Aufgrund des 200. Todestages Friedrich Schillers am 9. Mai wurde dieses Jahr 2005 als Schillerjahr deklariert. Neben den Feierlichkeiten in ganz Deutschland und vor allem in Weimar, erschienen zahlreiche Neuauflagen seiner Werke, sowie Monographien, die Schiller in einen aktuellen Zeitbezug stellen und die Aktualität des Dichters betonen. Auch das Fernsehen lieferte zahlreiche Beiträge zum Leben und Schaffen des Dichters. In vielen dieser Dokumentationen war ein Bildnis immer wieder zu sehen: das 1857 von Ernst Rietschel fertig gestellte Doppelstandbild von Schiller und seinem Dichterkollegen und Freund Goethe auf dem Weimarer Theatervorplatz. Neben der Schillerbüste von Dannecker und den Goethebüsten von Rauch und Schadow, ist Rietschels Doppelstandbild wohl die prominenteste Darstellung der beiden Dichter in der bildenden Kunst.
Schon kurz nach der Aufstellung der Plastik und der Aufsehen erregenden Enthüllungsfeier, wurde von einem Nationaldenkmal gesprochen. In der vorliegenden Seminararbeit soll vor allem der Frage nachgegangen werden, ob bzw. inwiefern es sich bei dem Goethe-Schiller-Denkmal um ein Nationaldenkmal handelt. Zunächst soll jedoch auf das Dichterdenkmal, seine Tradition und Bedeutung eingegangen werden. Im folgenden wird dann konkret auf die beiden bedeutendsten Einzeldarstellungen von Goethe- bzw. Schiller eingegangen. Im Hauptteil richtet sich der Fokus schließlich auf das Doppelstandbild Rietschels, bzw. auf die Entwürfe seines Lehrers Rauch, der den Auftrag zuerst erhielt und ihn dann an seinen Schüler abtrat. All dies ist in der Literatur gut dokumentiert und zeigt die Forderungen auf, die an das Werk von den verschiedenen Förderern gestellt wurden. Auch die Enthüllungsfeier, die zeitgenössische Kritik und die Wirkung des Denkmals auf die Nachwelt geben uns Aufschluss über die Bedeutung des Denkmals für die Nationalbewegung dieser Zeit. Was erwarteten die Zeitgenossen von den Denkmal und inwieweit entsprach es den Forderungen des Volkes? Schließlich soll untersucht werden, ob es sich bei dem Weimarer Doppelstandbildnis um ein Nationaldenkmal handelt oder was im 19. Jahrhundert unter einem Nationaldenkmal zu verstehen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Dichterdenkmal
2.1. Die Vorläufer: Goethe- und Schillerdenkmäler
3. Der Auftrag für ein Doppelstandbild
3.1. Der Entwurf von Christian Daniel Rauch
3.2. Ernst Rietschels Entwurf des Goethe-Schiller- Denkmals
4. Das Goethe-Schiller-Denkmal
4. 1 Die Porträtvorbilder
5. Die Enthüllungsfeier
5.1. Kritik und Würdigung
5.2 Das Dichterstandbild als Nationaldenkmal?
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht das von Ernst Rietschel 1857 geschaffene Goethe-Schiller-Doppelstandbild in Weimar mit dem primären Ziel zu klären, inwiefern es sich hierbei um ein Nationaldenkmal handelt und wie das Verständnis eines solchen im 19. Jahrhundert definiert war.
