Wege zur Bearbeitung des Konflikts zwischen Israel und Palästina

Inwieweit beeinflussen internationale Organisationen eine friedliche Konfliktbearbeitung?


Bachelorarbeit, 2019
43 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Theoretischer Rahmen

III. Der Israel-Palästina-Konflikt
A) Hauptakteure im Nahost Konflikt
1. Israel und Palästina
2. Vereinte Nationen
B) Zentrale Aspekte und Streitpunkte des Konflikts

IV. Die Einflussnahme von internationalen Organisationen im Israel-Palästina- Konflikt seit 2000
A) Chronologischer Ablauf
B) Formen der Einflussnahme
1. Zentrale Punkte der Einflussnahme
2. Gründe für das Scheitern des Roadmap-Vertrages

V. Analyse

VI. Ausblick

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In der Nacht vom 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet und schon kurz darauf stand das gesamte Nahost-Gebiet in Flammen. Grund dafür war die Kriegserklärung der Länder Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien gegenüber Israel. Auch gegenwärtig gilt der palästinensisch-israelische Konflikt als einer der kompliziertesten Tragödien, die bis heute, trotz aller Bemühungen, ungelöst blieben. Der Ursprung des Konflikts liegt vor allem darin, dass beide Konfliktparteien den Anspruch auf das gleiche Land geltend machen wollen. Deshalb schien auch ein Kompromiss zwischen beiden Parteien als eher unwahrscheinlich.

Nachdem der erste Golfkrieg vorüber war machte es sich die USA zum Ziel, den Konflikt im Nahen Osten zu lösen und nachhaltige Friedensverhandlungen anzukurbeln. Dabei wollte man auch alle umliegenden arabischen Staaten einbeziehen. Es wurden autonome Zonen eingerichtet, in denen eine mögliche Zweistaatenlösung zwischen Israelis und Palästinensern übergangsweise vorgelebt werden konnte. Weil man aber wesentliche Probleme und Interessen beider Seiten unberücksichtigt lies, kam es zu keiner endgültigen Lösung des Konflikts. Auch die Vereinten Nationen, von denen man sagt, sie hätten den Konflikt mit ihrer Resolution zur Gründung des Staates Israels begünstigt, versuchten den Konflikt mit vielen unterschiedlichen Maßnahmen und Friedenskonferenzen zu lösen. Wie erfolgreich und effizient sie dabei gearbeitet haben, darum soll es in dieser Arbeit gehen. Auf der theoretischen Basis des Neoinstitutionalismus, der den internationalen Organisationen naturgemäß eine hohe Beteiligung in den internationalen Beziehungen und damit auch in der Konfliktbearbeitung zuspricht, stellt sich hier die Frage, welche Rolle die Vereinten Nationen im Hergang des Israel-Palästina-Konflikt gespielt haben und wie sie diesen beeinflussen konnten.

Deshalb wird die Fragestellung dieser Bachelorarbeit wie folgt lauten: Inwieweit beeinflussen internationale Organisationen die friedliche Konfliktbearbeitung zwischen Israel und Palästina?

Aufgrund des historisch begründeten Umfangs des Konflikts wird sich die Arbeit demnach nur auf das neue Jahrtausend beschränken. Damit werden die Jahre 2000-2018 abgedeckt sein und einen Einfluss auf die Analyse haben. Der zu Beginn dargestellte historische Rückblick dient dazu, die Leser auf einen einheitlichen Stand aus dem Jahr 2000 zu bringen und hilft dabei nachzuvollziehen, auf welchen Problemen und aus welchen Gründen dieser Konflikt überhaupt besteht. Einfach im Jahre 2000 zu starten und alles, was davor geschehen war, auszublenden, ist deshalb nicht zielführend und dient in keiner Weise dieser Arbeit. Zudem werden die Vereinten Nationen stellvertretend für den Passus „internationale Organisationen“ aufgeführt und beurteilt werden, weil diese den offensichtlichsten Einfluss auf den Konflikt hatten und sich deshalb am besten darstellen lässt, wo laut Theorie Probleme aufgetreten sind und wo die Vereinten Nationen ihren Aufgaben nachgekommen sind.

