Welche Grenzen und Möglichkeiten ergeben sich für Schulsozialarbeit in dem Bereich der Inklusion an Schulen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. UN-Behindertenrechtskonvention

2. Inklusion
2.1 Abgrenzung der Begriffe
2.1.1Exklusion
2.1.2 Separation
2.1.3 Integration
2.1.4 Inklusion
2.2 Eine Schule für Alle: Inklusion an Schulen

3. Schulsozialarbeit
3.1 Entwicklung der Schulsozialarbeit
3.2 Definition und Ziele von Schulsozialarbeit
3.3 Methoden der Schulsozialarbeit

4. Inklusion als Aufgabe von Schulsozialarbeit

5. Chancen und Möglichkeiten von Schulsozialarbeit

6. Grenzen von Schulsozialarbeit

7. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Übersicht über die Begriffe

Einleitung

Bis zum 19. Jahrhundert wurden Menschen mit Behinderungen von vielen gesell- schaftlichen Bereichen ausgeschlossen und galten als nicht bildungsfähig. Erst- durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 wurde Inklusion ein verpflichtender Bestandteil von Schule. Mithilfe von inklusiven Schulen, sollen Menschen mit Behinderungen die gleichen Chancen in der freien Gesellschaft er- langen. Schulen stehen somit vor der Herausforderung, sich im Inklusionspara- digma weiterzuentwickeln.

Die Vermeidung von Exklusion und Herstellung von gleichen Bildungschancen zählen seit jeher zu den Aufgaben der Schulsozialarbeit. Somit sind Schulsozial- arbeiter/innen auch für die Entwicklung von integrativen Schulen zuständig. Doch der Inklusionsprozess stellt auch Schulsozialarbeit vor eine neue Herausforde- rung. Schulsozialarbeit kann seinen Beitrag im Inklusionsprozess nur leisten, wenn die Rahmenbedingen an Schulen darauf ausgerichtet sind. Für alle Beteilig- ten im Inklusionsprozess ist es wichtig, ihre Rolle zu kennen und zu wissen, wer für welche Aufgaben zuständig ist. Daraus ergibt sich die Frage: welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich für Schulsozialarbeiter/innen im Inklusionspara- digma? Wo stößt auch die Schulsozialarbeit an ihre Grenzen? Ziel der Arbeit ist es zunächst dem Leser einen Überblick über den Inhalt der UN- Behindertenrechts- konvention zu geben und somit auf die derzeitige Situation von Inklusion an Schu- le aufmerksam zu machen. Des Weiteren soll der Begriff Inklusion, besonders in Bezug auf die Umsetzung an Schulen, definiert werden. Anschließend wird ein Überblick über die Entwicklung und die Aufgaben von Schulsozialarbeit gegeben. Im analytischen Teil sollen dann Chancen und Grenzen von Schulsozialarbeit im Inklusionsprozess veranschaulicht und gegenübergestellt werden. Über Inklusion an allgemeinen Schulen gibt es viele verschiedene Meinungen. Diese sollen in dieser Arbeit nicht diskutiert werden. Die Notwendigkeit von Inklusion wird voraus- gesetzt.

1. UN-Behindertenrechtskonvention

Am 26.03.2009 wurde die UN Behindertenrechtskonvention in der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert. Sie besagt, Menschen mit Behinderungen haben ein „un- eingeschränktes und selbstverständliches Recht auf Teilhabe“1. Die Konvention soll auf die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen aufmerksam ma- chen und fordert die Gesellschaft dazu auf, sich Menschen mit Behinderungen zu öffnen. Dabei ist Inklusion ein zentraler Bestandteil. Zu den Zielen zählen Chan- cengleichheit und die Förderung der menschlichen Möglichkeiten.

