Die Olympischen Sommerspiele in Mexiko 1968 aus politischer Sicht


Seminararbeit, 2001

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Allgemeine Informationen
1.2 Einschränkung

2 Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Die Welt um 1968
2.2 Auswirkungen auf die Olympischen Spiele 1968

3 Ereignisse mit politischer Bedeutung vor und während der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko
3.1 Länderpolitik und die „deutsche Frage“
3.1.1 Die „deutsche Frage“
3.1.2 Apartheid in Südafrika und Schwarzafrika
3.1.3 Nordkorea und Rhodesien
3.2 Unruhen in Mexiko-City im Vorfeld der Olympischen Spiele
3.3 „Black Power“ auf dem Siegespodest
3.4 Publikumsliebling Vera Caslavska

4 Schlussbemerkungen

1. Einleitung

1.1 Allgemeine Informationen

Auf seiner 61. Session im Kurhaus von Baden-Baden vergab das International Olympic Comitee (IOC) das Recht zur Austragung der XIX. Olympischen Sommerspiele 1968 an Mexiko-Stadt. In der Abstimmung setzte sich Mexiko-Stadt bereits im ersten Wahlgang mit 30 Stimmen gegen Detroit (14 Stimmen), Lyon (12 Stimmen) und Buenos Aires (2 Stimmen) durch. Dies war im Wesentlichen der Verdienst von Adolfo Lopez Mateos, der von 1958 bis 1964 Staatspräsident war.[1]

In Expertenkreisen galt Mexiko-Stadt damals als chancenlos und rief zahlreiche Kritiker auf den Plan, die schlimme Folgen auf Grund der bisher noch nie dagewesenen Höhe von über 2200m, vor allem in den Ausdauersportarten, befürchteten. Es wurden Ohnmachtsanfälle und irreversible Erschöpfungszustände vorrausgesagt.[2] Der Ausspruch des früheren Meilenweltrekordlers Roger Bannister „Der Tod läuft mit...“, ging damals durch alle Zeitungen.[3] Dennoch entschied sich das IOC für Mexiko-Stadt.

Das war nur eine der vielen Premieren der Olympischen Spiele von Mexiko. Noch nie zuvor waren so viele Sportler aus so vielen Ländern bei olympischen Spielen vertreten. Insgesamt nahmen 5530 Sportler aus 112 Ländern teil, davon 781 Frauen. Das erste Mal durfte mit Enriqueta Basilio aus Mexiko, eine Frau und aktive Athletin, das olympische Feuer als letzte Fackelläuferin entzünden. Die ersten Geschlechts- und Dopingkontrollen bei olympischen Spielen wurden durchgeführt und die Leichtathletikwettbewerbe wurden das erste Mal auf einer Kunststoffbahn abgehalten, auf denen erstmals elektronische Geräte zur Zeit- und Weitenmessung eingesetzt wurden.[4]

Um bei der ungewohnten Höhenlage ihre Siegchancen zu wahren, veranstalteten die großen Sportnationen wie USA oder UdSSR erstmals Höhentrainingslager in Vorbereitung zu den Spielen. Damit war das Höhentraining geboren.[5]

Auch mit dem Kulturprogramm, das einen Rahmen für die Spiele bilden sollte, wurden in Mexiko neue Maßstäbe gesetzt. Bereits im Januar 1968 begann eine Reihe von Kunst- und Tanzfesten, internationale Treffen von Bildhauern und Dichtern, Ausstellungen und Jugendlager mit Teilnehmern aus aller Welt.[6]

1.2 Einschränkung

Die Olympischen Spiele sind seit jeher ein Ereignis, dass die ganze Welt in seinen Bann zieht. Schon Jahre zuvor, mit der Vergabe, beginnen Geschichten, die sich um die jeweiligen Spiele ranken. So auch 1968. Ganz zu schweigen von den Ereignissen, die sich während der Spiele zutragen. Von Gewinnern und Verlierern, von großen Triumphen und bitteren Niederlagen, von kleinen Anekdoten, die sich im Dorf der Athleten zutragen und großen Intrigen, die sich unter den bedeutendsten Vertretern des internationalen Sports abspielen. Allein die Dokumentation des Jahrhundertsprunges von Bob Beamon veranlasste Dick Schaap, ein ganzes Buch darüber zu verfassen (The Perfect Jump).

Um den Rahmen dieser Hausarbeit nicht zu sprengen und um dem Thema treu zu bleiben, werden hier aus dieser Fülle von Ereignissen nur jene vorgestellt, die eine politische Bedeutung hatten und die die Menschen 1968 politisch am meisten bewegten.

