Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage, ob und inwiefern Glamour in diesem Musical vor den Hintergründen der Weltwirtschaftskrise und des Nationalsozialismus dargestellt wird. Wie viel Glamour steckt überhaupt (noch) in Cabaret? Hierzu werde ich eine vergleichende Analyse zwischen dem 1972er Filmmusical unter der Leitung von Bob Fosse und der Donmar Warehouse Aufführung von 1993, angeleitet von Sam Mendes, anfertigen. Zunächst werde ich versuchen, den Begriff des Glamours genauer zu definieren, um zu zeigen, welche Art von Glamour im Musical Cabaret zutreffen kann. Daraufhin wird eine vergleichende Analyse von jeweils einer Szene der beiden Musical-Inszenierungen angefertigt. Zuerst werde ich kurz den Inhalt der Szene im Kontext der Geschichte skizzieren. Dann werden in der vergleichenden Analyse viele Aspekte, im Hinblick auf die Frage nach der Darstellung des Glamours beleuchtet und gegenübergestellt.
Viele Musicals – sei es in der vergangenen oder heutigen Zeit – stellen bestimmte historische und gesellschaftliche Zustände oder einen bestimmten Zeitgeist dar. Dies wird unter anderem genutzt, um einen Rahmen für die jeweilige zentrale Geschichte zu bilden, die innerhalb des Musicals erzählt werden soll. Ein Beispiel hierfür ist das Musical West Side Story, in dessen Zentrum die Liebesgeschichte zwischen Tony und Maria steht. Beide gehören ethnisch unterschiedlichen Gruppierungen beziehungsweise Banden an (die weißen „Jets“ und die puerto-ricanischen „Sharks“), welche sich in einem Bandenkrieg befinden. Hier spielt das Musical unter anderem auf die in den 60er Jahren noch bestehende Rassentrennung zwischen den Weißen und Schwarzen an. Ein weiteres Beispiel für ein Musical mit historisch-gesellschaftlichen Themen ist Rent, welches unter anderem die Krankheiten AIDS und HIV aber auch das Leben und Leiden im Künstlerviertel des modernen New York, in Analogie zum Inhalt der Puccini-Oper La Bohème, als rahmende Thematiken beinhaltet.
Vor dem Hintergrund, dass jedoch eine Vielzahl von verschiedenen Musical-Aufführungen, -Inszenierungen und -Darstellungsformen existiert, ist es interessant zu sehen, wie unterschiedlich bestimmte gesellschaftliche und historische Themen und Umstände dargestellt werden. Aus diesem Interesse heraus möchte ich mich genauer mit dem Musical Cabaret beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist überhaupt Glamour?
3. Analyse der Einführungsszene „Willkommen, Bienvenue, Welcome“
3.1 Inhalt
3.2 Bühnenbild und Licht
3.3 Kostüme und Maske
3.4 Der MC
3.4.1 Kostüm und Maske
3.4.2 Mimik, Gestik und Auftreten
3.5 Gesang
3.6 Musik
3.7 Tanz und Choreographie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht vergleichend, inwieweit das Konzept „Glamour“ in zwei unterschiedlichen Inszenierungen des Musicals Cabaret – dem Film von Bob Fosse (1972) und der Aufführung des Donmar Warehouse unter Sam Mendes (1993) – vor dem historischen Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und des Nationalsozialismus dargestellt wird.
- Historische Einordnung des Glamour-Begriffs in den 1920er Jahren.
- Vergleichende Analyse der szenischen Umsetzung (Bühnenbild und Licht).
- Kontrastierung der Figurenkonzeption, insbesondere der Rolle des MCs.
- Untersuchung der ästhetischen Mittel in Tanz, Gesang und Musik.
- Diskussion des Spannungsfeldes zwischen Schein und Realität bzw. Glamour und Zerfall.
