Crowdfunding als Mittel zur Kunstfinanzierung


Hausarbeit, 2013

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffsklärung

2 Voraussetzungen für Crowdfunding

3 Plattformen
3.1. kickstarter.com
3.2. Startnext.de
3.3. Soziale Netzwerke

4 Chancen und Risiken

5 Zusammenfassung und Ausblick

6 Anhänge

7 Literaturverzeichnis

Einleitung

Im kulturellen und künstlerischen Bereich sind knappe Mittel ein ständiges Problem. Der Disput zwischen Kreativität und Wirtschaftlichkeit muss nicht selten zu Ungunsten der Kreativität entschieden werden. Ein zunehmend populäres Mittel ist das Crowdfunding (oder auch Schwarmfinanzierung), das eine Art Liberalisierung der kreativen Szene möglich macht. Der Künstler erhält hierdurch ein Mittel, seine Visionen allein abhängig vom Zusammenspiel eines begeisterungsfähigen Publikums - bestehend aus zahllosen Individualisten - umzusetzen, statt nach einer finanzkräftigen Institution oder einem Sponsor Ausschau halten zu müssen. Zusätzlich erhalten sonst am Kunstmarkt weitgehend unbeteiligte Personen Zugang zu neuen Interessensgebieten.

In dieser Arbeit soll zunächst der Begriff des Crowdfunding geklärt werden und an Beispielen aus der Kunst- und StartUp-Szene näher beleuchtet werden. Anschließend werden die Chancen und Risiken dieses neuen Finanzierungsmodells zusammengefasst. Schließlich wird eine Überprüfung der Zukunftsfähigkeit des Crowdfunding -Prinzips stattfinden.

1 Begriffsklärung

Als Ausgangspunkt dieser Betrachtungen soll der Begriff des Crowdfunding zunächst einmal definiert werden, um klare Abgrenzungen zu anderen Finanzierungsmodellen möglich zu machen: Der Begriff bezeichnet die gemeinsame Finanzierung (engl. to fund - finanzieren) eines Projekts durch geworbene Freunde, Fans und Firmen (engl. crowd - die Menschenmenge). Die Finanzierer1 erhalten für ihre Unterstützung eine Gegenleistung, die ganz unterschiedlich aussehen kann.2

Da das Crowdfunding meist in der kreativen Branche genutzt wird, erhalten die Supporter z.B. eine Kopie der aufgenommenen CD oder eine Einladung zur Premiere des geförderten Films. Das Aufeinandertreffen von Projektinitiatoren und Förderern geschieht üblicherweise auf Crowdfunding -Portalen wie startnext.de oder kickstarter.com. Die Zahl der geförderten Projekte wuchs in den letzten Jahren rasch an, da die emotionale Bindung der Förderer durch den versprochenen Mehrwert und die transparente, interaktive Kommunikation eine hohe Begeisterung hervorruft. Crowdfunding kann auch für NGO/ NPO 3 betrieben werden, gehört aufgrund der Gegenleistung an den Spender jedoch nicht zu den dort eingesetzten, klassischen Fundraising -Instrumenten.4

Dem Crowdfunding liegen dabei mehrere Prinzipien zugrunde: Der Sammelzeitraum ist von vornherein begrenzt und liegt meist zwischen 30 und 90 Tagen. Bei den meisten Crowdfunding -Plattformen wird zudem nach dem Alles-oder- Nichts-Prinzip gearbeitet: erreicht der Projektinitiator das anvisierte Budget nicht, bekommen alle bisher gewonnenen Investoren ihr Geld zurück.5 Das Neuartige an dieser Finanzierungsform sind die Vielzahl der Anleger, die durch ihre Masse wiederum auch mit kleinen Beträgen zu einem lukrativen Finanzierungspool anwachsen. Die Motive für eine Investition reichen vom Interesse an der gebotenen Gegenleistung bis zu Neugier und purer Begeisterungsfähigkeit für das Projekt. Auch das Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein, die sich für das Gleiche interessiert und einsetzt, ist nicht zu unterschätzen.6

