Wenn Migration einen positiven Einfluss auf den Handel hat, warum erschweren Staaten zunehmend die Migration in ihre Gebiete? Die Auswirkungen von Migration auf den Handel


Seminararbeit, 2019

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wirkung von Migration auf den Handel
2.1. Konsumkanäle
2.1.1. Der Transaktionskosteneffekt
2.1.2. Der Präferenzeffekt

3. Statistisches Rahmenkonzept
3.1. Das STD-Modell
3.2. High skilled Migrants

4. Protektionismus

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Tabellenverzeichnis

8. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Durch die immer stärker ausgeprägte Vernetzung ist es von großer Bedeutung, dass Migranten neue Kompetenzen und Informationen in Drittstaaten verbreiten und so bei der Gestaltung einer effizienteren Welt mithelfen. Seit dem Beginn der Hyperglobalisierung steigt zunehmend die Bedeutung der Begriffe Migration und Handel, von diesem Zeitpunkt an betreiben die Staaten eine überwiegend liberale Handelspolitik und versuchen diese im Sinne der Wohlfahrtsmaximierung zu optimieren.

Migration und Handel haben eine nachgewiesene positive Korrelation zueinander, jedoch seit Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts nehmen nahezu im gleichen Maße mit den handelspolitischen Liberalisierungen auch die protektionistischen Maßnahmen der jeweiligen Staaten zu.1

Warum reagieren Staaten auf zunehmende Migration mit protektionistischen Maßnahmen, wenn sie dadurch ihre eigene Volkswirtschaft langfristig schädigen?

Die Protektionismusaufwendungen von wirtschaftsstarken Industrienationen, wie den Vereinigten Staaten oder auch Australien steigen zunehmend an, obwohl gerade diese Nationen von Migranten gegründet worden und im Laufe ihrer Geschichte stark von der Migration profitiert haben. Eben genannte Nationen agieren verstärkt mit Handelsrestriktionen gegen Drittstaaten um ihre auf der Strecke gebliebenen Einwohner und oftmals ineffizienten sowie veralteten Industrien zu schützen. Die so genannten Left Behinds sind als Mitinitiator des Brexits ein Begriff und scheinbar ein legitimes Mittel für einige Staaten um so den Freihandel sowie liberale Migrationspolitiken zu limitieren. Kurzfristig scheint dies zu Erfolg zu führen, aus makroökonomischer Sicht sind diese Vorgehensweisen ein fataler Fehler für die kommenden Generationen.

In dieser Seminararbeit werde Ich explizit auf die Wirkung von Migration auf den Handel in bilateralen Beziehungen eingehen und diese auf zwei Wirkungskanäle zuweisen. Hierbei werde Ich mich insbesondere auf das STD- Gravity-Modell konzentrieren und abbilden warum es das wohl robusteste seiner Art darstellt und freilich die daraus gewonnen Erkenntnisse präsentieren. Ebenfalls werde Ich im Folgenden Argumente und Gründe dar legen die den Protektionismus und seine Anhänger stützen. Im letzten Abschnitt werde Ich dann eine abschließende Beurteilung und Einschätzung des Sachverhaltes abgeben. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, dass der Protektionismus nicht die richtige Konsequenz auf eine zunehmende Migration ist, sondern ein Hemmnis für liberale Staaten und zum Teil irreparable Schäden generiert.

2. DieWirkung von Migration auf den Handel

2.1 Die Konsumkanäle

Bei der Betrachtung der Wirkung auf bilaterale Handelseffekte gilt es zu differenzieren bezüglich zweier Wirkungskanäle. Der Transaktionskosteneffekt beeinflusst Import als auch Export, der zweite Wirkungskanal wirkt lediglich auf den Import, er ist bekannt als Präferenzeffekt.

Es ist von großer Bedeutung zwischen diesen beiden Effekten zu unterscheiden, da Staaten Erkenntnisse und Muster über die Verteilung der Migrationswirkung zur Optimierung ihrer Leistungsbilanz nutzen können. Folglich sollten Staaten wissen wie die Migration auf die beiden Wirkungskanäle aufgeteilt ist und welche Faktoren hierfür ausschlaggebend sind.

