Kinderarmut in Deutschland und ihre sozialpolitischen Handlungskonsequenzen


Hausarbeit, 2018

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Motivation zur Themenwahl
1.2 Aufbau der Hausarbeit

2. Definition Armut
2.1 Armut allgemein
2.2. Relative Armut und Ressourcenansatz
2.3 Verdeckte Armut
2.4 Lebenslagenansatz und kindsbezogenes Armutskonzept

3. Riskiogruppen Armut
3.1 Kinderreiche Familien
3.2 Ausländische Familien
3.3 Alleinerziehende

4. Folgen von Armut
4.1 Bildung und soziale Mobilität
4.2 Gesundheit
4.3 Wohnsituation
4.4 Soziale und gesellschaftliche Integration

5. Primäre Armutsursachen
5.1 Arbeitsmarktsituation
5.2 Mangelnde Bildungsausgaben und Betreuungsangebote

6. Sozialpolitische Konsequenzen
6.1 Getroffene und geplante sozialpolitische Maßnahmen
6.2 Kritik an geplanten und getroffenen sozialpolitischen Entscheidungen

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Motivation zur Themenwahl

In meiner Tätigkeit als Sozialpädagoge in der ambulanten Familienhilfe, begegnen mir täglich Familien, Kinder und Jugendliche, die unter prekären Bedingungen leben und aufwachsen müssen. Es sind Familien, die auf engstem Raum leben, Eltern, die seit vielen Jahren von staatlichen Zuwendungen leben und Kinder, die die Klamotten ihrer großen Geschwister auf- tragen müssen. Das Ausmaß kann teils erschütternd wirken. Neben diesen subjektiven Ein- drücken, möchte ich mich mit der Faktenlage in Deutschland näher auseinandersetzten. Dabei offenbart ein Blick in den Armutsbericht des paritätischen Verbands schnell, wie präsent die Armut in Deutschland ist. Seit 2006 steigt die Armutsquote kontinuierlich an. Im Jahre 2015 erreichte sie einen neuen negativen Rekord von 15,5 % in Armut lebenden Menschen.1 Be- sonders Familien sind hiervon betroffen. 2,6 Millionen Kinder unter 15 Jahren leben in ar- mutsgefährdeten Familien. Das bedeutet, jedes vierte Kind unter 15 Jahren ist in Deutschland von Armut betroffen oder gefährdet (24,2%)2. Doch interessiert mich besonders inwieweit die Armut das Leben dieser betroffenen Familien konkret beeinflusst und wie das Problem sozi- alpolitisch angepackt werden muss. Durch meine Erfahrungen in der ambulanten Jugendhilfe möchte ich daher in dieser Hausarbeit das Problem der Kinderarmut in Deutschland beleuch- ten und der Frage nachgehen, welche sozialpolitischen Konsequenzen gezogen werden müs- sen.

1.2 Aufbau der Hausarbeit

Armut als solche ist ein riesiges und umfassendes Forschungsgebiet. Trotz der Beschränkung auf die Kinderarmut in Deutschland und dessen sozialpolitische Handlungsschritte, kann das Thema im Rahmen dieser Hausarbeit nicht in seiner vollen Gänze aufgegriffen werden.

Beginnen werde ich mit der Vorstellung von verschiedenen Armutskonzepten. Hier erfährt der Leser worauf in der Armutsforschung geachtet wird und welche Indikatoren herangezogen werden. Im darauffolgenden Kapitel beschäftige ich mich mit den Risikogruppen der Armut. Welche Gruppen sind besonders stark bedroht und leben faktisch häufiger als Vergleichs- gruppen in Armut? Im Fokus liegen sollen hierbei Familien. Anschließend werden die Folgen von Armut thematisiert. Insbesondere wird hierbei auf Bildung, Gesundheit, Wohnen und Integration eingegangen. Im fünften Kapitel nähert sich die Arbeit dem sozialpolitischen Handlungsfeld. Es werden die primären Armutsursachen in Deutschland benannt und not- wendige politische Interventionen dargestellt. Der sechste Abschnitt wirft einen Blick auf bisherige umgesetzte Maßnahmen und auf geplante Vorhaben die versuchen in Zukunft die Kinderarmut in Deutschland einzuschränken. Abschließend fasse ich im Fazit meine eigenen Gedanken zu diesem Thema zusammen.

