Unter den Bändern, die Nationen verbinden, ist die Musik sicher eines der stärksten. Das gilt auch für Argentinien und Deutschland. Freunde klassischer Musik in Argentinien beschäftigen sich häufig auch mit dem Heimatland von Beethoven, Bach und Co., Tangoanhänger fühlen sich meistens auch Argentinien verbunden. Hinzu kommen die vielen Komponisten, Musiker, Instrumentenbauer etc., die, wie Heinrich Band, Mauricio Kagel oder Die Toten Hosen, entweder in beiden Musikkulturen Bedeutung erlangt haben oder durch ihre Aktivitäten daran beteiligt waren, das musikalische Band zwischen den beiden Ländern zu knüpfen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Musikalische Einbahnstraße
Tangomelancholie aus Deutschland
Studieren in Deutschland
20. Jahrhundert bis heute
Argentinien in Deutschland
Tangoboom in den 1920ern und 1980ern
Argentinien im Schlager/ Lied
Unter den Pinien von Argentinien
Argentinisches Intermezzo
Buenos Dias Argentina!
Diego Paz wohr nüngzehn
Kunstmusik: Die Argentinien-Köln-Connection
Jazz
Pop- und Rockmusik, Folklore
Deutschland in Argentinien
Flucht vor den Nazis
Geschwächtes Deutschtum
Aktuelle Musik aus Deutschland
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen musikalischen Wechselwirkungen und kulturellen Austauschprozesse zwischen Argentinien und Deutschland über mehrere Jahrhunderte hinweg, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle des Tangos und die Einflüsse emigrierter sowie reisender Musiker.
- Historische Entwicklung der musikalischen Beziehungen von der Kolonialzeit bis heute.
- Die Bedeutung des deutschen Instrumentenbaus für die Entstehung und Entwicklung des Tangos.
- Der Einfluss von Emigration und Exil auf den Musiktransfer zwischen beiden Ländern.
- Die Rezeption argentinischer Musik im deutschen Schlager und der Popkultur.
- Der institutionelle Austausch durch Kulturvereine, Musikhochschulen und Festivals.
Auszug aus dem Buch
Tangomelancholie aus Deutschland
Der Tango, der wohl um 1880 in den Vorstädten von Buenos Aires entstand, erhielt seinen melancholischen Charakter erst durch ein deutsches Instrument, das Bandonion (alte deutsche Schreibweise), "ein derart germanisches Instrument [...] um den Kummer der Menschen vom Río de la Plata zu besingen", so der Schriftsteller Ernesto Sábato (Birkenstock, Rüegg: 72). Das Bandoneón ist ein wechseltöniges Instrument, dessen Tonumfang fast fünf Oktaven umfasst. Mit der linken Hand werden celloartige Bässe gespielt, mit der rechten hohe Töne wie von einer Klarinette. In der mittleren Lage überschneiden sich die beiden Seiten in einer Oktave. Das Urinstrument, die Konzertina, stammt aus dem Erzgebirge, wo sie etwa ab 1835 zum ersten Mal gebaut wurde. Die "Carlsfelder Konzertina" von Carl Friedrich Zimmermann aus dem Jahr 1851 besaß noch einen sehr geringen Tonumfang. Der Musikalienhändler Heinrich Band aus Krefeld entwickelte sie ab 1856 weiter und benannte sie zur Unterscheidung zu vielen anderen Modellen nach sich selbst. Sein Instrument wurde bekannt als "Bandonion rheinischer Tonlage", mit 142 Tönen, das sich später in Argentinien als Standard etablierte, während die Deutschen sich auf das Einheitsbandonion mit 144 Tönen festlegten. Das Bandonion wurde als "Klavier der kleinen Leute" vor allem unter Bergleuten sehr populär, war es doch ohne Notenkenntnisse zu spielen. Der erste Bandonionverein gründete sich 1874 in Chemnitz.
