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Das System Putin: Alte Macht mit neuen Mitteln - Der Umgang mit dem "Fernen Inland" vom Ende der Sowjetunion bis zur Gegenwart am Beispiel von Belarus 1991-2005

Title: Das System Putin: Alte Macht mit neuen Mitteln - Der Umgang mit dem  "Fernen Inland" vom Ende der Sowjetunion bis zur Gegenwart am Beispiel von Belarus 1991-2005

Seminar Paper , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Nico Nolden (Author)

Politics - Region: Eastern Europe
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Nur schwer verkrafteten die politischen Eliten und das breite Volk nach dem Untergang des Sowjetimperiums 1991 den Verlust der eigenen Führungsposition auf dem asiatischen Kontinent und in Europa. Je schwerer die wirtschaftlichen Belastungen unter der postsowjetischen Konstruktion eines freiheitlichen Systemes wurden, umso mehr sehnte man sich nach der vermeintlichen Stabilität im Zeitalter der UdSSR.

Nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage in der ehemaligen Sowjetrepublik Belarus, die das Zerbrechen der arbeitsteiligen Wirtschaftsströme des Kommunismus mehr als alle anderen Staaten in Mitleidenschaft zog, traten Moskau und Minsk erneut in eine Union. Diese sollte im Rahmen einer sehr engen, über die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) hinausgehenden Partnerschaft durchgeführt werden. Diese Union hat eine Entwicklung erfahren, die mit dem Amtsantritt des russischen Präsidenten Vladimir Putin im Jahr 2000 eine wesentliche Zäsur erhielt.

Die Kernfrage ist, ob es sich bei der Union zwischen Belarus und Russland um einen putinschen Prototypen für die Beziehungen zum Fernen Inland handeln könnte oder um einen Einzelfall, nur möglich aufgrund langer gemeinsamer Traditionen von Weißrussen und Russen. Dabei wird der Begriff des Fernen Inlands bewusst als Gegenpol zum Nahen Ausland geprägt, denn in der russländischen Gesellschaft ist die Ansicht verbreitet, dass die nach 1991 aus der Sowjetunion hervorgegangenen Staaten originär russisches Territorium seien und nicht eigenständig bleiben dürften.

Die vorliegende Arbeit erläutert daher die historische Entwicklung der weißrussisch-russischen Union und stellt die Beteiligten der Führungsebenen und deren Ziele dar. Danach wird die Phase unter der Herrschaft Putins näher beleuchtet, wobei die Themenkomplexe Sowjetromantik, Sicherheitskonzepte, die Außenpolitik und zuletzt die Rohstoffpolitik betrachtet werden. Die Trennung erfolgt einerseits aus inhaltlichen Gründen, andererseits wegen der zeitlichen Periodisierung, da die oben genannten Themen gleichzeitig auch vier aufeinanderfolgende Phasen der Politik Putins gegenüber seinem Unionspartner darstellen.

Als Kandidaten für die Übertragbarkeit des weißrussischen Prototypen werden die Ukraine sowie die Staaten des Kaukasus und Zentralasiens angeführt. Zu bewerten ist für diese Staaten, ob sich Putins Umgang mit dem Fernen Inland zu einem multilateralen Kurs bezüglich des Staatenumfeldes der Russländischen Föderation fortentwickeln könnte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Das Ferne Inland als Gegenbegriff zum Nahen Ausland