Vorweg zu nehmen ist der Netzwerkeffekt, ethnische Minderheiten welche außerhalb ihres Geburtslandes zusammen leben kreieren so informelle oder formelle Netzwerke welche einen positiven Einfluss auf beide Staaten haben können, sie stellen beiden Staaten Informationen zur Verfügung und vermeiden so vor allem informelle und internationale Handelsbarrieren.2

Traditionelle Faktoren wie Transaktions- und Transportkosten sowie die generelle wirtschaftspolitische Haltung der Staaten hinsichtlich des Handels spielen eine elementare Rolle, ebenso wie die allgemeine Wirtschaftslage mit samt der politischen Ausrichtung für die zukünftigen Jahre des Migrationsstaates.3

2.1.1 Der Transaktionskosteneffekt

Der erste Wirkungskanal, beziehungsweise Effekt, ist der Transaktionskosteneffekt welcher für Import sowie Export maßgebend ist. Hier werden anfallende Transaktionskosten, wie Verhandlungskosten oder allgemeine Ineffizienzen und Wohlfahrtsverluste reduziert durch das vorhandene Wissen der Zuwanderer bezüglich ihres Herkunftslandes. Hierzu gehören Kenntnisse der Sprache und Dialekte, Zuständigkeiten des Zolles, Kenntnis über Verhaltensmuster, Kenntnis über Gesetze und Vorschriften und besonders übergängige Geschäftspraktiken als auch Handelsrouten.4

Das Ausmaß der Wirkung auf die Leistungs- und Handelsbilanzen ist umso größer desto verschiedener die handelnden Länder sind, dazu gehören auch unterschiedliche Ausrichtung und Konstruktion von Institutionen, hier unter anderem das grundlegende politische Rahmengerüst, aber auch unterschiedliche Kulturen, Religionen beziehungsweise Güter und Faktorausstattungen von zu vergleichenden Nationen.5

Durch die oben genannten Informationen die von den Migranten bereitgestellt werden können eröffnen sich neue Handelsmöglichkeiten und Optionen eines Landes und somit die Gelegenheit die Wohlfahrt weiter zu optimieren. In diesen Fällen erzeugen Migranten Wohlstand in dem Sie durch die von ihnen bereitgestellten Informationen die Transaktionskosten senken und so den Handel vor allem in bilateralen Beziehungen fördern.6

Dieser Effekt wirkt sowohl auf Import als auch Export, Migranten können folglich dazu beitragen, dass asymmetrische und unvollkommene Informationen beseitigt und Ineffizienzen reduziert werden.

2.1.2 Der Präferenzeffekt

Der zweite Wirkungskanal ist zu erfassen über die individuellen Präferenzen der Migranten in den Zielstaaten. Diese Wirkung entfaltet sich lediglich über den Importweg, aufgrund des Nachfrageanstiegs nach Gütern und Dienstleistungen aus den Heimatregionen der Migranten.

Wenn oben genannter Präferenzeffekt stark genug ist, werden die einheimischen Unternehmen beginnen eben diese Güter und Dienstleistungen gezielt zu produzieren um Transport- und Handelsbarrieren zu reduzieren, und so die Gesamtwohlfahrt weiter zu optimieren.

Im Allgemeinen sind ethnische Minderheiten eine treibende Kraft für den Handel zwischen Herkunfts- und Zielland, da Sie oftmals Marktinformationen übermitteln und bei der Einhaltung von Verträgen unterstützend beteiligt sind und eine beratende Funktion ausüben.7

Der Grundgedanke besteht hierbei darin, dass Fesseln und Zwänge abgelegt werden und durch die Involvierung der Migranten in den Handelsprozess perfekte Substitute gebildet werden können und der Gesamtprozess folglich optimiert wird.8 Schätzungen legen dar, das Migranten einen positiven und statistisch signifikanten Einfluss auf Importe haben, der hier aufgeführte Präferenzeffekt hat einen Einfluss von bis zu i.H.v. 63% auf den gesamten Handelseffekt durch Migration9.

Dies ist zur Einordnung der Bedeutung der Wirkung von Migration auf den Handel pivotal, da der Präferenzeffekt die Handelsbilanz der Staaten negativ belastet durch einen Anstieg der Importe bei gleichbleibenden Exporten.

