Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage, wie zukünftig die steuerliche Gewinnermittlung aussehen sollte. Dazu soll geprüft werden, inwieweit potentielle Gewinnermittlungsmethoden zentralen steuerlichen Grundsätzen gerecht werden. Als potentielle Gewinnermittlungsmethode kommt dabei zunächst eine Beibehaltung der HGB-Maßgeblichkeit oder eine Anbindung an die IFRS in Betracht. Darüber hinaus lässt der Reformdruck, der von der Internationalisierung der Rechnungslegung ausgeht, im Schrifttum anhaltend Forderungen nach einer stärker an Zahlungen orientierten Gewinnermittlung aufkommen. Somit besteht zwischen einer zahlungsorientierten Unternehmensbesteuerung und der Internationalisierung der Rechnungslegung ebenfalls ein mittelbarer Zusammenhang. Daher soll auch eine solche Cashflow-Besteuerung mit in die Prüfung einbezogen werden. Zunächst Auswirkungen der Internationalisierung der Rechnungslegung auf die steuerliche Gewinnermittlung soll jedoch eine Erläuterung der angelegten Beurteilungskriterien erfolgen (Kap.2). Anschließend soll der Leser mit den wesentlichen Unterschieden einer Gewinnermittlung nach HGB-oder IFRS-Normen (Kap.3) und den
Konzeptionsgrundsätzen einer zahlungsorientierten Gewinnermittlung (Kap.4) vertraut gemacht werden, bevor die Beurteilung der Gewinnermittlungsmethoden anhand der erläuterten Kriterien dargelegt wird (Kap.5). Aufbauend auf den Ergebnissen soll darüber hinaus kurz skizziert werden, wie demnach zukünftig die steuerliche Gewinnermittlung aussehen sollte (Kap.6). Eine thesenförmige Zusammenfassung beschließt die Arbeit (Kap.7). Insgesamt soll die Arbeit die nachstehenden Fragen beantworten:
•Wie könnten künftig steuerliche Gewinnermittlungsmethoden aussehen ?
•Nach welchen Maßstäben lässt sich die Güte einer Gewinnermittlungs-methode messen ?
•Welches Gewinnermittlungsmodell erweist sich als „überlegen“ ?
•Wie könnte die Gewinnermittlung zukünftig konkret aussehen ?
Auswirkungen der Internationalisierung der Rechnungslegung auf die steuerliche
Gewinnermittlung
Inhaltsverzeichnis
1. Die Zukunft der steuerlichen Gewinnermittlung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2. Zur Beurteilung von Gewinnermittlungsmethoden
2.1 Vorbemerkungen
2.2 Steuerrechtliche Anforderungen
2.2.1 Gleichmäßigkeit der Besteuerung
2.2.2 Gesetzmäßigkeit der Besteuerung
2.3 Ökonomische Anforderungen
2.3.1 Entscheidungsneutralität
2.3.2 Administrative Praktikabilität
2.4 Politische Anforderungen
2.5 Belastungskonsequenzen
3. Unterschiede einer Gewinnermittlung nach HGB oder IFRS
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Normensetzende Instanz
3.3 Zielsetzung und dominierende Grundsätze
3.4 Bedeutung des Realisationsprinzips
3.5 Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze am Beispiel ausgewählter Bilanzpositionen
3.5.1 Vorräte und langfristige Fertigungsaufträge
3.5.2 Immaterielles Anlagevermögen
3.5.3 Rückstellungen
3.6 Zwischenergebnis
4. Steuerliche Gewinnermittlung durch Kassenrechnungskonzepte
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Reine Cashflow-Besteuerung
4.3 (Modifizierte) Einnahmenüberschussrechnung
4.4 Auswahl der reinen Cashflow-Besteuerung zur weiteren Prüfung
5. Beurteilung alternativer Gewinnermittlungskonzeptionen
5.1 HGB versus IFRS
