Ende der Politik? - Wilhelm Hennis zur Krisis der Politik in der Neuzeit


Seminararbeit, 2004
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Zusammenfassung der Aussagen des Textes

3 Zuordnung des Textes zur politikwissenschaftlichen Tradition
3. 1 Verortung des Textes in der Theorienlandschaft
3. 2 Strukturelle Unterscheidung politischer Herrschaft
3. 3 Art und Weise politischer Herrschaft
3. 4 Der Bezugsrahmen politischer Herrschaft
3. 5 Position des Autors und wissenschaftstheoretische Schule

4 Eignung der Position des Textes zur Analyse der heutigen politischen Realität in modernen Gesellschaften und Schlussbemerkung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Aufgabe dieser Seminararbeit ist es, einen anfänglich nach Verfasser und Entstehungszeit unbekannten Text[1], 1. in seinen wichtigsten Aussagen zusammenzufassen; 2. in einer komplexeren Ausführung den Text einer politiktheoretischen Tradition zuzuordnen; 3. kritisch die Position des Textes dahingehend zu diskutieren, inwiefern diese geeignet ist, politische Realitäten in modernen Gesellschaften zu analysieren.

Das Hauptaugenmerk vorliegender Arbeit wird auf den klassischen Positionen der politiktheoretischen Tradition liegen, das heißt, welchen klassischen Positionen schließt sich der Autor, Wilhelm Hennis, an und von welchen setzt er sich ab. Dies soll exemplarisch an den Klassikern Aristoteles „Politik“[2] (pro) und Thomas Hobbes „Leviathan“[3] (contra) erfolgen. Argumentationsweise und Standpunkt des Textes werden hierzu in der Theorienlandschaft ein- und die Positionen des Autors einer wissenschaftstheoretischen Schule zugeordnet. Interessant erschien mir bei der Bearbeitung dieser Fragen auch die Neuinterpretation von Max Weber durch Wilhelm Hennis, sprich die Verortung des wissenschaftlichen Interesses Max Webers näher an der praktischen Philosophie denn bei den empirischen Sozialwissenschaften, und damit die Nähe der von Hennis vertretenen Positionen zu denen von Max Weber. Den Rahmen einer Seminararbeit hätte die Auseinandersetzung mit dem Max-Weber-Œuvre[4] von Wilhelm Hennis jedoch gesprengt und so konzentriere ich mich für die Anschlusspositionen auf den Klassiker der politiktheoretischen Tradition – Aristoteles.

In der Erörterung der von Wilhelm Hennis vertretenen Haltung und ihrer nicht abstreitbaren Aktualität, ihrem Bezug zur politischen Realität in modernen Gesellschaften werde ich mich im wesentlichen auf die Strukturprobleme der Demokratien und den Prozess der Globalisierung konzentrieren. Nahtlos gehen diese Ausführungen in eine Schlussbemerkung über.

2 Zusammenfassung der Aussagen des Textes

Am Anfang des Aufsatzes von Wilhelm Hennis steht die für die Politikwissenschaft schicksalhafte Frage nach dem Ende der Politik. Untertitelt wird das reißerische Thema mit der Diagnose: „Zur Krisis der Politik in der Neuzeit“[5]. Um was aber geht es Hennis in seinem engagierten und polemischen Aufsatz? In erster Linie um die Darstellung seines Politikbegriffes, der ein praktischer, traditioneller ist, in der Abgrenzung zum technischen, modernen Politikbegriff. Was haben wir nun unter einem praktischen und einem technischen Politikbegriff zu verstehen und warum dieses leidenschaftliche, manchmal fatalistische Plädoyer für einen traditionellen Begriff von Politik?