Der Kunstmarkt setzt sich aus der Gesamtheit aller Galerien, Kunsthandlungen, Kunstmessen, Sammlerbörsen und Auktionen zusammen. An ihm sind weiterhin Künstler als Kunstschaffende und Museen als Meinungsbildner beteiligt. Zudem profilieren sich zunehmend große Unternehmen mit corporate collections7 auf dem Markt. Kunst wird immer mehr als Investitionsgut wahrgenommen, da Angst vor weiteren Krisen in der Finanz- und Immobilienbranche besteht. Auch die Öffnung des Marktes Richtung Russland und Asien trägt dazu bei, dass stetig steigende Jahresumsätze und horrende Rekordbeträge bei Versteigerungen vermeldet werden können.8 Für das Jahr 2010 kursieren etwa Zahlen in Höhe von 43 Milliarden Euro für das Volumen des internationalen Kunstmarktes. Die Motive für den Erwerb von Kunst gehen jedoch meist über die bloße Geldanlage oder die Zurschaustellung eines Statussymbols hinaus: Käufer von Kunst besitzen oft eine ästhetische, ideelle oder hochgeistige Motivation und können sich selbst bei lukrativen Angeboten nicht von den Werken trennen, die sich in ihrem Besitz befinden.

Hierin finden sich viele Überschneidungspunkte zu den Supportern von Crowdfunding -Kampagnen: Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit begründen die Zahlungsbereitschaft. In beiden Fällen wird zusätzlich auf eine Wertsteigerung des Kunstwerks/ Projekts spekuliert, was manchmal einem Handel mit Wertpapieren gleichkommt. Durch die unsicheren Prognosen bzgl. der Marktentwicklung wird ein zusätzlicher Nervenkitzel geschaffen. Umso schöner ist es also, wenn sich die Ahnung/ Hoffnung bestätigt und das Geschäft zum Erfolg wird. Die Anleger müssen jedoch stets mit einem Verlust rechnen.9

2 Voraussetzungen für Crowdfunding

Ohne die technischen Neuerungen der letzten 25 Jahre wäre das alltägliche Leben in seiner jetzigen Form nicht vorstellbar. Das klassische Kommunikationsmodell von Sender und Empfänger wird um ein Vielfaches erweitert:

„The communications tools broadly adopted in the last decade are the first to fit human social networks well, [… .] Rather than limiting our communications to one-to- one and one-to-many tools, which have always been a bad fit to social life, we now have many-to-many tools that support and accelerate cooperation and action.“10

Die Aufhebung der Eindimensionalität in der Kommunikation ist die wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Crowdfunding.

Neben der Schaffung der technischen Voraussetzungen ist noch etwas besonders wichtig für das Internet: jemand der es nutzt. Die Anzahl der User steigt unaufhörlich, auch weil die Nutzungsmöglichkeiten des World Wide Web immer mannigfaltiger werden. Inzwischen hat sich eine Art Nettiquette im Netz herausgebildet, die manchmal offiziell vermerkt ist, oft aber schon stillschweigend vorausgesetzt und befolgt wird. Der Grund dafür ist prosoziales Verhalten, das auf den ersten Blick im Internet scheinbar unnötig ist. Normalerweise müsste ein Individuum nur prosoziales Verhalten zeigen, wenn es sich wiederholt mit denselben Kooperationspartnern auseinander setzen müsste. Tatsächlich geht es im realen Leben wie auch im virtuellen oft über alle Maßen sozial zu. Man denke nur an die zahlreichen Initiativen, die Musik und Filme online tauschen, Tauschportale im Internet oder Crowdsourcing- Projekte.11 Eine Grundlage hierfür ist eine Theorie des Soziologen James Surowiecki: In seinem viel beachteten Buch The Wisdom of the Crowds12 berichtet er von der Weisheit der Vielen, die oft erstaunliche Ausmaße annimmt. So behauptet er: „ Auch wenn die allermeisten Angehörigen einer Gruppe weder sonderlich informiert noch zu rationalem Denken imstande sind, vermögen sie als Kollektiv gleichwohl vernünftige Entscheide zu treffen.“13 Diese Theorie wird im Internet trotz einiger Gegenbeispiele häufig angewendet und gestützt.