Die Konvention umfasst insgesamt 50 Artikel, welche die Umsetzung von Inklu- sion in bestimmten Bereichen beinhalten. In Artikel 24 wird das Thema Bildung aufgefasst. Es wird festgehalten, dass auch Menschen mit Behinderungen ein Recht auf Bildung besitzen und aus diesem Grund ein integratives Bildungssystem von Nöten ist. Hierbei soll Menschen mit Behinderungen ein lebenslanges Lernen ermöglicht werden, durch das ihre Kreativität, Begabung und Persönlichkeit frei entfaltet werden kann. Dies soll geschehen, um sie „zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft zu befähigen“2. Menschen mit Behinderungen dürfen vom allgemeinen Bildungssystem nicht mehr ausgeschlossen werden und ein Lernen an integrativen Schulen soll für jeden ermöglicht werden. Sie haben ein Anrecht darauf, so unterstützt zu werden, dass ein erfolgreicher Bildungsweg möglich ist. Um dies zu erreichen müssen „angemessene Vorkehrungen für die Bedürfnisse des Einzelnen getroffen werden“3.

Abschließend stellt sich die Frage, wie die Konvention umzusetzen ist. Welche Maßnahmen und Voraussetzungen sind nötig, um Inklusion zu gewährleisten? Wie müssen Schulen beschaffen sein, um Chancengleichheit zu ermöglichen? Im Folgenden sollen diese Fragen mit Hilfe der Methoden der Schulsozialarbeit an Schulen beantwortet werden.

2. Inklusion

Der Inklusionsbegriff wurde vor allem durch die Ratifizierung der UN Behinderten- rechtskonvention populär. Dies führt zu dem positiven Ergebnis, dass Inklusion mehr Aufmerksamkeit bekommt und häufiger diskutiert wird. Leider führt es auch dazu, dass Inklusion als ein stark begrenzter Begriff verstanden wird, welcher be- sonders im Zusammenhang mit Menschen mit Behinderungen eine Rolle spielt.4 Oftmals wird Inklusion ausschließlich auf das Handlungsfeld Schule bezogen. Der Begriff Inklusion kann jedoch viel weiter gefasst werden. Zentral ist, dass Vielfalt und Heterogenität positiv angesehen werden. „Unterschieden wird zwischen äu- ßerlich wahrnehmbaren Differenzen von Menschen, wie etwa dem Geschlecht, der kulturellen Zugehörigkeit, der Behinderung, und dem subjektiven Unterschei- den, wie etwa der politischen und sexuellen Orientierung, dem Religionsbekennt- nis und dem Lebensstil.“5 Inklusion soll dazu führen, dass sich die Strukturen der Gesellschaft so verändern, dass jeder daran teilnehmen kann.

2.1 Abgrenzung der Begriffe

1.Übersicht über die Begriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

https://direkteaktion.org/232-inklusion-bleibt-so/

In der Debatte treten neben Inklusion immer wieder die Begriffe Integration, Sepa- ration und Exklusion auf. Es ist unklar, in welchem Verhältnis diese Begriffe zur Integration stehen und wie sie voneinander abzugrenzen sind. Dies kann anhand der Abbildung 1 veranschaulicht werden. In der Abbildung 1 soll die blaue Umran- dung unsere Gesellschaft darstellen. Die bunten Punkte stehen für Randgruppen in unserer Gesellschaft, während die grünen Punkte alle anderen Personen dar- stellen. Die Randpunkte sind mit bunten Punkten dargestellt, um auf ihre Vielfalt und individuellen Fähigkeiten und Persönlichkeiten aufmerksam zu machen.

2.1.1 Exklusion

Unter Exklusion versteht man den Gegenbegriff von Inklusion. Exklusion leitet sich von dem lateinischen Wort „excludere“ ab, was so viel bedeutet wie Ausgrenzung beziehungsweise Ausschluss. Bei der Exklusion werden bestimmte Personen- gruppen von der Gesellschaft ausgeschlossen. Die Betreuung dieser Randgrup- pen fällt in die Verantwortung der jeweiligen Familie. Die ausgegrenzten Personen gelten als bildungsunfähig und ihnen wird kein Platz in der Gesellschaft zugespro- chen. Auch ihren Fähigkeiten wird kein Nutzen anerkannt.

