Interkulturelle Kompetenz und Beratung


Hausarbeit, 2018
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Kultur
2.2 Personen mit Migrationshintergrund

3. Beratung
3.1 Formalisierungsgrade der Beratung
3.2 Soziales Umfeld
3.3 Kernelemente der Beratung

4. Paradigmenwechsel: Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik
4.1 Ausländerpädagogik
4.2 Interkulturelle Pädagogik

5. Interkulturelle Kompetenz
5.1 Drei Komponenten Modell der interkulturellen Kompetenz
5.2 Wissen über Kulturen
5.2.1 Bedeutung der Zeit
5.2.2 Kommunikation
5.2.3 Bedeutung von Individuum und Gruppe
5.2.4 Bedeutung von Regeln
5.2.5 Macht und Autorität
5.2.6 Geschlecht und Alter
5.2.7 Verbote und Spiritualität

6. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Schon immer gab es Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt verlagert haben. Ob innerhalb einer Grenze oder über die Grenze hinaus: Migrationsbewegungen gab es schon immer. Obwohl Migrationsbewegungen keine neue Erscheinung sind, stellen sie dennoch eine Herausforderung in verschiedenen Bereichen für die aufnehmende Gesellschaft dar.

Neben den Auswirkungen von Migration führen auch die zunehmende Globalisierung, die Internationalisierung von Studiengängen und die Ansprüche von ethnischen Minderheiten zu den unterschiedlichsten Problemen (vgl. Ehnert 2004, S.1). Um den Herausforderungen und Problemen effektiv begegnen zu können sind bestimmte Handlungskompetenzen von Vorteil. Eine dieser Kompetenzen, die insbesondere im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen hilfreich ist, ist die interkulturelle Kompetenz. Diese Kompetenz wird im Zusammenhang zur Beratung betrachtet.

Um einen Einstieg und ein grundlegendes Verständnis zu sichern werden als erstes einige Begriffe näher betrachtet. Neben der Definition von Kultur wird der Begriff Personen mit Migrationshintergrund beschrieben. Danach wird der Begriff Beratung näher betrachtet und genauer beschrieben. Dabei wird die Bedeutung von verschiedenen Elementen in der Beratung herausgearbeitet. Anschließend wird ein geschichtlicher Rückblick stattfinden. Dabei wird es vor allem, um den Paradigmenwechsel in der Pädagogik gehen. Das letzte Kapitel befasst sich mit der interkulturellen Kompetenz. Neben der Bedeutung dieser Kompetenz, werden wichtige Komponenten der interkulturellen Kompetenz dargestellt. Zum Schluss werden die Ergebnisse zusammengefasst und erläutert.

2. Definitionen

2.1 Kultur

Um zu verstehen, um was es sich bei interkulturellen Kompetenz handelt, ist es von Vorteil sich als erstes mit dem Begriff der Kultur auseinanderzusetzen.

,„Der Begriff der Kultur stammt vom lateinischen Wort 'colere' und bedeutet sowohl 'pflegen, bebauen, anpflanzen' (daher Agrikultur, Monokultur) als auch 'verehren, anbeten' (daher Kult, Personenkult, Kultfigur und verwandte Begriffe).“ (von Queis 2009, S.31)

Der Begriff Kultur ist sehr komplex und hat keine einheitliche Definition. Manche Definitionen überlappen sich, manche können sich sogar widersprechen. Im Rahmen dieser Arbeit eignet sich die Definition von Maletzke (1996) sehr gut. Laut Maletzke kann man eine Kultur als System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen und Wertorientierungen begreifen. Sichtbar werden die Konzepte usw. einerseits im Handeln und Verhalten der Menschen und andererseits in ihren Produkten, geistiger und materieller Art (vgl. Reimann 2017, S.20).

2.2 Personen mit Migrationshintergrund

Laut dem Bundesamt gehören zu Personen mit Migrationshintergrund alle Personen,

- die nicht mit der deutschen Staatsangehörigkeit geboren sind
- oder mindestens ein Elternteil nicht mit der deutschen Staatsangehörigkeit geboren ist
- oder mindestens ein Elternteil Ausländer, (Spät-)Aussiedler oder eingebürgert ist.

Man fasst also alle Ausländer, (Spät-)Aussiedler und Eingebürgerten unter Personen mit Migrationshintergrund zusammen (vgl. Statistisches Bundesamt 2016, S.21). Unter Ausländer sind Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Artikels 116 Absatz 1 des Grundgesetzes sind gemeint. Außerdem zählen auch Staatenlose und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit dazu (vgl. ebd., S.16).

3. Beratung

Wenn Menschen mit Problemen und Herausforderungen konfrontiert sind, kommunizieren sie oft mit anderen Mitgliedern der Gesellschaft, um Lösungsstrategien zu entwickeln. Auch bei der Beratung geht es unter anderem, um die Entwicklung von Lösungsstrategien.