Auch am Kunstmarkt kann die Weisheit der Vielen Anwendung finden: entschließen sich plötzlich zehn renommierte Kunstkenner die Werke eines bisher unbekannten Künstlers zu erwerben, so wird automatisch ein Hype kreiert werden. Weitere Kunstkenner werden sich mit dem Nachwuchs-Künstler auseinander setzen und bei einem mindestens soliden Ergebnis, nach Prüfung der Qualität, wahrscheinlich ebenfalls ein Werk erstehen – aus der Angst heraus, etwas verpassen zu können. (Andererseits würden wirkliche Kunstkenner jedoch auch eine fehlende Qualität erkennen und auf einen Erwerb verzichten.) Die entscheidende Schlüsselqualifikation für diese Bewertungen ist die Unabhängigkeit des Einzelnen, betont Surowiecki: „ Wenn Leute einfach bloß andere nachmachen […] leidet das Gemeinwohl der Gruppe. Intelligentes Imitieren kann der Gruppe nutzen, indem es für eine raschere Verbreitung guter Ideen sorgt.“14 Genau dieses Prinzip nutzt Crowdfunding aus: das sich Menschen mittels vereinfachter Kommunikation im Internet von den Ideen anderer Menschen anstecken lassen und diese wiederum weitere Interessierte begeistern können.

3 Plattformen

Crowdfunding-Plattformen erleben derzeit einen regelrechten Hype. Allein bis November 2012 sammelte der deutsche Blogger Leander Wattig 139 internationale Plattformen, von denen ein großer Teil deutschen oder US-amerikanischen Ursprungs ist.15 Einige spezialisieren sich auf bestimmte Fachgebiete wie Micropayment, Business-StartUps, App16 -Programmierung, Filmfinanzierung oder die Förderung afrikanischer Musikprojekte. Da der Kunstmarkt in der Kreativbranche anzusiedeln ist, soll der Fokus bei diesen Betrachtungen jedoch auf den beiden Marktführern in diesem Bereich, kickstarter.com und startnext.de, liegen.

Diese Plattformen bieten meist verschiedene Möglichkeiten, interessante Projekte zu finden: es kann z.B. nach Interessensgebieten, Orten, bald endenden, kleinen oder am meisten geförderten Projekten gesucht werden. Die Projekte bekommen eine eigene Projektseite, die vom Initiator erstellt und gepflegt wird. Dazu gehören eine Projektbeschreibung, inklusive Motivation, Bildern und meist auch einem Video. Zudem muss der Initiator offen für Fragen der Crowd sein und diese möglichst transparent und zeitnah beantworten. Er muss auch offen darlegen, wie viel Geld benötigt wird und wofür genau.

Die Distribution dieser Projektidee erfolgt dann auf verschiedenen Kanälen, jedoch überwiegend über soziale Netzwerke. Der Erfolg von Projekten liegt meist in der Personalisierung begründet - so wie der Wert eines Gemäldes nicht selten vom Namen des Künstlers oder des Vorbesitzers geprägt wird. Beim Crowdfunding kommt es jedoch – wie allgemein in der Kommunikation des Web 2.0 – auf Transparenz und Authentizität an (ähnlich den Echtheitszertifikaten bei Gemälden). Für Transparenz sorgen Projektgründer, indem sie für gewöhnlich im direkten Kontakt zu den Backern stehen und schnell auf Fragen nach Hintergrundinformationen reagieren. Findet der Nutzer also einen thematischen Zugang, Authentizität, Transparenz und überdies noch einen gewissen Grad an Sympathie beim Projektinitiator, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Investition. Entschließt sich der Interessent zur Mitfinanzierung, so ist er auch am Erfolg des Projektes interessiert. Nicht selten werden die Initiatoren von ihren Supportern mit mehr als nur Geld unterstützt: sie können zusätzlich von Kontakten oder Anregungen der neuen Mitstreiter profitieren, die eventuell vom Fach sind oder Leute kennen, die bei akuten Problemstellungen behilflich sein könnten.

[...]


