Wenn Musik Bilder zum Leben erweckt

Eine vergleichende Analyse einer Bildvertonung anhand des Stücks "Three Screaming Popes" von Mark-Anthony Turnage nach Bildern von Francis Bacon


Hausarbeit, 2012
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte der Papstdarstellungen von Francis Bacon

3. Vergleichende Bildanalyse
3.1 Study after Velàzquez's Portrait of Pope Innocent X. (1953)
3.2 Pope II (1951)
3.3 Pope I (1951)

4. Meinungs-, Analyse- und Interpretationsversuche von Kritikern

5. Die Entstehungsgeschichte der Komposition The Three Screaming Popes

6. Musikanalyse in Bezug Bacons Bilder

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Materialverzeichnis

Anhang/Bilder

1. Einleitung

Bild- und Textvertonungen, die zur Gattung der Programmmusik zählen, bestehen schon seit mehreren Jahrhunderten. Programmmusik verfolgt unter anderem das Ziel außermusikalische Bereiche, wie die Dichtkunst, Malerei, Bildhauerei, Natur, Geschichte und vieles mehr neu darzustellen, zu repräsentieren und zu interpretieren.1 Bekannte Werke entstanden vor allem in der Zeit der Romantik mit Franz Liszts Hunnenschlacht (nach einem Fresko von Wilhelm von Kaulbach), Hector Berlioz' Symphonie Fantastique oder auch Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung (nach Gemälden und Zeichnungen des russischen Malers, Architekten und Bildhauers Wiktor Alexandrowitsch Hartmann). Zu den aktuelleren Vertretern der Programmmusik gehören der deutsche Komponist Reiner Bredemeyer mit seinem Liederzyklus Die Winterreise nach Textvorlagen des deutschen Dichters Wilhelm Müller sowie der britische Komponist Mark-Anthony Turnage, der sich in seinem Orchesterstück Three Screaming Popes mit den Papstdarstellungen des modernen Malers Francis Bacon auseinandersetzte. Genau mit diesem Stück werde ich mich im Verlauf dieser Hausarbeit genauer beschäftigen. Ich habe mich gezielt für dieses Werk entschieden, da ich mich persönlich sehr für die Bilder von Francis Bacon interessiere. Durch ihre brutale, düstere und fast schon abstoßende Darstellungsweise fühle ich mich eher emotional herausgefordert mich mit diesen Werken zu befassen.

Ziel dieser Hausarbeit soll eine vergleichende Analyse zwischen den Bildern Francis Bacons und dem Orchesterstück von Mark-Anthony Turnage sein, mit der Zielfrage, ob und inwiefern das Werk von Turnage die Bilder wiedergibt und interpretiert. Zunächst werde ich kurz, für ein besseres Verständnis der Bilder, die Entstehungsgeschichte bezüglich Francis Bacons Papstdarstellungen skizzieren, basierend auf der Frage, weshalb er sich entschieden hat, Papstdarstellungen anzufertigen. Hiernach werde ich zu einer Bilderanalyse, bestehend aus einer Bildbeschreibung und Bildinterpretation, übergehen. Ich habe drei Bilder aus diesem Zyklus ausgewählt, da sich Turnages Komposition auf diese im Speziellen konzentriert hat. Hierbei werde ich zuerst meine subjektiven Eindrücke und Wahrnehmungen und gegebenenfalls Interpretationen zu den jeweiligen Bildern äußern und im Anschluss darauf Meinungen, Analysen und Interpretationen von Kunstwissenschaftlern mit einbinden, um ein möglichst weitreichendes und objektives Meinungsbild abgeben zu können. Dabei werden herausstechende Aspekte und Hintergründe zu den Bildern näher erläutert. Daraufhin wird die Entstehungsgeschichte des Orchesterwerks von Mark-Anthony Turnage aufgezeigt, um im darauffolgenden Kapitel - der musikalischen Analyse - zu untersuchen, inwiefern es Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Bild und Ton gibt und ob die Ergebnisse der Bilderanalyse mit den Ergebnissen der Musikanalyse deckungsgleich sind. Zum Abschluss werde ich noch ein Fazit ziehen.