Wie sich die alltägliche Kommunikation bzw. Beratung von einer professionellen Beratung unterscheidet, soll im Folgenden erörtert werden.

Beratung, im alltagssprachlichen, bedeutet jemandem einen Rat zu geben. Dabei nimmt der Wert des Rates zu, wenn der Ratgebende als sachkundig angesehen wird. „Das 'Ich gebe dir einen Rat – Verständnis' wird von Ratsuchenden gewünscht und von 'Beratern' praktiziert. Erwartet werden 'Rezepte' um Beratungsanlässe zu beseitigen.“ (Stolzenburg1 )

Im Gegensatz zu dieser alltagssprachlichen Bedeutung, unterscheidet sich die pädagogische Beratung indem es sich mehr als um die Weitergabe von Informationen und Kenntnissen handelt. Die Berater2 sind pädagogisch handelnde Personen. Im Mittelpunkt der pädagogischen Beratung steht die Förderung der Problemlösefähigkeit (vgl. ebd.).

Sprey (1968) beschreibt Beratung als pädagogisches Handeln. Menschen, insbesondere junge Menschen und Erzieher, die sich in einem hilflosen Zustand befinden oder mit einer Überforderung konfrontiert sind brauchen oft einen kompetenten Rat. „Beratung bedeutet hier reflektierendes, ermutigendes, unterstützendes Gespräch, mit den Tugenden der Achtung, des Taktes, der Ermunterung, der Empathie und der 'Rückenstärkung'.“ (Sprey 1968, o.S. zit. n. Stolzenburg)

Sickendiek, Engel und Nestmann (2008) beschreiben Beratung als eine Interaktion zwischen mindestens zwei Personen. Dabei muss einer der Personen der Ratsuchende und der andere der Ratgebende sein. Ausgangspunkt ist ein Anliegen des Ratsuchenden, mit dem er sich an den Ratgebenden wendet. Dieses Anliegen kann sowohl eine Frage als auch eine Problemsituation sein. Der Ratgebende versucht dem Ratsuchenden Lösungskompetenzen, Wissen oder eine Orientierung durch Kommunikation zu vermitteln. Ziel ist die Milderung von Problemen und die Stärkung von Bewältigungsformen, damit der Ratsuchende auch in Zukunft besser mit Problemen umgehen und diese selbstständig lösen kann (vgl. Demant 2017, S.40).

Damit eine Beratung als professionelle Interaktion bewertet werden kann, bedarf es allerdings mehr. Je nach Theorie gibt es unterschiedliche Aspekte, die eine professionelle Beratung von einer alltäglichen Kommunikation/Beratung unterscheiden. Einige werden im Folgenden aufgeführt.

3.1 Formalisierungsgrade der Beratung

Zum einen muss man den Formalisierungsgrad betrachten. Man kann zwischen drei Graden unterscheiden: die informelle-, formelle- und halbformalisierte Beratung. Die formelle Beratung, entspricht der alltäglichen Beratung durch Familie oder Freunde. Die formelle Beratung findet in Institutionen statt und wird durch professionelle Berater durchgeführt. Dabei sind die Abläufe, die Sprechstunden und das Klientel festgelegt. Außerdem wird methodengeleitet gearbeitet und nicht wie bei der informellen Beratung aus dem Bauch heraus beraten. Die Unterschiede zwischen einer informellen und formellen Beratung sind also die festgelegten Regeln und die notwendige Beratungskompetenz des Beraters. Die halbformalisierte Beratung positioniert sich zwischen der informellen und formellen Beratung. Sie findet in sozialen Berufen statt und gehört damit zum Aufgabenspektrum von z.B. Pflegekräften, (Sozial)-Pädagogen und Lehrer. Professionelle aus sozialen Berufen haben können zwar meistens keine Berater-Ausbildung nachweisen aber durch ihre Berufserfahrung und ihr Expertenwissen konnten sie beraterische Kompetenz sammeln und besitzen deshalb oft die Fähigkeiten eines Beraters (vgl. Demant 2017, S.41). Gröning (2011) sieht deshalb Beratung als festen Bestandteil pädagogischen Handelns (vgl. S.14).

3.2 Soziales Umfeld

Ein wichtiges Element, das in jeder Beratung berücksichtigt werden sollte ist die Einbettung des Ratsuchenden in eine bestimmte soziale Struktur. Die Umwelt des Ratsuchenden sollte niemals vernachlässigt werden. Dazu muss der Berater neben dem sozialen Umfeld des Ratsuchenden auch das politische und gesellschaftliche System, in das der Ratsuchende eingebettet ist oder sein möchte, berücksichtigen. Der Berater kann nicht davon ausgehen, dass jeder in Deutschland lebende Mensch, auch das Weltbild der deutschen Gesellschaft vertritt. An diesem Punkt sind interkulturelle Kompetenzen sehr wichtig. Um auf den Klienten besser eingehen zu können und Lösungen in seinem Interesse erarbeiten zu können sind das Wissen über kulturelle Überzeugungen unabdingbar (vgl. Demant 2017, S.41). Vor allem, wenn sich der Klient in einem Umfeld bewegt, dass einer anderen Kultur angehört oder zumindest Eltern mit einer anderen Kultur hat, müssen die kulturellen Besonderheiten in jeder Beratung berücksichtigt werden. Andernfalls können Missverständnisse als auch Probleme schneller entstehen. Was interkulturelle Kompetenz ist und welche gesellschaftlichen Anlässe zu dieser Entwicklung geführt haben, wird in Kapitel 4 und 5 erläutert.