5.1.1 Gleichmäßigkeit der Besteuerung
5.1.2 Gesetzmäßigkeit der Besteuerung
5.1.3 Entscheidungsneutralität
5.1.4 Administrative Praktikabilität
5.1.5 Politische Realisierbarkeit
5.1.6 Belastungskonsequenzen
5.2 Cashflow-Besteuerung
5.2.1 Gleichmäßigkeit der Besteuerung
5.2.2 Gesetzmäßigkeit der Besteuerung
5.2.3 Entscheidungsneutralität
5.2.4 Administrative Praktikabilität
5.2.5 Politische Realisierbarkeit
5.2.6 Belastungskonsequenzen
5.3 Ergebnis
5.3.1 Zusammenfassung
5.3.2 Überlegenheit der IFRS
6. Entwurf einer möglichen IFRS-Maßgeblichkeit
6.1 Grundsätzliche Ausgestaltung
6.2 Berücksichtigung steuerlicher Anforderungen
6.2.1 Erweitertes comprehensive income statement
6.2.2 Gewährleistung der Gesetzmäßigkeit der Besteuerung
6.2.3 Leitlinien zur Gestaltung der remeasurements
6.2.4 Steuerbemessung und full fair value accounting
7. Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie eine zukunftsfähige steuerliche Gewinnermittlung gestaltet sein sollte, um den Anforderungen der zunehmenden Internationalisierung der Rechnungslegung gerecht zu werden. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob das HGB, IFRS oder ein Cashflow-basiertes Konzept als geeigneteres Fundament für die steuerliche Bemessungsgrundlage dienen kann.
- Beurteilungskriterien für Gewinnermittlungsmethoden (steuerrechtlich, ökonomisch, politisch).
- Vergleichende Analyse der Bilanzierung und Bewertung nach HGB und IFRS.
- Konzeptuelle Grundlagen der Cashflow-Besteuerung und Kassenrechnungskonzepte.
- Politische Realisierbarkeit und Belastungskonsequenzen alternativer Modelle.
- Entwurf einer möglichen IFRS-Maßgeblichkeit für steuerliche Zwecke.
Auszug aus dem Buch
3.5.1 Vorräte und langfristige Fertigungsaufträge
Vorräte werden sowohl nach HGB als auch nach IFRS dem Umlaufvermögen zugerechnet. Hinsichtlich der Bewertung ergeben sich jedoch signifikante Unterschiede. Nach HGB sind Vorräte mit den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten zu bewerten, welche gleichzeitig die Wertobergrenze bilden. In Bezug auf die Folgebewertung gilt das strenge Niederstwertprinzip, wonach nicht zwischen vorübergehender und dauernder Wertminderung differenziert wird. Im Falle einer Wertminderung ist auf den Stichtagswert, der sich aus Börsenkurs, Marktpreis oder beizulegendem Wert ergibt, abzuschreiben. Ferner besteht ein Abwertungswahlrecht auf den niedrigeren nahen Zukunftswert und für Nicht-Kapitalgesellschaften ein Abwertungswahlrecht auf den nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung zulässigen Wert. Für Zwecke der Zugangs- und Folgebewertung nach IFRS dagegen sind lediglich zwei Wertbegriffe von Bedeutung. Vorräte sind am Stichtag mit dem niedrigeren Wert aus historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten (historical cost) und Nettoveräußerungserlös (net realizable value) anzusetzen. Dieser Werthaltigkeitsvergleich ist auch in den Folgeperioden an jedem Bilanzstichtag durchzuführen. Liegt eine Wertminderung vor, so ist auf den Nettoveräußerungserlös abzuschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Zukunft der steuerlichen Gewinnermittlung: Einführung in den Wandel der Rechnungslegung durch internationale Kapitalmärkte und die daraus resultierende Problematik für die deutsche Steuerbilanz.