2. Entstehungsgeschichte der Papstdarstellungen von Francis Bacon

Zunächst muss gesagt sein, dass Bacon selbst nie explizit eine Erklärung bezüglich seiner Papst-Variationen abgegeben hat. Er wehrte sich in Befragungen und Interviews strikt gegen irgendwelche Erklärungsversuche. Er gab ausschließlich vor, eine gewisse Verbundenheit zum Velàzquez-Gemälde, welches den Papst Innozenz X. darstellt, gespürt zu haben. Er war desweiteren fasziniert von der Schönheit der Farben des Bildes (siehe Abb. 1).2 Es gibt allerdings einige Äußerungen von Bacon, die Interpretations- und Erklärungsräume öffnen, auf die ich allerdings erst in der Bilderanalyse genauer eingehen möchte. So schuf Bacon, fasziniert vom Papstbild, insgesamt 45 Variationen über einen Zeitraum von 14 Jahren, angefangen im Jahr 1950 mit seiner ersten Studie nach Velàzquez. Zunächst ist wichtig zu erwähnen welche Abbildungen er bei seinen Variationen als Inspirationsquelle nutzte. Zum einen nutzte er viele verschiedene Reproduktionen des originalen Velàzquez-Gemäldes aus Büchern, Katalogen, Zeitschriften und Postkarten.3 Die Reproduktionen hatte Bacon gut sichtbar an seiner Atelierwand befestigt, zwischen einem Zeitungsfoto von Goebbels und Nadars Porträtfoto von Baudelaire.4 Die erste weitere Inspirationsquelle für seine Variationen bildete der Film Panzerkreuzer Potemkin von Eisenstein. Dort begeisterte ihn das Standbild einer schreienden Kinderfrau mit weit aufgerissenem Mund (siehe Abb. 2). Dazu ergänzend stieß Bacon in einem Pariser Antiquar auf ein Buch über Mundkrankheiten. Die rote Farbe der Bildtafeln weckte in ihm die Erinnerung an die rote Soutane des Papstes Innozenz X., sodass er zu diesem Zeitpunkt fest entschlossen war, den Papst schreiend malen zu wollen5 "[...]mit seinem Speichel und den Zähnen und dem ganzen Rest, und alles würde so schön werden wie ein Sonnenuntergang von Monet."6 Seine letzte Inspirationsquelle zog Bacon aus Aufnahmen des Papstes Pius XII., wie dieser auf der päpstlichen Sedia Gestatoria über die Köpfe der Gläubigen durch den Petersdom hinweg getragen wird (Abb. 3). Hierbei hatte ihn vor allem die visuelle Hervorhebung des Papstes beeindruckt.7 Ein interessanter Aspekt in Bezug auf seine Schaffensperiode der Papstvariationen ist, dass er das Bild nie im Original gesehen hat, selbst als er in den 1950er Jahren in Rom war und die Möglichkeit dazu hatte. Er weigerte sich zum einen mit der Begründung, die Reproduktionen, die er nutzte seien weit genug von der Realität des Originals entfernt und manipulierbarer und somit auch seinem persönlichen Zweck der Malerei dienlicher. Zum anderen fühlte er sich dem Original nie gewachsen und bezeichnete seine Variationen als dumme und alberne Taten, die er dem Original zugefügt hätte.8 Er ging sogar soweit seine gesamten Papstbilder als Fehler und gescheitert zu deklarieren. Er sei zu geblendet gewesen von der Schönheit des Vélàsquez-Gemäldes und seine Variationen seien im Vergleich viel zu offensichtlich, überzogen und billig.9

3. Bilderanalyse

3.1 Study after Velàsquez's Portrait of Pope Innocent X. 1953

Das erste Gemälde mit dem ich mich beschäftigen werde gehört auch zugleich zu den bekanntesten Papstvariationen. Es trägt den Titel Study after Velàsquez's Portrait of Pope Innocent X. und wurde 1953 von Francis Bacon mit Öl auf einer Leinwand angefertigt und befindet sich im Des Moines Art Center in Iowa (siehe Abb. 4).