Wir betrachten hier ausschließlich Gesamteffekte ohne explizit auf das Qualifikationsniveau der Migranten einzugehen. Jedoch gilt festzuhalten, dass der Einfluss von Migranten welche den tertiären Bildungsweg durchlaufen haben, auf die Gesamtwohlfahrt (Import und Export) vergleichsweise doppelt so groß ist zu allen Migranten.10

3. Statistisches Rahmenkonzept

Zu Beginn dieses Abschnittes gilt es anzumerken, dass es oftmals schwierig ist universal verwendbares Datengut zu erhalten, wie in diesem Fall hier. Aufgrund dessen viel meine Wahl als Analyse Konzept wie den nachfolgenden Ausführungen zu entnehmen sein wird auf das „standard model“ (STD-Modell) da es auch aus Daten mit minderer Qualität und Sauberkeit statistisch und ökonomisch signifikante Ergebnisse liefert.

Im Folgenden befasse Ich mich mit dem STD-Modell, vorab ein kurzer Vergleich mit dem „symmetric trade cost model“ (STC-Modell) welcher offenbart weshalb das STD-Modell das wohl robusteste Analyse Konzept ist.

Das STC-Modell richtet seinen Fokus zum einen auf den Fakt, das der Export nicht stärker von liberaler Migrationspolitik profitiert als der Import, sondern symmetrisch abläuft. Eine häufig genutzte Metapher ist die des Channel Tunnel, welcher es ermöglicht mit der exakt gleichen Geschwindigkeit und dem identischen Transportvolumen in das Vereinigte Königreich als auch nach Frankreich zu transportieren.11

Ferner betrachtet das STC-Modell lediglich Waren und Güter und keine Dienstleistungen, welches die Aussagekraft über die Migrationswirkung dieses Modells erneut limitiert. Ebenso variieren die Ergebnisse, wenn der Fokus der einzelnen Staaten speziell auf einige wenige Güter und Waren gerichtet ist. Letztlich ist eine Identifizierung und Aufteilung der Ergebnisse auf die beiden Wirkungskanäle möglich, aber da bilaterale Migrationsdaten über einen repräsentativen Zeitraum nur selten konsistent vorhanden sind bleibt es jedoch fraglich wie präzise diese tatsächlich ist.12

Nicht minder relevant ist die unterschiedliche Definition des Migranten von Wirtschaftsraum zu Wirtschaftsraum und die damit verbunden vorherrschenden Einwanderungsgesetze, welches eine umfassende Vorhersage mit hoher Präzision stark erschwert.

Aufgrund der oben aufgeführten Mängel des SCT-Modells fundiert meine statistische Analyse auf dem STD-Modell welches im Jahr 1954 von Walter Isard konzipiert wurde.13

3.1 Das STD-Gravity-Model

Das STD-Modell bildet in seiner Gesamtheit den Einfluss der Migration auf den Handel sehr gut ab. Es ist im Vergleich zu diversen anderen Modellen das wohl robusteste und zuverlässigste seiner Art, da es unter anderem im Vergleich mit dem STC-Modell deutlich niedrigere Anforderungen stellt.14

Wohingegen es aber auch einige wenige Kritikpunkte gibt, einer ist die Problematik der Identifizierung aller Parameter der Handelskostenfunktion, da diese nicht individuell für jeden Staat modellierbar ist. Ein weiterer Kritikpunkt ist das hier im Vergleich mit dem STC-Modell keine Unterteilung in die oben genannten Wirkungskanäle erfolgen kann, dies ist aber minderbedeutend, da in dem STC-Modell trotz Identifizierungen der einzelnen Wirkungskanäle oftmals keine hohe Präzision vorzufinden ist.15

Im Folgenden werden die Ergebnisse des STD-Modells betrachtet (Tabelle 1), das besondere Augenmerk liegt auf den Spalten S1 und S4, die Spalten S2 und S3 bilden Parameter ab welche für den Analyserahmen vorerst unbedeutend sind.

Tabelle 1: Einfluss der Migranten auf den Import in bilateralen Beziehungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Auszug aus Berechnungen von Rauch (1999)

Spalte S1 stellt nur geringe Anforderungen, dies ist wie oben genannt einer der Hauptgründe für die Robustheit dieses Modells, S1 betrachtet lediglich die Werte der Gesamtheit der Einwanderer und Auswanderer. Beide Werte sind positiv und ökonomisch als auch statistisch signifikant auf dem 1% Intervall, welches den positiven Einfluss der Migranten auf den Handel belegt. Ein einprozentiger Anstieg der Einwanderer führt zu einem Anstieg der Importe aus dem Herkunftsland um circa 56%, ebenso führt ein einprozentiger Anstieg der Auswanderer zu einem 44,7% Anstieg der Importe im Zielland. Diese beiden Werte belegen den signifikanten und ökonomisch überaus relevanten Einfluss der Migration auf den Handel.