1 Auch: Backer, Believer oder Supporter

2 Diese Gegenleistung ist jedoch nie finanzieller Art. Hier muss das Crowdfunding ganz klar vom Begriff des Crowdinvestment abgegrenzt werden: Letzteres ist als Kapitalbeteiligung an StartUps zu verstehen. Hier kann jeder schon mit Kleinstbeträgen (Micropayment) Anteilseigner werden. Es besteht jedoch keine Berechtigung zum Eingriff in Geschäftsentscheidungen. Bei Geschäftserfolg bekommt der Anteilseigner sein Geld entweder ähnlich einem Kleinkredit verzinst wieder oder er wird regelmäßig am Geschäftsergebnis beteiligt. Bei Misserfolg ist das Geld dagegen verloren. Beispiele für entsprechende Plattformen sind seedmatch.de oder companisto.de.

3 NGO – Non-Governmental-Organisation/ NPO - Non-Profit-Organisation

4 Wichtig ist hier vor allem die Abgrenzung zu anderen Methoden der Fremdfinanzierung, wie z.B. Fundraising und Sponsoring. Beim Fundraising erhalten die Unterstützer explizit keine Gegenleistung, die Maßnahme dient allein der Gemeinnützigkeit. Beim Sponsoring besteht die Gegenleistung hauptsächlich in werberelevanten Maßnahmen. Mehr auch unter: http://www.fundraisingverband.de/

5 Weitere Informationen auf der Website des Instituts für Kommunikation in sozialen Medien unter http://www.ikosom.de/2012/06/11/definition-von-crowdfunding-beta/

6 Der vollständig Ablauf eines Crowdfunding-Projekts wird in Kapitel 3 beschrieben.

7 Corporate collections bezeichnen ansprechende Firmensammlungen, die von führenden Wirtschaftsunternehmen zum Zweck der Schaffung einer kulturellen Identität und dem Ausbau der CSR (corporate social responsibility) finanziert werden. Buchempfehlung: Conzen, Friedrich, Salié, Olaf, corporate collections, DAAB, 2012. (Es bespricht 70 deutsche Firmensammlungen)

8 Pinetzki, Katrin für Kulturwest, 2011. http://www.kulturwest.de/architektur/detailseite/artikel/kunstvoll- investieren/ [Stand:29.01.2013]

9 Mehr: Rottwilm, Christoph im Gespräch mit Hans Neuendorf (ArtNet) für das Manager Magazin Online http://www.manager-magazin.de/finanzen/alternativegeldanlage/0,2828,815229,00.html

10 Shirky, Clay (2008): Here Comes Everybody, S. 158 [Stand:29.01.2013]

11 Crowdsourcing (engl. die Masse als Quelle) sind Initiativen, innerhalb deren Menschen auf der ganzen Welt via Internet unentgeltlich an einem bestimmten Projekt arbeiten. Hierzu gehören Wissensdatenbanken wie Wikipedia und Leo.org, Open-Source Software Netzwerke wie OpenOffice und Mozilla. Das Ziel dieser Initiativen ist die Bereitstellung von komplexem Wissen für jedermann und die Verhinderung einer weiteren Monopolisierung des Internetgeschäfts (z.B. durch Microsoft) durch die Bereitstellung von alternativer, komplexer Software.

12 Vollständiger Titel: The Wisdom of the Crowds. Why the Many are Smarter than the Few and How Collective Wisdom Shapes Business, Economies, Societies, and Nations.

13 Surowiecki, James: Die Weisheit der Vielen (2004), S. 10

14 Surowiecki, James: Die Weisheit der Vielen (2004), S. 93

15 http://leanderwattig.de/index.php/2010/10/22/liste-mit-crowdfunding-plattformen-wer-kennt-noch- andere/ [17.01.2013]

16 App - kurz für application, ist ein Programm oder eine Anwendung, um bestimmte Dienste zu nutzen. Diese werden meist aus dem Internet auf mobile Geräte geladen. Dazu zählen u.a. Ortungs-, Zahlungs- und Kommunikationsdienste.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Crowdfunding als Mittel zur Kunstfinanzierung
Hochschule
Hochschule für Musik und Theater Hamburg  (Kultur- und Medienmanagement)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V460991
ISBN (eBook)
9783668914278
ISBN (Buch)
9783668914285
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, Künstler, Crowdfunding, web2.0, Art, artist, finanzierung, Geld, fundraising, sponsoring
Arbeit zitieren
Bianka Thielcke (Autor), 2013, Crowdfunding als Mittel zur Kunstfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460991

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