Zunächst erkennt man eine männliche Gestalt, die auf einem Stuhl sitzt, auf dessen Lehnen sie die Arme abgelegt hat. Ob sich die Gestalt in einem Raum befindet oder nicht lässt sich schwer bestimmen, allerdings lassen einige Linien im Bild darauf schließen, dass so etwas wie ein Raum existiert. Die Figur blickt am Betrachter vorbei und ihr Körper und der Stuhl sind leicht nach links abgewandt. Der Mann scheint eines hohen Alters zu sein, auf Grund seines etwas eingefallenen Gesichts und der fehlenden Haare seitlich am Kopf. Auffällig ist dabei zudem, dass seine Augen nicht sichtbar sind, der alte Mann dennoch eine Brille zu tragen scheint, was man an den runden Kreisen in seiner Augenregion erkennen kann. Hinzu kommt noch, dass aus seinen jeweiligen Augenbereichen eine lange schwarze Linie bis hin zu seinen Wangen führt, als ob seine Augen bluten würden. Seine Füße und Unterschenkel sind nicht zu sehen. Über die Beine lässt sich keine genaue Angabe tätigen, da diese von seiner Bekleidung verdeckt werden. Alle anderen Körpermerkmale und Gesichtsmerkmale wie Ohren, Nase, Hände, Mund und wie der gesamte Oberkörper sind dennoch auszumachen. Bei den Händen ist zu sehen, dass seine linke entspannt auf der Lehne liegt, seine rechte dazu im Gegensatz sehr verkrampft zur Faust geballt ist. Bezüglich des Mundes fällt allerdings auf, dass dieser weit aufgerissen ist, sodass sich vermuten lässt, dass der Mann schreit, was auch von der angespannten Gesichtsmuskulatur unterstützt wird. Der Mann scheint außerdem ein Geistlicher zu sein, was sich durch seine Bekleidung bemerkbar macht: Er trägt ein langes Gewand mit Ärmeln, das den gesamtem Körper bedeckt. Darüber befindet sich ein Schultermantel, der den Oberkörper bedeckt und sich in der Mitte öffnen lässt. Über diesem Schultermantel erkennt man den Kragen des langen Gewands. Die Kopfbedeckung, die er trägt, ähnelt einer Mitra und es lässt sich daher schlussfolgern, dass es sich bei dem alten Mann um einen Priester oder Bischof handelt, obwohl weitere Merkmale wie Stab, Pektorale und Ring nicht zu sehen sind. Bezüglich des Stuhles lässt sich feststellen, dass dieser einem Thron ähnelt. Dies lässt sich durch zwei Merkmale erklären. Zum einen ist die Rückenlehne des Stuhles sehr hoch und reicht bis an den Kopf des Geistlichen. Zum anderen ist das Kopfende der Rückenlehne verziert mit jeweils einem Ornament.

Es dominieren fünf Farben: Lila, gelb, beige, weiß und schwarz, wobei weiß und schwarz eigentlich nicht als Farben bezeichnet werden. Desweiteren ist es wichtig zu erwähnen, dass keine Farbe allein für sich dargestellt wird, sondern immer – mal mehr mal weniger mit den anderen Farben in einer Streifenform vertikal – also von oben nach unten oder umgekehrt - vermischt zu sehen ist. Diese Art der Farbverteilung zieht sich durch das gesamte Bild und lässt es wirken, als würde der Geistliche eine Art Aura durch die Farbstriche ausstrahlen. Das Bild wirkt dadurch weniger starr, sondern eher lebendig, „sich bewegend“.

