Welche Chancen und Risiken ergeben sich für den internationalen Terrorismus durch die Nutzung von sozialen Medien?

Am Beispiel der Internetpräsenz des "Islamischen Staates"


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Beziehung zwischen sozialen Medien und Terrorismus

3. Der „Islamische Staat“ (IS)
3.1. Entwicklung und Ausbreitung des „Islamischen Staates“
3.2. Mediale Kommunikation des „Islamischen Staates“
3.2.1. Kommunikationsstragien des IS
3.2.2. Die Medienkommission des „Islamischen Staates“
3.2.3. Der IS und die Nutzung der sozialen Medien
3.2.4. Ambivalenz in der Nutzung sozialer Medien

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

James Foley, Ali al-Sayyed, David Haines wurden enthauptet, Fadi Ammar Zidan wurde von einem Panzer überfahren und Muaz al-Kasaesbe wurde bei lebendigem Leibe verbrannt. Dies ist nur eine kurze Auswahl einer langen Liste von Hinrichtungen. All diese haben zwei Dinge gemeinsam. Erstens wurden sie alle von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) verübt, zweitens wurden die Videos der Hinrichtungen vom IS ins Internet gestellt und erhielten eine immense Resonanz. Die Intention hinter diesen Videos sind nicht die Morde an sich. Es geht darum, Botschaften zu transportieren.

Das Video der Hinrichtung James Foleys wurde unter dem Titel „A Message to America.“ am 19. August 2014 ins Internet gestellt.

In diesem Video sieht man Foley in einem orangenen Overall, welcher in einem Statement der amerikanischen Regierung die Schuld für seinen Tod gibt. Anschließend wird Foley von einem IS-Kämpfer die Kehle durchgeschnitten. Es kommt zu einem Kameraschnitt, bevor Blut zu sehen ist. In der folgenden Szene sieht man Foleys Kopf auf seinem Körper gelegt. Am Ende wird eine weitere Geisel, Steven Sotloff, mit den Worten „The life of this American citizen, Obama, depends on your next decision“ in die Kamera gerückt.1

Das Video wurde professionell gefilmt und aufbereitet.

Der Mord an James Foley sowie die Morde an den anderen genannten Personen übertragen eine Nachricht sowohl an die Unterstützer als auch an die Gegner. Die mediale Inszenierung ist für die weltweite Aufmerksamkeit, was das eigentliche Ziel des „Islamischen Staates“ ist, unabdinglich.

Der IS veröffentlicht jedoch nicht nur Gewaltvideos um Aufmerksamkeit zu gewinnen und Kämpfer zu rekrutieren. Es existieren hochwertig produzierte Propagandavideos, die ein friedvolles Leben des „Islamischen Staates“ darstellen sollen. Diese zeigen auf, welches Leben die Angehörigen des „IS“ erwarten können, sobald sie über ihre Feinde triumphieren.

Insbesondere die sozialen Medien stellen in diesem Zusammenhang eine wichtige Anknüpfstelle dar, um Ansichten, Überzeugungen und Botschaften zu vermitteln.

Im Folgenden werden die Begriffe (soziale) Medien und Terrorismus definiert. Anschließend wird detaillierter auf die Beziehung zwischen sozialen Medien und Terrorismus eingegangen. Im Anschluss werden die Entwicklung und Ausbreitung sowie die Absichten des „Islamischen Staates“ dargestellt. Dabei wird genauer betrachtet, welchen Einfluss, welche Chancen soziale Medien auf diese Punkte haben. Im letzten Kapitel werden mediale Gegenstrategien zum Terrorismus aufgezeigt, bevor schließlich ein Fazit zu meiner Fragestellung gezogen wird.

2. Die Beziehung zwischen sozialen Medien und Terrorismus

Soziale Medien, bzw. (englisch: „social media“) bezeichnen jegliche Art von Netzwerken oder Technologien, durch welche online kommuniziert werden kann. Laut des Dudens wird der Begriff „Social Media“ als „Gesamtheit der digitalen Technologien und Medien wie Weblogs, Wikis, soziale Netzwerke u.Ä., über die Nutzerinnen und Nutzer miteinander kommunizieren und Inhalte austauschen können“2 definiert.