Ein weiterer wichtiger anhaltspunkt bei einer regressionsanalyse ist die auswertung des regressionskoeffizienten. für den teil der einwanderer ergibt sich ein regressionskoeffizient i.h.v. β = 0,16 welcher damit vergleichsweise höher ist als der der auswanderer i.h.v. β = 0,13.16

Beide Werte sind eindeutig positiv, dies belegt erneut den ökonomisch bedeutsamen Einfluss der Migration auf den Handel, wenn auch gleich der Einfluss der Einwanderer größer ist als der Auswanderer. Hierbei ist allein das Faktum relevant das beide Werte positiv sind, die absolute Höhe dessen ist weniger bedeutsam, da lediglich belegt werden soll das Migration einen positiven Einfluss auf den Handel hat.

Die in Tabelle 1 vorhandenen Spalten S2 und S3 haben weitere Spezifikationen in ihren Funktionen enthalten, welche aber nur marginalen Unterschied bezüglich der universalen Aussagekraft offenbaren. S2 hat ergänzend die Distanz als Parameter, S3 unter anderem Dummyvariablen für die gemeinsame Sprache und Parameter für die allgemeine Ausrichtung der Handelspolitik der einzelnen Staaten.

Trotz vorhandener statistischer Signifikanz in den Spalten S2 und S3, weist von den zusätzlichen Spezifikationen lediglich die geographische Distanz, eine negative statistische und ökonomische Signifikanz auf dem 1% Intervall auf. Dies ist jedoch ein traditioneller empirischer Befund, je größer die Distanz des Herkunftslandes zu dem Zielland desto geringer ist der Einfluss auf den Handel aufgrund der geringeren Migrationswahrscheinlichkeit.

3.2 High skilled Migrants

Bis zu diesem Punkt meiner Argumentation ist der Einfluss der Migranten auf den Handel bei der Betrachtung bilateraler Beziehungen, positiv aber recht gering trotz der individuell absolut hohen Werte. Aus der Literatur geht zudem hervor, dass der Migrationseffekt, welcher sich unter anderem in dem Bilden von informellen Netzwerken oder neuen kulturellen Zentren widerspiegelt, die geographische oder kulturelle Nähe teilweise ersetzt.17

[...]


1 Vgl. Felbemayr, Steiniger, Yalcin (2017), Seite 60.

2 Vgl. Genc (2014), Seite 2.

3 Felbermayr und Toubal (2008), Seite 5.

4 Genc (2014), Seite 2.

5 Vgl. Genc (2014), Seite 3

6 Vgl. Felbermayr und Toubal (2008), Seite 5.

7 Vgl. Genc (2014), Seite 4

8 Egger,Ehrlich und Nelson (2012), Seite 219.

9 Felbermayr und Toubal (2008), Seite 3.

10 Felbermayr und Toubal (2008), Seite 14.

11 Vgl. Felbermayr und Toubal (2008), Seite 9.

12 Vgl. Felbermayr und Toubal (2008), Seite 9.

13 Vgl. Isard (1954)

14 Vgl. Felbermayr und Toubal (2008), Seite 21 und 22

15 Felbermayr und Toubal (2008), Seite 16

16 Felbermayr und Toubal (2008), Seite 13.

17 Felbermayr und Toubal (2008), Seite 14.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Wenn Migration einen positiven Einfluss auf den Handel hat, warum erschweren Staaten zunehmend die Migration in ihre Gebiete? Die Auswirkungen von Migration auf den Handel
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Finanzwissenschaftliches Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V461108
ISBN (eBook)
9783668908710
ISBN (Buch)
9783668908727
Sprache
Deutsch
Schlagworte
MIgration, Handel
Arbeit zitieren
Johannes Kappes (Autor:in), 2019, Wenn Migration einen positiven Einfluss auf den Handel hat, warum erschweren Staaten zunehmend die Migration in ihre Gebiete? Die Auswirkungen von Migration auf den Handel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461108

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