In der Abbildung 1 sieht man, dass sich die bunten Punkte einzeln am äußeren Rand der blauen Linie befinden, während sich die grünen Punkte innerhalb der blauen Linie befinden. Das zeigt, dass sich die Randgruppen außerhalb der ge- sellschaftlichen Ordnung befinden und auf sich allein gestellt sind. Ein Beispiel für Personen, die von Exklusion betroffen sind, sind minderjährige Flüchtlinge mit un- gesichertem Aufenthaltsstatus. Diese können nicht an allgemeinbildenden Schu- len unterrichtet werden und werden deshalb vom Schulsystem ausgeschlossen.6

2.1.2 Separation

Separation leitet sich von dem lateinischen Begriff „seperare“ ab und bedeutet aussondern. Randgruppen werden hier in spezielle Institutionen ausgesondert. Ihre persönlichen Fähigkeiten werden zwar anerkannt, jedoch nur innerhalb der für sie errichteten Institutionen.

Dies wird in der Abbildung 1 veranschaulicht. Die grünen Punkte befinden sich in der blauen Umrandung. Es gibt eine zweite, dünnere blaue Umrandung. In die- ser befinden sich die bunten Punkte. Diese zweite Umrandung symbolisiert die Institutionen, in denen Randgruppen untergebracht werden. Sie sind von der übri- gen Gesellschaft ausgeschlossen. Separation findet beispielsweise durch Förder- schulen statt.7

2.1.3 Integration

Integration leitet sich von dem lateinischen Begriff „integrare“ ab, welcher so über- setzt werden kann, dass Getrenntes zusammengefügt wird. Randgruppen werden in die Gesellschaft aufgenommen und nach ihren individuellen Fähigkeiten unter- stützt und ausgebildet. Diese Fähigkeiten stellen für die Gesellschaft eine Berei- cherung dar. Bei der Integration sollen sich die Strukturen des Systems nicht ver- ändern müssen. Die Integration soll die Separation und Exklusion aufheben und so soll sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Dennoch können sich innerhalb der Gruppen kleinere Randgruppen bilden.

In der Abbildung 1 befinden sich die bunten Punkte innerhalb einer kleineren, blauen Umrandung in der großen blauen Umrandung. Die grünen Punkte sind ebenfalls in der großen Umrandung, aber immer noch separiert von den bunten. Die kleinere blaue Umrandung steht für die Gruppen, welche sich innerhalb der Gesellschaft bilden können. Randgruppen befinden sich zwar in der Gesellschaft, bleiben aber unter sich.

2.1.4 Inklusion

Inklusion leitet sich von dem lateinischen Begriff „inclusio“ ab, was mit Einschluss oder Einbeziehung übersetzt werden kann. Ziel der Inklusion ist es, die Strukturen der Gesellschaft so zu verändern, dass ein optimales Zusammenleben ermöglicht wird. Randgruppen sollen eine umfassende Betreuung erleben. Die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten aller werden gleichmäßig berücksichtig und wertge- schätzt.

In der Abbildung 1 sieht man, dass sich grüne und bunte Punkte in der blauen Umrandung vermischen. Dies bedeutet, dass sich die Randgruppen in die Gesell- schaft eingliedern können, ohne sich in kleineren Gruppen unterzuordnen. Sie be- reichern die Gesellschaft mit ihren Fähigkeiten.

[...]


1 Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen(Hrsg.) (2017): UN-Behindertenrechtskonvention. Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Berlin. Seite 2.

2 ebd, Seite 21.

3 ebd, Seite 21.

4 vgl. Holtbrink, Laura(2015) : Neue Herausforderungen für die Schulsozialarbeit im Rahmen des Inklusionsprozesses. In: Sozialmagazin. 2015. Heftnummer 11-12. Seite 30.

5 Stüwe, Gerd; Ermel, Nicole; Haupt, Stephanie(2015): Lehrbuch Schulsozialarbeit. In: Dahme et al.(Hrsg): Studienmodule Soziale Arbeit. Weinheim und Basel: Beltz Juventa. Seite 37.

6 vgl. ebd, Seite 193.

7 vgl. edb, Seite 93.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Welche Grenzen und Möglichkeiten ergeben sich für Schulsozialarbeit in dem Bereich der Inklusion an Schulen?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Erziehungswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V459954
ISBN (eBook)
9783668931398
ISBN (Buch)
9783668931404
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulsozialarbeit Inklusion Schule
Arbeit zitieren
Sarah Küsters (Autor), 2018, Welche Grenzen und Möglichkeiten ergeben sich für Schulsozialarbeit in dem Bereich der Inklusion an Schulen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459954

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