Zu den bekanntesten Foren, in welchen digitale Kommunikation stattfindet, gehören Portale wie Facebook oder Twitter. Neben solchen Webseiten können unter anderem auch Blogs, Apps oder Webseiten wie Wikipedia zu den sozialen Medien gezählt werden.

Das Ziel, welches alle unterschiedlichen sozialen Medien gemeinsam haben, ist die Kommunikation sowie die Herstellung und Austausch von „User-Generated Content“.3

Für den Begriff Terrorismus existiert keine allgemein akzeptierte Definition. Dennoch gibt es heutzutage einen Konsens über gewisse Eigenschaften, welche erfüllt sein müssen, um von Terrorismus sprechen zu können.

Dazu zählt zum einen die Anwendung physischer Gewalt. Jedoch geht es nicht um die Zerstörungsabsicht an sich, sondern darum, mit Hilfe von Gewaltanwendungen Botschaften und Angst zu verbreiten und damit große Aufmerksamkeit zu erregen.4

Die Bundeszentrale für Politische Bildung benennt überdies noch einige weitere Eigenschaften, welche eine terroristische Gruppierung als solche definieren. Dazu gehört, dass sie weder staatlich legitimiert, noch im Besitz staatlicher Macht ist. Zudem ist eine terroristische Gruppierung entweder politisch, ideologisch oder religiös motiviert und verfolgt eigens definierte Ziele.

Die Gliederung ist oftmals hierarchisch und besitzt funktionale Ausprägungen (z.B. Medienabteilung, Vorbereitung von Anschlägen).

Weiterhin haben terroristische Gruppen gemein, dass sie mindestens einen selbstdefinierten Gegner besitzen und auf verschiedene Finanzierungsquellen zurückgreifen können. Zu guter Letzt existiert eine Unterstützer- und/ oder Sympathisantenszene, welche auf verschiedenen Wegen durch die Gruppierung angesprochen werden soll.5

Wie bereits angedeutet, wollen Terroristen durch Anschläge und anderen Taten Botschaften verbreiten, Angst verursachen oder Aufmerksamkeit erregen. Kurz gesagt: sie wollen kommunizieren.

Durch diese Vorgehensweise beabsichtigen terroristische Gruppierungen auf der einen Seite der Bevölkerung von angegriffenen Staaten das Gefühl zu geben, dass diese nicht mehr durch den Staat ausreichend geschützt werden können. Auf der anderen Seite sollen durch die terroristischen Taten die eigenen Sympathisanten und Unterstützer angesprochen werden und sich der Organisation mit ihren politischen Zielen anschließen.6

Trotzallem existiert kein allgemeingültiger Begriff des Terrorismus‘. Aufgrund der Fragestellung wird daher auf eine bestimmte Art des Terrorismus‘, den religiös/fundamentalistischen Terrorismus eingegangen. In diesem Zusammenhang ist es insbesondere der islamistische Terrorismus, welcher spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center im September 2001, die Hauptaufmerksamkeit auf sich zieht.

Bei dieser Art werden die weltweite Modernisierung und Säkularisierung abgelehnt und es wird eine Gesellschaft gefordert, welche sich auf religiöse Grundlagen stützt. Einhergehend damit ist ein totalitärer Anspruch, der durch Gewalt herbeigeführt werden soll.7

Doch wo besteht nun eine spezielle Beziehung zwischen Terrorismus und sozialen Medien?

Der deutsche Politikwissenschaftler Peter Neumann hat die Prämisse aufgestellt, dass terroristische Gruppierungen bei der Auswahl nach unterschiedlichen Methoden rational vorgehen und auf Basis einer Kosten-Nutzen-Abwägung entscheiden. Aus diesem Grund müssten die sozialen Medien (umgangssprachlich auch Web 2.0) im Vergleich zu klassischen Medien ein dementsprechendes Übergewicht zugunsten des Nutzens aufweisen.8 Mit dem Internet haben die Terroristen erstmals die Möglichkeit, unabhängig von klassischen Mainstream-Medien, eigene Videos und Botschaften weltweit zu verbreiten. Mit etwa 3,58 Milliarden Nutzern9 (2017) ist das Internet das weltweit größte Kommunikationsnetzwerk. Daher ist es insbesondere das Mobilisierungspotential, welches durch soziale Medien erhöht werden kann.10

3. Der „Islamische Staat“ (IS)

3.1. Entwicklung und Ausbreitung des „Islamischen Staates“

Der „Islamische Staat“ ist eine radikale islamistische Gruppierung, welche im Nahen Osten (u.a. Syrien und Irak) tätig ist und besonders dort versucht einen Staat nach religiösen Regeln aufzubauen.