Das lange Gewand des Geistlichen ist weiß, vermischt mit hellen violetten Tönen an den Ärmeln und beigen Tönen am Ende des Gewands. Das zweite Gewand ist grell lila, vermischt mit sehr dunklen schwarz-lila Tönen, die wahrscheinlich die Schattierung unterstützen sollen und weiteren beigen Tönen. Das Gesicht des Bischofs ist eine Mischung aus weißen und blauen Tönen, sodass sein Gesicht blass wirkt und das obwohl seine Stirn von Schwarztönen dominiert wird. Der Thron ist fast ausschließlich mit einer gelb-goldenen Farbe versehen; lediglich die Rückenlehne ist schwarz, wobei auch hier die Ränder wieder gelb-golden sind. Außerdem lassen sich weitere gelb-goldene Linien oder Streifen wahrnehmen, die mit dem Thron verbunden sind. Die Person auf dem Thron befindet sich daher in einer Art transparentem Käfig aus Linien, der losgelöst in einem dunklen Raum zu schweben scheint, also in einer Kombination von verschieden Linien, die eine Rahmung ergeben. Der Hintergrund lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen: Die obere und die untere Hälfte. Wo in der oberen Hälfte noch schwarze Töne neben beigen Streifen dominieren, rückt gerade am Ende des Throns beziehungsweise unter dem Thron die Farbe Beige. Hier ist einiges umgekehrt dargestellt. Wo noch im oberen Teil des Bildes helle blaue und beige Streifen auf schwarzem Hintergrund zu sehen sind, sind es im unteren Teil des Bilds jetzt die schwarzen und blauen Streifen die auf beigem Hintergrund nach links und rechts abschweifen und nicht mehr vertikal von oben nach unten. Allerdings ist der beige Bereich auch nur genau in der Region, wo sich auch der Stuhl befindet, also in der Mitte. Links und rechts daneben ist vor allem die schwarze Farbe stärker zu sehen. Was abschließend bezüglich der Farben noch auffällt sind ein paar braun-rote, fast schon blutähnliche Tropfen auf dem Beinkleid des Geistlichen.

Von der Positionierung her steht klar der Geistliche auf seinem Stuhl im Zentrum des Bildes und dies aus drei Gründen:

1.) Er nimmt mit seinem Stuhl eine große Fläche des Bildes ein und ist sehr mittig positioniert.
2.) Es ist keine andere Figur oder ähnliches zu erkennen, was die Aufmerksamkeit vom Bischof ablenken könnte.
3.) Durch die hellen, fast schon grellen Farben des Gewandes und des Thrones, stechen diese im Vergleich zum eher dunkel gehaltenen Hintergrund sehr stark heraus.

Wie der Titel des Bildes schon klarstellt handelt es sich hier um die Darstellung des Papstes Innozenz X. Wo das originale Portrait die Macht des Papstes und der Kirche darstellte und die eventuellen negativen Aspekte nur im dunklen Hintergrund des Bildes gesehen werden könnten, präsentiert Bacon in diesem Portrait ganz stark und direkt die innere Psychose des Papstes. Dieser Papst strahlt keine Ruhe und Gefasstheit aus. Bacon zeigt in seinem Gemälde einen Ausschnitt aus einer Welt, aus der es für den Papst kein Entkommen gibt. Diese Art von Welt ist wie ein Käfig durch die gelb-goldenen Linien klar gekennzeichnet. Desweiteren ist sein Gesicht so verzerrt dargestellt, dass eine Identifikation mit dem Original nur schwer auszumachen ist. Der Papst wirkt zudem auf dem Bild äußerst angespannt, fast schon paralysiert vor Angst und Schrecken. Wovor ist hier nicht geklärt, dennoch sind seine Angst und sein Schrecken klar durch seinen weit zum Schreien aufgerissenen Mund erkennbar. Diese Abbildung des „Schreiens“ könnte auch an das Bild Der Schrei von Edvard Munch (1919) angelehnt sein. Man bekommt das Gefühl, der Papst wolle mit aller Kraft seinen „Fesseln“ entfliehen. Aus meiner Sicht kann davon ausgegangen werden, dass dieses Portrait eine Kritik an der Katholischen Kirche sein könnte. Bacon versucht das wahre, „schreiende“ Gesicht – ja im wahrsten Sinne des Wortes die grässliche Fratze - der Katholischen Kirche aufzudecken. Das Bild wirkt insgesamt sehr paradox. Auf der einen Seite wirkt das Bild abstoßend, auf Grund der sehr ungeheuerlichen Darstellung des Papstes ohne Augen. Dieser wirkt dadurch, und durch seinen weit aufgerissenen Mund, eher wie eine Kreatur anstatt wie ein Mensch. Auf der anderen Seite wirkt das Bild dennoch auch anziehend, vor allem durch die Farbgebung des Bildes und die Art der Darstellung.

3.2 Pope II 1951

Das zweite Bild mit dem Titel Pope II, welches Bacon 1951 mit Öl auf Leinwand malte und heute in der Kunsthalle Mannheims ausgestellt ist, birgt einige Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede im Vergleich zu Bacons Study after Velàzquez's Portrait of Pope Innocent X. (siehe Abb. 5).