Die Arbeit wird nach dieser Einleitung den theoretischen Rahmen darstellen, der grundsätzlich auf dem Neoinstitutionalismus basiert. Dieser gibt die Rahmenbedingungen der Analyse mit vor und wird außerdem dazu dienen, besser beurteilen zu können, ob die Vereinten Nationen ihrer Aufgabe nachgekommen sind.

Darauf folgt in Kapitel III – Unterkapitel A zunächst der historische Einblick ab 1948, der mit den Camp David-Verhandlungen im Jahre 2000 abschließt. Darin werden die zentralen Konfliktpunkte sowie die größten Eskalationen des Konflikts und deren Gründe und Folgen aufgezeigt. In Unterkapitel A – 2 werden dann die Vereinten Nationen allgemein vorgestellt, aber auch bereits auf generelle Probleme der Organisationen hingewiesen. In Unterkapitel B werden dann noch die zentralen Streitpunkte, die bis heute Bestand haben, vorgestellt.

In Kapitel IV wird der Fokus auf die Einflussnahme der internationalen Organisationen auf den Konflikt gelegt. Einem einführenden chronologischen Ablauf ab 2000 folgt eine Vorstellung der Formen der Einflussnahme und wie genau die internationalen Organisationen Einfluss auf den Konflikt genommen haben und nehmen. Dieses Kapitel ist zunächst in das Kapitel der zentralen Punkte der Einflussnahme und in die Gründe für das Scheitern des Roadmap-Vertrages aus dem Jahre 2003 unterteilt. Hierbei soll beleuchtet werden, warum das größte Versprechen der Vereinten Nationen, den USA, Russland und der EU schlussendlich gescheitert ist.

In Kapitel V folgt dann die Analyse, die die eingangs erwähnte Fragestellung beantworten und darlegen soll, warum der Konflikt bis heute ungelöst geblieben ist. Dabei werden zentrale Geschehnisse aus dem neuen Jahrtausend berücksichtigt, aber auch Fehler, die von externen Akteuren begannen wurden. Der zentrale Punkt der Analyse wird aber selbstverständlich sein, zu analysieren, inwieweit die internationalen Organisationen den Konflikt beeinflusst haben – sowohl positiv als auch negativ – sowie, ob die angestrebten Ziele der Vereinten Nationen noch zeitgemäß sind.

Es folgt ein Ausblick in die Zukunft des Konflikts, der aus meinem subjektiven Blickpunkt heraus abschätzen soll, wie die nächsten Schritte im Konflikt aussehen könnten, um diesen doch noch zu einem friedlichen Ende zu führen, in dem alle Parteien glücklich und zufrieden weiterleben können.

II. Theoretischer Rahmen

Die theoretische Grundlage dieser Arbeit wird auf dem Neoinstitutionalismus basieren, dessen Vertreter den internationalen Organisationen gleichermaßen eine Arenafunktion als auch eine Akteurfunktion zusprechen.1 Der Neoinstitutionalismus ist somit gewissermaßen als Gegenstück zum Neorealismus zu betrachten, dessen Theorie man über weite Strecken als elementar für den Kalten Krieg ansah, in dem die USA und die Sowjetunion als die zentralen Hegemonialmächte auftraten. Dem Neorealismus zufolge seien einzig und allein Staaten die zentralen und mächtigen Akteure in den internationalen Beziehungen. Er schreibt internationalen Organisationen hingegen keinerlei Bedeutung in selbigem Kontext zu.2

