Das Gefangenendilemma. John von Neumann's Einflüsse, die "Spieltheorie" und der sozialwissenschaftliche Anwendungsbereich


Seminararbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Universalgenie John von Neumann
2.1 Unbeschwerte Kindheit im prosperierenden Budapest
2.2 Akademische Laufbahn
2.3 Experte im Krieg

3. Spieltheorie
3.1 Entwicklung der spieltheoretischen Überlegungen
3.2 Das spieltheoretische Modell

4. Gefangenendilemma

5. Anwendungsgebiet Sozialwissenschaft

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Strafmatrix des klassischen Gefangenendilemmas

Abbildung 2: Strafmatrix des Mitarbeitergesprächs.

1. Einleitung

Sowohl in Klimaverhandlungen, Mitarbeitergesprächen als auch in Verhandlungen im ökonomischen Kontext erscheint das Gefangenendilemma als probates Mittel zur Konstruktion strategischer Interaktionen involvierter Verhandlungspartner. Mit dem Ziel einer Nutzenerhöhung auf kollektiver Ebene werden in der Sozialwissenschaft soziale Dilemmata mathematisch mittels der Spieltheorie respektive dem wichtigsten Spiel dieser Kategorie – dem Gefangenendilemma – ausgelegt. Diesen Weg ebneten John von Neumann und Oskar Morgenstern vor mehreren Jahrzehnten, indem sie die Spieltheorie mathematisch begründeten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Spieltheorie als eigene Forschungsdisziplin und findet heute in Form des davon abgeleiteten Gefangenendilemmas in diversen Kontexten Anwendung, aufgrund ihrer jeweiligen kontextbezogenen Modifikation. Die Multifunktionalität dieser Theorie lässt die wissenschaftliche Betrachtung von John von Neumann, seinem Beitrag für die Mathematik und explizit die Spieltheorie und das daraus entstandene Gefangenendilemma als sinnvoll erscheinen und soll mit dem Titel: Das Gefangenendilemma - John von Neumann's Einflüsse, die ,,Spieltheorie" und der sozialwissenschaftliche Anwendungsbereich beleuchtet werden, um die Zusammenhänge dieser Triade verständlich zu machen.

In der folgenden Arbeit wird mit dem Forschungsdesign Literaturarbeit John von Neumann biografisch vorgestellt, die Spieltheorie mit dem darin wichtigsten Spiel, dem Gefangenendilemma, betrachtet und deren sozialwissenschaftliche Bedeutung abgeleitet. Als angehende Sozialarbeiterin ist dieser Anwendungsbereich sehr relevant und das Praxisbeispiel eines Zielvereinbarungsgesprächs zwischen Vorgesetzer bzw. Vorgesetztem und einem Mitarbeiter respektive einer Mitarbeiterin perspektivisch im beruflichen Sektor sehr von Bedeutung und aufschlussreich.

In den folgenden Kapiteln wird zunächst John von Neumann vorgestellt. Seine ungarischen Ursprünge, berufliche sowie akademische Erfolge und seine Rolle im Zweiten Weltkrieg deskriptiv erläutert. Anschließend wird die Spieltheorie, die er zusammen mit seinem langjährigen Wegbegleiter Oskar Morgenstern entwickelte beschrieben, um Verständnis für das folgend erläuterte Gefangenendilemma zu gewährleisten. Anschließend daran werden Praxisbeispiele des Gefangenendilemmas konstruiert, mit dem Ziel, deren vielfältige Anwendung aufzuzeigen. Im letzten Kapitel wird die Triade zwischen John von Neumann, seiner entwickelten Spieltheorie und dem Gefangendilemma zusammenfassend dargestellt und ein Ausblick über die Relevanz der Thematik gegeben.

2. Das Universalgenie John von Neumann

Nobelpreisträger und Jugendfreund Eugene Wigner konstatiert John von Neumann solch herausragende analytischen Fähigkeiten, dass er ihm bei exakter Analyse egal welcher aufkommender Problematik zutraut, anschließend in jedem Falle die bestmögliche Lösung eruieren zu können (vgl. Macrae 1994, S. 14). Insgesamt fünf der sechs aus Ungarn stammenden Nobelpreisträger waren im Zeitraum 1875 und 1905 geboren und jüdischer Abstammung (vgl. ebd., S. 34). Angesprochen auf diese goldene Generation, die diese Vielzahl an Genies hervorbrachte, entgegnete Wigner, selbst einer der genannten Nobelpreisträger: „[…] er verstehe die Frage nicht. Ungarn habe damals nur ein Genie hervorgebracht, Johnny von Neumann.“ (vgl. ebd., S. 37)

Herausragende Leistungen gelangen John von Neumann in zahlreichen Professionen, wie der theoretischen sowie angewandten Physik. Er galt als Wunderkind, herausragender Student und setzte Meilensteine in der Biologie und Meteorologie. In der Ökonomie generierte er eine Spieltheorie, die erst Jahre später den gesamten Fachbereich verändern sollte (vgl. ebd., S. 13).