2. Definition Armut

2.1 Armut allgemein

Auf eine einheitliche Armutsdefinition konnte sich bisweilen, weder politisch noch wissen- schaftlich, geeinigt werden. Die Armutsforschung arbeitet mit den Konzepten des Ressour- cen- und Lebenslagenansatzes. Während der Ressourcenansatz sich auf die monetären Mög- lichkeiten von Familien konzentriert, arbeitet der Lebenslagenansatz mit einem größeren Re- pertoire an Indikatoren, wie Bildung, Wohnen, Gesundheit und subjektives Erleben.3

In den 1960er Jahren führte die Bundesregierung in Deutschland erstmals die Sozialhilfe ein. Diese sollte Armut ausschließen und jedem Bürger ein Leben ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht. Bis in die 1980er Jahre wurde mit dem sogenannten Warenkorbmodell genau berechnet, welche Konsumgüter ein jeder Mensch brauchen würde. In den 1980er Jah- ren wurde diese Methode von dem bis heute währenden Statistikmodell abgelöst. Regelsätze werden aus den Erkenntnissen, der Einkommens- und Verbraucherstichproben des Statisti- schen Bundesamts, alle fünf Jahre berechnet. Hierbei wird das Konsumverhalten der unteren 15% der einkommensschwächsten Haushalte betrachtet. Anschließend wird restriktiv bewer- tet, welche Ausgaben Sozialhilfeempfängern nicht zustehen sollten.4

Unter der absoluten Armut wird eine Unterschreitung des physischen Existenzminimums ver- standen. Sie markiert einen lebensbedrohlichen Zustand, in dem es an grundlegenden Gütern wie Nahrung, Kleidung, Wohnung und gesundheitlicher Vorsorge mangelt. Soziale und kul- turelle Teilhabe werden in diesem Konzept nicht aufgegriffen. Aufgrund der sozialen Siche- rungssysteme und dem hohen Lebensstandard, eignet sich das Konzept nicht zur Messung der Armut in Deutschland und findet in dieser Hausarbeit keine weitere Betrachtung.5

2.2. Relative Armut und Ressourcenansatz

Das Konzept zur relativen Einkommensarmut entstand in den achtziger Jahren als alternativer Ansatz zu den Armutsauslegungen nach dem Warenkorb- oder Statistikmodell. Armut richtet sich hierbei nach dem Einkommensdurchschnitt der Bevölkerung. Arm ist, wer über weniger als 50% des Durchschnittseinkommens verfügt. Das Modell sieht weitere Abstufungen vor. Wer über weniger als 40% des mittleren Einkommens verfügt, ist von strenger Armut betrof- fen und bei weniger als 60% besteht ein Armutsrisiko.6 Die relative Armut wird in dieser Hausarbeit als primäres Maß zur Feststellung von Armut genutzt.

Das Konzept weist auf die Kohäsion innerhalb einer Gesellschaft hin. Mit dem Reichtum ei- ner Gesellschaft wachsen die Hürden der Teilhabemöglichkeiten. Wenn die Ansprüche an den mittleren Standard steigen, werden sich Menschen trotz zur Verfügung stehender Grundver- sorgung, wie Nahrung oder Wohnraum, als arm empfinden. Im Gegensatz zu Modellen, die sich an der reinen Existenzsicherung orientieren, offenbart dieser Ansatz die tatsächliche Mit- te der Gesellschaft und die Diskrepanz zwischen arm und reich.7

Bereits erwähnt wurde die Vergrößerung der relativen Armutsquote in den letzten 20 Jahren. Zeitgleich vergrößerte sich jedoch auch die obere Einkommensgruppe kontinuierlich. Die Mitte der Gesellschaft verliert zunehmend an Größe und bringt unweigerlich soziale Probleme mit sich.8

Die Armutsentwicklung der letzten 60 Jahre in Deutschland kann anhand zweier Indikatoren betrachtet werden. Zum einen können die Sozialhilfeempfängerzahlen herangezogen werden und zum anderen können die Zahlen der relativen Einkommensarmut miteinander verglichen werden. In beiden Betrachtungsweisen zeigt sich in der deutschen Nachkriegsgeschichte zu- nächst eine schwindende Armutsbetroffenheit, die allerdings ab den 1970er Jahren entgegen der Prognosen kontinuierlich ansteigt. Noch 1970 verdreifachte sich die Zahl der Sozialhilfe- empfänger von unter 1% auf 3,6 % der Bevölkerung. Die Einkommensarmut von 6,5 % in Armut lebender Menschen 1970 erreichte im Jahre 2009 einen Anstieg auf 15,0 %.9