Beim zweiten Bild handelt es sich ebenfalls um eine männliche auf einem Stuhl sitzende Gestalt. Allerdings ist nur der vom Betrachter ausgehend rechte Arm zu erkennen, der auf der Lehne abgelegt ist. Wohingegen im ersten Bild nicht genau auszumachen war, ob sich die Gestalt in einem Raum befindet, ist dies im zweiten Bild etwas genauer zu erkennen. Im Gemälde ist ein dreidimensionaler Raum in Rechteckform durch hellgraue Linien gekennzeichnet. Desweiteren ergeben die Linien am Bildrand eine Art Podest auf dem die Gestalt mitsamt Stuhl zu sitzen scheint. Interessant ist allerdings, dass der dreidimensionale Raum völlig losgelöst von der Gestalt ist. Diese steht sehr im Vordergrund, sodass man als Betrachter das Gefühl bekommt, sie befinde sich vor dem Raum und nicht darin. Desweiteren nimmt der Raum zwar drei Viertel des gesamten Bildes ein, ist aber trotzdem nur ein Teil des ganzen Bildes. Links und oben an den Rändern des Bildes ist keine bestimmte Räumlichkeit auszumachen, sodass man denken könnte der Raum schwebe in einer gewissen Leere. Die Figur blickt zwar ebenfalls wie im ersten Bild am Betrachter vorbei, ist sie doch genau entgegengesetzt nach rechts abgewandt. Es handelt sich auch hierbei um einen älteren Mann auf Grund des eingefallenen Gesichts und des fehlenden Haupthaars. Auch seine Augen sind nicht direkt erkennbar und er scheint ebenfalls eine Brille zu tragen. Die "blutenden Augen" sind auch auszumachen. Wohingegen im ersten Bild keine Füße oder Unterschenkel zu sehen waren, sind diese im zweiten durch weiße Linien stärker gekennzeichnet. Es gibt eine klare Trennung durch einen dunkel gemalten Bereich zwischen zwei weißen Formen unterhalb des Oberkörpers, die daher eher als Beine zu identifizieren sind. Nichtsdestotrotz ist alles sehr schemenhaft und nicht sehr detailliert gemalt. Es sind dennoch alle wichtigen Körper- und Gesichtsmerkmale erkennbar. Desweiteren ist auch hier der Mund der Figur zu einem Schrei weit aufgerissen.

Es handelt sich hier ebenfalls um eine Darstellung des Papsts Innozenz X., die Kleidung ist identisch zum ersten Bild sowie die Gestaltung und Merkmale des Throns. Trotzdem lassen sich klare Unterschiede in der Farbgebung ausmachen. Die Farben des Papstes und dessen Kleidung sind zwar gleich, aber generell in viel dunkleren Farbtönen gehalten. Außerdem dominiert in diesem Bild vor allem die Farbe Schwarz, die maßgeblichen Einfluss auf die violetten Töne der Kleidung nimmt. Dadurch stechen allerdings der Raum, der Kragen sowie der Stuhl durch ihre helleren grau-blau-lila Töne heraus und der Papst wird dadurch hervorgehoben. Die Farbe Gelb findet in diesem Bild kaum einen Platz. Nur die Verzierungen des Throns sind in einem gelb-goldenen Ton gehalten. Trotzdem lässt sich auch hier eine vertikale Vermischung der Farben ausmachen. So wird der dunkle Hintergrund am oberen Rand mit gold-braunen in der Mitte und unten mit gold-beigen Streifen vom Papst aus weg durchzogen. Da in diesem Bild aber die dunklen Farben dominieren, geht von diesem Papst eine schwächer strahlende Aura aus und der Gesamteindruck kommt nicht mehr so lebendig und sich bewegend daher wie beim ersten Bild. Desweiteren erzielt der Schrei dadurch eine abgeschwächte Wirkung; er schreit eher ins leere Dunkel hinein. Wo noch die gelb-goldenen Linien im ersten Bild fest mit dem Stuhl verbunden sind, ist dies auch im zweiten Bild der Fall nur dass die Linien und der Thron mit einem hellgrau-violetten Farbton durchzogen sind. Die vor dem Papst gezogenen Linien wirken hier wie eine Art Absperrung oder Grenze, die der Papst nicht überschreiten kann. Auch wenn der Papst in seinem Thron das Zentrum des Bildes ausmacht, ist er doch um einiges kleiner dargestellt als noch im ersten Bild. Desweiteren ist er eher rechts als mittig positioniert.