Hennis praktischer Politikbegriff leitet sich aus den zentralen Begriffen abendländischer Politik wie Verantwortlichkeit, Gerechtigkeit, Verfassungsmäßigkeit[6] und Gemeinwohl her. Politikwissenschaft als praktische Wissenschaft und politische Philosophie gehören für ihn seit Platon und Aristoteles untrennbar zusammen. Entsprechend dem aristotelischen Sinn heißt Politik immer gute Politik, denn regieren und regiert werden ist eine Sache der guten Ordnung. Im Gegensatz dazu steht der mit Thomas Hobbes „Leviathan“ (1651) emporgekommene moderne Politikbegriff. Politik verkommt in diesem zu einem reinen Herstellungsprozess und wird reduziert auf Macht- und Herrschaftsbeziehungen. Ein inhaltliches Element, die Verknüpfung von Politik mit einem Ethos als Verhalten an sich, entsprechend dem traditionellem Politikverständnis[7], kann Hennis in diesem Begriff nicht mehr erkennen. Alles hängt in ihm von der richtigen Konstruktion des Systems durch den politischen Ingenieur und der Herstellung der richtigen Umstände ab. Gegen die Dominanz dieses Konzeptes im neuzeitlichen Politikdenken zückt Hennis seine Feder und lässt sich dabei von der Idee des guten, tugendhaften Lebens und des Rechts leiten.[8]

Schließend aus der konstatierten Übermacht des technischen Denkens sieht Hennis als Problem, damals so aktuell wie heute, den Abschluss, wenn nicht gar das Ende, der spezifisch abendländischen Tradition des politischen Denkens. Formelhaft gießt er dies in folgende These: „Wir stehen am Übergang in eine neue Epoche, in der auch die heute noch umlaufenden Restbestände dieses Politikverständnisses aufgebraucht und jene sicher auch in Zukunft unvermeidlichen Formen der Herrschaft unter ganz andere, jedenfalls nicht mehr „politische“ Kategorien gestellt werden könnten.“[9]. Untermauert wird diese These in verschiedene Richtungen, die der Dreiteilung des Aufsatzes nach der Einführung in die Begriffsunterscheidung entsprechen. Um die strukturelle Unterscheidung von politischer Herrschaft von anderen Formen der Herrschaft im Verständnis der Tradition geht es Hennis im ersten Abschnitt. Der Weg führt ihn hierbei von der Strukturierung der Herrschaftsformen von Menschen über Menschen nach Aristoteles zu der Unmöglichkeit einer definitiven Bestimmung von Politik in der Neuzeit. Der Bereich der Politik ist hier allgemein geworden.[10] Anschließend wird dem Leser die spezifische Art und Weise politischer Herrschaft aufgezeigt. Verwirklichung des guten Lebens, der Natur des Menschen war das Ziel der Polis (des Staates). Ungewissheit in der Zielerreichung, bedingt durch die Unbestimmtheit menschlichen Handelns führte zur Aufhebung dieses traditionellen Politikbegriffes. Da schlug die Stunde des modernen politischen Denkens – neuzeitliche Theorie erhebt den Anspruch, diese Ziele mit absoluter Gewissheit zu erreichen. Nur, und diese Frage bleibt, kann sie den selbst gestellten Anspruch auch erfüllen? Dritte und letzte Richtung ist ein Abriss der Voraussetzungen, in denen politische Herrschaft möglich war. Thematisiert wird hier die Wandlung der Politik von einer daseinsschützenden und vorsorgenden Macht, zu einer daseinsgestaltenden Macht, die einhergeht mit einer ungestümen Machtsteigerung der politischen Instanzen.

[...]


[1] Hennis (1977: 176ff). Zuerst erschienen als: Hennis, Wilhelm (1971): Ende der Politik? Zur Krisis der Politik in der Neuzeit. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken. 25. 509-526.

[2] Aristoteles, Politik.

[3] Hobbes, Leviathan.

[4] Kielmansegg (2001: 436ff).

[5] Hennis (1977: 176).

[6] Hennis (1977: 178).

[7] Hennis (1977: 188).

[8] Nohlen (1995: 138).

[9] Hennis (1977: 179f).

[10] Hennis (1977: 184).

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ende der Politik? - Wilhelm Hennis zur Krisis der Politik in der Neuzeit
Hochschule
Technische Universität Dresden
Veranstaltung
Seminar: Einführung in das Studium der politischen Theorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V45993
ISBN (eBook)
9783638432795
ISBN (Buch)
9783638909297
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ende, Politik, Wilhelm, Hennis, Krisis, Neuzeit, Seminar, Einführung, Studium, Theorie
Arbeit zitieren
Matthias Rekow (Autor), 2004, Ende der Politik? - Wilhelm Hennis zur Krisis der Politik in der Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45993

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