Voltaire - Candide


Essay, 2003

6 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. François Marie Arouet Voltaire (1694-1778)

Voltaire wurde 1694 als Sohn eines wohlhabenden Notars geboren. Einundzwanzigjährig kam er nach Paris, wo es schon bald zu Zusammenstößen mit den herrschenden Mächten, die ihm immer wieder Aufenthalte in der Bastille bescherten, kam. Um einer erneuten Gefangenschaft zu entgehen wanderte er 1726 nach England aus, wo er schnell von der geistigen Freiheit fasziniert war. Nach der Aufregung, die er mit seinen „Briefen über die Engländer“ in Frankreich verursachte, begab er sich in das Schloß Cirey der Marquise du Châtelet-Lomont und begann dort viele seiner sehr erfolgreichen Romane zu schreiben. Diese sollten im Besonderen dem Kampf gegen religiösen Fanatismus, Intoleranz und Aberglauben dienen, den er Zeit seines Lebens führte.

In Berlin, wo er auf Grund seines Besuches von Friedrich II. verweilte, veröffentlichte Voltaire das Werk „Versuch über die Sitten und den Geist der Nationen“, welches in Frankreich wiederum für großes Aufsehen sorgte. Erneut blieb es ihm verwehrt, die Grenzen nach Frankreich zu überschreiten. Sein Exil in Ferney gestaltete sich schnell zu einem Anziehungspunkt verschiedenster Gelehrter, wurde aber für Voltaire auf Grund des Erdbebens von Lissabon (1735) und des Siebenjährigen Krieges auch zu einem Ort der Trauer sowie des Pessimismus. Aus dieser Situation heraus schrieb er das Werk „Candide“, auf welches hier eingegangen werden soll.

Am Vorabend der Revolution starb Voltaire 83jährig mit der Erklärung: „Ich sterbe in der Anbetung Gottes, meine Freunde liebend, ohne Haß gegen meine Feinde und in Verachtung des Aberglaubens. Voltaire“[1]

2. „Candide ou l´ Optimisme“

2.1. Entstehung und Intention des Romans:

„Candide“ wurde im Januar 1759 zunächst unter Pseudonym in Genf veröffentlicht. Dort wurde der Roman zwei Monate später auf Anordnung des Rates der Stadt vernichtet, auch in Paris auf die schwarze Liste gesetzt und verboten. Ebenso indizierte der Vatikan das Werk. Dennoch konnte die Verbreitung in ganz Europa nicht aufgehalten werden.

Die Absicht Voltaires war zum einen die Diskussion und Widerlegung verschiedenster philosophischer Thesen, zum anderen die Auseinandersetzung mit der Behauptung von der Erde als „beste aller Welten“. Diese Idee von Leibniz wies er auf das Heftigste zurück und verspottete sie in seinem Roman.

Voltaire war durch die Vernichtung Lissabons und den zahlreichen Todesopfern sehr betrübt, zudem erkannte er, dass die Kirche teilweise voller Heuchler war und die Menschen im Allgemeinen nicht von Natur aus gut seien, wie es zum Beispiel Rousseau behauptete. All dies verarbeitete er in ironischer und spöttischer Art und Weise in den Figuren von Candide als auch Pangloß und deren Erlebnissen.

2.2. Zur Handlung:

„Il y a avait en Westphalie, dans le château de M. le baron de Thunder-ten-tronckh, un jeune garçon à qui la nature avait donné les mœurs les plus douces. [...] Il avait le jugement assez droit, avec l’esprit le plus simple ; c’est, je crois, pour cette raison qu’on le nommait Candide. »[2]

So beginnt die Geschichte der Hauptfigur Candide, dessen Name soviel wie arglos und leichtgläubig bedeutet.