Auszug aus dem Buch
3.2 Bühnenbild und Licht
In Bezug auf die Größe der Bühne ist ein eklatanter Unterschied auszumachen. Die Bühne der Inszenierung von 1972 ist mit einer Größe von 10 mal 14 Fuß (ca 3 mal 4 Meter) relativ klein bemessen. Dies steht im Kontrast zur sichtlich größeren Bühne der Sam Mendes Inszenierung, die sogar zu Gunsten der Cabaret-Band zweistöckig ist und an beiden Seiten Treppen für die Darsteller eingebaut hat. Interessant ist hier allerdings zu sehen, dass Größe nicht direkt Pompösität und Glamour bedeuten oder ausstrahlen muss. Denn die Anzahl der Darsteller ist von der Größenordnung in beiden Inszenierungen wiederum umgedreht.
Im Musical-Film treten gerade in der Eröffnungsszene bis zu zwanzig Darsteller inklusive Band auf und füllen die komplette Bühne aus. In der neueren Inszenierung sind es lediglich neun auf der Bühne, exklusive der Band im zweiten Stock. Dadurch wirkt die Bühne fast schon leer und strahlt keinerlei Größe oder gar Glamour aus, ganz im Gegensatz zur älteren Inszenierung. Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Beleuchtung der Bühnen. Im Musical-Film ist die gesamte Bühne zunächst von an den Seiten angebrachten Scheinwerfern hell beleuchtet, sodass die Bühne immer erkennbar ist. Zudem steht der MC durch einen hell scheinenden Scheinwerfer ständig im Fokus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage, inklusive der Erläuterung der gewählten Vergleichsobjekte (Fosse 1972 vs. Mendes 1993).
2. Was ist überhaupt Glamour?: Theoretische Herleitung des Glamour-Begriffs und dessen zeitgeschichtliche Spezifizierung auf das Berlin der goldenen Zwanziger Jahre.
3. Analyse der Einführungsszene „Willkommen, Bienvenue, Welcome“: Detaillierter Vergleich der szenischen Aspekte in beiden Inszenierungen anhand technischer und performativer Merkmale.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, welche die unterschiedliche Gewichtung von Schein, Glamour und deren Verfall in den beiden Werken verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Cabaret, Musical, Glamour, Szenen-Analyse, Inszenierung, Bob Fosse, Sam Mendes, Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus, MC, Bühnenbild, Choreographie, Berlin, Zwanziger Jahre, Theaterwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von „Glamour“ im Musical Cabaret im Vergleich zweier unterschiedlicher Inszenierungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Definition von Glamour im historischen Kontext, die szenische Gestaltung, die Rolleninterpretation des MCs sowie die musikalische und choreographische Inszenierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Regieansätze (Fosse vs. Mendes) den Glamour-Begriff interpretieren – sei es als glänzende Fassade oder als Verfallsprozess.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Szenen-Analyse, die formale Kriterien wie Licht, Kostüm, Musik und tänzerische Ausführung gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Analyse der Einführungsszene „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ und vergleicht diese hinsichtlich Bühnenbild, Kostümen, der Figur des MC, Gesang, Musik und Choreographie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Cabaret, Glamour, Inszenierungsvergleich, Bob Fosse, Sam Mendes und die künstlerische Darstellung des gesellschaftlichen Verfalls.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des MCs in beiden Versionen?
Während der MC bei Fosse durch Eleganz und Charme Glamour verkörpert, wirkt die Darstellung bei Mendes durch Androgynität, Aggressivität und vulgäre Züge wie ein Abbild des Zerfalls.
Welche Rolle spielt die Beleuchtung für die Glamour-Wahrnehmung?
Die Fosse-Inszenierung nutzt eine helle, professionelle Lichtführung, um Glanz zu erzeugen, während Mendes eine düstere und oft dilettantisch wirkende Beleuchtung wählt, um den Zerfall zu betonen.
Warum wird die Choreographie der Cabaret-Girls als unterschiedlich bewertet?
Die Arbeit bewertet Fosses Choreographie als anspruchsvoll und elegant, während die Mendes-Fassung als laienhaft und träge eingestuft wird, was den bewussten Bruch mit dem Glamour unterstreicht.
- Quote paper
- Daniel Behner (Author), 2012, Welcome to Cabaret. Die Welt des Glamour?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461258