In meiner folgenden Hausarbeit werde ich mich mit der Todesstrafe aus Sicht des Kantianismus und des Utilitarismus nach Mill auseinandersetzen. Die Basis für meine Arbeit wird der Text „Ethik – eine analytische Einführung“ von William K. Frankena bilden.
Diese beiden Theorien sind die Hauptversionen der deontologischen beziehungsweise der teleologischen Ethik. Diese beiden Ethiken setzen unterschiedliche Wertmaßstäbe und Argumentationsstränge bei dem, was man als „richtiges“ und „gutes“ Handeln bezeichnen würde. Auf diesen Aspekt gehe ich bei der jeweiligen Beschreibung der beiden Theorien genauer ein.
Folgend werde ich die Todesstrafe aus der Sicht der jeweiligen Ethiken analysieren. Am Ende wird eine kurze kritische Beleuchtung der beiden Argumentationsstränge und Positionen vorgenommen.
Im Weiteren werde ich kurz auf die Begriffe Ethik und Moral eingehen, um diese zu klären und von einem einheitlichen Standpunkt aus meine Arbeit nach der Einleitung fortzusetzen. Berufen werde ich mich dabei auf Frankena.
Der Begriff der Ethik ist dem Zweig der Philosophie zuzuordnen und befasst sich mit Überlegungen zur Moral sowie mit aus der Moral erwachsenen Handlungen, Problematiken und Urteilen.
Moral kann als System verstanden werden, dass die Beziehung der Individuen unter-einander regelt. Die Moral kann zudem als „Instrument der Gesellschaft“ bezeichnet werden, um (von außen) Forderungen an den Einzelnen heranzutragen. Nichtsdestotrotz ist es möglich, dass der Einzelne diesen Forderungen widerspricht, allerdings nur, wenn der Person selbst bereits ein anderer moralischer Wert zugeordnet werden kann, welcher ihm/ihr eingeprägt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deontologische Ethik
2.1 Kantianismus
3. Teleologische Ethik
3.1 Utilitarismus
4. Todesstrafe
4.1 Todesstrafe nach deontologischer Ethik
4.1.1 Kritik der deontologischen Sichtweise
4.2 Todesstrafe nach teleologischer Ethik
4.2.1 Kritik der teleologischen Sichtweise
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Bewertung der Todesstrafe aus den Perspektiven des Kantianismus und des Utilitarismus. Ziel ist es, die jeweiligen Argumentationslogiken gegenüberzustellen und zu analysieren, ob und unter welchen Bedingungen diese ethischen Systeme die Todesstrafe als moralisch zulässig oder geboten erachten.
- Grundlagen der deontologischen Ethik am Beispiel von Kants Pflichtethik.
- Einführung in die teleologische Ethik und das Nützlichkeitsprinzip nach Mill.
- Philosophische Begründungen und Kritiken zur Todesstrafe im Kontext der beiden Ethiksysteme.
- Vergleich der Konzepte von Wiedervergeltung und utilitaristischer Kosten-Nutzen-Abwägung.
- Einordnung der Todesstrafe im modernen rechtlichen und menschenrechtlichen Diskurs.
Auszug aus dem Buch
4.1 Todesstrafe nach deontologischer Ethik
Versucht man das Töten einer Person aus einer deontologischen Sichtweise zu betrachten, ist es auf dem ersten Moment eindeutig, dass ein Mord, also ein vorsätzliches Töten gegen die Kantische Ethik spricht. Denn mit Anwenden des kategorischen Imperativs wird deutlich, dass man niemanden umbringen darf, da man selbst nicht getötet werden möchte.
Zum selben Ergebnis kommt man auch, wenn man sich mit der Sterbehilfe beschäftigt. Eine Begründung findet sich dabei im Instrumentalisierungsverbot wieder, da der Kranke sich selbst oder jemand anderen als Mittel benutzt, um seinen Zweck, den Tod zu erreichen.
Nach diesen beiden Beispielen könnte man nun denken, dass Kant die Todesstrafe ebenfalls ablehnt. Dies tut er jedoch nicht. Im Gegenteil ist Kant ein Befürworter der Todesstrafe.
Das Argument dazu findet sich in seiner Wiedervergeltungsthese, da es für den Mord an einer Person keine gleichgestellte andere Bestrafung bis auf den Tod geben kann. Er benennt jedoch explizit, dass die Bestrafung ohne jegliche weitere Folter o.ä. durchgeführt werden muss, da die Bestrafung nicht schlimmer sein kann als die Tat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, die Todesstrafe anhand deontologischer und teleologischer Ethiktheorien auf Basis von William K. Frankenas Werk zu untersuchen.