2.1 Unbeschwerte Kindheit im prosperierenden Budapest

„Geboren mit einem silbernen Löffel im Mund“ (Macrae, 1994, S. 37) wuchs der am 28.12.1903 in Budapest geborene John von Neumann in einer der aufstrebendsten Metropolen Europas auf. Diese Zeit war geprägt durch wirtschaftlichen Aufschwung, das Hervorbringen zahlreicher einflussreicher Musiker, Wissenschaftler und Schriftsteller und die Profession Erzieher stand in hoher Anzahl an Fachkräften stellvertretend für das exzellente Bildungssystem (vgl. ebd.). Nach erfolgreicher schulischer Ausbildung und dank ausreichender Liquidität seiner Familie winkte ein Platz auf einer der drei besten Oberschulen weltweit (vgl. ebd.). Bereits als Kind offenbarte Johnny enormes Interesse an wissenschaftlichen Fragestellungen und entwickelte ein nahezu fotografisches Gedächtnis (vgl. Von Neumann 1991, S. 8). Johnny, wie er in Anlehnung an seine Bescheidenheit genannt werden wollte, war jüdischer Abstammung (vgl. ebd., S. 13), wobei er dieser Tatsache und dem Judentum generell wenig Beachtung zukommen ließ (vgl. ebd., S. 46). Die erfolgreichsten Schüler der renommierten Oberschulen, die allesamt von christlichen Kirchen gegründet wurden, waren Juden (vgl. ebd., S.37). Auch als sich zwischen 1910 und 1930 die naturwissenschaftlichen Disziplinen und allen voran die Mathematik im Zentrum der Erforschung stand, partizipierten vorwiegend Juden an dieser wissenschaftlichen Euphorie (vgl. ebd., S. 46).

2.2 Akademische Laufbahn

Nachdem John von Neumann seine Schulbildung erfolgreich absolvierte, entschied er sich für den Studiengang Chemie (vgl. Neumann 1991, S. 8). Wunderle (vgl. 2015, S. 89) postuliert hierbei, dass es sich um ein Studium der Chemie-Ingenieurwesens handelte. Johnny beschäftigte sich bereits während diesem Studienabschnitt sehr intensiv mit seiner wahren Affinität – der Mathematik (vgl. ebd.). An insgesamt drei Standorten, darunter die Universität Berlin, die Technische Hochschule Zürich und die Universität Budapest in seiner Heimat Ungarn studierte von Neumann (vgl. Von Neumann 1991, S. 8). Er promovierte im Jahre 1926 an der Mathematischen Fakultät der Budapester Universität und führte seine akademische Ausbildung nur ein Jahr später fort in Form von einer Anstellung als Privatdozent an der Berlin Universität, womit er als einer der jüngsten seiner Epoche solch ein Amt erlangte (vgl. ebd.).

Ausgestattet mit einem Stipendium und tätig als Forschungsassistent, pendelt John von Neumann zwischen Berlin und Göttingen, um seinen vielfältigen Aufgaben auch als Privatdozent nachzukommen (vgl. Wunderle 2015, S. 90). Aus einer Einladung an die Princeton University entwickelte sich durch anfängliche Gastvorträge eine Anstellung im neu implementierten Institute for Advanced Study in Princeton (vgl. ebd.).

2.3 Experte im Krieg

John von Neumann und sein Kollege Oskar Morgenstern verfassten im Jahre 1928 ein Manuskript mit dem Titel Spieltheorie (vgl. Schirrmacher 2013, S. 59. In der wirtschaftlichen Disziplin erlangte die Spieltheorie zunächst kaum Beachtung, jedoch wandte von Neumann die Erkenntnisse seiner Theorie bereits praktisch im Militär an (vgl. ebd.). Explizit die Weiterentwicklung der geplanten Atombombe zählte hierbei zu seinen Hauptaufgaben (vgl. ebd.).