In der Armutsforschung werden über das Einkommen hinaus, die konkreten materiellen Ent- behrungen innerhalb der Bevölkerung untersucht. Dabei wird erhoben, ob beispielsweise ge- nug Geld für ein Fernsehgerät, ein Auto, ein Telefon, zum Heizen der Wohnung oder zur Til- gung von Schulden zur Verfügung steht. Der Datenreport des sozioökonomischen Panels ar- beitete 2016 mit neun verschiedenen Kriterien. Bei mindestens drei erfüllten Kriterien wird von materieller Entbehrung und ab vier erfüllten Kriterien von erheblicher materieller Ent- behrung gesprochen. 2014 waren in Deutschland 11,3% bzw. 5,0% betroffen.10

Der Ressourcenbegriff umfasst alle ökonomischen Mittel, die einer Person zur Verfügung stehen. Dabei werden neben dem Einkommen auch Vermögen, Human- und Arbeitskapital, private Zuwendungen und auch staatliche Leistungen herangezogen. Zwar ist der Ressourcen- ansatz Teil der relativen Armut, geht jedoch in seiner Interpretation weiter. Es wird ermittelt, inwieweit die Einnahmen ausreichen, um soziale und kulturelle Teilhabe zu leben. Das sozio- kulturelle Existenzminimum steht im Vordergrund der Betrachtung.11

2.3 Verdeckte Armut

Die verdeckte Armut kann als Dunkelziffer der Armut verstanden werden. Es handelt sich hierbei um Personen, deren Einkommen unterhalb des Mindestnettoeinkommens liegt, sie aber dennoch ihren Sozialhilfeanspruch nicht wahrnehmen. Die verdeckte Armut gilt als be- sonders gravierend und hartnäckig, da die Betroffenen unter dem politisch bestimmten Exis- tenzminimum leben. Dem gegenüber steht die Gruppe der bekämpften Armut. Umfasst sind alle Bürger die aufgrund mangelnden Einkommens ihre Ansprüche geltend machen und so einen Grundstandart aufrechterhalten können. Schätzungen gehen davon aus, dass die Dun- kelziffer annährend die Höhe der Sozialhilfeempfänger erreicht.12

Die Ursachen der verdeckten Armut können auf drei Ebenen untersucht werden. Zum einen spielt die Eigeninitiative des Bürgers eine Rolle, zum anderen die Maßnahmen auf der politi- schen- und der Verwaltungsebene.13

2.4 Lebenslagenansatz und kindsbezogenes Armutskonzept

Der Lebenslagenansatz sieht in Armut mehr als nur einen finanziellen Notstand. Armut muss unter multidimensionalen Gesichtspunkten betrachtet werden. Die europäische Union defi- nierte Armut als einen Mangel an materiellen, kulturellen und sozialen Mitteln, die zum Aus- schluss von einem Mindestmaß an gesellschaftlicher Teilhabe führen. Diese Betrachtung rückt die konkreten Lebenslagen, über die Einkommensverhältnisse hinaus, in den Fokus. Arm ist jener Mensch, der nicht befähigt ist an den Lebensweisen der Gesellschaft teilzuneh- men. Demnach beziehen sich Lebenslagen auf Gesundheit, Bildung, Wohnraum, Einkommen, Erwerbsarbeit und Rücklagen.14

Ressourcen und Lebenslagen sollen in diesem Ansatz jedoch nicht synonym verstanden wer- den. Ressourcen beschreiben die Handlungsmöglichkeiten, die Menschen als Input in ihren Lebenssituationen dienen. Die finanziellen Möglichkeiten einer Familie sind hierbei aus- schlaggebend. Lebenslagen gehen darüber hinaus. Dr. Dietrich Engels schreibt dazu in seinem Artikel „Lebenslagen“ im Lexikon der Sozialwirtschaft: „Die „Lebenslage“ meint beide Sei- ten innerhalb der Wechselbeziehung zwischen erreichter Lebensqualität als „Output“ und Ausgangslage/ Ressource/ Input für weiteres Handeln.“15.

