Im Seminar „Bildungs- und Freizeitangebote für Kinder im Rahmen der politischen Bildung“ haben wir uns unter anderem mit dem Thema Kinderrechte befasst. Es stellten sich Fragen wie „Haben Kinder Rechte?“ und „Welche Rechte haben Kinder?“, „Kennen Kinder ihre Rechte?“ oder „Wie können Kinder von ihren Rechten Gebrauch machen?“, „Werden Kinder beim Gebrauch ihrer Rechte unterstützt?“ und „Wer bestimmt die Rechte der Kinder?“.
Schnell wurde mir bewusst, wie breit gefächert diese Thematik ist und wie wenig ich als angehende Grundschullehrerin über ein solch wichtiges und bedeutendes Gebiet informiert bin beziehungsweise war. Wie sollte es da den Kindern und Jugendlichen als angehende Erwachsene gehen?
„Kinder bzw. Jugendliche und Politik“ - bedeutet das „Politik für Kinder und Jugendliche“ oder eher „Politik mit Kindern und Jugendlichen“? Mit dieser Materie beschäftigen sich heute verschiedene Institutionen und Organisationen in unterschiedlicher Weise. Ein wichtiger Fortschritt für die Entwicklung und Umsetzung der Kinderrechte war die UN-Kinderrechtskonvention von 1989. Seit diesem Zeitpunkt rücken Kinder und Jugendliche politisch gesehen immer mehr in den Vordergrund. Einrichtungen wie das Kinder- und Jugendparlament, Kinderrechtsorganisationen wie der Deutsche Kinderschutzbund sowie die UN-Kinderrechtskonvention verdeutlichen die Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung in die Thematik
2.1 Begriffsdefinition Kinder und Jugendliche
2.2 Begriffsdefinition Sorgeberechtigter
2.3 Erziehungsbeauftragte Person
2.4 Befragung von Kindern zu Kinderrechten und Kinderpolitik
2.5 Begriffsdefinition Kinder- und Jugendpolitik
2.6 Historischer Hintergrund
3 Jugendpolitisches Programm der Bundesregierung
3.1 Ziele
3.2 Mitbestimmungschancen für Jugendliche
4 UN-Kinderrechtskonvention
4.1 UN-Aktionsplan
4.2 UN-Kinderrechtskonvention und ihre Umsetzung in der BRD
4.3 National Coalition
5 Kinderkommission
6 Gesetzliche Einbindung der Kinderrechte
6.1 Das Grundgesetz
6.2 Das Kinder- und Jugendhilfegesetz
7 Didaktik der Kinderpolitik
8 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die rechtliche und politische Situation von Kindern in der Bundesrepublik Deutschland, beleuchtet deren Mitspracherechte sowie die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und hinterfragt die Verankerung dieser Rechte im deutschen Gesetzessystem.
- Historische Entwicklung von Kinderrechten und Kindheitsforschung
- Strukturen und Ziele des jugendpolitischen Programms der Bundesregierung
- Die UN-Kinderrechtskonvention als Grundlage für weltweite Standards
- Rolle von Institutionen wie der Kinderkommission und der National Coalition
- Gesetzliche Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz und SGB VIII
- Didaktische Ansätze zur Vermittlung politischer Bildung in der Schule
Auszug aus dem Buch
2.4 Befragung von Kindern zu Kinderpolitik und Kinderrechten
Da Kinder und Jugendliche die Hauptpersonen dieser Arbeit sind, fand ich es sinnvoll, sie selber einmal zu diesem Thema zu befragen. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt im Praktikum in der Kinder- und Jugendklinik Lübeck befand, bot es sich an, die Kinder aus dieser Klasse zu befragen. Sie waren im Alter zwischen neun und elf Jahren.
Folgende Ideen und Vorstellungen hatten sie zu dem Oberbegriff „Kinderpolitik und Kinderrechte“:
Sobald ich den Kindern das Thema genannt hatte, fiel der Begriff „Kindermeister!“. Als Erläuterung wurde mir erklärt, dass der Kindermeister genau die gleichen Aufgaben wie der Bürgermeister haben sollte. Dieser müsse ja die Stadt verwalten, und dementsprechend sollte der Kindermeister die Kinder verwalten.
