James Foley, Ali al-Sayyed, David Haines wurden enthauptet, Fadi Ammar Zidan wurde von einem Panzer überfahren und Muaz al-Kasaesbe wurde bei lebendigem Leibe verbrannt. Dies ist nur eine kurze Auswahl einer langen Liste von Hinrichtungen. All diese haben zwei Dinge gemeinsam. Erstens wurden sie alle von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) verübt, zweitens wurden die Videos der Hinrichtungen vom IS ins Internet gestellt und erhielten eine immense Resonanz. Die Intention hinter diesen Videos sind nicht die Morde an sich. Es geht darum, Botschaften zu transportieren.
Das Video der Hinrichtung James Foleys wurde unter dem Titel „A Message to America.“ am 19. August 2014 ins Internet gestellt. In diesem Video sieht man Foley in einem orangenen Overall, welcher in einem Statement der amerikanischen Regierung die Schuld für seinen Tod gibt. Anschließend wird Foley von einem IS-Kämpfer die Kehle durchgeschnitten. Es kommt zu einem Kameraschnitt, bevor Blut zu sehen ist. In der folgenden Szene sieht man Foleys Kopf auf seinem Körper gelegt. Am Ende wird eine weitere Geisel, Steven Sotloff, mit den Worten „The life of this American citizen, Obama, depends on your next decision“ in die Kamera gerückt.
Das Video wurde professionell gefilmt und aufbereitet. Der Mord an James Foley sowie die Morde an den anderen genannten Personen übertragen eine Nachricht sowohl an die Unterstützer als auch an die Gegner. Die mediale Inszenierung ist für die weltweite Aufmerksamkeit, was das eigentliche Ziel des „Islamischen Staates“ ist, unabdinglich.Der IS veröffentlicht jedoch nicht nur Gewaltvideos um Aufmerksamkeit zu gewinnen und Kämpfer zu rekrutieren. Es existieren hochwertig produzierte Propagandavideos, die ein friedvolles Leben des „Islamischen Staates“ darstellen sollen. Diese zeigen auf, welches Leben die Angehörigen des „IS“ erwarten können, sobald sie über ihre Feinde triumphieren. Insbesondere die sozialen Medien stellen in diesem Zusammenhang eine wichtige Anknüpfstelle dar, um Ansichten, Überzeugungen und Botschaften zu vermitteln.
Im Folgenden werden die Begriffe (soziale) Medien und Terrorismus definiert. Anschließend wird detaillierter auf die Beziehung zwischen sozialen Medien und Terrorismus eingegangen. Im Anschluss werden die Entwicklung und Ausbreitung sowie die Absichten des „Islamischen Staates“ dargestellt. Dabei wird genauer betrachtet, welchen Einfluss, welche Chancen soziale Medien auf diese Punkte haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Beziehung zwischen sozialen Medien und Terrorismus
3. Der „Islamische Staat“ (IS)
3.1. Entwicklung und Ausbreitung des „Islamischen Staates“
3.2. Mediale Kommunikation des „Islamischen Staates“
3.2.1. Kommunikationsstragien des IS
3.2.2. Die Medienkommission des „Islamischen Staates“
3.2.3. Der IS und die Nutzung der sozialen Medien
3.2.4. Ambivalenz in der Nutzung sozialer Medien
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die strategische Nutzung von sozialen Medien durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), um deren Chancen für Propaganda und Rekrutierung sowie die damit verbundenen Risiken für die Organisation zu analysieren.
- Einfluss sozialer Medien auf die globale Kommunikation terroristischer Organisationen
- Entwicklungsgeschichte und mediale Strategien des „Islamischen Staates“
- Mechanismen der Radikalisierung und Rekrutierung im Internet
- Risiken der digitalen Präsenz (Überwachung und Gegenpropaganda)
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Kommunikationsstrategien des IS
Durch die inszenierte Exekution James Foleys oder die Verbrennung Muaz al-Kasaesbe versuchen die Terroristen eine möglichst große Masse an Menschen anzusprechen. Die Organisation erhält im Osten wie auch im Westen (Europa und USA), durch die vielen verschiedenen Feindesgruppen an denen die Morde verübt werden, ein weites Medienecho. Die Terrorakte dienen daher in den allermeisten Fällen nicht den Betroffenen selbst, sondern einem weitaus breiteren Publikum. Es sind besonders „Anschläge, Ermordungen, Entführungen und andere Gewalttaten“15 die für die Kommunikation und Rekrutierung genutzt werden.