Die Anfänge des „Islamische Staates“ sind auf das Jahr 2004 zu datieren, in welchem Abu Musa al-Zarqawi die Gruppe „Al-Quaeda im Irak“ (AQI) gründete. Sie ist eine Reaktion auf den Irakkrieg der Amerikaner.

Der Zusammenhang mit der Terrororganisation „Al-Qaeda“ ist eindeutig. Der AQI unterstellte sich eben dieser und versicherte dem Führer, Osama bin Laden, die Zustimmung.11

Nach dem Tod al-Zarqawis im Jahre 2006 wurde 2010 mit Abu Bakr Al-Bagdadi ein neuer Anführer an der Spitze der Organisation etabliert. Abu Bakr gründete in der Folge die Organisation „Islamischer Staat für Irak“ (ISI), welchem sich alle sunnitischen Terrorgruppierungen unterordnen konnten. Im Anschluss an die Expansion nach Syrien erweiterte sich das Einflussgebiet, wodurch der „Islamische Staat“ ein größeres, zusammenhängendes Territorium in seine Gewalt brachte.

[...]


1 Vgl. Stern, Jessica; Berger, J.M.: ISIS. The State of Terror, HarperCollins Publishers: New York 2015: S.120f.

2 „Social Media“ auf Duden online. URL: https://www.duden.de/rechtschreibung/Social_Media (Abrufdatum: 04.10.2018).

3 Gabriel, Roland/ Röhrs, Heinz-Peter: Social Media. Potenziale, Trends, Chancen und Risiken, Springer Gabler: Wiesbaden 2017, S.15.

4 Vgl. Weinhauer, Klaus/ Requate, Jörg: Gewalt ohne Ausweg? Terrorismus als Kommunikationsprozess in Europa seit dem 19. Jahrhundert, Campus Verlag: Frankfurt 2012, S.11.

5 Vgl. Elter, Andreas: Die Definition von Terrorismus. URL: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/geschichte-der-raf/49218/definition-von-terrorismus?p=1 (Abrufdatum: 04.10.2018).

6 Vgl. Weissermel, Philip: Terrorismus als Kommunikationsstrategie. Ein Vergleich der Roten Armee Fraktion und des Islamischen Staates, Tectum Verlag: Baden-Baden 2017: S.35.

7 Vgl. Ebd. S.33.

8 Vgl. Theine, Simon: Die Rekrutierungsstrategie des IS. Welcher Inhalte und Techniken sich der Islamische Staat im Internet bedient, Tectum Verlag: Baden-Baden 2016: S.83.

9 Vgl. Statistiken zur Internetnutzung weltweit. URL: https://de.statista.com/themen/42/internet/ (Abrufdatum: 05.10.2018)

10 [10] Vgl. Theine, Simon: Die Rekrutierungsstrategie des IS. Welcher Inhalte und Techniken sich der Islamische Staat im Internet bedient, S.83.

11 Vgl. Deutscher Bundestag (2016): Der „Islamische Staat“ und die mit ihm verbundenen Gruppierungen weltweit. URL: https://www.bundestag.de/blob/412790/92752bde0cfa3547edc46d9d6505aca1/wd-2-005-16-pdf-data.pdf, S.4. (Abrufdatum: 06.10.2018).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Welche Chancen und Risiken ergeben sich für den internationalen Terrorismus durch die Nutzung von sozialen Medien?
Untertitel
Am Beispiel der Internetpräsenz des "Islamischen Staates"
Veranstaltung
Seminar
Note
2,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V461288
ISBN (eBook)
9783668908925
ISBN (Buch)
9783668908932
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IS, Islamsicher Staat, soziale Medien, Medien, soziale, Terrorismus, Chancen, Risiken, Internet
Arbeit zitieren
Tobias Duff (Autor), 2018, Welche Chancen und Risiken ergeben sich für den internationalen Terrorismus durch die Nutzung von sozialen Medien?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461288

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