Der Kindermeister würde von allen Kindern gewählt und sollte „nett und alt genug sein und die Kinder verstehen“. Auf Nachfrage bedeutete „alt genug“ ein Alter zwischen zehn und zwölf Jahren.
Der Kindermeister setze sich dafür ein, dass mehr Spielplätze gebaut werden, denn es gebe viel zu wenige. Viele Spielplätze seien zu weit weg, da „ist man schon erschöpft, wenn man ankommt“. Als Anregung gab es sogar die Idee, einem großen Sportplatz eine Ecke abzutrennen und in einen Spielplatz zu verwandeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation sowie der grundlegenden Fragestellungen bezüglich der Rechte von Kindern und Jugendlichen im politischen Kontext.
2 Einführung in die Thematik: Definition wichtiger Grundbegriffe und Analyse der Sichtweisen von Kindern auf politische Mitbestimmung anhand einer eigenen Befragung.
3 Jugendpolitisches Programm der Bundesregierung: Vorstellung der Ziele und Leitprinzipien der „Chancen für die Jugend“-Initiative sowie Analyse der Mitbestimmungschancen.
4 UN-Kinderrechtskonvention: Untersuchung der Bedeutung der Konvention für die globale Verbesserung der Lage von Kindern sowie deren Umsetzung in Deutschland.
5 Kinderkommission: Vorstellung der Aufgaben und Funktionen dieses Gremiums als Interessenvertretung von Kindern im Deutschen Bundestag.
6 Gesetzliche Einbindung der Kinderrechte: Betrachtung der rechtlichen Verankerung im Grundgesetz und dem Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie die Forderungen nach weitergehenden Rechten.
7 Didaktik der Kinderpolitik: Diskussion didaktischer Stufentheorien und praktischer Beispiele wie der Spielstadt Mini-München zur politischen Bildung.
8 Schlussbetrachtung: Fazit zur Notwendigkeit, Kinder stärker in politische Prozesse einzubeziehen und die politische Bildung an Schulen auszubauen.
Schlüsselwörter
Kinderrechte, Kinderpolitik, UN-Kinderrechtskonvention, Politische Bildung, Partizipation, Kindheit, Jugendpolitik, Bundesregierung, Kinderkommission, Grundgesetz, SGB VIII, Mitbestimmung, Demokratie, Kinderschutz, Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Status von Kinderrechten und der Kinderpolitik in Deutschland sowie der Frage, wie Kinder und Jugendliche stärker an politischen Prozessen beteiligt werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die UN-Kinderrechtskonvention, die Rolle von Kinderinteressenvertretungen, gesetzliche Grundlagen wie das Grundgesetz sowie Ansätze der politischen Bildung im Schulwesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Stand der Umsetzung von Kinderrechten in der Bundesrepublik aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer kindgerechten politischen Bildung sowie aktiver Beteiligungsmöglichkeiten hervorzuheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer explorativen Befragung von Kindern, um deren subjektive Vorstellungen von Kinderpolitik zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Rahmenbedingungen (UN-Konvention, Grundgesetz, KJHG), politische Programme und Institutionen (Kinderkommission, National Coalition) sowie didaktische Überlegungen zur Vermittlung von Politik in der Schule.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Partizipation, Kinderrechte, politische Sozialisation und gesetzliche Einbindung.
Warum wurde in der Arbeit der Begriff "Kindermeister" eingeführt?
Der Begriff entstand während einer Befragung von Grundschulkindern, die damit eine dem Bürgermeister ähnliche Instanz zur Verwaltung von Kinderinteressen in ihrer Vorstellung skizzierten.
Welche Kritik übt die Autorin an der aktuellen Situation?
Die Autorin kritisiert das mangelnde Vertrauen von Kindern in Institutionen und die oftmals fehlende Kontinuität bei der Umsetzung politischer Absichtserklärungen zum Kinderschutz.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Schulen in der politischen Bildung?
Die Schule wird als wichtiger Ort der politischen Sozialisation betrachtet, an dem das Umsetzungsvermögen für eine praktische politische Bildung jedoch noch gestärkt werden muss.
- Quote paper
- Wiebke Engler (Author), 2005, Kinderrechte und Kinderpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46105