Jetschke (vgl. 2017, S. 287) beschreibt die militärische Lage in der Zeit des Zweiten Weltkriegs wie einen Wettkampf zwischen Deutschland und Amerika mit dem Ziel der Implementierung einer erfolgreich und zielgerichtet detonierenden Atombombe. Albert Einstein, seiner Zeit in Amerika als Forscher tätig, warnte die USA vor den Plänen Deutschlands die Weiterentwicklung der Atombombe zu forcieren (vgl. ebd.). Dies spornte die Amerikaner an in einem streng geheimen Manhattan-Projekt noch schneller an der atomaren Bombe zu arbeiten und selbst als klar war, dass Deutschland die erfolgreiche Umsetzung verwehrt bleiben wird, tat dies keinen Abbruch der amerikanischen Bemühungen (vgl. ebd.). Von Neumann wurde zu Rate gezogen, um aktiv am Manhattan-Projekt mitzuwirken, ehe man ihn nach einigen Fehlversuchen wieder abzog, um die Hintergründe der Misserfolge zu erforschen (vgl. Blask & Windhorst 2009).

3. Spieltheorie

3.1 Entwicklung der spieltheoretischen Überlegungen

Bereits im Jahre 1928 veröffentlichte John von Neumann einen Beitrag mit dem Titel „Zur Theorie der Gesellschaftsspiele“ (vgl. Von Neumann 1928, S. 295), worin die Frage beantwortet wird, wie man bei einem Gesellschaftsspiel mit einer beliebigen Anzahl n von Mitspielern das bestmögliche Ergebnis für sich selbst generiert. Von Neumann postulierte eine Generalisierung dieser für ihn allgemeingültigen Fragestellung auf sämtliche Lebensbereiche – die Antwort dieser Frage schien für ihn von hohem gesellschaftlichen Nutzen (vgl. ebd.). Das Schicksal eines jeden Teilnehmers an einem existierenden Spiel wird durch sowohl das eigene Verhalten, als auch durch das der Mitspieler determiniert (vgl. ebd.). Es lassen sich demzufolge Interdependenzen ableiten, obwohl bestimmte Ereignisse dem Zufall obliegen und andere eben nicht (vgl. ebd., S. 296).

Erst mit der Veröffentlichung des Buches „Theory of Games and Economic Behavior“ (vgl. Neumann & Morgenstern 1944) erlangte Neumann mit seinem Co-Autor Morgenstern ausreichend Aufmerksamkeit, um daran anschließende Forschungsprojekte in Gang zu setzen (vgl. Selten 2001, S. 2). Markant hierbei ist die Tatsache, dass durch ein einziges Buch eine allseits bekannte und anerkannte Forschungsdisziplin generiert wurde, die mathematisch-wissenschaftliche Fragestellungen beantworten soll (vgl. Berninghaus et al. 2010, S. 1; vgl. Schlee 2004, S. 1). Neumann und Morgenstern lernten sich im Jahre 1940 in den Vereinigten Staaten kennen, erarbeiteten vier Jahre lang meist Tag und Nacht am Entwurf der Spieltheorie und veröffentlichten diesen schließlich in einem 1.200 Seiten umfassenden gedruckten Exemplar (vgl. Wildmann 2007, S. 199). Tobender Beifall lautete das Feedback aus sämtlichen Branchen und diverse Titelblätter der prominentesten Zeitschriften zierten die beiden Autoren, wie das der New York Times. (vgl. ebd.).

3.2 Das spieltheoretische Modell

Der Grundgedanke hinter der Spieltheorie war laut Neumann und Morgenstern die Wissenslücke von formalen Theorien im ökonomischen Bereich zu verringern bei gleichzeitiger Weiterentwicklung der Forschungsdisziplin Mathematik (vgl. Berninghaus et al. 2010, S. 1). Des Weiteren wurde die Gesellschaft für strategisches Kalkül und somit Bewusstsein für unternehmerische Entscheidungen unter Berücksichtigung der Handlungen von Konkurrenten sensibilisiert. Mithilfe der Spieltheorie lassen sich optimale Entscheidungen treffen, wenn Interdependenzen vorliegen und somit eigenen Entscheidungen abhängig sind von denen anderer (vgl. Winter 2015, S. 5). Mittels mathematischer Formeln werden potentielle strategische Entscheidungen analysiert und bewertet (vgl. Bartholomae & Wiens 2016, S. V). John McDonald postulierte, dass „Spieltheorie wie kein anderer Ansatz erklären kann, welche Faktoren Entscheidungen beeinflussen.“ (vgl. Davis 2005, Vorwort.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Gefangenendilemma. John von Neumann's Einflüsse, die "Spieltheorie" und der sozialwissenschaftliche Anwendungsbereich
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V459708
ISBN (eBook)
9783668907676
ISBN (Buch)
9783668907683
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gefangenendilemma, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Jana Täuber (Autor), 2018, Das Gefangenendilemma. John von Neumann's Einflüsse, die "Spieltheorie" und der sozialwissenschaftliche Anwendungsbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459708

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