Könnte ein internationales Regime den Folgen des Klimawandels Einhalt gebieten? Ein solches Regime würde die Möglichkeit für Verhandlungen bieten, um die Interessen der jeweiligen Akteure zu binden und Interessensdifferenzen zu minimieren. Deshalb werde ich in dieser Arbeit untersuchen, inwieweit ein internationales Regime Lösungsansätze für das aktuelle Umweltprobleme bietet und wie diese durchgesetzt werden.
Im fünften und bis dahin letzten Sachstandbericht des "Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen" (IPCC), welcher 2014 abgehalten wurde, wird aufgezeigt, inwieweit die Klimaänderungen seit den 1950er Jahren zugenommen haben. Dieser Bericht zeigt auf, dass der Klimawandel weitreichende und spürbare Folgen hinterlassen hat und noch immer hinterlässt.
Demnach erwärmt sich der Ozean, Eismengen nehmen ab, der Meeresspiegel steigt und die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre nimmt zu. Die vom Expertengremium angenommenen Konsequenzen sind für die Wirtschaft und die Menschen existenzbedrohlich. Aufgrund der prognostizierten Bedrohung für annähernd alle Länder zeigt sich, dass Problembewältigungsstrategien gesucht werden müssen, um die Umwelt nachhaltig zu schützen. Durch die globalen Auswirkungen kann dieses Problem nur im Rahmen internationaler Kooperation behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1. Die Regimetheorie
2.2. Aufbau und Entwicklung von Umweltregimes
3. Das Klimaschutzregime
3.1. Relevanz der Klimathematik
3.1. Verhandlungen über die Klimarahmenkonventionen
3.2. Das Kyoto-Protokoll
3.3. Entwicklung von Kyoto bis 2014
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit internationaler Umweltregime am Beispiel des Klimaschutzregimes, um zu ergründen, inwieweit diese Mechanismen zur Lösung der globalen Klimaerwärmung beitragen können. Im Fokus steht dabei die Analyse der Regimetheorie sowie der praktischen Umsetzung und Weiterentwicklung klimapolitischer Abkommen seit den 1990er Jahren.
- Grundlagen der Regimetheorie nach Robert O. Keohane
- Aufbau und Funktionsweise internationaler Umweltregime
- Analyse der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls
- Bewertung von Klimakonferenzen und der Rolle von "Bremserstaaten"
- Diskussion über die Wirksamkeit und zukünftige Herausforderungen des Klimaregimes
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Regimetheorie
Die Regimetheorie wurde von Robert O. Keohane entwickelt und im Werk After Hegemony (1984) niedergeschrieben. Sie entstand Ende der 1970er/ Anfang 1980er Jahre und kritisiert den in den Internationalen Beziehungen vorherrschenden Neorealismus. Im internationalen System stellt die Theorie Institutionen anstatt von Staaten in den Mittelpunkt und ist daher dem Neo-Institutionalismus zuzuordnen. Nichtsdestotrotz verwendet die Regimetheorie teilweise Annahmen des Neorealismus. In der Regimetheorie sind, wie im Neorealismus, die Staaten die Hauptakteure in einem anarchischen System. Zudem handeln sie rational und eigennützig und versuchen, die eigenen Interessen durchzusetzen.
Jedoch unterscheiden sich die Regimetheorie und der Neorealismus insofern, als das angenommen wird, dass Kooperation auch außerhalb hegemonialer Machtstrukturen möglich ist und zwar dann, wenn die Kooperation aufgrund von zunehmenden Interdependenzbeziehungen im Interesse aller involvierten Staaten ist. Internationale Regime stellen dementsprechend einen „Raum“ innerhalb eines Politikfeldes zur Verfügung, innerhalb dessen Probleme bewältigt werden können, welche sich aus konvergierenden und divergierenden Interessen zwischen den Akteuren ergeben. Regime an sich treten daher, im Unterschied zu internationalen Organisationen, nicht als Akteure auf.
