, konnten Ergänzungen untereinander nahezu ausgeschlossen werden.

5 So zum Beispiel die 68er Bewegung die als Studentenprotest begann und aus Teilen derer in der Mitte der 1970 er Jahre die Partei „die Grünen“ hervorging

6 DONELLA MEADOWS, DENNIS MEADOWS „The Limits of Growth“ New York, 1972

7 Die Brundtland Kommission geht zurück auf eine Initiative der 38. Generalversammlung der UNO 1983 mit dem Ziel bis zum Jahr 2000 eine dauerhafte Entwicklung der Welt zu erreichen. Dazu wurde unter Leitung des damaligen norwegischen Ministerpräsidenten Gro Harlem Brundtland die World Commission on Environment and Development (WCED) ins Leben gerufen (vgl. CHRISTEN 1999, S.17)

8 Die grüne Revolution bezeichnet eine in den 60er Jahren in Indien und anderen Entwicklungsländern einsetzende Umstellung der Landwirtschaft auf modernere Produktionsmethoden um dem Bevölkerungswachstum Rechnung zu tragen. Es wurde mit Monokulturen, Düngung, Pflanzenschutzmitteln und Bewässerungen eine starke Ertragssteigerung erreicht die jedoch zum einen zur Abhängigkeit der Bauern führte, die Pflanzen anfällig für Krankheiten machte und die Bodenfruchtbarkeit zerstörte.

9 Weiterhin hat die CSD zur Aufgabe konkrete Kriterien und Indikatoren für eine nachhaltige Landwirtschaft zu erarbeiten um somit die Vorgaben aus der Agenda 21 in konkrete Handlungsempfehlungen umzusetzen (vgl. CHRISTEN 1999, S.22)

10 1964 wurde der europäische Ausrichtungs- und Garantiefond für die Landwirtschaft ins Leben gerufen (EAGfL) welcher bis zum Ende des Jahres 2006 mit seinen Abteilungen Ausrichtung (EAGfL-A) und Garantie (EAGfL-G) Gelder für die gemeinsame Agrarpolitik bereitstellte (vgl. Gehler 2002, S.48)

11 Abschöpfungen werden von einem Importeur an die EU gezahlt, sie ergeben sich aus der Differenz von Weltmarktpreis und garantiertem EU Binnenmarktpreis (vgl. Zandonella 2006, S.7)

12 GATT – General Agreement on Tarifs and Trade (allgemeines Zoll und Handelsabkommen) mit dem Ziel Zölle und Handelshemmnisse abzubauen (vgl. Woyke 2006, S.594)

13 Erweiterungsrunde 2004 um 10 Staaten (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Malta, Zypern)

14 Im EU Kontext versteht man Eigenmittel als die finanziellen Mittel die der Union automatisch, ohne Beschluss der nationalen Parlamente zufließen. Dazu zählen: Agrarabschöpfungen, Einfuhrzölle, Beiträge der Mitgliedsstaaten und Mehrwertsteuer-Eigenmittel (vgl. Zandonella 2006, S.57).

15 SAPARD – Special Accession Program for Agriculture and Rural Development ( spezielles Beitrittsprogramm für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung) enthält Beihilfen für die Beitrittskandidaten in den genannten Bereichen

Ende der Leseprobe aus 112 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Umweltbewusstseins und der Förderung für eine nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung in Ostelbien
Hochschule
Universität Leipzig  (Geography)
Note
1.7
Autor
Jahr
2009
Seiten
112
Katalognummer
V459620
ISBN (eBook)
9783668907218
ISBN (Buch)
9783668907225
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regionalgeografie, Geografie, Europa, Förderung, Landnutzung, Landwirtschaftsfonds, nachhaltig, Nachhaltigkeit, Bauer, Region, EFRE, EAGFL, Sachsen, Bildung, Landwirtschaft, Umwelt
Arbeit zitieren
Dipl. Geogr. Martin Zeitler (Autor), 2009, Die Rolle des Umweltbewusstseins und der Förderung für eine nachhaltige Landwirtschaft und Landnutzung in Ostelbien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459620

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