Der Neoinstitutionalismus hingegen spricht den internationalen Organisationen, wie bereits erwähnt, eine größere Rolle zu, auch wenn die Staaten als rationale Akteure über den Organisationen angesiedelt bleiben. Somit übernimmt die Theorie des Neoinstitutionalismus Aspekte des Neorealismus, der die Staaten ebenfalls an höchster Stelle im internationalen Kontext einordnet. Eine weitere Gemeinsamkeit beider Theorien ist die Tatsache, dass sie das internationale System als anarchisch ansehen, was im Falle des Neoinstitutionalismus aber ganz präzise bedeutet, dass die Weltpolitik keine zentrale Regierung aufweist, die sie lenkt. Entscheidend bleibt aber die Einordnung der internationalen Organisationen in den internationalen Beziehungen, denen im Institutionalismus eben eine entscheidende Rolle zukommt und somit den entscheidenden Unterschied zum Neorealismus darstellt.3 Aus der Sicht des Neoinstitutionalismus ist die Anarchie eine Konstante der Geschichte, die aber gleichzeitig nicht die Kooperation beeinflusst bzw. beschränkt hat. In anderen Worten ist die Anarchie zwar immer vorhanden gewesen, wurde aber durch Kooperationen mehrerer Staaten vermindert, da sich im Zuge der Kooperation auch die Interessen der Mitglieder aneinander angepasst haben. Somit traten im Laufe der Zeit Gruppen, Organisationen oder Verbunde auf, die durch ihre bloße Kooperation dafür gesorgt haben, dass sie als weltpolitische internationale Macht auftreten konnten, um so bestimmte Prozesse gemäß ihrer Interessen zu beeinflussen.4 Entscheidend ist dabei, dass im Rahmen dieser Institutionen gemeinsam festgelegte und verpflichtende Regeln festgehalten wurden, an die sich alle Mitglieder halten müssen. Diese Regeln, Normen und Gepflogenheiten dienen im weltpolitischen Kontext dazu, dass ein weitestgehend unkontrolliertes Feld von Staaten, die auf Ebene der internationalen Beziehungen aufeinandertreffen, durch ebendiese Regeln und Normen kontrolliert werden kann, und dass andere Staaten der Welt sich auf die Einhaltung verlassen können. Gegen diese Regeln zu verstoßen ist allerdings meist unterinteressant, weil damit auch ein Reputationsverlust einherginge, auf diese Reputation wiederum sind die Staaten im internationalen System abhängig, um gute Verhandlungspositionen einzunehmen. Somit reicht es oftmals aus, dass Regelverstöße durch Mitgliedsstaaten offenkundig kommuniziert werden, auf Strafen durch die Institution selbst kann man dadurch weitestgehend verzichten.5

In der Konfliktbearbeitung konkret unterscheiden sich die Herangehensweisen für internationale Organisationen zunächst in internen und externen Faktoren. Zu den internen Faktoren zählt dabei zum Beispiel die Etablierung einer Organisation. Diese beschreibt, ob diese Organisation nach ihren eigenen Regularien überhaupt befähigt bzw. berechtigt ist, in einen Konflikt einzugreifen. Dabei gilt es besonders darauf zu achten, ob die Mitgliedsstaaten der Organisation für den Fall eines Konflikts die Befugnisse zu dessen Bearbeitung zugeteilt haben, oder ob die Organisation diese erst schaffen müsste, um überhaupt von den Konfliktparteien ernstgenommen zu werden.6 Sollten die Befugnisse aber vorhanden sein, dann kann die Organisation einen Konflikt aus einer zentralen Lage heraus beeinflussen. Zum Beispiel kann die Organisation den Zugang für Mitgliedsstaaten einschränken oder diese gar ausschließen, was einer wirtschaftlichen Sanktion gleichkäme, da der betreffende Staat auch nicht mehr von den Vorteilen der Mitgliedschaft profitieren könnte. Außerdem kann die Organisation ihr zu Verfügung stehende wirtschaftliche, politische oder militärische Ressourcen nutzen, um so ihr Einflusspotential zu erhöhen und den Konflikt schlussendlich effektiv zu bearbeiten.7

Neben der Etablierung muss eine internationale Organisation auch auf ihre Positionierung achten. So kann es von zentraler Bedeutung für die spätere Konfliktbearbeitung sein, dass die Organisation als dritter Akteur Neutralität bewahrt und unvoreingenommen an die Konfliktparteien herantritt. Damit verhindert sie, dass eine der Konfliktparteien die Beratung und Bearbeitung durch eine außenstehende Organisation ablehnt, da man Ungerechtigkeiten und eine inobjektive Behandlung befürchten könnte.8 Allerdings kann Parteilichkeit dann Sinn ergeben, wenn bereits von vornherein klar ist, dass eine Verletzung der Rechtslage durch einen der beiden Parteien vorliegt. Somit kann eine Verdeutlichung dieser Sachlage dazu beitragen, Vertrauen bei der schwächeren Konfliktpartei zu schaffen und diese zu stärken. Von diesem Standpunkt aus kann daran gearbeitet werden, dass man eine Win-Win-Situation für beide Seiten schafft.9