II. Russland und Belarus vor der Präsidentschaft Putins

(1) Rote Brüder nach Rotem Zeitalter: ein historischer Überblick

(2) Miteinander gegeneinander: Akteure und Ziele

III. Die Entwicklung der Beziehungen unter Putin

(1) Das Ende der Romantik

(2) Sicherheitspolitik

(3) Außenpolitik

(4) Rohstoffpolitik

IV. Modellcharakter für das Ferne Inland?

(1) Übertragbarkeit der Unionsloyalität

(2) Kandidaten: Ukraine, Kaukasus, Zentralasien

V. Unikum oder Modellversuch?

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit analysiert die Entwicklung der russisch-belarussischen Beziehungen unter der Präsidentschaft Wladimir Putins und untersucht, inwieweit das Vorgehen gegenüber Belarus als Prototyp für die russländische Politik gegenüber dem sogenannten "Fernen Inland" – also dem postsowjetischen Raum – dienen kann. Ziel ist es zu klären, ob Russland unter Putin eine ökonomisch-pragmatische Strategie verfolgt, um die ehemalige Einflusssphäre wieder stärker unter seine Dominanz zu bringen.

  • Historische Analyse der russisch-belarussischen Union vor 2000.
  • Die Wende in der Außenpolitik Russlands unter Wladimir Putin.
  • Einfluss von Sicherheits- und Rohstoffpolitik auf bilaterale Beziehungen.
  • Übertragbarkeit des Modells auf die Ukraine, den Kaukasus und Zentralasien.
  • Die Rolle ökonomischer Instrumente bei der imperialen Einflussnahme.

Auszug aus dem Buch

(1) Das Ende der Romantik

Nicht nur, dass Putin weit weniger als Jelzin bereit dazu ist, „Belarus’ domestic problems at the expense of Russia for the sake of a vague prospect of unification“ zu mildern, die putinsche Administration betrachtet das Verhältnis der beiden Staaten wesentlich kalkulierender und frei von romantischer Verklärung der Sowjetzeit sowie Schuldgefühlen der postsowjetischen Zeit. Die Abkehr von der durch diese mitgenährten Ideologie der Gleichberechtigung erfolgte durch den von Putin eingebrachten ökonomisch-rationalen Pragmatismus. Allerdings stehen einer Abkehr von der Union die bereits unterzeichneten Verträge entgegen.

Die sowjetromantische Rhetorik Lukaschenkos konnte Man deswegen nicht mehr dulden, da dieser massiv Präsenz in den russländischen Regionen zeigte und sich als ökonomischer Wunderheiler gerierte. Denn sein Wirtschaftssystem pries er entgegen jeglicher Realität als Muster für Wachstum, Stabilität und Soziale Sicherheit und setzte sich so von den liberalen Vorstellungen Moskaus ab. Moskau war gegen diese „Integration von unten“, die Lukaschenka als Vorreiter der Union gegen Jelzin positionieren sollte, doch informierte ersterer bei seinen Reisen bewusst nicht die russländische Zentrale.

Diese Herausforderung erging bereits an Jelzin, erst Putin jedoch reagierte auf die Agitation in den Provinzen durch „spürbar“ geringeren Unterstützungswillen des belarussischen Regimes. Sein Instrumentarium lag in der wirtschaftlichen Durchdringung des weißrussischen Marktes, der Dominanz in Finanz- und Währungspolitik sowie der Angleichung der dortigen Staatswirtschaft an die weitgehend liberale Wirtschaftsordnung Russlands. Dies demontierte Lukaschenkas Herrschaft so effektiv, dass er sich um den Machterhalt sorgen musste und eine Kehrtwende ab von seinen Unionsträumen einleitete: „vom Vorkämpfer des Unionsstaates als Kern einer neuen Sowjetunion“ zum Bewahrer der belarussischen Souveränität. Die Errichtung einer gemeinsamen Zentralbank und einer Währungsunion ist daher seit 2004 eingefroren.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Das Ferne Inland als Gegenbegriff zum Nahen Ausland: Einführung in die Begrifflichkeiten und die geopolitische Einordnung der postsowjetischen Staaten aus Sicht Russlands.

II. Russland und Belarus vor der Präsidentschaft Putins: Historischer Rückblick auf die Union zwischen Moskau und Minsk in den 1990er Jahren unter Jelzin und Lukaschenka.