Auch hier gilt die Interpretation im Bezug auf die Kritik an die katholische Kirche wie beim ersten Bild, nur dass diese bezüglich der Farbgebung in abgeschwächter Form dargestellt wird.

3.3 Pope I 1951

Beim Betrachten des letzten Bildes mit dem Titel Pope I (siehe Abb. 6), welches Bacon ebenfalls 1951 fertigstellte und im Aberdeen Art Gallery and Museum steht, fallen einige Unterschiede zu den vorigen Bildern auf. Zwar besticht dieses Bild ebenfalls wie das zweite durch eine eher dunkle und düstere allerdings eher blau anstatt schwarze Farbgebung sowie den gleichen Farbtönen, fehlen hier doch die vertikalen Farbstriche fast gänzlich. Ausschließlich von der obersten hellen Linie, die sich vor dem Papst durch das Bild zieht, geht wieder eine ähnliche strahlende Aura aus in Form von schwarzen und violetten Strichen, die sich vom Papst wegzubewegen zu scheinen. Die untere Linie hingegen ist gold-gelb. Noch ein Unterschied betrifft die Räumlichkeit des Bildes. Hier hat man als Betrachter das Gefühl, der Papst würde sich in diesem Fall wirklich in dem dreidimensionalen Glaskasten befinden, da im Hintergrund eine weitere Räumlichkeit in Form von hellen weißen Linien dargestellt ist. Diese erinnern mit ihren Verzierungen an den Innenraum einer Kirche. Nichtsdestotrotz fehlen vertikale Striche an den Ecken des Raumes die einen Boden klar definieren könnten und so schwebt der Papst auf dem Podest in der Leere. Das Podest selbst hebt sich allerdings im Vergleich zum Podest im zweiten Bild stärker vom Hintergrund ab, indem der Boden in einem helleren Blau erscheint als der Hintergrund sowie die Seite die in einem Gelb-Gold. Generell kann man sagen, dass es im Bild verschiedene Farbabstufungen gibt und die Objekte damit besser abzugrenzen sind.

[...]


1 Detlef Altenburg, Programmmusik - Kap. I Terminologie, In: Ludwig Finscher (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. neubearb. Ausg., Kassel: Bärenreiter 1994, S.1821-1822.

2 Michael Peppiatt, Francis Bacon - Anatomie eines Rätsels, Köln: DuMont 2000, S.147-148.

3 Wieland Schmied, Francis Bacon - Das Bewußtsein der Gewalt, München: Prestel 1996, S.17.

4 L'Ire des vents, Nr.3/4, Paris 1981.

5 Hervé Vanel, Katalog der ausgestellten Werke - Study after Velazquez's Portrait of Pope Innocent X., In: Christoph Vitali (Hg.), Francis Bacon, Ostfildern-Ruit: Hatje 1996, S.119.

6 Anonym 1971-73, S.99.

7 Schmied 1996, S.18.

8 Michael Peppiatt, Francis Bacon in the 1950s, New Haven, Conn; L: Yale University Press 2006, S.28.

9 Andrew Sinclair, Francis Bacon - His Life and Violent Times, New York, Crown Publication 1993, S.128.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Wenn Musik Bilder zum Leben erweckt
Untertitel
Eine vergleichende Analyse einer Bildvertonung anhand des Stücks "Three Screaming Popes" von Mark-Anthony Turnage nach Bildern von Francis Bacon
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
27
Katalognummer
V461261
ISBN (eBook)
9783668914353
ISBN (Buch)
9783668914360
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wenn, musik, bilder, leben, eine, analyse, bildvertonung, stücks, three, screaming, popes, mark-anthony, turnage, bildern, francis, bacon
Arbeit zitieren
Daniel Behner (Autor), 2012, Wenn Musik Bilder zum Leben erweckt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461261

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