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Medea, tragische Antiheldin. Johann Simon Mayrs Oper "Medea in Corinto"

Title: Medea, tragische Antiheldin. Johann Simon Mayrs Oper "Medea in Corinto"

Term Paper (Advanced seminar) , 2017 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Fritz Gerneth (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Die düstere Gestalt der kinder-mordenden Mutter Medea, die trotz der Schrecklichkeit ihrer Tat nicht frei von menschlichen Zügen ist, erfuhr in mehr als 2000 Jahren eine Fülle an Bearbeitungen. Es erstaunt auf den ersten Blick, dass trotz dieser intensiven Auseinandersetzung mit dem Medea-Mythos erst spät, 1813, eine italienische Oper seria mit Medea als Hauptfigur entstand. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass die metastasianische Oper weder in ihrer sozialen Funktion, noch in ihrer Ästhetik der Künstlichkeit, noch in ihrer starren Form geeignet war, das widersprüchliche, irrationale Wesen der Medea zu vermitteln. Schlaglichtartig werden Entwicklungen der italienischen Oper im ausklingenden 18. Jahrhunderts aufgezeigt, die schließlich Simon Mayr die Mittel in die Hand gaben, die zerrissene Gefühlswelt der Medea musikalisch überzeugend umzusetzen und einem, am Vorabend der Epoche der Romantik ebenfalls gewandelten, Publikum nahe zu bringen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Medea - ein geeigneter Stoff für eine Opera seria?

1.1. Ein Gegenentwurf zum metastasianischen Ideal

1.2. Ästhetische und moralische Erwartungshaltung des Publikums

1.3. Metastasianische Form und Dramaturgie

1.4. Medea - kein geeigneter Stoff für eine metastasianische Oper

2. Die neapolitanische Oper zur Zeit Mayrs

2.1. Opernreformen des 18. Jahrhunderts

2.2. Der Wandel der Opernarie

3. Mayrs Oper Medea in Corinto

4. Der Auftritt Medeas - eine Charakterstudie

4.1. Aufbau der erweiterten Auftrittsszene Medeas

4.2. Medea vor und nach der Überbringung des Verbannungsspruches

4.3. Die Vertonung des Gebets - die Arie „Sommi dei“

4.4. Das Bild Medeas als Ergebnis der eingesetzten musikalischen Mittel

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Johann Simon Mayrs Oper "Medea in Corinto" (1813) von der traditionsgebundenen, durch Metastasio geprägten Ästhetik der Opera seria abweicht, um das komplexe und irrationale Wesen der Medea musikalisch angemessen darzustellen. Es wird analysiert, wie durch den Einsatz moderner musikalischer Mittel und neuer Formkonzepte eine psychologische Tiefe erreicht wird, die den Wandel vom metastasianischen Ideal hin zu einer Vorform der Romantik verdeutlicht.

  • Die Unvereinbarkeit des Medea-Mythos mit dem metastasianischen Opernideal.
  • Entwicklungen und Reformen in der neapolitanischen Oper zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
  • Die Ablösung der Da-capo-Arie durch freiere Arienformen.
  • Musikalische Charakterstudie von Medeas Auftrittsszene mittels Accompagnato-Rezitativen und Preghiera.
  • Rezeptionsgeschichte und Anpassungen der Oper an den sich wandelnden Publikumsgeschmack.

Auszug aus dem Buch

4. Der Auftritt Medeas - eine Charakterstudie

Stärker als Euripides betont Romani Medeas Fähigkeit zur Liebe. Getrieben von starken Gefühlen - Liebe, Wut, Raserei: diese Charakterisierung kündigt sich in Felice Romanis Libretto zu Medea in Corinto schon bei ihrem ersten Auftritt in den Szenen fünf bis sieben deutlich an. Wut, Verzweiflung und der Ausdruck starker Liebe folgen schnell aufeinander.

Schon nach wenigen Worten schlägt Medeas Sorge und Ratlosigkeit wegen des Ausbleibens Giasones (Jasons) nach der siegreichen Heimkehr in Wut um („O reo presagio! … Accolta ho la smania nel sen…”). In der direkt anschließenden sechsten Szene schleudert sie den Korinthern, die den Bannspruch überbringen, ein zorniges „oh mio furor! … tremate…“ entgegen, um dann, in der siebenten Szene, in einer Preghiera, einem Gebet, weinend die Götter um Beistand anzuflehen.

Doch auch das Gebet ist in sich zweigeteilt und unterliegt einem plötzlichen Stimmungswechsel: Zunächst wendet sich Medea allgemein an „die Götter“, und fleht um Rache für den Verrat und Ehebruch, weist dann aber den Rachedanken von sich und ruft Amor an, um das Liebesfeuer, das in ihrem Herzen brennt („foco, che m’arde il core“) auch bei Giasone wieder anzufachen. Das Gebet um Rache wird zum Gebet um Liebe. Erhört wird freilich weder das eine noch das andere: Im kurz darauf folgenden Duett der neunten Szene bleibt Giasones Herz unberührt und er argumentiert aus nüchternem Machtkalkül rein rational. Hier gewinnt dann, zunächst noch vage, der Rachedanke Oberhand („Puniró l’infideltá. … si respire omai furore e vendetta e crudeltá.“).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Medea - ein geeigneter Stoff für eine Opera seria?: Dieses Kapitel beleuchtet, warum der Medea-Stoff aufgrund seiner emotionalen Komplexität nicht in das starre, rational geprägte metastasianische Ideal der Opera seria passte.

2. Die neapolitanische Oper zur Zeit Mayrs: Es werden die Opernreformen des 18. Jahrhunderts und der daraus resultierende Wandel in den musikalischen Ausdrucksformen, speziell der Opernarie, beschrieben.

3. Mayrs Oper Medea in Corinto: Das Kapitel bietet eine Einführung in die Entstehung des Werks sowie eine Analyse der dramaturgischen Struktur und der Charakterkonstellationen.

4. Der Auftritt Medeas - eine Charakterstudie: Hier erfolgt eine detaillierte musikalische Analyse der Auftrittsszene Medeas, wobei die psychologische Darstellung ihrer Gefühle durch moderne musikalische Mittel im Fokus steht.

Schlüsselwörter

Medea in Corinto, Johann Simon Mayr, Opera seria, Metastasio, Da-capo-Arie, Musikgeschichte, Neapolitanische Oper, Felice Romani, Euripides, Musikdrama, Accompagnato-Rezitativ, Romantik, Musikästhetik, Opernreform, Medea-Mythos

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Oper "Medea in Corinto" von Johann Simon Mayr im Kontext der musikalischen Entwicklung des frühen 19. Jahrhunderts und untersucht, wie der Komponist den Mythos Medea abseits traditioneller Opernkonventionen vertonte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten zählen das metastasianische Opernideal, der Wandel von der Da-capo-Arie hin zur modernen zweisätzigen Arie sowie die musikalische Charakterisierung von Medea als tragische Antiheldin.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass Mayr durch den Einsatz neuer musikalischer Ausdrucksmittel (z.B. Accompagnato-Rezitative) in der Lage war, die psychologische Tiefe und Zerrissenheit der Figur Medea musikalisch präzise darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer musikwissenschaftlichen Analyse von Libretto und Partitur (Klavierauszug), ergänzt durch den Vergleich mit historischen Quellen und musiktheoretischen Diskursen der damaligen Zeit.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Abgrenzung vom metastasianischen Ideal, die Einordnung in das neapolitanische Opernumfeld sowie eine detaillierte Charakterstudie anhand der Auftrittsszene Medeas.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Johann Simon Mayr, Medea in Corinto, Opera seria, Metastasio, Opernreform, Accompagnato-Rezitativ und musikalische Charakterdarstellung.

Wie verändert sich die musikalische Darstellung von Medeas Rachedurst im Gebet?

Das Gebet zeigt einen Stimmungsumschwung: Was als Gebet um Rache beginnt, wandelt sich durch die Anrufung Amors in ein Gebet um Liebe, womit Medeas innerliche Zerrissenheit musikalisch verdeutlicht wird.

Warum wurde Mayrs "Medea in Corinto" in späteren Fassungen überarbeitet?

Die Überarbeitungen erfolgten aufgrund eines sich wandelnden Publikumsgeschmacks, der psychologisch differenzierte Studien weniger stark nachfragte als eingängigere, konventionellere Opernformen.

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Details

Title
Medea, tragische Antiheldin. Johann Simon Mayrs Oper "Medea in Corinto"
College
LMU Munich  (Institut für Musikwissenschaft)
Grade
1,0
Author
Fritz Gerneth (Author)
Publication Year
2017
Pages
18
Catalog Number
V460851
ISBN (eBook)
9783668914209
ISBN (Book)
9783668914216
Language
German
Tags
Medea Oper
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fritz Gerneth (Author), 2017, Medea, tragische Antiheldin. Johann Simon Mayrs Oper "Medea in Corinto", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460851
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