Der Lebenslagenansatz kann also als Erweiterung des Ressourcenansatzes verstanden werden. Es wird angenommen, dass die Einkommensarmut zu einer Unterversorgung in weiteren Le- bensbereichen des Betroffenen führt, die zur Bestimmung der tatsächlichen Armutssituation mit erfasst werden müssen. So sind bspw. soziale Beziehungen, Gesundheit, Ernährung und Bildung nicht primär einkommensabhängig und trotzdem signifikant schlechter ausgeprägt in einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen. Insbesondere Kapitel 5 dieser Arbeit wird den Zusammenhang zwischen der Einkommensarmut und den Mängeln in weiteren Lebenslagen aufzeigen.16

Für die Armutsbetrachtung von Kindern und Jugendlichen sind die Lebenslagen ausschlagge- bend. Im kindsbezogenen Armutskonzept wird ein multidimensionaler Blick auf Entwick- lungsmöglichkeiten, Teilhabe- und Lebenschancen des jungen Menschen geworfen. Die kon- krete Lebenslage des Kindes ergibt sich aus der materiellen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Ebene. Beobachtet werden Einschränkungen innerhalb dieser Kategorien, um eine Einschätzung zwischen Wohlergehen, Benachteiligung und multipler Deprivation festzustel- len. Das Wohlergehen beschreibt keinerlei Auffälligkeiten. Von einer Benachteiligung wird gesprochen, wenn in einem oder zwei Bereichen Einschränkungen erkannt werden. Die mul- tiple Deprivation beschreibt ein Mangel an Ressourcen auf mindestens drei Ebenen.17

Kurze Zusammenfassung, welche Definition nun warum für deine Arbeit entscheidend ist. Kann auch ein Mix aus den Definitionen sein.

3. Riskiogruppen Armut

3.1 Kinderreiche Familien

In Deutschland haben 53% der Familien ein Kind, 36% zwei Kinder und 11% haben mehr als drei Kinder.18 Jedes Kind bedeutet für die Familie, eine Person, die es unterzubringen und zu ernähren gilt, die aber gleichzeitig kein eigenes Einkommen erwirtschaftet. Es ist nur allzu logisch, dass kinderreiche Familien in der Folge stärker von Armut bedroht sind als andere Gruppen. Einen signifikanten Anstieg des Armutsrisikos wird ab dem dritten Kind verzeich- net. In dieser Lebensform leben etwa 25 % der Menschen in Einkommensarmut.19

Die vierte AWO-ISS-Studie aus dem Jahr 2010 untersucht die Lebenslagen und Zukunfts- chancen von armen Kindern und Jugendlichen. In der Stichprobe der AWO-ISS-Studie lebten bei drei Kindern sogar 31% der Familien in Armut und 47% in prekärem Wohlstand. Bei vier oder mehr Kindern lebten 60% in Armut und 33 % in prekärem Wohlstand.20

3.2 Ausländische Familien

Ausländische Familien und solche mit Migrationshintergrund machen einen immer größeren Teil aller Familien in der Bundesrepublik aus. 2014 hatte in 2,5 Millionen Familien mindes- tens ein Elternteil ausländische Wurzeln. Die Gruppe macht 30% aller Familien mit minder- jährigen Kindern aus. In den letzten 10 Jahren wuchs die Gruppe um 3% mit steigender Ten- denz. Familienstruktur und Einkommensverhältnisse unterscheiden sich stark von Vergleichs- gruppen. So befinden sich Familien mit Migrationshintergrund deutlich häufiger in der kin- derreichen Risikogruppe. 15 % der Familien haben drei oder mehr Kinder. Nicht- Migrationsfamilien liegen hier bei lediglich 9%. In der Einkommensverteilung beziehen 10% weniger als 1300€ und 42% zwischen 1300€ und 2600€. Die Vergleichsgruppe bewegt sich mit 9% bzw. 27% deutlich seltener in den geringen Einkommensklassen.21

Diese Einkommensunterschiede werden nicht nur im Datenreport festgestellt. Die obenge- nannte AWO-ISS-Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Armut und Migration. Unter anderem wurden Familien mit Migrationshintergrund untersucht, in denen Jugendliche im Alter zwischen 16 und 17 Jahren lebten. Die Ergebnisse zeigen, dass 38% dieser Familien- formen von Armut betroffen waren und 44 % unter prekärem Wohlstand (familiäres Ein- kommensniveau liegt zwischen 50% – 75% des durchschnittlichen Einkommens) lebten. Le- diglich 18% lagen im unter- bzw. überdurchschnittlichen Bereich. Innerhalb der Gruppe der Migrantenfamilien mit Jugendlichen, ergaben sich je nach Herkunft deutliche Einkommens- unterschiede. So bezog jede dritte Aussiedlerfamilie mehr als 75 % des mittleren Einkom- mens, während türkische Familien zu 43 % arm waren und 54 % unter prekärem Wohlstand lebten. Insgesamt bezogen also nur 3 % der untersuchten türkischen Familien Einkommen in der Nähe des Durchschnittseinkommens. Als Vergleich dienten deutsche Familien, in denen Jugendliche im gleichen Alter lebten. Hier lebten nur 18% in Armut und 34% unter prekärem Wohlstand. Knapp jede zweite deutsche Familie lebte oberhalb der Armutsrisikogrenze.22