Candide erblühte in tiefer Zuneigung zu Kunigunde, der Tochter seines Herren und wurde, nachdem er diese küßte, aus dem Schloß verjagt. Als er halb erfroren und verhungert in der nächstgelegenen Stadt ankam, wurde er von zwei Männern angesprochen, die ihm mit den Worten « les hommes ne sont faits que pour se secourir les uns les autres »[3] zu essen und zu trinken gaben. Wie sich später herausstellen sollte, taten sie dies nicht aus reiner Menschenliebe, sondern um Candide dem Regiment der Bulgaren zuzuführen. So geriet dieser in den Krieg zwischen Bulgaren und Avaren, vor dem er in einem günstigen Moment floh. Er mußte dabei all das Elend, den Tod und das Leid des Krieges sehen, und glaubte, dass es ihm in Holland, einem Staat voller reicher und christlich gesinnter Menschen, besser ergehen würde. Doch auch dort war seine Lage nicht günstiger, bis ihn ein Wiedertäufer namens Jaques aufnahm und ihm Arbeit gab. In Gestalt eines von Krankheit gezeichneten Bettlers fand er seinen ehemaligen Hauslehrer Pangloß wieder, der ihn einst die « métaphysico-théologo-cosmolonigologie »[4] lehrte. Dieser berichtete ihm, dass alle Bewohner des Schlosses von den Bulgaren getötet wurden. Mit Pangloß, dem Wiedertäufer Jaques und neuem Mut machte er sich nach Lissabon auf, wo jedoch gleich nach ihrer Ankunft ein schweres Erdbeben wütete. Als sich die Lage beruhigt hatte, trafen Pangloß und Candide, Jaques war auf hoher See umgekommen, auf einen Späher der Inquisition, der die beiden beim Philosophieren belauschte. Daraufhin sollten sie bei einem Autodafé zur Verhinderung künftiger Erdbeben gehängt werden. Candide jedoch wurde nur ausgepeitscht, und dann von einer alten Frau gepflegt. Wie sich herausstellen sollte war diese die Dienerin von Fräulein Kunigunde, die beim Angriff der Bulgaren nicht umgekommen, und nun die Geliebte eines reichen Juden und des Großinquisitors war. Beide Männer brachte Candide um, weswegen die drei fliehen mußten. Als sie in Cadiz ankamen, wurden gerade Truppen aufgestellt um Jesuitenpatres in Paraguay zur Vernunft zu bringen. Candide verdingte sich als Hauptmann, und erreichte so mit Kunigunde und der Alten Buenos Aires. Ein Gouverneur verliebte sich in Kunigunde, wogegen Candide nichts unternehmen konnte, da seine Morde an Kunigundes Liebhabern entdeckt wurden und er daraufhin fliehen mußte. Er nahm einen treuen Diener namens Cacambo mit sich, der ihm riet, sich bei den Jesuiten als Hauptmann vorzustellen. Dort erkannte er in einem jungen Kommandanten den Bruder von Kunigunde wieder, den er kurz darauf tötete, weil sich dieser gegen eine Heirat von Kunigunde und Candide aussprach. Erneut mußten beide fliehen und kamen nach langer Reise und einigen Abenteuern im Land Eldorado an. Jenes Land erschien ihnen wie das Paradies, da es voller Reichtümer war und einen Herrscher hatte, der die Naturwissenschaften förderte und sein Volk für so vernünftig hielt, dass es keiner Rechtsprechung bedurfte. Trotz der paradiesischen Zustände konnten sie ihrer Eitelkeit und Habgier nicht widerstehen, und reisten mit Hammeln voller Schätze ab. Auf ihrer Reise nach Surinam verloren sie einige dieser Hammel, wurden von einem Kaufmann bestohlen, der sie nach Italien bringen sollte und trennten sich, da Cacambo Kunigunde aus Buenos Aires nach Venedig bringen sollte. Candide heuerte einen Gehilfen namens Martin, der einst Gelehrter war, an und machte sich mit ihm auf den Weg nach Frankreich, wo er erneut um einige seiner Schätze gebracht wurde. Als er dann nach einem Umweg über England endlich in Venedig ankam, fand er weder Cacambo noch Kunigunde. Um sich die Zeit zu vertreiben, machte er Bekanntschaft mit allerlei Menschen, darunter auch mit einem venezianischen Edelmann, dessen Vergnügen darin bestand, an nichts Vergnügen zu finden. Nach einiger Zeit traf er dann endlich Cacambo wieder, der nun Sklave eines entthronten Sultans war. Cacambo offenbarte ihm, dass Kunigunde sowie die Alte in Konstantinopel Dienerinnen des Fürsten seien und dass auch ihm alle Diamanten geraubt wurden. Candide kaufte Cacambo frei, und machte sich mit diesem auf den Weg, um Kunigunde, die mittlerweile häßlich geworden war, zu suchen. Auf dem Schiff, welches sie nach Konstantinopel bringen sollte, trafen sie sowohl Pangloß als auch den Bruder Kunigundes wieder, die beide durch glückliche Fügung doch nicht umgekommen waren. In Konstantinopel angekommen heiratete Candide Kunigunde und ließ sich mit ihr und all seinen Freunden auf einer Meierei nieder, wo sie den Garten bewirtschafteten um sich nicht zu Tode zu langweilen.

[...]


[1] Störig, Hans-Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Stuttgart: Fischer Verlag, 1990 (S.373)

[2] Voltaire: Candide et autres contes. Saint-Amand: Éditions Gallimard, 1979 (p. 9)

[3] ebenda: p. 12

[4] ebenda: p. 10

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Voltaire - Candide
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
6
Katalognummer
V45965
ISBN (eBook)
9783638432634
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Voltaire, Candide
Arbeit zitieren
Antje Siebert (Autor), 2003, Voltaire - Candide, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45965

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