Nach Stephen D. Krasner werden internationale Regime definiert als „sets of implcit or explicit principles, norms, rules and decision-making procedures around which actors` expectations converge in a given area of international relations.” Die Prinzipien bilden das Fundament des Regimes und beschreiben den Zustand sowie die Ziele. Normen werden als “standards of behavior” und bilden zusammen mit den Prinzipien den normativen Rahmen eines Regimes. Regeln sind “specific prescriptions”, bestimmen demnach Ge- und Verbote. Entscheidungsprozesse werden als “prevailing practices for making and implementing collective choice” deklariert. Regeln und Prozeduren operationalisieren den normativen Rahmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Klimawandels ein und erläutert die Relevanz der internationalen Kooperation durch Regime zur Bewältigung globaler Umweltkrisen.
2.1. Die Regimetheorie: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen des Neo-Institutionalismus nach Keohane vor und erläutert, wie Regime die internationale Zusammenarbeit in einem anarchischen System ermöglichen.
2.2. Aufbau und Entwicklung von Umweltregimes: Hier wird die Dynamik der Regimebildung beschrieben, wobei besonders die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse und institutionalisierter Entscheidungsprozesse hervorgehoben wird.
3. Das Klimaschutzregime: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die Entstehung und Struktur des internationalen Klimaschutzregimes, ausgehend von der historischen wissenschaftlichen Anerkennung des Treibhauseffekts.
3.1. Relevanz der Klimathematik: Ein Überblick über die wissenschaftliche Entdeckung der anthropogenen Ursachen des Klimawandels und die ersten Schritte zur politischen Agenda-Setzung.
3.1. Verhandlungen über die Klimarahmenkonventionen: Analyse der Akteurskonstellationen (Bremser, Progressive, Unentschiedene) während der schwierigen Verhandlungen zur CO2-Reduzierung.
3.2. Das Kyoto-Protokoll: Untersuchung der inhaltlichen Ausarbeitung des Rahmens von 1992, inklusive der ersten verbindlichen Emissionsziele für Industriestaaten.
3.3. Entwicklung von Kyoto bis 2014: Dieses Kapitel betrachtet die Konferenzen nach Kyoto, die Implementierung von Kontrollmechanismen und den Übergang zu neuen Prinzipien wie dem "Bottom-up"-Ansatz.
4. Fazit: Eine kritische Bilanz der Effektivität des Klimaregimes, die sowohl Erfolge bei der Normbildung als auch die Ineffizienz durch Bremserstaaten und den Rückzug von Akteuren thematisiert.
Schlüsselwörter
Klimaschutzregime, Regimetheorie, Robert O. Keohane, Klimawandel, Kyoto-Protokoll, Internationale Kooperation, Treibhausgase, UNFCCC, IPCC, Klimakonferenzen, Umweltpolitik, Emissionsreduktion, Annex-B-Staaten, Institutionen, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit internationaler Regime als Steuerungsinstrumente zur Bewältigung globaler Umweltprobleme, mit einem spezifischen Fokus auf dem Klimaschutzregime.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Regimetheorie, die Genese von Umweltabkommen, die Interessenkonflikte zwischen verschiedenen staatlichen Akteuren sowie die historische Entwicklung klimapolitischer Verhandlungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit das Klimaschutzregime erfolgreich dazu beitragen kann, das Problem der globalen Klimaerwärmung zu lösen, und welche Faktoren diesen Erfolg beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse unter Anwendung der Regimetheorie nach Keohane und einer systematischen Betrachtung der Entwicklung internationaler Klimaverträge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen, die Entstehung des Klimaregimes, die Verhandlungen über die Rahmenkonventionen, das Kyoto-Protokoll sowie die Entwicklung der Klimakonferenzen bis 2014 detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Klimaschutzregime, Regimetheorie, Kyoto-Protokoll, Emissionsreduktion, internationale Kooperation und Klimakonferenzen.
Welche Rolle spielen die sogenannten "Bremserstaaten"?
Bremserstaaten, wie beispielsweise die OPEC-Staaten oder zeitweise die USA, erschweren durch ihre starke Verhandlungsposition die Etablierung verbindlicher und ehrgeiziger Klimaschutzziele.
Wie bewertet der Autor die Effektivität des Kyoto-Protokolls?
Der Autor konstatiert eine begrenzte Effektivität; zwar konnten Prinzipien und Normen etabliert werden, doch die Ineffizienz aufgrund von Bremsernationen und dem Ausstieg wichtiger Akteure bleibt eine zentrale Herausforderung.
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- Tobias Duff (Author), 2018, Inwieweit kann das Klimaschutzregime dazu beitragen, das Problem der Klimaerwärmung zu lösen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461286