2. Zur Beurteilung von Gewinnermittlungsmethoden: Festlegung methodischer Bewertungskriterien wie steuerrechtliche, ökonomische und politische Anforderungen an ein Steuersystem.
3. Unterschiede einer Gewinnermittlung nach HGB oder IFRS: Gegenüberstellung der fundamental unterschiedlichen Rechnungslegungsphilosophien, insbesondere hinsichtlich Zielsetzung und Bewertungsgrundsätzen.
4. Steuerliche Gewinnermittlung durch Kassenrechnungskonzepte: Vorstellung zahlungsbasierter Modelle und deren Eignung als konzeptioneller Gegenpol zu klassischen Bilanzierungsansätzen.
5. Beurteilung alternativer Gewinnermittlungskonzeptionen: Detaillierte Prüfung und Bewertung der Modelle anhand der eingangs definierten Kriterien.
6. Entwurf einer möglichen IFRS-Maßgeblichkeit: Entwicklung eines Reformvorschlags, der die IFRS als Grundlage für die steuerliche Gewinnermittlung unter Berücksichtigung steuerlicher Anforderungen nutzt.
7. Thesenförmige Zusammenfassung: Kompakte Darstellung der zentralen Ergebnisse und Handlungsempfehlungen der Arbeit.
Schlüsselwörter
Steuerliche Gewinnermittlung, HGB, IFRS, Maßgeblichkeitsprinzip, Cashflow-Besteuerung, Leistungsfähigkeitsprinzip, Investitionsneutralität, Administrative Praktikabilität, Bilanzierung, Bewertung, Harmonised Tax Base, Steuerbemessungsgrundlage, Unternehmensbesteuerung, Rechnungslegung, Rechtsstaatlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die steuerliche Gewinnermittlung in Deutschland angesichts der fortschreitenden Internationalisierung der Rechnungslegung zukünftig gestaltet werden sollte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind der Vergleich zwischen HGB und IFRS, die konzeptionelle Untersuchung von Cashflow-orientierten Steuersystemen sowie die Auswirkungen auf steuerliche Grundsätze wie Gesetzmäßigkeit und Entscheidungsneutralität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfrage ist, ob und wie eine steuerliche Gewinnermittlung zukünftig an internationale Standards angepasst werden kann, ohne zentrale verfassungsrechtliche Anforderungen an das Steuersystem zu verletzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kriteriengeleitete Analyse angewandt, bei der alternative Gewinnermittlungsmethoden (HGB, IFRS, Cashflow) anhand steuerrechtlicher, ökonomischer und politischer Maßstäbe untersucht und verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Gegenüberstellung der Bilanzierungsnormen von HGB und IFRS, die Erörterung von Kassenrechnungsmodellen sowie die Beurteilung der verschiedenen Ansätze hinsichtlich ihrer Eignung als Steuerbasis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Gewinnermittlungsmethode, das Maßgeblichkeitsprinzip, die Investitionsneutralität, der Zeitwert (Fair Value) und die administrative Praktikabilität.
Warum ist die direkte Anwendung der IFRS für steuerliche Zwecke problematisch?
Die IFRS sind auf die Informationsvermittlung für Kapitalgeber ausgelegt, während Steuergesetze eine intersubjektiv nachprüfbare, rechtssichere und demokratisch legitimierte Bemessungsgrundlage erfordern, was zu Divergenzen führt.
Welchen Stellenwert nimmt die Cashflow-Besteuerung in der Arbeit ein?
Die Cashflow-Besteuerung wird als konzeptioneller Gegenpol zu den Bestandsrechnungen (HGB/IFRS) analysiert, aber aufgrund ihrer geringen politischen Durchsetzbarkeit für eine baldige Reform verworfen.
- Arbeit zitieren
- Sascha Venktasseril (Autor:in), 2005, Auswirkungen der Internationalisierung der Rechnungslegung auf die steuerliche Gewinnermittlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46118