Gemäß der Chicagoer Annahme führt soziale Ungleichheit auch zu einer räumlichen Un- gleichheit. Bewertet man den massiven Überhang der armutsbetroffenen Migrationsfamilien, entsteht ein Erklärungsansatz nicht nur für die soziale, sondern auch für die ethische Segrega- tion in vielen Stadtvierteln.23

Im Abschnitt 5.3 wird genauer auf die Stadtviertel armutsbetroffener Menschen eingegangen.

3.3 Alleinerziehende

Alleinerziehende Elternteile gelten in Deutschland als Armutsrisikogruppe. Von insgesamt 18,6 Mio. minderjährigen Kindern in Deutschland werden 18 % von lediglich einem Elternteil erzogen. Die Familienform ist im Zeitraum zwischen 2004 und 2014 um 4% gewachsen und wird voraussichtlich weiteren Zulauf erhalten. 2014 lebten 36% der Einelternfamilien mit weniger als 1300€ im Monat. Der Durchschnitt aller Familienformen bezieht nur zu 9% ein geringeres Einkommen als 1300€.24

Die Angaben des statistischen Bundesamts belegen für das Jahr 2015 eine Armutsgefährdung für jeden dritten alleinerziehenden Elternhaushalt. Im Jahr 2011 bezogen 40% aller Alleiner- ziehenden Leistungen gemäß SGB II. Vergleichsweise liegt die Armutsgefährdung bei Paaren mit zwei Kindern lediglich bei 10,1 % und nur 8% der Paarfamilien beziehen staatliche Trans- ferleistungen. In Deutschland sind 1,6 Millionen Elternteile alleinerziehend. Jedes fünfte Kind lebt in einer Einelternfamilie. Mit 90 % sind weitaus häufiger Frauen alleinerziehend. Die Armutsgefährdungsquote der Einelternfamilien wuchs in den letzten Jahren stärker, als die der allgemeinen Bevölkerung. In der Armutsforschung werden drei zentrale Indikatoren her- angezogen, um die Armutsgefährdung von Alleinerziehenden zu begründen.

[...]


1 vgl. Schneider (2015). In: Schneider, S.12

2 Götz (2016), S. 62

3 Vgl. Altgeld/ Hofrichter (2015). In: Altgeld,/ Hofrichter, S. 13f.

4 Vgl. Schneider (2015). In: Schneider, S.14 - 16

5 Vgl. Waida (2007), S. 74

6 Vgl. Schneider (2015). In: Schneider S. 17

7 Vgl. Schneider (2015). In: Schneider S. 23f.

8 vgl. Hanesch (2011). In: Hanesch, S. 10

9 vgl. Groh-Samberg (2015), S.36 -39

10 vgl. statistisches Bundesamt (2016), S. 172 - 175

11 vgl. Waida (2007), S. 76

12 vgl. Alisch/ Dangschat (1998), S. 23

13 vgl. Strengmann-Kühn (2003), S. 180f.

14 vgl. Groh-Samberg (2015), S. 42 u. 44

15 Engels (2008), S. 645

16 vgl. Waida (2007), S. 77f

17 vgl. Laubstein u.a (2017), S.9f.

18 vgl. statistisches Bundesamt (2016), S. 52

19 vgl. Becker (2017), S. 10

20 vgl. Laubstein u.a (2010), S. 25

21 vgl. statistisches Bundesamt (2016), S.51f.

22 vgl. Laubstein u.a (2010), S. 25

23 vgl. Friedrichs (2011. In: Hanesch, S. 50f.

24 Vgl. Statistisches Bundesamt (2016), S. 43. u. 52f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Kinderarmut in Deutschland und ihre sozialpolitischen Handlungskonsequenzen
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Sozialpolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V459874
ISBN (eBook)
9783668883062
ISBN (Buch)
9783668883079
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderarmut, Armut, Sozialpolitik
Arbeit zitieren
Phillip Schilling (Autor), 2018, Kinderarmut in Deutschland und ihre sozialpolitischen Handlungskonsequenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459874

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