Die Wahl des betrieblichen Standorts wird in der allgemeinen Literatur als Grundsatzentscheidung aufgefasst, die aufgrund ihrer enormen Tragweite und schweren Revidierbarkeit eine große Bedeutung für eine Unternehmung darstellt.
In dieser Abhandlung soll geklärt werden, welchen Stellenwert der betriebliche Standort für ein Unternehmen grundsätzlich einnimmt und warum die wissenschaftliche Betrachtung von Standorten unter Berücksichtigung von verschiedenen Standorttheorien notwendig ist.
Diese Arbeit soll im Zeitalter der allgemeinen Standortdebatte in Deutschland und Frage nach der Standortverlagerung in das produktionsgünstige Ausland nicht das Für und Wider dieser Problematik erörtern. Sie richtet sich vielmehr auf das grundlegende Problem der betrieblichen Existenzgründung im Rahmen eines Entscheidungsprozesses und soll die in die Frage kommenden Faktoren und Einflüsse der Standortwahl thematisieren.
Sie erhalten demnach folgende Informationen zur allgemeinen betrieblichen Standortwahl und abzuwägenden Standortfaktoren: z.B. Welche Standortfaktoren gibt es?; Konkurrierende Standortfaktoren; Standortanalysen mit Hilfe von Modellen; Branchencluster; optimaler Standort usw. Weiterhin sind die Grundzüge der Entscheidungstheorie und das Entscheidungsproblem der Standortwahl selbst abgehandelt. Das Ganze wird durch ein Praxisbeispiel und ein wertendes Resümee abgerundet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Unternehmens-Standort
2.1 Die Bedeutung des Unternehmens-Standorts
2.2 In welchem Fall ist eine Standortwahl zu treffen?
3. Die Standortwahl als Entscheidungsproblem
3.1 Gegenstand der Entscheidungstheorie
3.2 Wie löst man ein Entscheidungsproblem?
3.2.1 Was ist ein Entscheidungsproblem?
3.2.2 Entscheidung als Prozess
3.2.3 Entscheidungsmodelle als Entscheidungshilfe
3.2.3.1 Das Entscheidungsfeld
3.2.3.2 Die Zielfunktion
3.2.4 Abhängigkeit der Handlung
3.3 Entscheidung unter Unsicherheit
4. Welche Einflüsse bestimmen die Standortwahl?
4.1 Standortfaktoren
4.1.1 Was ist ein Standortfaktor?
4.1.2 Harte Standortfaktoren
4.1.3 Weiche Standortfaktoren
4.1.4 Konkurrierende Standortfaktoren
4.2 Die Standortanalyse als Hilfsmittel zur Standortbestimmung
4.2.1 Analyse des Standorts an Hand von Modellen
4.2.2 Standortkalkulation
4.2.3 Branch- and Bound-Verfahren
4.2.4 Branch- and Bound-Verfahren mit KO-Kriterien
4.2.5 Scoring-Verfahren als Nutzwertanalyse
4.3 Branchencluster als Standortvorteil
4.4 Die wichtigsten internationalen Standortfaktoren
5. Der optimale Standort
6. Standortbewertung eines Discounters – ein Praxisbeispiel
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den betrieblichen Standort als zentrales Entscheidungsproblem bei der Existenzgründung und Unternehmensentwicklung. Ziel ist es, die komplexen Einflussfaktoren und methodischen Ansätze zur Standortbewertung systematisch zu analysieren, um Gründern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.
- Theoretische Fundierung der Standortwahl als Entscheidungsprozess
- Differenzierung zwischen harten und weichen Standortfaktoren
- Methoden der Standortanalyse (z.B. Standortkalkulation, Scoring-Verfahren)
- Zielkonflikte und interdependente Standortentscheidungen
- Praxisnahe Anwendung am Beispiel eines Lebensmitteleinzelhandels
Auszug aus dem Buch
4.1.4 Konkurrierende Standortfaktoren
Ein einzelner Standortfaktor für sich sollte nie als ausschlaggebendes Kriterium für eine Standortwahl dienen. Wie bereits in Kapitel 4.1.1 erwähnt, müssen die in Frage kommenden Faktoren eines spezifischen Standortes in ihrer Gesamtheit betrachtet und gegeneinander abgewogen werden um möglichst viele Vor- und Nachteile des Standorts zu berücksichtigen. Dies hat zur Folge, dass einige Standortfaktoren in einem Zielkonflikt zueinander stehen, die sich an Hand folgender Beispiele zeigen:
Der Standortfaktor der Kundennähe liegt häufig im Konflikt zu den Kosten des Standortes. So findet man in einer Fußgängerzone z. B. viele Schuhgeschäfte. Die Mietpreise sind in gut besuchten Innenstädten oft relativ hoch, werden aber in Kauf in genommen. Die Nähe zu den potentiellen Abnehmern ist demnach wichtiger, da günstigere Mietpreise meist nur an außerhalb gelegenen -und damit schlecht erreichbaren Standorten verfügbar sind. Mittels der Preispolitik wird dann versucht die hohen Mietkosten zu kompensieren.55
Ein anderes Beispiel ist die Abhängigkeit der Faktoren Infrastruktur und Anlagegüter. In jedem Fall ist eine gute verkehrstechnische Anbindung eines Unternehmens wünschenswert. Es besteht dabei folgender Zielkonflikt: Gebäude und Flächen, die sich in einer gut erschlossenen Lage befinden, sind auch gleichzeitig teurer zu mieten bzw. zu kaufen. Büroflächen sind beispielsweise in unmittelbarer Nähe eines Fernbahnhofs oder Flughafens teurer, als solche, die abseits großer Verkehrsrouten liegen. Welche Form der Infrastruktur bzw. welche Wahl der Anlagegüter benötigt werden, hängt wiederum stark von der Branche und Abhängigkeit zu den Zulieferern ab.56