2. Deontologische Ethik: Dieses Kapitel erläutert die Pflichtethik und den Kantianismus, wobei der Fokus auf dem Kategorischen Imperativ, dem freien Willen und dem Instrumentalisierungsverbot liegt.
2.1 Kantianismus: Vertiefung der Kantsche Prinzipien, die Handlungen unabhängig von ihren Folgen als moralisch geboten oder verboten definieren.
3. Teleologische Ethik: Einführung in ethische Theorien, deren Bewertung sich primär am Zweck und dem daraus resultierenden außermoralischen Wert orientiert.
3.1 Utilitarismus: Vorstellung des Nützlichkeitsprinzips nach Mill sowie die Unterscheidung zwischen Handlungs- und Regelutilitarismus.
4. Todesstrafe: Historische und globale Einordnung der Todesstrafe sowie die philosophische Fragestellung zur moralischen Legitimität.
4.1 Todesstrafe nach deontologischer Ethik: Analyse der Kantschen Wiedervergeltungsthese, die im Mordfall die Todesstrafe als adäquate Antwort fordert.
4.1.1 Kritik der deontologischen Sichtweise: Diskussion der Einwände, etwa durch Beccaria, die den Gesellschaftsvertrag und das staatliche Tötungsverbot thematisieren.
4.2 Todesstrafe nach teleologischer Ethik: Untersuchung der utilitaristischen Argumentation, die lebenslange Haft als leidvoller empfindet als die Todesstrafe.
4.2.1 Kritik der teleologischen Sichtweise: Aufzeigen der Schwachstellen, insbesondere hinsichtlich der fehlenden Beweisbarkeit abschreckender Wirkungen und ethischer Inkonsistenzen.
5. Fazit: Zusammenfassende Gegenüberstellung beider Ethiksysteme und deren Schlussfolgerung zur Todesstrafe im Kontext heutiger Menschenrechte.
Schlüsselwörter
Todesstrafe, Kantianismus, Utilitarismus, Deontologische Ethik, Teleologische Ethik, Kategorischer Imperativ, Pflichtethik, Nützlichkeitsprinzip, Wiedervergeltungsthese, Instrumentalisierungsverbot, Konsequentialismus, Menschenrechte, Moral, Ethik, Rechtsphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die moralische Zulässigkeit der Todesstrafe aus der philosophischen Perspektive der Pflichtethik (Kantianismus) und der zweckorientierten Ethik (Utilitarismus).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse von Kants Kategorischem Imperativ, das Nützlichkeitsprinzip von Mill sowie die Anwendung dieser Theorien auf die ethische Debatte zur Todesstrafe.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Argumentationsstränge beider Ethiken gegenüberzustellen, um herauszufinden, ob sie die Todesstrafe legitimieren oder ablehnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine ethisch-analytische Methode angewendet, die sich primär auf die Literatur von William K. Frankena sowie auf rechtsphilosophische Texte stützt.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ethischen Grundlagen und die anschließende kritische Anwendung dieser Theorien auf die Praxis und ethische Begründung der Todesstrafe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Todesstrafe, Kantianismus, Utilitarismus, Deontologie, Teleologie, Nützlichkeitsprinzip, Wiedervergeltung und Menschenrechte.
Warum befürwortet Kant laut der Arbeit die Todesstrafe?
Kant argumentiert mit der Wiedervergeltungsthese, nach der eine Straftat mit einer gleich schweren Strafe beantwortet werden muss, wobei für Mord der Tod als einzige adäquate Bestrafung gesehen wird.
Warum könnte der Utilitarismus die Todesstrafe befürworten?
Der Utilitarismus nach Mill könnte die Todesstrafe als legitim betrachten, sofern sie weniger Leid verursacht als eine lebenslange Haftstrafe und eine abschreckende Wirkung entfaltet.
Welche Kritikpunkte an der deontologischen Sichtweise werden genannt?
Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass ein Gesellschaftsvertrag, der das Töten durch den Staat erlaubt, die Freiheit der Individuen und die staatliche moralische Integrität untergräbt.
Was ist das zentrale Problem des Regelutilitarismus im Vergleich zum Handlungsutilitarismus?
Während der Handlungsutilitarismus jede Tat einzeln abwägt, sucht der Regelutilitarismus nach allgemeingültigen Vorschriften, die das Gesamtwohl der Gesellschaft maximieren, stößt aber bei der strafrechtlichen Begründung oft an Grenzen.
- Arbeit zitieren
- Tobias Duff (Autor:in), 2017, Inwieweit erlauben deontologische und teleologische Ethiken die Todesstrafe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461281