Wolfgang Borcherts "Die drei dunklen Könige“ und "Nachts schlafen die Ratten doch"

Analyse der Merkmale Hoffnung und Perspektive sowie Licht und Farben


Hausarbeit, 2018
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Gesellschaftsbild und die Situation der Literatur in der Stunde Null
2.1 Das Gesellschaftsbild der Zeit
2.2 Literatur der Stunde Null

3. Analyse von Borcherts Kurzgeschichten „Nachts schlafen die Ratten doch“ und „Die drei dunklen Könige“ unter Berücksichtigung der Schwerpunktsetzung
3.1 Das Motiv Hoffnung anhand der Merkmale Licht & Farbe
3.2 Wie zeigen sich Licht und Farbe formell in den ausgewählten Kurzgeschichten?
3.3 Zusammenfassung der Analyseergebnisse

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Er tappte durch die dunkle Vorstadt. Die Häuser standen abgebrochen gegen den Himmel. Der Mond fehlte und das Pflaster war erschrocken über den späten Schritt.“1 Intensiv und anschaulich beschreibt Wolfgang Borchert die triste städtische Realität unmittelbar nach dem Krieg. Der Schrecken und das Leid der vergangenen Jahre werden in wenigen präzisen Worten deutlich. Seine Kurzprosa wird kanonisch entsprechend der Zeit, in der sie verfasst wurde der Textsorte der Trümmerliteratur zugeordnet. Die Trümmerliteratur ist als die erste Literatur anzusehen, welche nach den literarisch stillstehenden Jahren des Krieges wieder verfasst und veröffentlicht wird. Oft setzen sich in dieser die Autoren mit Erfahrungen des Krieges und eigenen grausamen Erlebnissen auseinander. Bei der Betrachtung der Kurzgeschichten Borcherts fällt auf, dass diese typische, sich in seinen Werken oft wiederholende, Merkmale aufweisen. Untersucht werden die Merkmale Hoffnung sowie Licht und Farben. Außerdem wird die These aufgestellt, dass zwischen den Merkmalen eine Verknüpfung hergestellt werden kann und sich Hoffnung auch durch Licht und Farben ausdrückt. Zur Überprüfung dieser Thesen betrachtet diese Arbeit zwei seiner Prosatexte. Gewählt werden für die Betrachtung und Analyse die Kurzgeschichten „Nachts schlafen die Ratten doch“ und „Die drei dunklen Könige“. Beide Texte stammen aus der Erzählsammlung „An diesem Dienstag“ aus dem Jahre 1947 und sind somit in kurzem Zeitabstand voneinander entstanden. Die Wahl fällt auf diese Geschichten, da als Grundgemeinsamkeit die Begegnung von traumatisierten Fremden in der Stadt der Nachkriegszeit thematisiert wird und nach erster Betrachtung die gewählten Aspekte in diesen besonders gut verdeutlicht werden können.

Zunächst wird das Gesellschaftsbild der Zeit in Augenschein genommen und ein erster Anknüpfungspunkt mit der ausgewählten Kurzprosa herausgestellt. Im Folgenden wird ein kurzer Blick auf die Literatur der Stunde Null geworfen, welche Autoren aus den Geburtsjahren Borcherts in den Nachkriegsjahren ins Leben riefen. Es geht darum die Grundintentionen der Autoren am Beispiel Borcherts zu erfassen, um im weiteren Verlauf ein besseres Verständnis für die analysierte Prosa entwickeln zu können. Anschließend werden die Kurgeschichten „Nachts schlafen die Ratten doch“ und „Die drei dunklen Könige“ unter der beschriebenen Schwerpunktsetzung analysiert. Hier stehen das Motiv Hoffnung anhand der Merkmale Licht und Farben im Fokus und sind als Abgrenzung der Arbeit zu betrachten. Keineswegs erhebt die Arbeit den Anspruch einer vollständigen Analyse der gewählten Texte oder eine Untersuchung weiterer Werke Borcherts. Eine erste Betrachtung der formellen Darstellung der gewählten Merkmale, soll mit dem Inhalt verknüpft, weitere Analyseerkenntnisse liefern. Das Fazit bringt die Ergebnisse beider Analysen zusammen.