Gerade in diesem Fall kann es aber auch passieren, dass eine Beteiligung einer internationalen Organisation als externe Partei bei einem Konflikt auf Ablehnung stößt. Das kann passieren, wenn beide Konfliktparteien den Eindruck gewinnen, die Organisation würde nur nach eigenem Interesse handeln und dabei die lokalen Begebenheiten ignorieren. Die Ablehnung kann aber auch einseitig erfolgen, wenn eine der beiden Konfliktparteien von vornherein weiß, dass die eigene Position schwer durchzusetzen ist und man damit dem Gegner in die Karten spielen würde.10

Um dann konkret handeln zu können und den Konflikt somit aktiv zu bearbeiten, müssen zunächst alle Missstände, die dem Konflikt zugrunde liegen, thematisiert werden. Dazu dienen zumeist alle Institutionen, die die Organisation zu bieten hat. Ist alles zusammengetragen, so wird der Konflikt auf die Agenda gesetzt, sodass man danach beginnen kann, ihn inhaltlich zu bearbeiten. Dabei folgt man zumeist einem dreistufigen Prozess, der mit der Informationssammlung beginnt und mit Informationserzeugung und Informationsaustausch fortgesetzt wird.11 Selbstverständlich kann es im Prozess der Konfliktbearbeitung auch immer zu Blockaden und Spannungen kommen, die durch etwaige Vetos der Mitgliedsstaaten hervorgerufen werden können. Deshalb ist es für die Konfliktbearbeitung immer am nützlichsten, wenn das gemeinsame Handeln auf einer Mehrheit der Mitgliedsstaaten beruht.12

Internationale Organisationen sollten zudem bei ihrer Konfliktbearbeitung stets beachten, dass es eine internationale Ebene gibt, die von außen am Konflikt teilnehmen kann. Das kann zum einen positiv für die Organisation sein, vor allem dann, wenn internationale Geldgeber den Friedensprozess fördern wollen. Es kann aber eben auch sehr negative Folgen haben, wenn sich Schwesterstaaten oder verbündete Staaten in den Konflikt einmischen und Partei ergreifen. Das kann sich dann so weit ausdehnen, dass sich ein Anfangs regionaler Konflikt auf eine höhere Ebene ausdehnt, bei dem mehr Staaten als zuvor beteiligt sind. Damit würde dann auch die Lösung des Konflikts komplizierter. 13

Daher muss eine internationale Organisation, die einen Konflikt bearbeiten möchte, auch stets die gesellschaftliche Ebene im Blick behalten, denn auch dort lauern Gefahren, die die Befriedung des Konflikts gefährden könnten. Deshalb muss im Prozess der Konfliktbearbeitung auch darauf geachtet werden, dass negative oder gar aggressive Vorurteile in der Bevölkerung gewandelt werden, um die Spannung aus der Gesellschaft zu nehmen. Nur so ist auch ein nachhaltiger Friedensprozess möglich.14

Es gibt wie bereits erwähnt aber auch externe Faktoren, die die Konfliktbearbeitung für eine internationale Organisation beeinflussen können. Zum einen wären an dieser Stelle globale Entwicklungen zu nennen, die die Grundlage der internationalen Beziehungen verändert haben. Als Beispiel dient hier das Ende des Ost-West-Konflikts, das dazu geführt hat, dass internationale Organisationen die Möglichkeit hatten, unabhängig der Blockzugehörigkeit weitere Staaten aufzunehmen und somit ihren Regularien zu verpflichten. Ein weiteres Beispiel wäre der 11. September 2001, nachdem die USA verkündete, den weltweiten Terrorismus bekämpfen zu wollen. Dies brachte auch den Terrorismus erstmal auf die Agenda der internationalen Organisationen.15