Und während es in Deutschland mit der Machtergreifung der Nazis nahezu verschwand, da diese die Bandonionvereine verboten, trat es am Río de La Plata ab etwa 1870 seinen bis heute andauernden Siegeszug an. Wie es dort hingelangte – mit Matrosen oder Einwanderern -, ist bis heute Gegenstand von Legenden, aber nicht geklärt. Das Bandoneón entwickelte sich nicht nur zum wichtigsten Instrument des Tango, sondern wurde auch oft selbst besungen (Birkenstock, Rüegg: 74-80). Jorge Weckesser, aus einer Wolgadeutschen-Familie stammend, gründete in Buenos Aires die erste Bandoneon-Werkstatt. Noch heute betreiben die Weckessers, mittlerweile in der dritten Generation, eine der raren Reparaturstätten für dieses Instrument, dessen treibender Sound mittelbar von Deutschen beseelt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die kulturelle Verbundenheit zwischen Argentinien und Deutschland und stellt die zentrale Rolle der Musik als verbindendes Element dar.
Musikalische Einbahnstraße: Beschreibt die frühen musikalischen Beziehungen, insbesondere die Arbeit der Jesuitenmissionare und das Aufkommen deutscher Musikvereine in Argentinien.
Tangomelancholie aus Deutschland: Analysiert die historische Genese und Bedeutung des Bandonions als deutsches Instrument für die Entwicklung des argentinischen Tangos.
Studieren in Deutschland: Beleuchtet die Bildungswege argentinischer Musiker im 19. Jahrhundert und deren Einfluss auf die argentinische Musikszene.
20. Jahrhundert bis heute: Untersucht die Verbreitung des Tangos in Deutschland, die Rolle des Schlagers sowie aktuelle künstlerische Entwicklungen und den Einfluss von Rockmusik.
Deutschland in Argentinien: Betrachtet die deutsche Gemeinde in Argentinien, ihr eigenes Kulturleben und die Bedeutung des deutschen Liedguts im Exil.
Flucht vor den Nazis: Dokumentiert die Rolle der deutschsprachigen Emigranten für das argentinische Musikleben zwischen 1933 und 1945.
Geschwächtes Deutschtum: Analysiert die Entwicklung der deutschen Kulturvereine und die Integration des Deutschtums in die argentinische Gesellschaft nach 1945.
Aktuelle Musik aus Deutschland: Behandelt moderne kulturelle Austauschprozesse, etwa durch die Rockband Die Toten Hosen und die Berliner DJ-Szene.
Fazit: Resümiert die gegenseitige musikalische Befruchtung und plädiert für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der jeweils anderen Musikkultur.
Schlüsselwörter
Argentinien, Deutschland, Tango, Musikgeschichte, Bandonion, Migration, Exil, Kulturtransfer, Kunstmusik, Schlager, Deutschtum, Musikvereine, Jazz, Rockmusik, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die musikalischen Wechselbeziehungen zwischen Argentinien und Deutschland von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte des Tangos, den Einfluss der deutschen Emigration, die Rolle von Musikvereinen und den Transfer in Genres wie Jazz, Schlager und Rockmusik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die kulturelle Verwobenheit beider Länder anhand ihrer Musikgeschichte aufzuzeigen und die gegenseitige Beeinflussung zu dokumentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kulturhistorischen Analyse und wertet Literatur, Biographien, Vereinschroniken sowie zeitgenössische Quellen aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Phasen, die den Weg vom deutschen Einfluss in Argentinien hin zur späteren Popularität argentinischer Musik in Deutschland nachzeichnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tango, Bandonion, Migration, Exil, Kulturtransfer und deutsch-argentinische Identität charakterisiert.
Warum war das Bandonion für den Tango so wichtig?
Es verlieh dem Tango durch seine spezifische Klangcharakteristik und technische Spielweise erst seinen typischen melancholischen Ausdruck.
Wie wirkte sich die Flucht vor den Nazis auf das Musikleben in Buenos Aires aus?
Emigrierte Musiker fungierten als wichtige Impulsgeber und Innovatoren, die das Musikleben vor Ort modernisierten und die Ausbildung einheimischer Musiker vorantrieben.
Welche Rolle spielen Die Toten Hosen in diesem Kontext?
Die Band dient als Beispiel für den modernen kulturellen Austausch, da sie in Argentinien eine große Fangemeinde hat und die kulturellen Grenzen zwischen den beiden Ländern musikalisch überbrückt.
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- Torsten Eßer (Author), 2010, Jesuiten, Todestango, Tote Hosen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461385