- Tradition und Entwicklung des Dichterdenkmals
- Die Entstehungsgeschichte des Doppelstandbildes (Auftrag, Entwürfe, Modellierung)
- Die Bedeutung der Enthüllungsfeier und die zeitgenössische Rezeption
- Das Verhältnis von Kunst, Kulturpolitik und nationaler Identitätsstiftung
- Die ikonographische Charakterisierung der beiden Dichter durch den Bildhauer
Auszug aus dem Buch
3.2. Ernst Rietschels Doppelstandbild
Nach Rauchs Absage im April 1852 erklärte sich Carl Alexander damit einverstanden den Auftrag an Rauchs bedeutendsten Schüler Rietschel zu übergeben. Schließlich hatte dieser schon zwei einzelne Sitzfiguren der beiden Dichter für den Haupteingang der Semper-Oper geschaffen. Rietschel freute sich einerseits sehr über die Auftragsvergabe, jedoch wollte er andererseits nicht mit seinem Freund und Lehrer Rauch in Konkurrenz treten. Erst als dieser ihn bat die Aufgabe zu übernehmen, auch weil er verhindern wollte, dass der Münchner Bildhauer Ludwig Schwanthaler den Auftrag erhielt, akzeptierte Rietschel den Auftrag. Das Komitee erließ einen Spendenaufruf und schrieb die größten Theater Deutschlands an, mit der Bitte Benefizvorstellungen zu veranstalten.Gegen Ende des Jahres 1852 begann Rietschel sich mit dem Entwurf der Dichtergruppe zu beschäftigen, indem er Zeichnungen von zwei befreundeten Schauspielern, die ihm im Zeitkostüm Modell standen, anfertigte. Anfang Januar 1853 schickte Rietschel ein fertig gestelltes Bozzetto nach Weimar und München zur öffentlichen Aufstellung. Insgesamt wurde dieses sehr positiv aufgefasst, jedoch gab es in beiden Städten verschiedene Kritikpunkte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Anlässe und die kunsthistorische Bedeutung des Goethe-Schiller-Doppelstandbilds ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach dessen Status als Nationaldenkmal.
2. Das Dichterdenkmal: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung von Fürstendenkmälern hin zur Ehrung bürgerlicher Geistesgrößen und Dichter seit der Aufklärung.
3. Der Auftrag für ein Doppelstandbild: Hier wird der Prozess der Auftragsvergabe an Christian Daniel Rauch und dessen anschließende Weitergabe an Ernst Rietschel detailliert dargestellt.
4. Das Goethe-Schiller-Denkmal: Das Kapitel analysiert die künstlerische Gestaltung, die Symbolik des Werks sowie die zugrunde liegenden Porträtvorbilder für die Dichterfiguren.
5. Die Enthüllungsfeier: Dieser Abschnitt thematisiert die feierliche Einweihung 1857, die zeitgenössische Kritik, die gesellschaftliche Wahrnehmung sowie die Frage der Einordnung als Nationaldenkmal.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese über die Bedeutung des Denkmals für das Klassikerbild und dessen Rolle als Identifikationssymbol im Spannungsfeld zwischen Kultur und Nation.
Schlüsselwörter
Goethe-Schiller-Denkmal, Ernst Rietschel, Weimarer Klassik, Nationaldenkmal, Dichterdenkmal, Kunstgeschichte, Christian Daniel Rauch, Identitätsstiftung, Denkmalrezeption, Bildhauerei, 19. Jahrhundert, Patriotismus, Kulturnation, Kulturpolitik, Denkmalkult.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, Gestaltung und Bedeutung des Goethe-Schiller-Doppelstandbilds in Weimar und analysiert dessen Rolle als potenzielles deutsches Nationaldenkmal im 19. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Dichterverehrung, die kunsthistorischen Entwurfsprozesse, die kulturpolitischen Ambitionen der Weimarer Auftraggeber sowie die öffentliche Wahrnehmung des Denkmals.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob das Goethe-Schiller-Denkmal im Kontext der damaligen Zeit als Nationaldenkmal zu verstehen ist und welche Aspekte der nationalen Identitätsstiftung es transportiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Untersuchung, die auf der Analyse von zeitgenössischen Dokumenten, Korrespondenzen, Presseberichten und der detaillierten Betrachtung des Skulpturenwerks basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem konkreten Auftrag für das Standbild, den unterschiedlichen Entwürfen von Rauch und Rietschel, der ikonographischen Analyse der Statuen sowie der feierlichen Einweihung und deren Echo.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Goethe-Schiller-Denkmal, Nationaldenkmal, Weimarer Klassik, Identitätsstiftung und Denkmalkult umschreiben.
Warum wurde der Auftrag von Christian Daniel Rauch an Ernst Rietschel weitergegeben?
Rauch lehnte die Ausführung letztlich ab, da ihm die autokratischen Bedingungen von König Ludwig I. von Bayern, insbesondere die Forderung nach einem Guss in München, missfielen, und er empfahl daraufhin seinen Schüler Rietschel.
Welchen Stellenwert nimmt die "Kostümfrage" in der Analyse ein?
Die Kostümfrage war ein zentrales Element der damaligen Debatte: Die Entscheidung für historische Kleidung versus antike Idealisierung sollte die Dichter als bürgerliche Vorbilder charakterisieren und vom feudalen Fürsten-Denkmalsstil abheben.
- Arbeit zitieren
- Ilka Dischereit (Autor:in), 2005, Das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar. Ein Nationaldenkmal?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46132