Es werden nicht nur Sympathisanten, sondern auch die Feinde angesprochen. Ein besonderes Augenmerk setzt der IS dabei auf den Westen. Anschläge in großen Städten und die Videobotschaften an diese Länder sollen dazu beitragen, zu provozieren und ihre Verletzlichkeit aufzuzeigen. Mehr noch geht es darum, den Westen und die muslimische Welt zu spalten.16
Noch deutlicher wird dies bei der Inszenierung der Hinrichtung Muaz al-Kasasbehs. Ein hochprofessionelles Video zeichnete den Überlebenskampf des verbrannten Piloten in verschiedenen Kameraeinstellungen und mit aufwendiger Nachbearbeitung auf. Nach dessen Veröffentlichung im Internet wurde das Video vielfach geteilt und erst nachfolgend von den klassischen Medien aufgenommen und weiter verbreitet.17
Die kommunikativen Ziele, welche mit den verschiedenen Gewaltvideos erreicht werden sollen, dienen der Erzeugung von Angst und Schrecken auf der Seite der Feinde. Darüberhinaus sollen insbesondere durch die Anschläge in den westlichen Ländern Vergeltungsmaßnahmen ausgelöst werden, wodurch es die Absicht ist eine aktive Unterstützung im Kampf gegen die Feinde zu reaktiviert.18
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema anhand der medienwirksamen Inszenierung von Hinrichtungen durch den IS als Kommunikationsinstrument.
2. Die Beziehung zwischen sozialen Medien und Terrorismus: Definition der verwendeten Begriffe und Analyse des Potenzials sozialer Medien als Werkzeug für terroristische Organisationen.
3. Der „Islamische Staat“ (IS): Historischer Abriss zur Entstehung des IS und detaillierte Untersuchung seiner professionellen Medienstrategie.
3.1. Entwicklung und Ausbreitung des „Islamischen Staates“: Darstellung der historischen Wurzeln und der geografischen Expansion der Organisation.
3.2. Mediale Kommunikation des „Islamischen Staates“: Analyse der grundlegenden Strategien, wie der IS mediale Räume zur Botschaftsverbreitung nutzt.
3.2.1. Kommunikationsstragien des IS: Betrachtung der Ziele hinter Gewaltvideos zur Erzeugung von Angst und zur Spaltung der Gesellschaft.
3.2.2. Die Medienkommission des „Islamischen Staates“: Einblick in die interne Organisationsstruktur, die für die professionelle Propagandaarbeit verantwortlich ist.
3.2.3. Der IS und die Nutzung der sozialen Medien: Diskussion der konkreten Nutzung von Plattformen wie Twitter zur weltweiten Rekrutierung und Kommunikation.
3.2.4. Ambivalenz in der Nutzung sozialer Medien: Bewertung der Risiken für den IS, wie etwa durch Überwachung durch Sicherheitsbehörden oder Gegenmaßnahmen von Hackern.
4. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass soziale Medien ein essentielles, wenn auch riskantes Instrument für den IS darstellen.
Schlüsselwörter
Islamischer Staat, Terrorismus, soziale Medien, Propaganda, Rekrutierung, Radikalisierung, Medienkommission, Online-Kommunikation, Twitter, Gewaltvideos, digitale Strategie, Internetnutzung, Gegenpropaganda, Cyber-Sicherheit, internationale Sicherheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie die Terrororganisation „Islamischer Staat“ soziale Medien als zentrales Kommunikations- und Propagandamittel einsetzt, um Anhänger zu rekrutieren und weltweite Aufmerksamkeit zu erzielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die mediale Inszenierung von Gewalt, die Organisationsstruktur der IS-Medienabteilung, die Mechanismen der digitalen Radikalisierung sowie die verwundbaren Punkte in der Internetnutzung der Terrorgruppe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, welche spezifischen Chancen sich für den IS durch soziale Medien bieten und welche Risiken – etwa durch Enttarnung oder Hacking – die Organisation dabei eingeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von Studien und Berichten zur Internetnutzung und Kommunikationsstrategie terroristischer Organisationen.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Fokus liegt auf der internen Struktur der Medienkommission des IS, der konkreten Nutzung von Plattformen wie Twitter und der ambivalenten Rolle des Internets, das einerseits zur Rekrutierung dient, andererseits Sicherheitsrisiken birgt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Islamischer Staat, Terrorismus, soziale Medien, Propaganda, Rekrutierung, Radikalisierung und digitale Gegenstrategien.
Wie reagieren Sicherheitsbehörden auf die Online-Präsenz des IS?
Die Arbeit beschreibt, dass Staaten und Online-Plattformen zunehmend Accounts deaktivieren und Informationen löschen, um die Reichweite der Propaganda zu begrenzen und Rückschlüsse auf Kämpfer zu ziehen.
Welche Rolle spielt die „Medienkommission“ innerhalb des IS?
Sie fungiert als zentral gesteuerte Abteilung, die hochqualitative Propaganda produziert, in verschiedenen Sprachen kommuniziert und als Ansprechpartner für internationale Akteure dient.
Warum wird Twitter im Dokument besonders hervorgehoben?
Twitter galt lange Zeit als eine der wichtigsten Plattformen für den IS, um Nachrichten zu verbreiten, Kampagnen zu starten und über Hashtags eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.
Was bedeutet das im Fazit genannte „Dilemma“ für den IS?
Der IS ist auf das Internet für seine Propaganda angewiesen, macht sich jedoch durch die unüberlegte Preisgabe von Informationen oder die Identifizierbarkeit von Profilen angreifbar für Geheimdienste und Hackergruppen.
- Quote paper
- Tobias Duff (Author), 2018, Welche Chancen und Risiken ergeben sich für den internationalen Terrorismus durch die Nutzung von sozialen Medien?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461288