Außerdem kann es im externen Rahmen auch zu Kooperationen mit anderen konfliktbearbeitenden Organisationen kommen, um eventuell Ziele zu erreichen, die eine Organisation allein nicht erreichen könnte. Gegenteiliges ist aber auch möglich. Es kann zu Konfrontationen kommen, wenn man sich in der Konfliktbearbeitung gegenseitig behindert hat oder seine Handlungsfähigkeit gegenseitig einschränkt. Dies kann schlussendlich dazu führen, dass Probleme nachhaltig beseitigt werden oder man zukünftig sogar eine Kooperation anstrebt, um sich nicht mehr im Wege zu stehen.16

III. Der Israel-Palästina-Konflikt

A) Hauptakteure im Nahost Konflikt

1. Israel und Palästina

Der jüdische Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 nach dem Abzug der Briten aus dem Gebiet gegründet. Er basiert auf einer UN-Resolution aus dem November 1947, in dem mit der nötigen Zweidrittel-Mehrheit beschlossen wurde, dass der Staat Palästina geteilt würde, um die Gründung des Staates Israels zu ermöglichen. Ein bi-nationaler Staat, in dem Juden und Araber gemeinsam Leben, wurde zuvor mehrheitlich abgelehnt. Die Palästinenser und die Mehrheit der heutigen arabischen Liga lehnten die Teilungsrelsolution der UN mit einer großen Mehrheit ab, weil sie nicht akzeptierten, dass andere Staaten über die Aufteilung ihres Landes entschieden.17 Israel musste seine staatliche Existenz in den folgenden Jahrzehnten in sechs großen Kriegen behaupten. Der erste Nahost-Krieg startete einen Tag nach der Gründung des Staates Israel am 15. Mai 1948 mit dem Angriff Ägyptens, Syriens, Libanons, Transjordaniens und des Irak auf den jungen, neuen Staat.18 Ziel der Angreifer war es, die Staatsgründung rückgängig zu machen und den flüchtenden Palästinensern zur Seite zu springen. Allerdings waren die arabischen Truppen zu schlecht ausgerüstet und organisiert, sodass Israel am 07.01.1949 als klarer Sieger des Krieges hervorging. Im Zuge dieses Krieges gelang es Israel, sein Staatsgebiet von den ursprünglich von der UN vorgesehenen 15.100 Quadratkilometern auf 20.766 Quadratkilometer auszuweiten. Das entspricht 78% des ehemaligen britischen Mandatsgebietes Palästina.19

Der von der UN vorgeschlagene arabische Teilstaat „Palästina“ wurde, anders als sein jüdisches Pendant, nie gegründet. Stattdessen teilten die direkt beteiligten arabischen Staaten die Gebiete auf und übernahmen die Verwaltung. Der Gazastreifen fiel unter ägyptische Verwaltung, das Westjordanland (oder Englisch: West Bank) wurde von Transjordanien (ab 1949 „Jordanien“) besetzt und annektierte selbiges im Jahre 1950. Jerusalem, als „Hauptstadt“ der Region, wurde in einen israelischen und jordanischen Teil geteilt. Dabei wurde der Westteil der Stadt jüdisch, während der Ostteil einschließlich der Altstadt samt bedeutenden jüdischen, christlichen und islamischen

Heiligtümern unter jordanische Verwaltung fiel.20 Die Staatsgründung Israels brachte nach Angaben der UN etwa 726.000 palästinensisch-arabische Flüchtlinge hervor, die zumeist in den Gazastreifen und in die angrenzenden arabischen Staaten flohen. Siedlungen und Dörfer von 150.000 Palästinensern, die in Israel blieben, wurden durch Israel zerstört, sodass diesen ihre Lebensgrundlage genommen wurde.