III. Die Entwicklung der Beziehungen unter Putin: Analyse der sicherheits-, außen- und rohstoffpolitischen Veränderungen unter der Administration Putins, die den Pragmatismus über die Sowjetnostalgie stellte.

IV. Modellcharakter für das Ferne Inland?: Prüfung der These, ob Belarus als Blaupause für die russische Einflussnahme in der Ukraine, dem Kaukasus und Zentralasien dient.

V. Unikum oder Modellversuch?: Abschließende Bewertung, die den Übergang von einer bilateralen Sonderbeziehung hin zu einem potenziell breiteren imperialen Integrationsmodell diskutiert.

Schlüsselwörter

Russland, Belarus, Wladimir Putin, Fernes Inland, Nahes Ausland, Außenpolitik, Rohstoffpolitik, Unionsstaat, Lukaschenka, imperiale Einflussnahme, postsowjetischer Raum, Geopolitik, ökonomischer Pragmatismus, Integration, Souveränität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Wandel der Beziehungen zwischen Russland und Belarus während der Präsidentschaft Putins und bewertet, inwiefern dieses Verhältnis als Modell für die russische Politik im postsowjetischen Raum dient.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die sicherheitspolitische Neuausrichtung Russlands, die Rolle von Rohstoffimporten als politisches Druckmittel und die Abkehr von der "sowjetromantischen" Politik der Jelzin-Ära.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Putins Vorgehen gegenüber Belarus ein Einzelfall bleibt oder einen systematischen "Prototyp" für die Beziehungen zum restlichen "Fernen Inland" darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten politikwissenschaftlichen Analyse unter Verwendung aktueller Fachliteratur, Dokumenten, außenpolitischer Analysen und Berichten aus dem Zeitraum bis 2005.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Unionsbildung, eine Untersuchung der vier Politikbereiche unter Putin (Romantik, Sicherheit, Außenpolitik, Rohstoffe) sowie eine Evaluierung der Modellübertragbarkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind "Fernes Inland", "ökonomischer Pragmatismus", "imperiale Einflussnahme" und "Unionsloyalität".

Wie unterscheidet sich die Politik Putins von der Ära Jelzin in Bezug auf Belarus?

Während Jelzin eine eher romantisch-ideologische Union anstrebte, die Russland wirtschaftlich belastete, verfolgt Putin einen kalkulierten, ökonomisch-pragmatischen Kurs, der die Abhängigkeit Belarus' von Russland gezielt nutzt.

Warum wird der Begriff "Fernes Inland" geprägt?

Der Begriff dient als Gegenpol zum "Nahen Ausland" und reflektiert die russische Sichtweise, dass bestimmte postsowjetische Staaten originär russisches Territorium sind, das langfristig wieder eingegliedert werden sollte.

Welche Rolle spielt die Energiepolitik bei Putins Strategie?

Die Energiepolitik ist ein zentrales Instrument, um durch wirtschaftlichen Druck und die Durchdringung der Infrastruktur (z.B. Gaspipelines) politische Zugeständnisse zu erzwingen und die Souveränität der Partnerstaaten zu untergraben.

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Details

Title
Das System Putin: Alte Macht mit neuen Mitteln - Der Umgang mit dem "Fernen Inland" vom Ende der Sowjetunion bis zur Gegenwart am Beispiel von Belarus 1991-2005
College
University of Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Jürgen Webermann: Das System Putin - wohin steuert Russland?
Grade
1,7
Author
Nico Nolden (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V46021
ISBN (eBook)
9783638433044
ISBN (Book)
9783638926393
Language
German
Tags
System Putin Alte Macht Mitteln Umgang Fernen Inland Ende Sowjetunion Gegenwart Beispiel Belarus Jürgen Webermann System Putin Russland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nico Nolden (Author), 2005, Das System Putin: Alte Macht mit neuen Mitteln - Der Umgang mit dem "Fernen Inland" vom Ende der Sowjetunion bis zur Gegenwart am Beispiel von Belarus 1991-2005, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46021
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