2. Das Gesellschaftsbild und die Situation der Literatur in der Stunde Null

2.1 Das Gesellschaftsbild der Zeit

„Man geht hindurch, als liefe man im Traum durch Sodom und Gomorrha. Durch den Traum fahren mitunter klingelnde Straßenbahnen. In dieser Steinwüste hat kein Mensch etwas zu suchen, er muss sie höchstens durchqueren.“2 Erich Kästner beschreibt im obigen Zitat wie sich große Teile Deutschlands nach Kriegsende darboten. Nach der Kapitulation sämtlicher Truppen vor den Alliierten und der Übernahme der Regierungsgewalt durch diese begegnen die Menschen ihrer in Trümmern liegenden Umwelt. Der Alltag der Menschen ist in großen Teilen bestimmt durch Existenzsorgen. Es herrscht ein materieller Mangel an Nahrung, Wasser, Heizmitteln und viele Menschen haben ihr Dach über dem Kopf verloren. Die Überlebenden des Krieges führen einen Kampf ums Überleben und leben von Tag zu Tag. Hygienische Bedingungen führen zu einem starken Anstieg von Erkrankungen und die Sterblichkeitsrate verdoppelt sich in Relation zum Weltdurchschnitt. Die Menschen sind durch den Krieg gezeichnet und traumatisiert.3 „Die Wesen in dieser Wüste glichen Gespenstern.“4 Zwei Millionen Zivilisten waren in den vergangenen Jahren ums Leben gekommen. Darüber hinaus sollten sich vier Millionen Soldaten und weitere zehn Millionen Soldaten für viele weitere Jahre in Kriegsgefangenschaft befinden aus der nicht alle zurückkehren würden. Es gab kaum jemanden, der nicht einen näheren Angehörigen verloren hatte oder vermisste. Viele Kinder hatten zumindest einen Elternteil verloren oder betrauerten Brüder und Schwestern. Neben den großen Sorgen um eine materielle Sicherheit sind die Menschen insofern vor allem innerlich zerrissen. Erstmals erfolgt eine öffentliche Aufklärung über den millionenfachen Mord von Juden und anderen Gruppen. Unmenschliche und grausame Taten der Nazis kommen ans Tageslicht. Deutschland hat einen Weltkrieg begonnen und diesen verloren. Die Bevölkerung, geschürt von den Äußerungen der Siegermächte, empfindet nun Schuld. Die Schuld ist ein kollektives Empfinden und ein kollektiver Vorwurf an jeden deutschen Staatsbürger. Jeder hat sich schuldig gemacht. Die intensive Propaganda und Manipulation des Naziregimes haben ein eigenes Werteverständnis erzeugt, welches nach Kriegsende adhoc zusammengebrochen ist. Die Menschen sind innerlich leer. Wie ist das Ende des Krieges, wie ist die Niederlage für die meisten Menschen zu bewerten? Ist es eine Befreiung oder ist es eine Tragödie? Wie geht das Leben der Deutschen weiter? Es ist die Stunde Null. Es ist die Chance auf einen Neuanfang. Schafft dieser Neuanfang auch wieder Hoffnung in den Menschen zu wecken?5 Das beschriebene Gesellschaftsbild findet sich auch in der Kurzprosa Borcherts wieder. Sowohl in „Nachts schlafen die Ratten doch“ als auch in „Die drei dunklen Könige“ begegnen wir stark traumatisierten Menschen. Jürgen hat in „Nachts schlafen die Ratten doch“ vor kurzem seinen Bruder in den Trümmern eines Hauses verloren und wacht nun über seiner Leiche. Der Tod sollte Kindern nicht in dieser Unmittelbarkeit begegnen und das vermeintlich erwachsene Verhalten des neunjährigen Jürgen deutet auf ein Trauma hin. In „Die drei dunklen Könige“ möchte der namenlose Mann immer wieder jemandem seine Fäuste ins Gesicht schlagen. Er sucht ein Ventil für seine Verzweiflung. Die Augen seiner Frau werden als blassblau beschrieben. Sie ist kraftlos und abgeschlagen. Es gibt nichts zu Essen für die junge Familie. Die drei auftretenden Männer weisen alle schwere Verletzungen und Leiden des Krieges auf. Auch hier kann von traumatisierten Menschen gesprochen werden. Wie geht das Leben der Menschen weiter? In beiden Geschichten gibt es Aspekte, die den Blick in die Zukunft richten lassen. Es sind lebendige unschuldige Wesen wie das neugeborene Kind, beziehungsweise die jungen Kaninchen. Im späteren Verlauf der Arbeit wird daher die Hoffnung und die Merkmale Licht und Farben besonders ins Auge gefasst.

[...]


1 Vgl. Wolfgang Borchert: Das Gesamtwerk. 2. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2011. S.217.

2 Erich Kästner: „...und dann fuhr ich nach Dresden“. In: Klaus R. Scherpe (Hg.): In Deutschland unterwegs. Reportagen, Skizzen, Berichte 1945-1948. Stuttgart 1982, S.253.

3 Wilhelm Große: Wolfgang Borchert. Kurzgeschichten. Interpretation von Wilhelm Große. München 1995. S.11 f.

4 Walter Kolbenhoff, zit. nach: Bernd Balzer u.a .: Die deutschsprachige Literatur in der Bundesrepublik Deutschland. Vorgeschichte und Entwicklungstendenzen. München 1988, S.20.

5 Wilhelm Große: Wolfgang Borchert. Kurzgeschichten. Interpretation von Wilhelm Große. München 1995. S.12 ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wolfgang Borcherts "Die drei dunklen Könige“ und "Nachts schlafen die Ratten doch"
Untertitel
Analyse der Merkmale Hoffnung und Perspektive sowie Licht und Farben
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Seminar Kurzprosa
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V461012
ISBN (eBook)
9783668909601
ISBN (Buch)
9783668909618
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Borchert, licht, hoffnung, farbe, Perspektive, nachts schlafen die Ratten doch, die drei dunklen Könige
Arbeit zitieren
Janis Hackbarth (Autor), 2018, Wolfgang Borcherts "Die drei dunklen Könige“ und "Nachts schlafen die Ratten doch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461012

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