Durch den Sechstagekrieg im Juni 1967, in dem Israel durch einen Überraschungsangriff auf Ägypten, Jordanien und Syrien den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, das Westjordanland und Ost-Jerusalem sowie die Golan-Höhen eroberte, entschieden sich die USA, Israel ab sofort zur obersten Priorität zu machen, was auch auf eine starke jüdische Lobby in den USA zurückzuführen war.21 So konnte sich Israel ab diesem Zeitpunkt auf die volle Rückendeckung der USA verlassen. Zwar hatten die USA auf Druck von der Sowjetunion und der UN den Israelis nahegelegt, ihren Siegeszug durch die umliegenden arabischen Länder zu beenden, um einen weltweiten Konflikt zwischen der UDSSR und den USA zu verhindern (woraufhin die Israelis ihre Kriegshandlung einstellten), allerdings hatten die Amerikaner bereits lange genug zugesehen, sodass Israel sein Staatsgebiet um ein Vielfaches erweitern konnte. Der UN-Sicherheitsrat bestätigte zwar ebenfalls die Unzulässigkeit des kriegerischen Gebietserwerbs durch Israel, Israel jedoc h hielt an den eroberten Gebieten fest, auch, weil das neu kontrollierte Territorium militärisch-strategisch bessere Grenzen für Israel versprach.22 Somit galt Israel ab sofort auch als Besatzungsmacht.

Die nachfolgende Grafik erläutert das zuvor Gesagte nochmals bildlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten23

Israel hatte nun strategisch wichtige Zugänge zum Sueskanal sowie über weite Teile des Ablaufgebietes des Jordans aus dem Roten Meer. Somit kontrollierte Israel auch Schiffsrouten für wichtige Rohstoffe, die schlussendlich im Hafen von Eilat umgeschlagen werden. Israel festigte seine Position in den besetzten Gebieten vor allem durch seine Siedlungspolitik. Die Arbeiterpartei begrenzte diese Politik zunächst noch auf strategisch wichtige Gebiete, um dort eine Art Pufferzone zu errichten. 24 Der Regierungswechsel hin zur nationalkonservativen Likud-Partei, verschärft und erweitert diese Politik und folglich setzt Israel diese Politik nun in allen besetzten Gebieten um. Die Regierung selbst wollte israelische Bürger mit finanziellen Anreizen dazu verleiten, ebenjene Siedlungen zu gründen.25

Nach dem Sechstagekrieg verschärften sich die Spannungen im Nahen Osten weiter. Innerhalb von 18 Monaten füllt die Sowjetunion das Waffenarsenal ihrer geschlagenen arabischen Partner wieder auf, während die USA eine strategische und enge Partnerschaft mit Israel eingingen, welche das Ziel hatte, die Sowjets aus dem Nahen Osten zu vertreiben.26

Die Arabische Liga verkündete auf ihrem Gipfel im September 1967, nicht an Friedensverhandlungen mit Israel teilzunehmen und den Staat Israel auch nicht als solchen anzuerkennen:

„Die Arabische Liga verkündete auf ihrem Gipfel im September 1967 ein dreifaches Nein: nein zum Frieden mit Israel, nein zur Anerkennung Israels und nein zu Verhandlungen mit Israel. Man sprach sich für Aktionen zur Sicherung der Rechte der Palästinenser aus. Für die war die Niederlage der arabischen Staaten eine tiefe Zäsur im politischen Bewusstsein.“27