Eine weitere Konkurrenzsituation zeigt der Vergleich zwischen Arbeitskosten und Qualifizierung der Mitarbeiter. Ein Unternehmen, das im Ausland auf niedrige Arbeitskosten setzt, kann nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass es qualifizierte Mitarbeiter erhält. Grundsätzlich sind qualifizierte Arbeitskräfte auch im Ausland mit höheren Arbeitskosten verbunden. Verzichtet man jedoch auf den Einsatz von Fachkräften, leidet eventuell die Produktqualität und der Absatz kann sinken. Wiederum im Hinblick auf die vom Staat bereitgestellte Infrastruktur, verfügen Länder mit niedrigen Arbeitskosten häufig über eine schlechte Infrastruktur. Auch hier zeigen sich kompensatorische Effekte auf: Der Vorteil des Faktors Arbeit wird durch den Nachteil der Infrastruktur ausgeglichen.57
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert die Standortwahl als grundlegende, schwer revidierbare Unternehmensentscheidung und skizziert die methodische Auseinandersetzung mit Standorttheorien.
2. Der Unternehmens-Standort: Das Kapitel erörtert die Bedeutung des Standorts und differenziert zwischen verschiedenen Anlässen für eine Standortentscheidung, wie Gründung oder Verlagerung.
3. Die Standortwahl als Entscheidungsproblem: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Entscheidungsprozesses, inklusive Entscheidungsmodellen und des Umgangs mit Unsicherheit, detailliert dargelegt.
4. Welche Einflüsse bestimmen die Standortwahl?: Dieser Hauptteil klassifiziert Standortfaktoren in harte und weiche Kriterien und erläutert diverse Analyseverfahren sowie die Bedeutung von Branchenclustern.
5. Der optimale Standort: Es wird erläutert, dass der "optimale" Standort meist einen Kompromiss darstellt und die Schwierigkeiten bei der perfekten Standortentscheidung thematisiert.
6. Standortbewertung eines Discounters – ein Praxisbeispiel: Anhand eines konkreten Beispiels aus dem Einzelhandel wird illustriert, wie komplexe Faktorenkombinationen und Kennzahlen in die Standortbewertung einfließen.
7. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Standortwahl als langwierigen, risikoreichen Prozess zusammen und betont die Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigen, objektiven Analyse.
Schlüsselwörter
Standortwahl, Standortfaktoren, Unternehmensgründung, Entscheidungstheorie, Standortkalkulation, Nutzwertanalyse, Zielkonflikt, Branchencluster, Infrastruktur, Standortanalyse, harte Standortfaktoren, weiche Standortfaktoren, Existenzgründung, Standortpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die betriebliche Standortwahl als ein komplexes, langfristiges Entscheidungsproblem, das für Unternehmen von existenzieller Bedeutung ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Fundierung von Standortentscheidungen, die Kategorisierung von Standortfaktoren sowie verschiedene Methoden zur fundierten Bewertung möglicher Standorte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Entscheidungsprozess der Standortwahl zu systematisieren und die relevanten Einflüsse aufzuzeigen, um Gründern eine methodische Orientierungshilfe zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Standortanalyse verwendet?
Die Arbeit stellt verschiedene quantitative und qualitative Modelle vor, darunter die klassische Standortkalkulation, das Branch- and Bound-Verfahren sowie das Scoring-Verfahren als Nutzwertanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert harte Standortfaktoren wie Arbeitsmarkt oder Steuern und weiche Faktoren wie Image oder soziale Bedingungen sowie deren Zielkonflikte analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Standortwahl, Entscheidungstheorie, Standortfaktoren, Standortanalyse und Existenzgründung.
Wie hängen harte und weiche Standortfaktoren zusammen?
Die Arbeit verdeutlicht, dass beide Faktorenarten in die Gesamtbetrachtung einfließen müssen, da sie sich gegenseitig beeinflussen und oft in Zielkonflikten zueinander stehen.
Warum wird ein Praxisbeispiel eines Discounters angeführt?
Das Beispiel dient der Veranschaulichung, wie betriebswirtschaftliche Kennzahlen und harte Restriktionen (wie Platzbedarf und Mietkosten) in der praktischen Standortentscheidung miteinander verknüpft werden.
- Quote paper
- Michael Reusch (Author), 2005, Die Wahl des betrieblichen Standorts als Entscheidungsproblem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46020