Dazu ist es zunächst einmal wichtig, die politische Lage der damaligen Zeit zu kennen.

2. Geschichtlicher Hintergrund

2.1 Die Welt um 1968

Die Welt um 1968 war eine Welt voll politischer Brisanz. Die USA, seit dem „Tongking-Zwischenfall“ Anfang August 1964 in den Krieg in Vietnam verwickelt, musste Anfang 1968 nach einer Offensive der südvietnamesischen Befreiungsfront, die als Tet-Offensive in die Geschichte eingehen sollte, einen militärischen Rückschlag hinnehmen. Auch die darauffolgende Strategie der verbrannten Erde konnte daran nichts ändern und zwang die USA, die 1968 mit mehr als einer halben Million Soldaten in Vietnam stationiert war, einzugestehen, dass der Krieg sinnlos geworden war.

Doch nicht nur außenpolitisch schwelten in den USA die Konflikte. 1968 war das Jahr, in dem Martin Luther King in Memphis, Tennessee, einem Mordanschlag zum Opfer fiel und die Bürgerrechtsbewegungen der schwarzen Bürger Amerikas einen Höhepunkt erreichte.[7]

In Deutschland gingen die Studenten, motiviert durch die Studentenunruhen in Frankreich, auf die Straße und machten ihrem Unmut gegenüber der Regierung Luft. Die bildungspolitische Krise und die Notstandsgesetzgebung der großen Koalition um Kurt Georg Kiesinger trieben tausende Studenten auf die Straße. Der Mordanschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke im April 1968 sorgte für eine Eskalation der Zustände.

Im August 1968 marschierten Truppen der Warschauer Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei (CSSR) ein und beendeten die Reformbewegung der tschechoslowakischen kommunistischen Partei (KPC) um Parteisekretär Alexander Dubcek. Damit war der „Prager Frühling“ gewaltsam beendet worden.[8]

Im Nahen Osten eskalierte der Konflikt zwischen Israel und Ägypten im „Sechstagekrieg“.

In Griechenland und Peru stürzten Militärs die Regierungen. In Nigeria wütete der Biafrakrieg.[9] Weitere Konfliktherde lagen in Korea und Südafrika.

Inmitten dieser politischen Unruhen und Eskalationen sollten nun von 12.-27. Oktober die Olympischen Spiele von Mexiko-Stadt stattfinden.

2.2 Auswirkungen auf die Olympischen Spiele von 1968

Wie immer war es der Wunsch der Sportfunktionäre des IOC, in Mexiko unter der Leitung des Präsidenten Avery Brundage aus den USA, politische Ereignisse vom Sport fernzuhalten.

Das dies in einer derart politisch brisanten Zeit nicht vollständig möglich war, war vorauszusehen.

Schon im Vorfeld blieben die Spiele von politisch motivierten Boykottdrohungen und Unruhen nicht verschont, und auch während der Spiele trugen sich Ereignisse politischer Brisanz zu.

Die folgenden Seiten sollen einen Überblick hierzu geben.

[...]


[1] Kluge, Volker: Olympische Sommerspiele Die Chronik III. Berlin: Sportverlag, 2000. S. 22.

[2] Kaiser, Rupert: Olympia Almanach. Kassel: Agon-Sportverlag, 1996. S. 354.

[3] Kluge: Olymp. Sommerspiele Die Chronik III. S. 25.

[4] Kluge: Olymp. Sommerspiele Die Chronik III. S. 26/27.

[5] Kaiser: Olympia Almanach. S. 354.

[6] Kluge: Olymp. Sommerspiele Die Chronik III. S. 29.

[7] Kluge: Olymp. Sommerspiele Die Chronik III. S. 17-19.

[8] Kluge: Olymp. Sommerspiele Die Chronik III. S. 19/20.

[9] Scherer, Karl Adolf: 100 Jahre Olympische Spiele. Dortmund: Harenberg. 1995. S. 321.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Olympischen Sommerspiele in Mexiko 1968 aus politischer Sicht
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln  (Institut für Sportgeschichte)
Veranstaltung
Seminar Sport und Politik im Wandel der Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V461
ISBN (eBook)
9783638103299
ISBN (Buch)
9783638745413
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Politik, Olympische Spiele
Arbeit zitieren
Robert Kremer (Autor), 2001, Die Olympischen Sommerspiele in Mexiko 1968 aus politischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461

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