3.3 Kernelemente der Beratung

Es fällt sehr schwer Kernelemente einer Beratung zu bestimmen. Dies hat unterschiedliche Gründe. Zum einen gibt es keine konsistende Beratungstheorie, zum anderen unterscheiden nicht alle Theoretiker die oben dargestellten Formalisierungsgrade. Außerdem kann man die halbformalisierte Beratung nicht auf eine bestimmte Methode zurückführen. Nichts desto trotz gibt es einige allgemein geltende Grundlagen der Beratung.

Frommann (1990) betrachtet die Beratung als einen Prozess, den er in vier Schritte gliedert. Der erste Schritt ist die Wahrnehmung. Dieser beinhaltet die Wahrnehmung des Klienten mitsamt seiner Umwelt und Lebenssituation. Man muss also, wie oben erwähnt wurde, u.a. das soziale Umfeld und die Kultur des Klienten berücksichtigen. Der zweite Schritt besteht darin Ordnung zu schaffen. Dieser Schritt bezieht sich auf die Ordnung der Problemlage des Klienten und die Aufdeckung seiner Ressourcen zur Problembewältigung. Der dritte Schritt ist das Teilnehmen. Der Berater soll sich auf seinen Klienten einlassen, um ihn besser verstehen zu können. Dazu sind Offenheit und Empathie notwendig. Der letzte Schritt ist das Für-Möglich-Halten. Das Ziel ist eine ressourcenorientierte Grundhaltung von Beratern. Voraussetzung dafür ist ein Menschenbild, das allen Menschen die Möglichkeit zur Autonomie und Entwicklung zuspricht (vgl. Demant 2017, S.43).

Laut Zwicker-Pelzer (2010) ist die Haltung der Berater gegenüber den Klienten bedeutender als die Beratungsmethode. Komponenten wie Empathie, Offenheit, Authentizität, Distanz, Wertschätzung, Neutralität und Flexibilität sind dabei von besonderer Bedeutung (vgl. ebd.).

Die aufgeführten Elemente und Komponenten haben sich bis jetzt auf den Berater bezogen aber es gibt auch wichtige Elemente, die für den Ratsuchenden gelten. Die zwei wichtigsten Elemente sind die Freiwilligkeit und die Vertraulichkeit. Zum einen sollten die Ratsuchenden selbst aussuchen, ob und von wem sie beraten werden wollen, zum anderen ist eine Vertrauensbasis für ein offenes Gespräch notwendig. Deshalb sollte der Berater von Beginn an klarstellen, dass keine Informationen weitergegeben werden und alles vertraulich behandelt wird (vgl. ebd.).

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Beratung darauf abzielt, beim Ratsuchenden einen kognitiven, körperlichen oder emotionalen Prozess anzustoßen. Dieser sollte ein Beitrag zur Weiterentwicklung oder Lösung der Probleme des Individuums darstellen (vgl. ebd., S.44).

Nachdem ein Überblick über die Beratung dargestellt wurde, werden im Folgenden die gesellschaftlichen Anlässe, die zur Notwendigkeit von interkultureller Kompetenz geführt haben dargestellt. Anschließend wird erläutert, um was es sich bei der sogenannten interkulturellen Kompetenz handelt.

[...]


1 Die mit Stolzenburg markierten Zitate wurden aus Mitschriften oder von Herrn Stolzenburg ausgeteilten Materialien entnommen. Diese wurden im Rahmen des Seminars „Beratungssituationen in der Aus- und Weiterbildung von Bernhard Stolzenburg ausgeteilt und zur Verwendung genehmigt.

2 Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird im Folgenden nur die maskuline Form verwendet.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenz und Beratung
Hochschule
Universität Stuttgart  (Erziehungswissenschaft, Abt. Berufs-, Wirtschafts- und Technikpädagogik)
Veranstaltung
Beratung in der Aus- und Weiterbildung
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V459974
ISBN (eBook)
9783668884205
ISBN (Buch)
9783668884212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beratung, interkulturell, ausländerpädagogik, interkulturelle pädagogik
Arbeit zitieren
M.Sc. Sümeyye Atlihan (Autor), 2018, Interkulturelle Kompetenz und Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459974

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Interkulturelle Kompetenz und Beratung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden