Ottonische Pfalzen. Die Herrschaftsmittelpunkte im Reisekönigtum?


Hausarbeit, 2018
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Funktionen und Strukturen der ottonischen Pfalzen

Die Bedeutung der ottonischen Pfalzen im Reisekönigtum

Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Regestenverzeichnis

Einleitung

Es waren Orte, an denen die ottonischen Herrscher Hoftage und Gericht abhielten, aber auch kirchliche Feste feierten: die Pfalzen - sie waren beliebte Stätten zur Präsentation der herrscherlichen Macht. Doch waren sie die Herrschaftsmittelpunkte des ottonischen Reiches? Inwieweit können die Pfalzen als Zentren der Herrschaft bezeichnet werden, wenn zu dieser Zeit das sogenannte Reisekönigtum die übliche Form der Herrschaftsausübung war? Diese Frage möchte ich in dieser Arbeit näher erläutern.

Dabei gehe ich zunächst auf die Struktur, also den Aufbau der Pfalzen und die Verbindung zwischen ihnen, aber auch auf die Funktionen ottonischer Pfalzen ein, um aufzuzeigen, welche Rolle sie in der Herrschaftsausübung der Ottonen spielten. Dazu sollen ebenfalls, anhand der Pfalzen Magdeburg und Quedlinburg, Aufenthalte der Ottonen zur Erläuterung der Funktionen näher betrachtet werden. Anschließend soll die Häufigkeit der Aufenthalte im Vergleich zu anderen festen Regierungsorten, wie zum Beispiel Bischofssitzen, analysiert werden.

Im darauffolgenden Kapitel wird näher auf die Bedeutung der Pfalzen im Reisekönigtum eingegangen. Dabei soll auch auf die Frage und gleichzeitig auf die Problemstellung hingewiesen werden, ob es im ottonischen Reich den Ansatz einer dauerhaften festen Herrscherresidenz gab, aus der die Ottonen regierten, und ob diese eine Pfalz hätte sein können. Außerdem wird das damalige Straßennetz und seine Wichtigkeit in Verbindung mit den Pfalzen beleuchtet. Zusätzlich werde ich die Notwendigkeit der Versorgung des Herrschers mit seinem Hof, sowie die Bedeutsamkeit der topographischen Gegebenheiten der Pfalzen für die Versorgung und die Entscheidung wo Pfalzen errichtet und erhoben wurden, beschreiben. Die Betrachtung der Pfalzen im Szenario des Reisekönigtums soll Aufschluss darüber geben, inwieweit die Pfalzen wirklich die Zentren im Reich waren. Danach komme ich schlussendlich zu meinem Fazit und zur abschließenden, zusammenfassenden Betrachtung der Ausgangsfrage, inwieweit die ottonischen Pfalzen die Herrschaftsmittelpunkte des damaligen Reiches waren.

Hilfestellend für diese Arbeit ist unter anderem die publizierte Reihe des Projekts des Göttinger Max-Planck-Instituts für Geschichte, ab 2006 für europäische Rechtsgeschichte unter der redaktionellen Leitung von Caspar Ehlers, „Die deutschen Königspfalzen: Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und die übrigen Aufenthaltsorte der Könige des deutschen Reiches des Mittelalters“. Deren Ziel ist es seit 1963, die Aufenthaltsorte sämtlicher Herrscherbesuche bis

1250/54 in dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschlands regional zuzuordnen.1 Außerdem werden viele einzelne Strukturen der Pfalzen erfasst. Caspar Ehlers ist außerdem als Herausgeber tätig und beschäftigt sich ähnlich dem Thema dieser Arbeit, beispielsweise im Werk „Orte der Herrschaft: Mittelalterliche Königspfalzen“, oder seines Artikels aus dem „Concilium medii aevi“ von 2011, „Königliche Burgen und Pfalzen als Zentren für den reisenden Hof des ostfränkischen Reiches“ verstärkt mit den symbolischen und funktionellen Positionen der mittelalterlichen Pfalzen im Reich. Die in der Regesta Imperii aufgeführten Regesten sind ebenfalls wichtig für die nähere Betrachtung herrscherlicher Aufenthalte und deren Daten. Für die Analyse der Pfalz Magdeburg wurde größtenteils die zweibändige Reihe ,,Otto der Große. Magdeburg und Europa“, sowie Helmut Asmus“ „Metropole der Ottonenkaiser“ aus dem „Sonderdruck aus 1200 Jahren Magdeburg. Die Jahre 805 bis 1631" verwendet. Für Quedlinburg wird Matthias Hardts „Quedlinburg im Reisekönigtum der Ottonen“ herangezogen. Dem Thema, wie häufig die mittelalterlichen Herrscher die Pfalzen aufsuchten, aber auch wie die Feier der kirchlichen Festtage in bestimmten Pfalzen zur Tradition wurde, nimmt sich Thomas Zotz in „Königspfalz und Herrschaftspraxis im 10. und frühen 11. Jahrhundert“ an. Die Ausgangsfrage dieser Arbeit wurde, wenn auch häufig angeschnitten, bisher nur unzureichend behandelt, weswegen der Schwerpunkt der Arbeit auf der Verbindung zwischen den ottonischen Pfalzen als Herrschaftsmittelpunkte und der ottonischen Herrschaftsausübung im Reisekönigtum liegen soll.

Die Funktionen und Strukturen der ottonischen Pfalzen

Im Gegensatz zur normalen Burg hatten die Pfalzen hauptsächlich repräsentative Aufgaben. Hier wurde unter anderem die königliche Herrschaft, die königliche Wirtschaftsverwaltung, sowie die königliche Rechtsprechung ausgeübt. Die königliche Macht war in den Pfalzen, präsent, selbst wenn der Herrscher nicht anwesend war. Dies liegt unter anderem an dem Reichsgut, welches stets in den Pfalzen aufbewahrt wurde.2

Die Pfalzen hatten auch aufgrund ihrer repräsentativen Aufgaben weniger militärische Funktionen.3 Das dortige Sammeln der Heere, oder die Entscheidung in den Pfalzen zu kämpfen, kam daher selten vor.4 Nichtsdestotrotz waren einige ottonische Pfalzen befestigt, da sie speziell von den Ottonen auf der Basis von schon errichteten Burgen aufgebaut wurden und somit eine grundlegende Befestigung, wie Wehranlagen und ein Schutzwall, schon vorhanden war.5 So wurde die ottonische Pfalz Werla früher von Heinrich I., im Kampf gegen die Ungarn, als schützende Burg und Wehranlage benutzt, um sich bei einem möglichen Angriff verteidigen zu können.6 So schreibt Widukind in seiner Sachsengeschichte: „Der König befand sich aber im Schutz der Burg Werla.“7 Auch andere ottonische Pfalzen wie Magdeburg oder Grone waren, heutigen Forschungen zufolge, vormals Burgen.8 Vermutlich bauten die Ottonen in wenigen Fällen selbst befestigte Burgen, wie zum Beispiel Tilleda, um diese als Basis für die Pfalz zu verwenden.9 Die bevorzugte Kombination von Burg und Palatium als Basis für die ottonischen Pfalzbauten unterscheidet sich grundlegend von den karolingischen Pfalzbauten.10 In der karolingischen Herrschaft präferierte man die Kopplung von Hof und Palatium, welche mit überwiegender Mehrheit nicht wie eine Burg befestigt waren.11

Zur Verpflegung des Hofes in der Pfalz errichtete man schon in der Karolingerzeit Königshöfe, auch Meierhöfe genannt, von denen Landgüter erwirtschaftet werden konnten.12 Magdeburg war aufgrund guter landwirtschaftlicher Bedingungen und hoher Markttätigkeit für eine gute Besiedlung westlich der Elbe bekannt.13 Schon unter der Herrschaft Karls des Großen war die Stadt eine wichtige Grenzstation, in der der Handel mit geschmuggelter Ware, die Feinden östlich von Magdeburg von Nutzen sein konnten, geprüft und kontrolliert wurde.14 Außerdem wurde Magdeburg in diesem Zeitraum zu einem wichtigen Stapelplatz für Fernhändler.15 In Magdeburg dehnte sich auch der Königshof mit einigen Wirtschaftsgebäuden über den Domplatz aus.16 Circa 40 Grubenhäuser -und Hütten aus der Zeit um 900, welche 3 mal 3 Meter bis 3 mal 542 Meter groß waren, wurden bei Ausgrabungen, von 1959 und 1968, unter der Leitung von Ernst Nickel, entdeckt."17 Man stellte in fast allen Gebäuden Webgewichte und

Spinnwirtel fest, die von einer gewerblichen Nutzung der Räume als Spinn-und Webehäuser herrühren.18 Eine mehrheitliche slawische Keramik lässt vermuten, dass viele der Handwerker und Vieh -oder Ackerknechte in den nahegelegenen Slawendörfern oder direkt vor der Burg wohnten.19 Was für längere Aufenthalte der Herrscher in der Pfalz spräche, wäre die, von Otto I. verordnete, Einebnung der vielen Grubenhäuser und die Errichtung von festen Steinbauten, welche man aus gefundenen Kalksteinschichten schlussfolgerte.20 Diese Bauten waren vermutlich seit den 930ern vorhanden.21

Der Königspalast in Magdeburg wurde spätestens um 950 errichtet.22 Es war ein steinerner Palast im Gelände der Pfalz und in unmittelbarer Nähe zur Kirche.23 Dieses Palatium wurde von Otto I. mehrfach ausgebaut, was in seiner Reichspolitik begründet liegt.24 Otto I. wollte das römische Kaisertum erneuern und vermutlich Magdeburg eine besondere Rolle zuschreiben.25 Bei den Ausgrabungen von 1959 und 1968 fand man ebenfalls die 44 Meter langen, 42 Meter breiten und 25 Meter hohen Fundamentmauern des Palastes.26 Außerdem steht, nach aktuellen Forschungen, eine Ausdehnung des Komplexes nach Osten bis an den Geländebruch der Elbe fest.27 Dort wird ein herrschaftliches Wohngebäude vermutet, welches über ein Atrium, einen Hof, oder vielleicht über zweigeschossig flankierende Arkadengänge mit der Königshalle verbunden war.28 Der Herrscher saß während seiner Hoftage oder seiner Empfänge erhöht in einer Nische an der Westseite der „aula regia“, der Königshalle, welche vermutlich in das Obergeschoss verlegt wurde.29 Die Eingangsnische war 10 Meter breit und 20 Meter hoch.30 Neben den genannten Bauten in der Pfalz, gab es noch mindestens ein größeres Gebäude, in dem Kleriker lebten.31 Dazu existierten wohl auch Nutzbauten für den Unterhalt des Palastes, sowie die Beherbergung des Hofstandes und hochstehender Gäste.32

[...]


1 EHLERS, Pfalzenforschung heute, S. 25.

2 EHLERS, Königliche Burgen und Pfalzen, S. 7. Ganzer Absatz.

3 Ebd.

4 EHLERS, Königliche Burgen und Pfalzen, S. 7.

5 GAUERT, Struktur und Topographie, S. 4.

6 WIDUKIND, I, 32.

7 Ebd.: „Rex autem erat in presidio urbis quae dicitur Werlaon.“

8 GAUERT, Struktur und Topographie, S. 4. Und EHLERS, Königliche Burgen und Pfalzen, S. 8.

9 GAUERT, Struktur und Topographie, S. 39.

10 GAUERT, Struktur und Topographie, S. 19, 39.

11 GAUERT, Struktur und Topographie, S. 39.

12 GAUERT, Struktur und Topographie, S. 48.

13 LEYSER, Herrschaft und Konflikt, S. 12. Und PÖPPELMANN, Mittelalterlicher Siedlungskomplex am Johanniskirchhof, S. 318.

14 Ebd.

15 PÖPPELMANN, Mittelalterlicher Siedlungskomplex am Johanniskirchhof, S. 318.

16 ASMUS, Metropole der Ottonenkaiser, S.22.

17 Ebd.

18 ASMUS, Metropole der Ottonenkaiser, S. 22.

19 Ebd.

20 ASMUS, Metropole der Ottonenkaiser, S. 23.

21 Ebd.

22 ASMUS, Metropole der Ottonenkaiser, S. 32.

23 Ebd.

24 Ebd.

25 Ebd.

26 ASMUS, Metropole der Ottonenkaiser, S. 38.

27 Ebd.

28 Ebd.

29 Ebd.

30 Ebd.

31 ASMUS, Metropole der Ottonenkaiser, S. 58.

32 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ottonische Pfalzen. Die Herrschaftsmittelpunkte im Reisekönigtum?
Hochschule
Universität Stuttgart  (Historisches Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V460918
ISBN (eBook)
9783668908581
ISBN (Buch)
9783668908598
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ottonen, Otto I., Heinrich II., Sachsen, Hochmittelalter, Mittelalter, Pfalzen, Karolinger, Karl der Große, Reisekönigtum, Herrschaft, Harz, Aachen, Frankfurt, Magedburg, Quedlinburg, Werla, Memleben, Widukind
Arbeit zitieren
Peter Banzhaf (Autor), 2018, Ottonische Pfalzen. Die Herrschaftsmittelpunkte im Reisekönigtum?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460918

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