Im Juli 1968 ließ der palästinensische Nationalrat, das oberste Organ der PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), das palästinensische Manifest, in dem unter anderem festgehalten wurde, dass die Teilung Palästinas 1947 und die Gründung Israels, sowie all das, was darauf folgte und auf dieser Teilung beruhte, nicht anerkannt wird und für null und nichtig erklärt werden.28 Das folgende Wettrüsten und der damit verbundene vierte Nahostkrieg, unterstützt durch die beiden Supermächte aus den USA und der Sowjetunion, fand am 26. Oktober 1973 sein Ende. Weil eine Konfrontation der beiden Supermächte bevorstand, aber von beiden Seiten als zu gefährlich angesehen wurde, entschied man sich einen Waffenstillstand zwischen Israel und Ägypten zu verhandeln, dem sich Syrien ebenfalls anschloss. Daraufhin zog Israel 1974 seine Truppen im Süden und Norden wieder auf den Stand von 1967 zurück, nachdem es im vorherigen Krieg nach einer Gegenoffensive weitere territoriale Gewinne verzeichnet haben. 29 Als Ergebnis dieses Krieges stationierte die UN eine bewaffnete Einsatztruppe (UNEF) im Sinai und richtete auf dem Golan eine von UN-Beobachtern kontrollierte Pufferzone ein. Daraus resultierte wiederum der erste und essenzielle Friedensvertrag im Nahost- Konflikt. Im Abkommen von Camp David vom September 1978 schlossen, durch Vermittlung von US-Präsident Jimmy Carter, Israel und Ägypten Frieden, woraufhin Ägypten die Sinai-Halbinsel und die dort liegenden Ölfelder zurückerhielt. Die dortigen israelischen Siedlungen wurden ebenfalls geräumt. 1982 folgte der fünfte Nahost-Krieg, in dem Israel den Libanon angriff, um die dortige syrische Armee und die PLO zu vertreiben und eine israel-freundliche Regierung zu installieren.30 Man erreichte den Abzug der PLO aus Beirut, die nach wochenlanger Belagerung und Bombardements der Israelis auf die Stadt und schlussendlich auch amerikanischer Vermittlung ihr Hauptquartier von Beirut nach Tunis verlegte.31 Damit gelang ein herber Schlag gegen die palästinensische Befreiungsorganisation. Was folgte, war die erste Intifada (arabisch: loswerden, abschütteln) im Jahre 1987, in der die palästinensische Bevölkerung ihr Schicksal selbst in die Hand nahm und begann, einen weitestgehend zivilen und lokal organisierten Aufstand gegen die israelischen Besatzer zu formieren.32 Zudem sahen sich die israelischen Streitkräfte Anfang der 1990er Jahre mit einem weiteren, neuen Feind konfrontiert. Die Gotteskrieger der Hisbollah formierten sich gegen Israel und setzten es sich zum Ziel, die israelischen Truppen aus dem Libanon zu vertreiben.33

[...]


1 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

2 Aus: Freistein, Katja; Leininger, Julia (2012): Handbuch internationale Organisationen.

3 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

4 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

5 Aus: Freistein, Katja; Leininger, Julia (2012): Handbuch internationale Organisationen.

6 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

7 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

8 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

9 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

10 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

11 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

12 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen

13 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

14 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

15 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

16 Aus: Brummer, Klaus (2005): Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen.

17 Aus: Johannsen, Margret (2017): Der Nahost-Konflikt. Eine Einführung.

18 Aus: Johannsen, Margret (2017): Der Nahost-Konflikt. Eine Einführung.

19 Aus: Johannsen, Margret (2017): Der Nahost-Konflikt. Eine Einführung.

20 Aus: Johannsen, Margret (2017): Der Nahost-Konflikt. Eine Einführung.

21 Aus: Steininger, Rolf (2014): Der Nahost Konflikt.

22 Aus: Johannsen, Margret (2017): Der Nahost-Konflikt. Eine Einführung.

23 Aus: Steininger, Rolf (2014): Der Nahost Konflikt.

24 Aus: Asseburg, Muriel; Busse, Jan (2018): Der Nahostkonflikt.

25 Aus: Asseburg, Muriel; Busse, Jan (2018): Der Nahostkonflikt.

26 Aus: Steininger, Rolf (2014): Der Nahost Konflikt.

27 Aus: Steininger, Rolf (2014): Der Nahost Konflikt.

28 Aus: Steininger, Rolf (2014): Der Nahost Konflikt.

29 Aus: Johannsen, Margret (2017): Der Nahost-Konflikt. Eine Einführung.

30 Aus: Steininger, Rolf (2014): Der Nahost Konflikt.

31 Aus: Johannsen, Margret (2017): Der Nahost-Konflikt. Eine Einführung.

32 Aus: Asseburg, Muriel; Busse, Jan (2018): Der Nahostkonflikt.

33 Aus: Johannsen, Margret (2017): Der Nahost-Konflikt. Eine Einführung.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Wege zur Bearbeitung des Konflikts zwischen Israel und Palästina
Untertitel
Inwieweit beeinflussen internationale Organisationen eine friedliche Konfliktbearbeitung?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
43
Katalognummer
V459707
ISBN (eBook)
9783668904064
ISBN (Buch)
9783668904071
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wege, bearbeitung, konflikts, israel, palästina, inwieweit, organisationen, konfliktbearbeitung
Arbeit zitieren
Lukas Wick (Autor), 2019, Wege zur Bearbeitung des Konflikts zwischen Israel und Palästina, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459707

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